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Lernen lernen


schule - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 28.11.2019

Oh, Schreck! Wieder einmal hat der Sohn unserer Autorin und Lehrerin Martina Hagemann zu wenig Zeit fürs Üben auf die Klassenarbeit eingeplant. Kein Problem: Mit ein paar Kniffen passiert das beim nächsten Mal nicht mehr. Denn das effektive Vorbereiten auf Klausuren lässt sich ganz einfach lernen


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Bildquelle: schule, Ausgabe 6/2019

Ach ja, Mama, morgen schreiben wir eine Mathearbeit“, verkündet mein Sohn soeben im Vorbeigehen zwischen Mittagessen und Fußballtraining. Ich verfalle in Panik: „Was, das sagst du mir erst jetzt? Dann muss Fußball eben ausfallen. Wir lernen jetzt noch.“ Während ich schon hektisch mein Regal nach Übungsaufgaben ...

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Ach ja, Mama, morgen schreiben wir eine Mathearbeit“, verkündet mein Sohn soeben im Vorbeigehen zwischen Mittagessen und Fußballtraining. Ich verfalle in Panik: „Was, das sagst du mir erst jetzt? Dann muss Fußball eben ausfallen. Wir lernen jetzt noch.“ Während ich schon hektisch mein Regal nach Übungsaufgaben durchsuche-wozu bin ich schließlich Mathelehrerin -, zieht sich mein Sohn in aller Ruhe die Fußballsachen an: „Nee, ich muss nichts mehr lernen, das haben wir schon in der Schule gemacht.“ Ach so? Sicherheitshalber hinterfrage ich diese Aussage nicht weiter und lasse ihn ziehen. Das Überprüfen der Hausaufgaben führt in unserem Haushalt nämlich regelmäßig zu Wutanfällen (bei Mutter und Sohn!), ist im Vergleich zum gemeinsamen Lernen für Arbeiten aber nur eine harmlose Aufwärmübung.
Die Quittung kommt schon wenige Tage später. „Und, habt ihr die Mathearbeit zurückbekommen?“, möchte ich vom Sohnemann wissen. „Hmm“, lautet die knappe Antwort, die nichts Gutes ahnen lässt. „Und was hast du?“-„Eine Fünf. Es gab aber auch eine Sechs.“ Das tröstet mich wenig, macht mir dafür jedoch deutlich, dass ein Viertklässler nicht immer selbst einschätzen kann, ob er den Unterrichtsstoff wirklich beherrscht. Ein wenig Nachbohren bringt dann die Wahrheit ans Licht: Das gemeinsame Lernen im Unterricht war eine Übungsstunde vor der Arbeit, bei der mein Sohn in „Partnerarbeit“ mit seinem Sitznachbarn, zufälligerweise das Mathegenie der Klasse, die Trainingsaufgaben der Lehrerin bearbeitet hat.
Das zeigt: Prüfen, ob man ein Thema verstanden hat, kann man am besten allein. Schließlich muss man auch die Klassenarbeit selbstständig bewerkstelligen und kann nicht mal eben den Sitznachbarn zurate ziehen, zumindest nicht erlaubterweise … Noch viel weiter weg sind die Eltern, die mir als Lehrerin in Gesprächen nach missglückten Arbeiten oft glaubhaft versichern, dass ihr Kind zu Hause alles noch konnte. Mittlerweile kenne ich den Fehler nur zu gut aus eigener Erfahrung. Da sitzt man beim Üben neben dem Kind, zeigt noch einmal dezent mit dem Stift auf das richtige Ergebnis oder gibt einen kleinen Tipp in Form von „Schau noch einmal genau hin, da steht doch, wie viele Kilometer das Auto gefahren ist.“ Das Kind, in diesem Fall mein Sohn, schaut also genau hin, verbessert den Fehler, schreibt sich freudestrahlend eine rote Eins unter die von der Mutter erstellte Übungsarbeit, springt auf und ruft noch im Hinauseilen: „Ich geh jetzt spielen. Kannst du die Sachen einräumen?“

