Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 3 Min.

LEITFADEN HISTORISCHE TROMMELN (IV): Deutsche URGESTEINE des Trommelbaus


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 05.06.2020

Zu Beginn dieser Serie berichtete Fritz Steger über die Bedeutung des sogenannten Musikwinkels und die damaligen Strukturen des Musikalienhandels. Früher gab es eine ganze Reihe von deutschen Trommelfabriken, von denen die meisten nicht mehr existieren. Zwei Hersteller aus diesen frühen Tagen gibt es jedoch bis heute.


Artikelbild für den Artikel "LEITFADEN HISTORISCHE TROMMELN (IV): Deutsche URGESTEINE des Trommelbaus" aus der Ausgabe 4/2020 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 4/2020

Die Lefi ma-»Double«-Snare aus den 1920er-Jahren


Maschinenpauken-Herstellung bei Lefi ma in den 1930er-Jahren


Die älteste heute noch existierende Trommelfabrik in Deutschland, vermutlich sogar die älteste weltweit, ist Lefima: 1861 beginnt Ernst Leberecht Fischer im vogtländischen Mark ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von drums & percussion. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von NEWS: WETTERBESTÄNDIGE LEICHTGEWICHTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: WETTERBESTÄNDIGE LEICHTGEWICHTE
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von AUSFALLHONORARE FÜR WENIGE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUSFALLHONORARE FÜR WENIGE
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von CORONA-FORUM: SCHLAGZEUGLIEBE in Zeiten von Corona shutdown. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
CORONA-FORUM: SCHLAGZEUGLIEBE in Zeiten von Corona shutdown
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von OLI RUBOW: »EINE KRISE IST EIN PRODUKTIVER ZUSTAND«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
OLI RUBOW: »EINE KRISE IST EIN PRODUKTIVER ZUSTAND«
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von MAGNUS DAUNER: »WAS IST UNS DIE ARBEIT VON MUSIKERN WERT?«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MAGNUS DAUNER: »WAS IST UNS DIE ARBEIT VON MUSIKERN WERT?«
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von EMIL BRANDQVIST: BEFREIT von Groovezwängen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EMIL BRANDQVIST: BEFREIT von Groovezwängen
Vorheriger Artikel
BLATTLESEN MIT PLAYALONG »I CAN’T HELP IT«: BLA…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel CROSS-RHYTHMEN (I) – ANDY GILLMANN: Rhythmen über Kreu…
aus dieser Ausgabe

... neukirchen mit dem Bau von Trommeln und Tamburinen. Von Gründer und Gründungsort leitet sich auch der Name ab (die jeweils beiden ersten Buchstaben von Leberecht Fischer, Markneukirchen). Nach Auszeichnungen auf der Weltausstellung in Paris 1889 und bei Messen in Berlin und Dresden etabliert sich Lefilma als feste Größe unter den damals sehr zahlreichen Trommelbauern im »Musikwinkel «. 1909 übernimmt Albin Fischer die Geschicke der Firma.

Snare mit Doppelteppich

Das Unternehmen übersteht den Ersten Weltkrieg und wird grundlegend mo-dernisiert. Die Produktpalette erweitert sich fortan um Maschinenpauken, Malletinstrumente sowie Kleinpercussion. 1928 übernimmt Curt Fischer die Unternehmensleitung, und in den folgenden Jahren baut Lefima als einer der ersten Hersteller eine Snaredrum mit Teppich unter Schlag-und Resonanzfell. Zudem wächst zu dieser Zeit die Nachfrage nach kombinierten Schlagzeugen bestehend aus Großer Trommel, Snaredrum, Charleston-Maschine, Toms und Becken. Dem Trend folgend bietet Lefima fortan solche Kombinationen an. Auch wenn Lefima heute nicht mehr als Hersteller vom kombinierten Schlagzeug tätig ist, ist die Firma bis in die späten 1960er-Jahre ein ernstzunehmender Anbieter in diesem Bereich.

Lefi ma-Gründer Ernst Leberecht Fischer


Gründete die Firma Sonor im Jahr 1875: Johannes Link.


1875 gegründet: Sonor

Denkt man an einen deutschen Schlagzeughersteller, kommt einem sofort der Name Sonor in den Sinn – eine Firma, die auf eine über 140-jährige Tradition zurückblickt und ebenfalls bis heute existiert. Im Jahre 1875 gründet der gelernte Drechsler und Gerber Johannes Link, 1847 im bayrischen Nördlingen geboren, in Weißenfels an der Saale eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Trommelfellen und einfachen Militärtrommeln. Aus bescheidenen Anfängen mit lediglich einem Angestellten entsteht binnen kurzer Zeit ein FIorierender Betrieb. Bereits 1878 erfolgen eine Vergrößerung der Produktionsstätte und der Umzug in die Leipziger Straße in Weißenfels. Dort wird die Produktion weiter ausgebaut: Um 1900 stellen 53 Mitarbeiter bereits Pauken, Konzerttrommeln, Xylofone, Becken, Triangeln und kleinere Schlaginstrumente her. 1907 wird das Markenzeichen Sonor beim Kaiserlichen Patentamt eingetragen – die Bezeichnung »Sonor« kommt ürigens aus dem Lateinischen und bedeutet »Klang«. Der Katalog aus dem gleichen Jahr zeigt einen kombinierten Schlagapparat für große Trommel und Becken, ein Vorläufer von Fußmaschine und Hihat.


