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Lernen – Leben – Loben


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Welt und Umwelt der Bibel - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 21.01.2022

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Bildquelle: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 1/2022

Dr. Annette M. Boeckler ist Rabbinerin in Ausbildung am Levisson Instituut in Amsterdam und Gründerin der ersten virtuellen jüdischen Gemeinde SchumZoom 2020. Sie hat z. Zt. eine befristete Teilzeitstelle als wiss. Mitarbeiterin an der Universität Mainz. Bis 2019 war sie Fachleiterin Judentum am ZIID (ehemaliges ?Zürcher Lehrhaus?, von 2007? 2017 war sie Dozentin für Bibelauslegung und Liturgie am Leo Baeck College London. Sie ist Autorin zahlreicher Werke zum Judentum, zuletzt von ihr erschienen: (Not) Last Words, in: Lawrence A. Hoffman, The Closing of the Gates: N?ilah, Turner 2018, S. 177?181.

Wer eine Synagoge betritt, wird in der Regel zunächst eine Garderobe vorfinden, denn Synagogengebäude sind Orte, in denen man sich durchaus länger aufhält. Der Eingangsbereich führt zu verschiedenen Räumen: Klassenräumen, Sitzungszimmern, Gemeinschaftsküche, vielleicht auch zu den Räumen eines Kindergartens, zu Büroräumen, mindestens einem Gebetsraum und in der Regel auch zu einer Mehrzweckhalle. Eine Synagoge ist ein Bet Midrasch – Schulhaus, ein Bet Knesset – Versammlungshaus, und ein Bet Tefilla – Gebetshaus. Viele Synagogen unterhalten außerdem eine Mikwe, ein rituelles Bad, und meist gibt es einen Hof oder eine Terrasse für die Sukka (Laubhütte) im Herbst.

Dass man in einer Synagoge Gottesdienste feiert, ist der jüngste Zweck dieser Institution. Und dass man sich unter einer „Synagoge“ ein Gebäude vorstellt, war auch nicht immer so. Das Wort „Synagoge“ kommt von dem altgriechischen Wort ...

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... „syn-ago“ (συνάγω), das „zusammenführen, (sich) versammeln“ bedeutet. Die griechische Bibelübersetzung „Septuaginta“ gibt mit synagogä (συναγωγή) die hebräischen Wörter edah ‏,(עדה)‏ „Gemeinde“ (z. B. Num 16,3; 27,17), und kahal ‏,(קהל)‏ „Versammlung“ (z.B. Num 20,4), wieder. Bis heute kommt es im Judentum nicht auf einen besonderen Ort an, sondern auf das Zusammenkommen von Jüdinnen und Juden. Erst seit dem 1. Jh. der Zeitrechnung erhält das griechische Wort „Synagoge“ plötzlich eine lokale Bedeutung. Es fand ein ähnlicher Bedeutungswandel statt wie bei dem deutschen Wort „Gemeinde“ (ursprünglich „Gemeinschaft“). Ob mit dem Wort „Synagoge“ ein bestimmtes Gebäude bezeichnet wurde oder nur der gewohnheitsmäßige Ort der Zusammenkünfte, ist unklar. Es spricht mehr für die letztgenannte Möglichkeit. Der älteste Hinweis auf eine Lokalität namens „Synagoge“ in Israel ist eine Inschrift an einem Gebäude in Jerusalem, die sog. Theodotos-Inschrift (Abb. S. 44). Ihre Datierung ist umstritten, doch nach neuesten Erkenntnissen stammt sie aus einer Zeit vor dem Jahr 70 d. Z.

Der Philosoph Philo (20 v. Z. – 50 d. Z.), erzählt, dass man in den Synagogen seiner Stadt Alexandria zu sitzen pflegte, um in sicherer Ruhe die heiligen Bücher zu lesen, unklare Stellen zu erläutern und in entspannter Muße ausführlich über die jüdische Lehre zu diskutieren. Das Neue Testament bezeugt die Existenz von Synagogen in Galiläa und Kleinasien im 1. und 2. Jh. und man erfährt, dass der Schabbat offenbar ein besonderer Zeitpunkt war, um sich zur Vorlesung aus Tora und Propheten mit einer Erörterung zu versammeln (Apg 13,14- 15; Lk 4,15-21). Bis heute ist eine Synagoge vor allem ein Ort des Lernens. Jüdinnen und Juden außerhalb Deutschlands bezeichnen sie oft liebevoll umgangssprachlich mit dem jiddischen Wort „Schul“. Orthodoxe jüdische Gemeinschaften halten in den Räumen ihrer Synagogen während der Woche regelmäßige Lernveranstaltungen (Schiurim) ab bzw. unterhalten dort Schulen für Kinder (Cheder) und Erwachsene (Jeschiwa).