„Und was hast du?“ – „Eine Fünf. Es gab aber auch eine Sechs“


Fotos: gettyimages; Shutterstock

„Die nächste Mathearbeit lief dann tatsächlich deutlich besser“


Aber diesen Fehler werde ich nicht mehr machen! Eine Woche vor der nächsten, zum Glück rechtzeitig angekündigten, Mathearbeit beginnt das „Trainingscamp“. Jeden Tag außer am Wochenende, das mir für meine Erholung und die der Kinder heilig ist, wird eine halbe Stunde geübt. Während ich es am liebsten gleich nach der Schule machen würde („Dann ist es erledigt und der Rest des Tages Freizeit“), möchte mein Sohn nach der Schule zunächst einmal nichts mehr von Schule wissen. Leuchtet mir auch irgendwie ein und ist einfach Lerntypsache. So schauen wir jeden Tag, wann es am besten passt und wann wir wirklich eine halbe Stunde (darüber wacht die Stoppuhr) ungestörte Arbeitszeit haben, in der auch Telefon und spielende Nachbarskinder auf der Straße ignoriert werden.
15 Minuten lang gehen wir gemeinsam die Aufgaben aus dem Unterricht durch und besprechen, welche davon mein Kind nicht verstanden hat. Diese erkläre ich ihm erneut, und wenn es gut läuft, hört mein Sohn aufmerksam zu und kapiert die Aufgabe. Wenn es, was häufiger der Fall ist, schlecht läuft, ruft er nach einer Minute: „Das versteh ich nicht. Außerdem sollen wir das nicht so machen. Du erklärst das total falsch!“ Wenn es ganz schlecht läuft, schmeißt mein Sohn den Stift auf den Tisch, das Heft auf den Boden und ich ihn raus. Einige Beruhigungsminuten später geht es weiter. Die letzten 15 Minuten bearbeitet mein Sohn von mir erstellte Aufgaben zu dem Inhalt, den wir gerade gemeinsam wiederholt haben. Allein. Dann bin ich raus, inhaltlich und auch räumlich. Da kann mein Sohn mich rufen und fragen, so viel er möchte. Hinterher korrigiere ich die Aufgaben. Und wenn die Stoppuhr piepst? Wird alles stehen und liegen gelassen. Morgen ist auch noch ein Tag. Eine halbe Stunde reicht. Kleine regelmäßige Häppchen sind lernpsychologisch sinnvoller als große Brocken. Hat mein Sohn auch verstanden, nachdem er einmal unbedingt eine „Doppelschicht“ einlegen wollte, deren letzten zehn Minuten ich hier nicht wiedergeben möchte …

Die nächste Mathearbeit lief dann tatsächlich deutlich besser. Das musste auch mein Sohn einsehen. Daher gilt bei uns mittlerweile folgende Regel: Vor einer Klassenarbeit bzw. einem Test prüfe ich in Form einer kleinen Übungsarbeit (Mathe, Englisch, Deutsch …) oder durch mündliches Abfragen (Vokabeln, Biologiewissen …), wie gut mein Kind den Unterrichtsstoff beherrscht. Klappt es, muss mein Kind zu Hause nicht weiter üben. Gibt es Schwierigkeiten, legen wir Übungstage und -zeiten fest. Diese dürfen die Freizeitaktivitäten nicht betreffen, schließlich brauchen Kinder auch Hobbys, schulische Auszeiten und Bewegung.
Die wichtigste Regel lautet aber: Wer genug geübt hat, darf jede beliebige Note mit nach Hause bringen. Für schwache Matheschüler ist eine durch intensives Üben erlangte Vier eine tolle Leistung, die gewürdigt werden sollte. Und eine Fünf auch kein Beinbruch. Noch besser formulierte es meine Mutter, wenn ich ihr von meinen Schulnoten berichtete: „Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?“ Denn am Ende geht es doch darum, die Kinder dazu zu bringen, selbstständig zu lernen und die Ziele zu erreichen, die sie sich selbst gesteckt haben.•


