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LEICA „FORTIS 6“:Zurück zu den Wurzeln


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 06.06.2019

Auf der IWA 2019 stellte Leica die neue Zielfernrohrserie „Fortis 6“ vor. Claudia Elbing und Michael Schmid erhielten bereits vorab eines für den ersten ausführlichen Test.


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Foto: Claudia Elbing

Vorsichtig öffneten wir das unscheinbare Paket. Höchste Geheimhaltung hatte uns Leicas Marketingleiter Michael Agel eingeschärft. Was für ein technisches Wunderwerk da wohl drinsteckt? Die Informationslage zuvor war dürftig. Keine technischen Daten, keine Bedienungsanleitung und schon gar keine Preise – ein richtiger Erlkönig. Etwas enttäuscht waren wir dann schon, als wir ein auf den ersten Blick ganz normales ...

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Vorsichtig öffneten wir das unscheinbare Paket. Höchste Geheimhaltung hatte uns Leicas Marketingleiter Michael Agel eingeschärft. Was für ein technisches Wunderwerk da wohl drinsteckt? Die Informationslage zuvor war dürftig. Keine technischen Daten, keine Bedienungsanleitung und schon gar keine Preise – ein richtiger Erlkönig. Etwas enttäuscht waren wir dann schon, als wir ein auf den ersten Blick ganz normales Universalzielfernrohr in Händen hielten. Solide Gebrauchsoptik ohne digitalen Schnick-Schnack – und genau das ist das Besondere an der neuen „Fortis 6“-Serie. Preislich zwischen den „Magnus“-Firmenflaggschiffen und den günstigen „Visus“-Modellen angesiedelt, zeichnen sich die „Fortis“-Gläser durch solide, praktische Ausstattung und hohe Beobachtungsqualität aus. Im Fokus stehen dabei nicht Extremsituationen, sondern der normale Jagdbetrieb im heimischen Revier. Das puristische, an klassischen Vorbildern orientierte Design unterstreicht diesen Anspruch.

Auffälligstes Merkmal dieses Konzepts ist der links am Tubus positionierte Drehregler für das Leuchtabsehen. Spätestens seit der Einführung des Swarovski „Z 6i“ gilt diese Lösung bei vielen als angestaubt und nicht mehr zeitgemäß. Wer im Premiumsektor etwas auf sich hält, verstellt oben auf dem Okular. Hier lässt sich mehr Elektronik unterbringen, und damit kommen sowohl Rechts- als auch Linkshänder gleichermaßen zurecht. Dass durch die zum Verstellen erforderliche, großräumige Handbewegung erhebliche Unruhe in die Schießposition kommt, wird nur allzu gern verschwiegen. Hier punktet das „Fortis“. Zur Bedienung des Drehreglers genügt, zumindest bei Rechtshändern, und das ist ein hoher Prozentsatz der potenziellen Nutzer, eine kurze, intuitive Bewegung der Unterstützungshand nach oben.

Der Drehregler des Leuchtabsehens ist im Anschlag bequem bedienbar – auch mit Handschuhen.


Fotos: Claudia Elbing

Feine Absehenkonturen für den präzisen Schuss.


Seit April 2019 sind die ersten beiden Modelle auf dem Markt. Das Portfolio setzt sich aus dem Drückjagd- und Pirschzielfernrohr „1 – 6 x 24 i“ (1 695 €) und dem Allrounder „2 – 12 x 50 i“ (1 995 €) zusammen. Damit deckt Leica ein breites Spektrum ab. Beide Gläser sind wahlweise mit und ohne Zeiss-Innenschiene erhältlich. Gefertigt wird komplett im Leica-Werk in Famaličao, Portugal. Nur so ist die günstige Preisgestaltung möglich. Die mechanische Konstruktion der „Fortis 6“-Modelle ist auf extreme Haltbarkeit und Strapazierfähigkeit ausgelegt. So wird zum Beispiel bei allen hoch beanspruchten Teilen auf Kunststoff verzichtet.

Das im Januar gelieferte Testglas „2 – 12 x 50 i“ führten wir auf zwei Büchsen in den Kalibern .308 Win. und .30-06 Spr. Montiert wurde mit 30-mm-Ringen. Einfach gestaltete sich das Einschießen des Zielfernrohrs. Die beiden griffigen Stellräder befinden sich, gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt, unter robusten Aluminium-Schutzdeckeln. Sie sind auf Deutsch sowie Englisch gut sichtbar und mit vollständigen Richtungsangaben und Maßeinheiten beschriftet – das fehlt bei manchem Konkurrenten in dieser Preisklasse. Die Justage erfolgt wie gewohnt in 1-cm-Schritten auf 100 m. Die Klicks sind gut fühl- und hörbar. Exakt ist die praktische Umsetzung auf der Scheibe.

Aus der präzisen Browning „ X-Bolt pro“ geschossen, entsprachen die Abstände zwischen den Einschüssen genau der Anzahl der getätigten Klicks. Genullt wird der Skalenring etwas umständlich mithilfe eines Kreuzschlitzschraubendrehers. Für ambitionierte Weitschussjäger bietet Leica eine Modellvariante mit einer Absehenschnellverstellung (BDC) an.

