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LERNSTANDS-ERHEBUNGEN FÜR DEN UNTERRICHT NUTZEN


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Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 01.06.2022

Serie »Blickpunkt Bildungsmonitoring«, Folge 2

Die vier Säulen des Bildungsmonitorings der KMK unterscheiden sich stark in ihrer Ausrichtung (siehe

Abbildung 1). Bei den Säulen Bildungsstandards, internationale Schulleistungsvergleiche und Bildungsberichterstattung der KMK-Gesamtstrategie handelt es sich um Maßnahmen, die Bildungsprozesse und -ergebnisse auf Landesebene betrachten. Die Adressat:innen dieser Ergebnisse sind daher primär Bildungspolitik und -verwaltung der Länder. Sie erhalten mit diesen Studien Ergebnisse zu Schülerleistungen und mit dem nationalen Bildungsbericht vielfältige Ergebnisse zu Indikatoren über den gesamten Bildungsverlauf. Hier beobachten also Politik und Verwaltung, wie das Bildungs- beziehungsweise Schulsystem als Ganzes bestimmte

Zielkriterien erfüllt und wie sich die Zielerreichung im Trend verändert.

Entsprechend betreffen aus diesen Ergebnissen abgeleitete ...

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Bildquelle: Pädagogik, Ausgabe 6/2022

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... Maßnahmen das Bildungssystem als Ganzes (z. B. umfangreiche Fortbildungsangebote, Sommerakademien oder Personalmittel).

Hierzu werden Zufallsstichproben von Schüler:innen von externen Testleitungen nach genau festgelegten Vorgaben getestet. Da die eigentlichen Tests geheim gehalten und Rückmeldungen, wenn überhaupt, erst ein Jahr nach der Testung an die beteiligten Schulen gemeldet werden, erlaubt der IQB-Bildungsstandard allerdings keine Nutzung der Ergebnisse im Sinne einer datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung.

Als wirkungsvolle Lernstandserhebungen mit dem expliziten Ziel der Unterrichtsentwicklung werden dagegen inhaltlich flexiblere Tests diskutiert, die Lehrkräfte an den jeweiligen Stand der Lernentwicklung der Klasse anpassen können, etwa curriculumbasierte Tests zu klar definierten Kompetenzen (z. B. Leseflüssigkeit). Diese Flexibilität in der Anlage einer Lernstandserhebung schließt aber eine Nutzung der gewonnenen Informationen für ein Monitoring aus, da keine vergleichbaren Informationen über verschiedene Klassen oder Schulen hinweg vorliegen.

Im Folgenden wird anhand von zwei Beispielen beschrieben, wie Lehrkräfte und Schulleitungen auch Leistungsergebnisse aus standardisierten Lernstandserhebungen neben selbst erhobenen Leistungsdaten in Form von Noten nutzen können. Hierbei wird zwischen standardisierten Vergleichsarbeiten (VERA) auf der einen Seite und der individuellen Lernstandsanalyse (ILeA) auf der anderen Seite unterschieden. VERA zeichnen sich neben der deutschlandweiten Durchführung dadurch aus, dass mit ihnen oftmals auch Monitoringfunktionen verbunden sind.

ILeA (plus) hingegen ist eine Lernausgangslagenerhebung für die Grundschule, welche sich explizit »nur« an die unterrichtende Fachlehrkraft richtet. Die Gegenüberstellung der beiden

Fremdsprache Englisch oder Französisch (VERA-8). Dies erfolgt an zwei neuralgischen Punkten in der Schullaufbahn:

■ im 3. Schuljahr, also ein Jahr vor dem Übergang in die Sekundarstufe I,

■ sowie im 8. Schuljahr, also zwei Jahre vor Abschluss der Sekundarstufe I.

Als wirkungsvolle Lernstandserhebungen mit dem expliziten Ziel der Unterrichtsentwicklung werden inhaltlich flexiblere Tests diskutiert. Das schließt eine Nutzung der gewonnenen Informationen für ein Monitoring aus.

Verfahren soll zeigen, welche Vor- und Nachteile sich für die Nutzung der Ergebnisse aus der Anlage der jeweiligen Lernstandserhebung ergeben.

