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Lembehs wilde Seite


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TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 08.04.2022

LEMBEH

Artikelbild für den Artikel "Lembehs wilde Seite" aus der Ausgabe 50/2022 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 50/2022

Nach dem Sicherheitsstopp am höchsten Unterwasserberg von Batu Kapal lassen wir uns ins Blauwasser und zum wartenden Boot treiben. »What the fuck, das ist ja Raja Ampat-Level«, ruft mein Freund Dennis mit einem breiten Grinsen im Gesicht, als ich die Leiter zum Boot hinaufsteige. Hinter uns liegen 60 Minuten Tauchen der Extraklasse. Vier Adlerrochen, patrouillierende Grau-, Weißspitzen-und Schwarzspitzen-Riffhaie, Schwärme von Großmaulmakrelen, Regenbogenmakrelen, Füsilieren und Langflossen-Fahnenfischen. Unberührte, intakte Weich-und Hartkorallen und eine atemberaubende Unterwasser-Gebirgslandschaft schmücken das Plateau von Batu Kapal, das in einer durchschnittlichen Tiefe von 20 bis 30 Metern liegt und rund 100 Meter breit und 250 Meter lang ist. Um das Plateau fällt das Meer steil auf weit über 100 Meter ab. Einfach nur wow!

Entdeckerfreuden Dieser Weltklasse-Tauchspot ist ohne Zweifel ...

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... eines der absoluten Highlights unseres Lembeh-Explorations-Projekts. Von den einheimischen Diveguides als unbetauchbar und gefährlich aufgrund seiner verrückten Strömungen eingestuft, ist es tatsächlich nur zweimal im Monat und mit professioneller Planung möglich, diesen Tauchplatz sicher zu erkunden.

Aber Moment mal! Adlerrochen, Haie, Fischschwärme, Korallen, Unterwassergebirge, verrückte Strömungen? Explorations-Projekt? In Lembeh? Der Makrohauptstadt der Welt mit ihren berühmten Muck-Tauchspots und den unzähligen skurrilen Critters? Ja, genau dort. In Lembeh, Nordsulawesi, Indonesien.

Wir haben die gästefreie Zeit während der Corona-Pandemie intensiv genutzt und gemeinsam mit dem Tourismus-Department und dem Bürgermeister der Stadt Bitung ein Projekt gestartet, um die Außenseite der Insel Lembeh sowie die Nord-und Südspitze zu ergründen. Einige hundert Meter von der Insel entfernt fällt der Meeresgrund bereits auf bis zu 600 Meter ab, ein paar Kilometer weiter draußen bereits auf 2000 Meter. Unsere Vermutung: Da muss es doch noch mehr geben!

Elf erlebnisreiche Tage, knapp 30 Tauchgänge lang, erkunden wir 25 potentielle Tauchplätze. Und Batu Kapal soll dabei nicht das einzige Highlight bleiben.

Ungefähr in der Mitte der Insel liegt eine Bucht, in welcher der Meeresgrund bereits wenige Meter vom Ufer entfernt auf über 130 Meter abfällt. Grund genug für uns, genau dort unsere Erkundung zu starten. Unter der Wasseroberfläche erwartet uns ein mit riesigen Schwämmen und Gorgonien bewachsener Steilabhang. Auf gut 30 Metern Tiefe begegnen wir einem Adlerrochen und wenig später zwei ausgewachsenen Weißspitzen-Riffhaien. Im Blauwasser über dem Riff tummeln sich tausende blaue Drückerfische. Schwärme von Doktorfischen, Regenbogenmakrelen und Füsilieren durchbrechen immer wieder die wabernden Drückerfischwolken. Was für ein Start! Was für ein Anblick! Genau das haben wir uns in unseren kühnsten Träumen ausgemalt.

Beim Austauchen am Riffdach entdecken wir Felder von Geweih-und Tischkorallen, soweit das Auge reicht. Die Bucht ist viel zu groß, um sie in nur einem Tauchgang zu erkunden. Und so betauchen wir sie in den folgenden Tagen noch ein paar Mal. Überall zeigt sich das gleiche Bild: Steilabhänge, unzählige Drückerfische, Fischschwärme und Schwämme mit bis zu drei Metern Höhe. Wir haben die Bucht in drei Abschnitte eingeteilt und sie Fell MischMisch Eins bis Drei genannt. Das ist arabisch und bedeutet »in deinen Träumen«. Je weiter man sich der Kante der Bucht nähert und je mehr die Strömung zunimmt, desto mehr Fische tummeln sich im Blauwasser.