AUS BESCHEIDENEN ANFÄNGEN MIT EINEM ANGESTELLTEN ENTSTEHT EIN FLORIERENDER BETRIEB


Unstete Zeiten

1914 stirbt Johannes Link. Sein Sohn Otto Link steuert das Unternehmen durch die Wirren des Ersten Weltkrieges sowie die darauffolgenden Depressionsjahre. 1917 wird ein Zweitwerk in Markneukirchen eröffnet, 1919 bei einem Brand ein Großteil des Stammwerks in der Leipziger Straße zerstört. Um den Verlust der Anlagen schnell zu kompensieren, erwirbt man die nahegelegene Fabrikanlage »Am Bad« in Weißenfels. Neben seiner Tätigkeit als Firmenchef bemüht sich Otto Link zusehens um die Beziehungen mit Schweden und wird schließlich schwedischer Konsul. Um 1925 beschäftigt Sonor bereits 145 Mitarbeiter und ist eines der größten Unternehmen seiner Art. In diesem Jahr werden das Werk in Weißenfels komplett modernisiert und weitere Produktionsstätten erworben, um der weiter steigenden Nachfrage nach Sonor-Instrumenten gerecht zu werden.

Sonor-Fabrik in Weißenfels im Jahr 1888


Seiner Zeit voraus: Doppelpedal von Sonor (1927)


Doppelpedal-Pionier

In diesem ersten Drittel seit Gründung der Firma zeichnet Sonor sich verantwortlich für Innovationen wie etwa die weltweit erste Fußmaschine, eine Paradetrommel mit Holzspannreifen, vermutlich eine der ersten Doppelfußmaschinen weltweit (zum gleichzeitigen Anschlagen von Bassdrum und Becken), eine Snaredrum mit Dreifachabhebung sowie ein durch Knöpfe zu stimmendes Schlagzeug. Für den auch in Europa bekannter werdenden Jazz werden in dieser Zeit auch erste auf diese Musikrichtung hin entwickelte Instrumente gebaut: 1930 erscheint der erste Spezialkatalog nur mit Jazzinstrumenten.

Diesen Trend setzen die Nationalsozialisten spätestens ab Mitte der 1930er-Jahre ein jähes Ende, da sie Jazzmusik zu »entarteter Kunst« erklärten – dafür steigt die Nachfrage nach Marschtrommeln erneut. Während des Krieges werden dann auch Trommelfabriken zur Herstellung kriegswichtigen Materials verpfliichtet.

Jazz – neuer Stil, neue Sounds

In der Marsch-und Militärmusik, die in der Deutschen Kaiserzeit vorherrschte, kamen vornehmlich Kleine und Große Trommel sowie Becken zum Einsatz. Dies ändert sich mit der Jazzmusik, die ab 1919 zeitversetzt zu den USA auch in Europa die Tanzsäle erobert. Wurden bis dahin die Schlaginstrumente von mehreren Personen bedient, setzt sich nun – nicht nur aus Kostengründen – ein einzelner Schlagzeuger durch. Der wiederum bedient neben Bassdrum, Snare und Becken auch Rhythmusinstrumente wie Tom-Toms, Tempelblocks, Glocken, Charleston-Maschine und alles andere. Ein trockener Klang mit kurzem Ausklang macht den charakteristischen Sound des frühen Jazz aus, und die Spielweise ist geprägt von einem völlig neuartigen Time-Feel, das sich beim Schlagzeug mit den Rudiments der Marschmusik paart. In den europäischen Nachbarländern Deutschlands setzt sich dieser Trend auch in den 1930er-Jahren fort – das NS-Regime verfolgt und verbietet jedoch die Ausstrahlung von Jazz im Rundfunk, zum einen wegen der afrikanischen Wurzeln des Jazz und zum anderen, weil viele der aktiven Jazzmusiker jüdischer Herkunft waren.

Warren »Baby« Dodds gilt als einer der ersten Drumsetspieler.


Fotos: Katalog »150 Jahre Lefi ma«

Foto: Sonor

Foto: Sonor

Foto: Sonor

Foto: William Gottlieb / Public Domain