VERGLEICHSARBEITEN (VERA)

Als primäre Zielstellung wird bei VERA die Nutzung für eine datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung kommuniziert. Ein Spezifikum von VERA ist die kriteriale Eingruppierung der Schüler:innen in die KMK-Kompetenzstufenmodelle der Bildungsstandards. Als Diagnoseinstrument liefern VERA-Tests Informationen zum Stand der Kompetenzentwicklung der Schüler:innen in den Kernbereichen der Fächer Deutsch und Mathematik (VERA-3) sowie zusätzlich in der ersten

Die Ergebnisse sind also eine Zwischenbilanz, und zwar mit Blick auf die kriteriale Norm der nationalen Bildungsstandards für das Ende der Jahrgangsstufen 4 (VERA-3) beziehungsweise 10 (VERA-8) sowie im sozialen Vergleich mit Landesergebnissen.

Insbesondere in der Primarstufe spielen die VERA-Daten eine wichtige Rolle, da bis zur 3. Jahrgangsstufe kaum Klassenarbeiten geschrieben werden und die VERA-Ergebnisse häufig die einzigen objektiven Leistungsdaten sind, die den Grundschulen zur Verfügung stehen. Aber auch in der Sekundarstufe I ist die Rolle der VERA-Rückmeldungen als eine Art »Frühwarnsystem« nicht unerheblich.

Sie geben Auskunft darüber, wie viele Schüler:innen zu diesem Zeitpunkt die Regelerwartungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) beziehungsweise die Mindestanforderungen noch nicht erfüllen.

Als Instrument zur Qualitätsentwicklung fordert VERA dazu auf, die Ergebnisse dahin gehend zu interpretieren, inwiefern die Schüler:innen ihrem aktuellen Leistungsstand entsprechend gefördert werden. So ermöglichen die VERA-Daten, ausgehend von einer geringen Lösungshäufigkeit bei bestimmten Aufgaben, Kompetenzbereiche zu identifizieren, in denen einzelne Schüler:innen oder die gesamte Lerngruppe hinter den für die Jahrgangsstufe zu erwartenden Leistungen zurückbleiben. Die Verteilung der Schüler:innen auf die fünf Kompetenzstufen sowie die pro Kompetenzbereich vorgenommene individuelle Zuordnung der Leistungen aller Schüler:innen zu diesen Stufen ermöglichen die frühzeitige Identifikation von »Risikoschüler:innen«.

Die daraus abgeleiteten Maßnahmen können, metaphorisch gesprochen, in die Breite oder in die Tiefe gehen.

Zum einen können Lehrpersonen die eigene Unterrichtspraxis mit Blick auf die Implementation der Bildungsstandards reflektieren. Zum anderen können weitere Diagnostikinstrumente herangezogen werden, die detailliertere Informationen beispielsweise zum Sprachstand oder zur Entwicklung der Lesekompetenz liefern. Je nach Kompetenzbereich sind die Kompetenzstufenmodelle der Bildungsstandards aber bereits so nah an gängigen didaktischen Modellen (z. B. Mehrebenenmodell des Lesens), dass Fördermaßnahmen direkt initiiert werden können. Zudem liefern In einigen Bundesländern wird hierzu der ISQ-Aufgabenbrowser als Unterstützungssystem angeboten. Diese Datenbank beinhaltet eine Vielzahl von VERA-Aufgaben, welche nach Kompetenzstufen sortiert und zu eigenen Test- und Übungsheften für einzelne Schüler:innen oder ganze Lerngruppen zusammengestellt werden können (www.aufgabenbrowser.de).

Lehrpersonen können die eigene Unterrichtspraxis mit Blick auf die Implementation der Bildungsstandards reflektieren.

Neben einer Reaktion auf Unterrichtsebene, die zumeist von einzelnen Lehrpersonen ausgeht, zielt datengestützte Unterrichtsentwicklung auch auf eine Kooperation auf Fachbereichsebene (z. B. Austausch über Best-Practice-Beispiele eines kompetenzorientierten Fachunterrichts, Überarbeitung des schulinternen Curriculums). Maßnahmen können zudem auch auf Schulebene verortet sein (z. B. Einrichtung von Fördergruppen, Evaluation bereits eingeleiteter Fördermaßnahmen).

Wie schon angedeutet, werden die VERA-Daten in etlichen Ländern nicht nur den Akteuren in den Schulen zur Verfügung gestellt, sondern darüber hinaus weiteren Akteuren in Schulaufsicht oder Bildungsverwaltung, sodass VERA auch eine Monitoringfunktion hat. So werden etwa im Land Berlin einzelne VERA-Ergebnisse auf Schulebene (z. B. der Anteil der Schüler:innen auf der untersten Kompetenzstufe) im Berliner Indikatorenmodell verwendet. Das Indikatorenmodell versteht sich als zentrale Datengrundlage für die Zielvereinbarungen zwischen Schule und Schulaufsicht. Ein besonderes Augenmerk innerhalb dieser regelmäßigen Gespräche soll auf der Leistungsentwicklung der Schüler:innen liegen. Ähnlich verhält es sich mit der Berliner Schulinspektion. Auch diese erhält von den Schulen Einblick in die VERA-Ergebnisse, welche wiederum in den Inspektionsbericht einfließen. Durch diese weiterführende Nutzung der VERA-Er-gebnisse kann an den Schulen der Eindruck entstehen, man würde durch die Tests primär Informationen für andere Ebenen generieren und nicht für die Schule selbst.