Haie statt Critter

Ein wenig weiter nördlich, ungefähr 500 Meter von der Insel entfernt, durchbrechen mehrere kleine Felsen die Wasseroberfläche. Hier finden wir das nächste Kleinod unserer Entdeckungtour. Direkt nach dem Absprung hinter den Felsen tauchen wir in einen wunderschönen Canyon, umringt von einer Felslandschaft, die komplett mit orangefarbenen und roten Weichkorallen bewachsen ist. Üppige Gorgonien schmücken die leuchtenden Wände. Dazu passend bekommt der Tauchplatz den Namen Batu Merah, also Rote Steine. Richtung Norden tauchen wir aus dem Canyon hinaus und erhalten freie Sicht ins Blauwasser, wo bereits ein riesiger Schwarm Doktorfische seine Bahnen zieht. Von dort aus kann man rechts oder links abbiegen und entweder die Ostseite oder die Westseite von Batu Merah betauchen. Im Osten entdecken wir eine wunderschön bewachsene Wand, die sich nahezu über die gesamte Ostflanke erstreckt und senkrecht auf über 60 Meter abfällt. Steilwandtauchen in Lembeh – wer hätte das gedacht? Die Westseite ist genauso schön bewachsen, aber nicht so steil. Stattdessen fällt sie terrassenförmig auf etwa 40 bis 45 Meter ab und verläuft anschließend im Sandgrund. Hier gibt es zwischen 25 und 35 Metern Tiefe einige Felsspalten, in denen Weißspitzen-Riffhaie ihren Tagesunterschlupf gefunden haben. Egal, welche Seite man auch wählt: Es ist ein Tauchgang der Extraklasse. Im Süden tauchen wir am felsigen, ebenfalls reichlich mit Weichkorallen geschmückten Riffdach aus.

Apropos Steilwand-Tauchen: An der Nordspitze von Lembeh, unweit von Batu Kapal, soll es einen Tauchplatz mit dem vielversprechenden Namen Dantes Wall geben. Nur weiß keiner so richtig, wo genau dieser Tauchplatz liegt. Auch unser erster Versuch scheiterte, da wir zwar ein schönes Riff vorfanden, das Ganze aber eher den Namen Dantes Slope verdient hätte. Mit Hilfe von einem der einheimischen Tauchguides versuchen wir unser Glück erneut. Beim Abtauchen folgt Ernüchterung. Wieder nur ein Abhang und dazu nicht einmal besonders schön. Doch nach ein paar Minuten ist sie da. Dantes Wall! Eine richtige senkrechte Steilwand, bei der man keinen Boden sehen kann, so wie man es von den Brothers oder Daedalus in Ägypten kennt. Im Blauwasser können wir aus der Ferne einige Weißspitzen-und Schwarzspitzen-Riffhaie beobachten. Dazu wunderschöne Weichkorallen, Schwämme und Gorgonien. Taucherherz, was willst du mehr? Diese Wand macht ihrem Namen alle Ehre. Zu unserer Verwunderung schwimmt sogar ein Walhai knapp unter der Wasseroberfläche im Blauwasser an uns vorbei. Ein Walhai! In Lembeh! Das glaubt einem doch keiner.

Es gibt auch Zerstörung

Szenenwechsel. Wir sind nun an der Südspitze der Insel Lembeh. Auf meiner App mit den Sonarkarten habe ich einen Unterwasserberg entdeckt, der von 50 Metern Tiefe bis auf 16 Meter unter die Wasseroberfläche reicht. Das sieht vielversprechend aus. Fertig angerödelt, mit dem Handy in der Hand, dirigiere ich den Kapitän zu der Stelle, die auf der Karte angezeigt wird, während Dennis mit Tauchermaske auf der untersten Sprosse der Einstiegsleiter steht und versucht, etwas im Blauwasser zu entdecken. »Hier müsste es sein, siehst du was?«, rufe ich Dennis zu. Die Antwort: »Ja, hier ist was, ich kann ein Riff sehen!«

Also, alle Mann ins Wasser, negativer Einstieg, und hinunter zum Gipfel des Unterwasserbergs auf 16 Metern. Von der Bergspitze geht es runter auf etwa 20 bis 25 Meter. Nach Süden hin erstreckt sich ein 15 Meter breiter und rund 100 Meter langer Bergkamm, bevor dieser abrupt abbricht und der Grund im tiefen Blau verschwindet. Eigentlich eine spannende Topografie. Doch leider finden wir diesmal nicht vor, was wir uns erhofft haben. Hier wurde vor langer Zeit alles zerbombt. Kaum Fisch und relativ karge Felsen. Man sieht, dass die Korallen langsam wieder wachsen. Aber es wird Jahrzehnte oder länger dauern, bis sich dieser Platz erholt hat. Man kann nur noch erahnen, wie es hier vor der Bombardierung ausgesehen haben muss. Schade. Aber auch das ist Teil der Wahrheit. Von den 25 Tauchplätzen, die wir erkundet haben, waren fünf entweder zerbombt oder sogar vermint. Das heißt: Alle Korallen wurden von den Dorfbewohnern der Insel Lembeh gerodet und als Baumaterial verwendet. Diese Methode ist ebenso wie das Dynamitfischen seit mehr als 20 Jahren in Indonesien illegal. Die Folgen sind aber immer noch zu sehen. Die betroffenen Stellen gleichen einer Wüstenlandschaft. Nichtsdestotrotz überwiegen die positiven Eindrücke bei weitem. Und auch wenn es traurig ist – eine Quote von 20 tollen Tauchplätzen zu fünf zerstörten erscheint immer noch mehr als akzeptabel.