15 Minuten lang gehen wir gemeinsam die Aufgaben aus dem Unterricht durch und besprechen, welche davon mein Kind nicht verstanden hat


„Mit Freunden lernen macht viel mehr Spaß!“


Fotos: gettyimages; Shutterstock

TIPPS für effektives Lernen

Zum Lernen für Klassenarbeiten sollte genug Zeit eingeplant werden: Auf mehrere Tage verteilte kurze Lerneinheiten sind effektiver als ein langer Intensivkurs, außerdem lassen sich diese im Alltag besser unterbringen. Die meisten Lehrer kündigen Arbeiten etwa eine Woche im Voraus an. Und wenn nicht: Ermutigen Sie Ihr Kind, selbst beim Lehrer nachzuhaken.
Passendes Übungsmaterial kann man beim Lehrer erfragen. Dieser weiß am besten, welche ergänzenden Bücher oder Arbeitshefte zum Unterrichtsstoff passen. Außerdem erfährt man so ebenfalls, wo individuelle Schwächen des Kindes sind. Auch online findet man gute Aufgabensammlungen, manchen Kindern macht es einfach mehr Spaß, Aufgaben am Rechner bzw. auf dem Handy statt im Heft zu bearbeiten.
Wer gut im Unterricht mitarbeitet , versteht den Stoff besser, schließlich wird dieser dann aktiv bearbeitet und nicht nur passiv konsumiert. Das spart später Zeit beim Lernen und verbessert die mündliche Note, die ohnehin meist mehr Gewicht hat als die schriftliche Leistung.
Über Hausaufgaben kann man geteilter Meinung sein, doch klar ist: Gibt es welche, so sollten diese auch weitestgehend selbstständig erledigt werden. Sie helfen dem Schüler einzuschätzen, ob der Unterrichtsinhalt wirklich verstanden wurde. Gibt es Probleme, sollten diese sofort mithilfe von Eltern, Freunden, Lehrern oder gegebenenfalls mit einem Nachhilfelehrer geklärt werden, damit gar nicht erst zu große Lücken entstehen.
Wer etwas lernt, sollte ehrlich prüfen, ob er den Stoff verstanden hat. Trennen Sie daher Übungsphasen von Kontrollphasen. In Übungsphasen sind Fragen, Erklärungen und Hilfestellungen selbstverständlich erlaubt. Um zu kontrollieren, was verstanden wurde, darf dagegen weder „einmal kurz im Buch nachgesehen“ noch „eben eine Frage“ an Mutter oder Vater gestellt werden.
Manchmal ist eine schlechte Note hilfreicher als ein Ergebnis im schwachen Mittelfeld: Die Einsicht zu üben ist bei Schülern weitaus größer, wenn statt einer Vier plus eine Fünf unter der Arbeit steht. Und nichts bringt den Lernprozess mehr voran als die Eigenmotivation des Schützlings.
Bei jüngeren Schulkindern ist es oft noch hilfreich (und leistbar), diese beim Lernen zu unterstützen. Doch Eltern sollten darauf achten, die Verantwortung nach und nach an das Kind abzugeben. Spätestens in der Oberstufe ist es an der Zeit, dass die Schüler ihre Aufgaben ohne Elternhilfe bewältigen. Schließlich möchten Eltern und Kind nicht noch gemeinsam im Hörsaal oder in der Berufsschule sitzen.
Lernen mit dem eigenen Kind ist fast immer eine Herausforderung. Leichter fällt es allen Beteiligten, zum Üben einen Mitschüler einzuladen. Eltern und Kind reißen sich automatisch mehr zusammen, und die Erkenntnis, dass auch das andere Kind nicht alles sofort versteht, ist oft hilfreich. Im Idealfall sind am nächsten Tag die Eltern des Besuchskindes mit der Lernsitzung dran. Mit doppeltem Gewinn: Eine kurze Pause für Sie und eine Erklärung in anderen Worten für Ihr Kind.