Nach der Zerstörung des Tempels 70 d. Z. ergänzten die Rabbinen das Lerngeschehen im Versammlungshaus um das öffentliche gemeinschaftliche Gebet, denn die rabbinischen Lehren sagen: „Das Gebet der Gemeinde wird immer erhört. Sogar wenn unter ihnen Sünder sind, wird der Heilige – er sei gepriesen – das Gebet der vielen nicht verwerfen. Daher ist es nötig, dass ein Mensch sich einer Gemeinde anschließt und nicht für sich alleine betet, wenn er die Möglichkeit hat, in Gemeinschaft zu beten. Ein Mensch sollte sich stets früh am Morgen und am Abend zum Versammlungshaus (Bet Knesset) begeben, denn sein Gebet wird nur im Versammlungshaus immer erhört. Jeder, in dessen Stadt ein Versammlungshaus ist, aber der nicht dort hingeht, um mit der Gemeinde zu beten, wird „böser Nachbar“ genannt“ (Mischne Tora: Hilchot Tefilla uBirkat Kohanim 8,1). Und so wurde die Synagoge – das „Versammlungshaus“ –, wo man zum Lernen zusammenkam, nun auch zum Ort des Betens.

In jedem jüdischen Gebetsraum findet man in der Regel einige typische Gegenstände und architektonische Besonderheiten:

1. Tora-Rolle (Sefer Tora)

Ein jüdischer Gebetsraum ist nicht „heilig“. Es braucht kein spezieller Raum zu sein. Die einzige Voraussetzung für einen Gebetsort ist, dass er würdig ist – also: sauber, geruchsneutral und einigermaßen ruhig. Wenn man von einer „Synagogenweihe“ spricht, meint man damit, dass eine Torarolle (hebr.: Sefer Tora) in einen Raum gebracht wird, um zu ermöglichen, dass an diesem Ort regelmäßig jüdische Gottesdienste gehalten werden können, denn montags, donnerstags, am Schabbat und an Fast-und Festtagen gehört zum Gottesdienst auch die öffentliche Kantillation eines Abschnitts aus der Tora (den fünf Büchern Moses). Sie kann in der liturgischen Form nur aus einer handgeschriebenen Pergament-oder Lederrolle geschehen. Diese Rolle selbst ist gleichfalls nicht „heilig“, sondern muss koscher (brauchbar) sein, d. h. der Text ist klar lesbar, die Tinte ist gleichmäßig schwarz und die Buchstaben nicht beschädigt. Günstig ist es, wenn eine Gemeinde mindestens drei Torarollen hat, denn manchmal gibt es drei verschiedene Lesungen. Dann wird für jeden Text eine eigene Rolle benutzt, die jeweils vorher auf genau die zu lesenden Stellen gerollt wurden. Vor allem ältere Gemeinden besitzen aufgrund von Spenden oder Leihgaben jedoch durchaus mehr.

2. Toraschrein (Aron Hakodesch)

Die Torarollen werden – wenn möglich – in einem Schrank aufbewahrt. Man bezeichnet diesen Schrank in Anlehnung an die Bundeslade, von der die Tora erzählt (vgl. Ex 25, 10-22) Aron Hakodesch „Heilige Lade“. Die Bezeichnung erinnert daran, dass Jüdinnen und Juden keinen Ort haben, der eine Begegnung mit dem Göttlichen ermöglicht, sondern einen Text, genauer gesagt eine schriftliche Anleitung zu guten Taten. So wie früher Gottes Gegenwart über der Lade thronte, wohnt Gott heute in guten Taten. Der Aron Hakodesch muss geschlossen werden können. Rollen, aus denen man gerade nicht liest, lagern verborgen in Erinnerung an die Bundeslade im Dunkel des Allerheiligsten. Außerdem spielt es auf Psalm 24 an, wo Türen zu Gott erwähnt werden. Ein Toraschrein hat also eine oder zwei Türen. In der aschkenasischen Tradition gibt es auch einen VORHANG (Parochet) als Bild für den Vorhang vor dem Allerheiligsten im Stiftszelt (vgl. Ex 26,31-33). Es ist zweckmäßig, den Aron Hakodesch an die Ostwand des Betraums zu platzieren, um damit der Gemeinde anzuzeigen, wo der antike Tempelplatz in Jerusalem liegt – die Gebetsrichtung. Es gibt jedoch Räume, wo der Schrein nicht östlich steht, dann zeigt ein Schild an, wo Osten ist (Mizrach-Tafel).