Alle „Fortis 6“-Modelle verfügen über einen sechsfachen Zoomfaktor. Mit einem Objektivdurchmesser von 50 mm und zwei- bis zwölffacher Vergrößerung ist das Testglas als Universalzielfernrohr konzipiert. In der Praxis kamen wir damit vom Dämmerungs- und Nachtansitz über die Fuchspirsch bis hin zur Drückjagd problemlos zurecht.

Überzeugt hat vor allem die optische Leistung. Die Abbildung ist kontrastreich, randscharf und farbecht. Filigrane Detailerkennung und hohe Bildschärfe erlauben ein exaktes Ansprechen auch bei schlechten Witterungs- und Lichtverhältnissen. Und in der Dunkelheit? Mit mehr als 90 % Transmissionsleistung (> 90 %/Nacht, > 92 %/Tag) ist das „Fortis“ für den Nachtansitz ausreichend lichtstark. Einem Frischling wurde das bei Neue, Neumond und sternklarem Himmel zum Verhängnis. Bei Drück- und Treibjagd punktet die Optik durch ein großes Sehfeld. Bei kleinster Vergrößerung sind das immerhin 20,4 m auf 100 m. Das erleichtert sowohl die Zielerfassung als auch den Situationsüberblick. Ein weiteres Plus bei flinken Schüssen ist die überdurchschnittlich große Austrittspupille. Selbst wenn der Anschlag nicht hundertprozentig stimmt, hat man trotzdem ein kreisrundes Bild. Lästige Sichelschatten sind, zumindest bei leichtem Schrägeinblick, passé. Ausgezeichnet kam die Optik mit Gegenlicht, greller Sonne und funkelndem Schnee zurecht.

Etwas umständlich ist das Nullen der Stelltürme mittels Schraubendreher.


Aktuell steht für beide „Fortis“-Gläser nur das Absehen „L 4a“ zur Verfügung. Die schmalen Balken und das weit geöffnete Fadenkreuz sind auf Präzisionsschüsse bei Tageslicht ausgelegt. Das Absehen befindet sich in der zweiten Bildebene. Die Konturen werden nicht mitvergrößert. Sie wirken selbst bei höchster Vergrößerung filigran. Konstruktiv ist diese Absehentechnik anfällig für Präzisionsprobleme beim Vergrößerungswechsel. Beim Leica war davon nichts zu bemerken. Wir schossen von sechs- bis zwölffach alle Vergrößerungsstufen durch. Der Streukreis der sieben Einschläge betrug gerade mal 24 mm (Entfernung: 100 m, Heym „SR 21 Precision“, .308 Win., Winchester „Copper Extreme Point“ [9,7 g]). Mehr ist bei den meisten Optiken auch ohne Vergrößerungswechsel nicht drin.

Für flinke Schüsse und die Dämmerungs- und Nachtjagd ist das „Fortis“ mit einem Leuchtpunkt ausgestattet. Die fünf Nacht- und vier Tagesstufen steuert der bereits erwähnte Drehregler auf der linken Seite des Leichtmetalltubus. Die Leuchtstufen sind gut gewählt. Im Test genügten sie von der grellen Wintersonne bis hin zur Neumondnacht allen jagdlichen Anforderungen. Der rote Punkt ist scharf abgegrenzt, ein Überstrahlen war, angemessene Intensität und Dioptrieneinstellung vorausgesetzt, nicht festzustellen. Die Bedienung des Drehreglers ist leise, handschuhtauglich und problemlos im Anschlag möglich. Gut fühlbar sind die einzelnen Schaltstufen.

Durchdacht ist auch die restliche Bedienungsebene. Der Vergrößerungswechsler ist aus Aluminium gefertigt. Die griffige Rändelung erlaubt sichere und komfortable Bedienung bei jeder Witterung. Eine gut fühlbare Erhöhung bei etwa sechsfach signalisiert bei Dunkelheit die Mitte des Vergrößerungsbereichs. Der ebenfalls gut zu verstellende Dioptrienausgleich erlaubt Korrekturen von -4 bis +3 Dioptrien. Für den Schutz des Auges sorgt eine dicke Gummiarmierung. Zudem hält der Augenabstand von mehr als 90 mm auch bei dicken Kalibern die Gefahr eines Veilchens in Grenzen.

Mit einer Baulänge von 335 mm ist das Test-„Fortis“ kompakt. Vergleichsweise hoch und der robusten Bauweise geschuldet, ist das Gewicht von 700 g. Winter und Frühjahr boten einen bunten Mix aus Schnee, Regen, Nebel und Frost. Kein Problem für das Leica. Effektiven Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz bietet der üppige Tubusüberstand von 18 mm am Objektiv. Sollte trotzdem ein Tropfen die Linse erreichen, perlt das Wasser dank „AquaDura“-Vergütung sofort wieder ab.

Beschränkt man sich in puncto Ausstattung auf das Wesentliche und ersetzt man „Made in Germany“ durch „Made in Portugal“, ist optische Premiumleistung ganz offensichtlich auch im mittleren Preissegment möglich. Das Leica „Fortis 6 2 – 12 x 50 i“ stellte das im Praxistest eindrucksvoll unter Beweis.

Ergonomische und gut beschriftete Bedienungsoberfläche: gerändelter Vergrößerungswechsler mit Erhöhung bei etwa sechsfach (l.), Stellräder zur Justage (r.).


Leica „Fortis 6 – 12 x 50i“: Ein Universalzielfernrohr für den Ansitz und auch für die Drückjagd.