INDIVIDUELLE LERNSTANDSANALYSE (ILEA PLUS)

Die individuelle Lernstandsanalyse (ILeA plus) wurde vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) konzipiert und dient im Gegensatz zu VERA nicht dem Monitoring, sondern ist ein reines Diagnoseinstrument für Lehrkräfte an Grundschulen (LISUM 2021; www.ileaplus. de). Basis der Entwicklung waren nicht die KMK-Bildungsstandards, sondern die Kompetenzniveaus des gemeinsamen Rahmenlehrplans Berlin-Brandenburg.

Der Fokus der angebotenen Testmodule liegt dabei auf sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen.

Lehrpersonen können die Tests als Lernausgangslage zu Beginn eines Schuljahres online in den Fächern Deutsch und Mathematik für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 durchführen.

Darüber hinaus kann ILeA plus in der Wiederholung als ein Instrument zur lernbegleitenden Beurteilung der Leistungsentwicklung der Schüler:innen genutzt werden. Ziel der Lernstandsanalyse ist primär, den Lernstand sowohl einzelner Schüler:innen als auch der gesamten Lerngruppe festzustellen.

Ausgehend von den Rückmeldungen kann die Lehrkraft entscheiden, welche integrativen Lernangebote für die Lerngruppe sinnvoll sind und in welchen Bereichen eher individuelle Angebote für einzelne Schüler:innen empfehlenswert sind. Mögliche Angebote betreffen sowohl die Förderung leistungsschwacher als auch leistungsstarker Schüler:innen, jeweils ausgerichtet an deren realen Bedürfnissen und bereits vorhandenen Kompetenzen. Erleichtert wird dies durch passgenaue individuelle Förderempfehlungen und -aufgaben im ILeA-plus-Handbuch. Darüber hinaus werden unter anderem Beobachtungs- und Diagnosebögen, Lesetexte oder Portfolioseiten als Download angeboten, was die Lehrkraft bei der Individualisierung ihres Unterrichts unterstützt.

Über die eigentlichen Rückmeldungen der Lernstände hinaus kann eine Lehrkraft, die die Klasse bereits unterrichtet hat, Rückschlüsse daraus ziehen, inwiefern das bisherige Unterrichtsangebot für die Schüler:innen mit Blick auf das Erreichen der Standards des Rahmenlehrplans ausreichend war beziehungsweise in welchen Kompetenzbereichen wiederholt oder nachgearbeitet werden muss. Entsprechend kann sich eine Lehrkraft, die die Klasse neu übernimmt, schnell einen Überblick über die aktuellen Leistungsstände in der Lerngruppe verschaffen und die eigene Unterrichtsplanung darauf ausrichten.

Darüber hinaus liegt es in der Verantwortung der jeweiligen Lehrkraft, die Ergebnisse aus ILeA plus im Klassenteam zu besprechen und dort z. B. weitere Maßnahmen zur Förderung einzelner Schüler:innen umzusetzen (z. B. mit Sonderpädagog:innen, Förderlehrkräften und Erzieher:innen). Nutzt man als Lehrkraft die gleichen Testmodule von ILeA plus jedes Schuljahr, erlaubt das eine Beobachtung des Leistungsstands von aufeinanderfolgenden Jahrgängen im Trend.

Ein schulinterner Vergleich der Lerngruppen setzt somit die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, den gleichen Test einzusetzen und die Ergebnisse zu teilen.