3. Ewiges Licht (Ner Tamid)

Ein immer leuchtendes Licht beim Toraschrein zeigt an, dass Rollen darin stehen – ein ganz praktischer Hinweis, dass man in diesem Raum also einen Gottesdienst mit Toralesung abhalten könnte. Das Licht erinnert aber auch an den siebenarmigen goldenen Leuchter im Stiftszelt (vgl. Ex. 25,31-39). Licht symbolisiert die ewige Gegenwart Gottes. In der Praxis kann das „ewige Licht“ (ner tamid) in einer Synagoge jede beliebige Form haben und aus jedem beliebigen Material hergestellt sein. Wichtig ist nur, dass es beständig leuchtet.

4. Podest (Bima)

Wenn im Gottesdienst eine Toralesung stattfindet, braucht man einen Tisch (schulchan), auf den die Rolle gelegt werden kann, um daraus vorzulesen. Er steht auf einer kleinen Erhöhung. Diese Erhörung (Bima) symbolisiert den Berg Sinai, denn jede öffentliche Toralesung ist eine kultische Wiederholung der Gabe der Tora an die Gemeinschaft des Volkes Israel. Je nach Tradition befindet sich die Bima mitten im Raum, also inmitten der Gemeinde (traditionell aschkenasisch) oder gegenüber des Toraschreins, beide bilden dann die beiden Pole der Gemeinde (traditionell sefardisch), oder Bima und Aron sind an der Frontseite zu einer Estrade vereint – eine Neuerung aus dem 19. Jh. aufgrund von ästhetischen und praktischen Zwecken (siehe S. 44 die Abbildungen der möglichen Grundrisse von Synagogen).

aschkenasisch

(von hebr. aschkenas = deutsch)

Typisch für das aschkenasische Judentum ist der hohe Wert von Ordnung und Tradition und talmudischer Gelehrsamkeit. Aufgrund seiner Anfänge im christlichen Kulturraum, wo man die eigene Identität verteidigen musste, ist es oft stärker nach innen bezogen. Es basiert auf Traditionen, die sich seit der Zeit der Römer (die ersten jüdischen Germanen werden bereits in der Mischna im 2. Jh. erwähnt) in den jüdischen Gemeinden entlang des Rheins ausgebildet haben. Ein wichtiges Zentrum der damaligen Gelehrsamkeit war Mainz. 1098 wurden dieses Zentrum und viele deutsche jüdische Gemeinden durch die Kreuzfahrer vernichtet. Wer überlebte, floh verarmt aufs Land oder nach Osten. Aschkenasische – deutsche – Traditionen wurden danach in den Gegenden Osteuropas weitergepflegt. Die eigene deutsche Sprache verband sich mit lokalen osteuropäischen Sprachen – das Jiddische entstand. Einige orthodoxe aschkenasische Gruppierungen tragen – vor allem an Festtagen – bis heute Kleidung, wie sie in Westeuropa früher üblich war, vor allem schwarze Anzüge und Hüte oder Mäntel und Pelzhüte, wie früher in Osteuropa. Andererseits haben führende Gelehrte des aschkenasischen Judentums die Strömungen des progressiven Judentums entwickelt und das konservative Judentum gegründet.

Typisch für das aschkenasische Judentum sind die Betonung am Anfang der Wörter im Hebräischen (wie es z.B. auch im Deutschen der Fall ist) und eine dunkle Aussprache der Vokale. Daher sagt man z. B. „Schabbos“ (für Schabbat) oder „Simchos Tauro“ (für Simchat Tora). Auch die hebräische Schrift ist anders als bei Sefardim. Ein aschkenasischer jüdischer Gottesdienst ist ziemlich anders als sefardische Gottesdienste. Aschkenasim würden in einem sefardischen Gottesdienst das meiste nicht wiedererkennen. Gegenwärtig vermischen sich in den Hauptzentren des Judentums (USA und Israel) beide Traditionen.

sefardisch

(von hebr. sefarad = spanisch)

Das sefardische Judentum ist seit seinen Anfängen geprägt durch einen offenen, interessierten Dialog mit seiner Umwelt. Dies liegt daran, dass es im islamischen Kulturraum entstand (Spanien, Portugal) und islamische und jüdische Gelehrte stets in gegenseitigem Austausch standen. Heute unterscheidet man zwischen westsefardischen Traditionen (spanisch-portugiesisch) und ostsefardischen Traditionen (orientalisch, marokkanisch, türkisch, u. a.). Die Begründer des Reformjudentums im 19. Jh. gestalteten viele Reformen unter Rückgriff auf Traditionen des westsefardischen Judentums.