Aufstieg in die erste Liga

Fakt ist: Die Geschichte von Lembeh, der Makro-Metropole der Welt, muss neu geschrieben werden. Neben den Muck-Tauchplätzen von Weltklasse mit all den seltenen Critters innerhalb der Strait gibt es nun auch Blauwasser-Tauchen mit Sichtweiten von 30 Metern und mehr. Dazu in-takte Hart-und Weichkorallenriffe, besiedelt von unzähligen Rifffischen. Steilwände und Abhänge mit Fischschwärmen, Gorgonien und massiven Schwämmen. Bei fast allen Tauchgängen haben wir aus der Ferne Riffhaie gesehen. Leider zu weit weg, um sie zu fotografieren. Aber sie sind da. An einigen Stellen gibt es sogar Grauhaie. Dazu Adlerrochen und sogar Walhaie. In Kombination mit dem, was sich innerhalb der Strait abspielt, katapultiert diese Tatsache Lembeh in die Liga der Top-Tauchdestinationen Indonesiens.

Mit einem hochmotorisierten Boot erreicht die Tauchbasis des Solitude Lembeh Resorts jeden Divespot an der Außenseite der Insel in maximal 35 Minuten. Gegen Entrichtung einer Spritzulage wird es in Zukunft Ausfahrten dorthin geben. Also, trotz aller Critter-Liebe: Beim nächsten Trip nach Lembeh Strömungshaken und Sicherheitsboje nicht vergessen!

REISEINFO: LEMBEH / INDONESIEN

ANREISE: von Deutschland über Singapur nach Manado oder über Jakarta mit anschließendem Inlandsflug nach Manado. Vom internationalen Flughafen Manado werden Gäste des Solitude Lembeh Resorts mit klimatisierten Pkws oder Kleinbussen abgeholt. Die Fahrt zum Resort über den neugebauten Highway dauert etwa 50 Minuten. Der Transfer vom und zum Flughafen ist im Arrangement inbegriffen.

EINREISE: Zurzeit ist die Einreise nach Indonesien nur mit dem B211 Business Visum möglich. Nach der Pandemie erhält man bei Ankunft in Indonesien ein Visa on Arrival für 30 Tage. Wer länger bleiben möchte, kann vorab bei der indonesischen Botschaft in Deutschland ein Visum für 60 Tage beantragen. Der Reisepass muss bei der Einreise mindestens noch sechs Monate gültig sein.

RESORT: Das luxuriöse Solitude Lembeh Resort liegt ungefähr in der Mitte der berühmten Lembeh Strait. Direkt am Meer in einem wunderschönen tropischen Garten gelegen, bietet es Platz für maximal 34 Gäste. Ausgestattet mit leistungsstarken Kompressoren für Pressluft und Nitrox, bietet es drei Boottauchgänge täglich plus einen Nachtoder Blackwater-Tauchgang an. Bei Buchung eines Tauchpakets ist ein Hausriff-Tauchgang pro Tag ohne Guide inklusive.

TAUCHAUSFAHRTEN: Nach vorheriger Absprache und Entrichtung einer Spritzulage von 200 Euro für das Boot (maximal acht Gäste pro Boot, Zulage kann unter den Gästen aufgeteilt werden) organisiert das Resort-Tauchteam Tagesausfahrten mit drei Tauchgängen an die Außenseite von Lembeh.

TAGESAUSFLÜGE: Landausflüge in den nahegelegenen Tangkoko-Nationalpark oder das Minahasa-Hochland mit seinen spektakulären Kraterseen, den japanischen Höhlen und traditionellen Märkten. Auch ein Besuch in einer Captikus-Brennerei ist möglich.

KOMBINATION: Gern stellt das Resort eine Kombinationsreise mit dem Liveaboard Solitude Adventurer zusammen (www. solitude-adventurer.com). Auch Kombinationstouren mit dem Kooperationspartner Bali Villa Dive Resort sind möglich und können über Roger Tours gebucht werden.

KONTAKT: emailus@solitude-lembeh. com, emailus@solitude-liveaboards.com, patrick@ solitude-lembeh.com

WEITERE INFOS: www.solitude-lembeh.com www.solitude.world