Es ist heute weltweit verbreitet, denn nach der fast 500-jährigen Blütezeit wurden Jüdinnen und Juden 1492 aus Spanien vertrieben bzw. 1497 in Portugal unter Androhung der Todesstrafe gezwungen, zum Katholizismus zu konvertieren. Viele Jüdinnen und Juden verließen fluchtartig die Iberische Halbinsel und zogen in das Gebiet des damaligen osmanischen Reiches sowie nach Hamburg, Brasilien, in die USA, in die Niederlande und nach England.

Hebräisch klingt bei Sefardim anders als bei Aschkenasim. Typisch für die sefardische Aussprache des Hebräischen ist die Betonung auf der Endsilbe von Wörtern (wie es z. B. im Französischen der Fall ist.) und eine helle Aussprache der Vokale, wie z. B. in „Schabbat“, „Tora“, „Israel“. Das heutige, in Israel gesprochene Hebräisch folgt der sefardischen Aussprache. Ein sefardischer Gottesdienst basiert auf den musikalischen und poetischen Traditionen dieses Teils der jüdischen Gemeinschaft. Er klingt deutlich anders als ein aschkenasischer Gottesdienst. Durch die lurianische Kabbala im 16. Jh. verbreiteten sich sefardische Bräuche jedoch früh auch außerhalb der sefardischen Gemeinschaft.

5. Weitere übliche Gegenstände

Ein Ständer für das Gebetbuch (AMUD) ist praktisch für den Vorbeter/die Vorbeterin. Dieses Lesepult steht in Erinnerung an Psalm 130 („Aus der Tiefe rufe ich zu dir ...“) zum Zeichen der Demut vor Gott und der Gemeinde oft auf einer Fläche, die ein klein wenig tiefer ist als der Rest des Bodens.

Ein Betraum in einer Synagoge hat – anders als z. B. der in einer Moschee – STÜHLE. Der größte Teil des Gottesdienstes geschieht nämlich im Sitzen. In der aschkenasischen und in der progressiven Tradition sind die Stühle zum Toraschrein hin ausgerichtet. In der sefardischen Tradition sitzt man sich gegenüber und schaut einander an. Heutzutage können diese Traditionen vermischt werden.

Orthodoxe Synagogen erkennt man an einer Trennung der Betenden durch eine Wand, einen Zaun, einen Vorhang oder einen Balkon, denn Männer und Frauen beten bis heute in orthodoxen Synagogen nicht zusammen. Dies geht auf die Trennung der Geschlechter am letzten Tag des Sukkot-Festes im Tempel zurück (Talmud, Sukka 51b ). Der Sinn war, während der außerordentlich überschwänglichen Freude an diesem Erntedankfest die Frauen vor den berauschten und fröhlichen Männern zu schützen. In allen anderen Synagogen – d. h. der Mehrheit – ist diese Trennung jedoch nicht mehr üblich.

6. Das Wesentliche

Sehr oft trifft sich die Gemeinde allerdings gar nicht in einem besonderen Gebäude zum Gebet, sondern in Privathäusern. Jedes Wohnzimmer kann also eine „Synagoge“ – sein. Das bekannteste Beispiel sind die Gebete in der Woche nach einer Beerdigung eines Gemeindeglieds, die in dessen Wohnung stattfinden. Aber auch Räume in Hotels oder Tagungshäusern werden oft als Gebetsraum benutzt. Hier hat man dann keinen besonderen Schrank für Torarollen. Dann wird die Tora auf einen Tisch gelegt, der vor Ort vorhanden ist, und mit einem Tuch oder Gebetsschal (Tallit) bedeckt, wenn man nicht aus ihr liest. Die Wohnzimmer-Situation – die übrigens in lebendigen jüdischen Gemeinden sehr oft vorkommt – zeigt, worauf es im Judentum ankommt: nicht auf Gebäude, sondern auf Menschen, die Versammlung gleichgesinnter religiöser Jüdinnen und Juden. Da „das Judentum“ ein Sammelbegriff für eine enorme religiöse Vielfalt ist, gibt es an einem Ort in der Regel immer mehrere Synagogen, sowohl als Gebäude als auch als Zusammenkünfte in Privathäusern. W