Da ILeA plus per se kein Instrument des Monitorings darstellt, liegen hier auch seine Grenzen. Ob die bereitgestellten Informationen zum Leistungsstand einer Lerngruppe im Jahrgangsteam, in der Fachkonferenz oder mit der Schulleitung geteilt werden, entscheidet prinzipiell die jeweilige Lehrkraft. Von der Anlage des Instrumentes her gibt es dafür bei ILeA keine Gegenüberstellung, anders bei VERA, wo die Schulleitung Einblick in alle Klassenergebnisse im Vergleich hat. Ein schulinterner Vergleich der Lerngruppen setzt somit die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, den gleichen Test einzusetzen und die Ergebnisse zu teilen. Dabei hat ILeA durchaus Potenzial, die Leistungen nicht nur lerngruppenintern zu analysieren. Auch jahrgangsübergrei-fend können die Ergebnisse konstruktiv genutzt werden, beispielsweise für die Zuweisung von Schüler:innen zu additiven Förderangeboten. Auch eine Trendbeobachtung über mehrere Jahre hinweg kann genutzt werden, um etwas über die generelle Leistungsentwicklung der Schüler:innen an einer Schule in Erfahrung zu bringen. Dies kann gerade in der aktuellen Situation genutzt werden, um etwaige Lernrückstände aufgrund der Corona-Pandemie abschätzen zu können. Auch ILeA-Daten bieten sich prinzipiell dafür an, Rückschlüsse über das schulinterne Curriculum zu erhalten. Aber auch dies setzt voraus, dass die Daten regelmäßig erhoben und analysiert werden.

AUSBLICK: ZWEI-SÄULEN-MODELL

Die beiden vorgestellten Beispiele zeigen, welchen Zweck eine standardisierte Lernstandsdiagnostik verfolgt, nämlich den beteiligten Lehrkräften Informationen an die Hand zu geben, die über nicht standardisierte Leistungsdaten aus zum Beispiel Klassenarbeiten hinausgehen. Zumeist wird de rLernstand der Schüler:innen anhand kriterialer Normen diagnostiziert, seien es die Bildungsstandards wie bei VERA oder Standardvorgaben aus Rahmenlehrplänen wie bei ILeA. Zentrales Ziel bei allen Lernstandserhebungen sollte die enge Verknüpfung zwischen Diagnose und Förderung sein. Dies wird bei beiden vorgestellten Beispielen durch das direkte Anbieten von Fördermaterialien, passend zum jeweiligen Leistungsstand der Schüler:innen, ermöglicht.

Die beiden Ansätze unterscheiden sich darin, ob Informationen zum Leistungsstand einer Klasse beziehungsweise einer Schule automatisch auch weiteren Akteuren zum Monitoring zur Verfügung gestellt werden (wie bei VERA) oder ob dies in der Verantwortung der jeweiligen Lehrkraft verbleibt (wie bei ILeA). Es gibt gute Gründe dafür, Ergebnisse aus standardisierten Lernstandserhebungen nicht nur auf der Ebene einer einzigen Lerngruppe, sondern auch darüber hinaus zu analysieren, gerade im Hinblick auf pädagogische Entscheidungen, die nicht nur eine konkrete Lerngruppe, sondern den ganzen Jahrgang betreffen oder gegebenenfalls sogar jahrgangsübergreifend gelten. Hier liegt es somit stark in der Verantwortung der Schulleitung, Routinen zu Lernstandserhebungen zu entwickeln und Fachkonferenzen zu einer lerngruppenübergreifenden Analyse von Ergebnissen zu motivieren. Bei VERA ist dies in der Anlage zumindest implizit eingerichtet. Die starke Standardisierung des Vorgehens führt jedoch regelmäßig zu der Kritik, die Ergebnisse seien nicht aussagekräftig, da die Testinhalte nicht zur aktuellen Unterrichtsplanung passen würden.

Ein möglicher Ausweg aus diesem Spannungsfeld könnte darin liegen, aus VERA zukünftig ein Zwei-Säulen-Modell zu machen, bestehend aus einem Standarddurchgang mit vorgegebenen Testinhalten, der auch eine Monitoringfunktion ermöglicht, und einer neuen, zweiten Säule, in der Lehrkräfte zeitlich und inhaltlich flexibel eigene VERA-basierte Tests durchführen können, so wie es am besten zur aktuellen Unterrichtsplanung passt (Maaz et al. 2019).

LITERATUR

Maaz, K./Emmrich, R./Kropf, M./Gärtner, H. (2019): Bildungsstandards als innovative Elemente moderner Bildungssysteme – Voraussetzungen und Perspektive. In: Zuber, J./Altrichter, H./Heinrich, M. (Hrsg.): Bildungsstandards zwischen Politik und schulischem Alltag (S. 25–44). Wiesbaden: Springer VS. https://link.springer.com/ chapter/10.1007/978-3-658-22241-3_2

KMK. (2006): Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmonitoring. München: LinkLuchterhand. www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/Beschluesse_Veroeffentlichungen/Bildungsmonitoring_Broschuere_Endf.pdf

KMK. (2015): Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmonitoring (Beschluss der 350. Kultusministerkonferenz vom 11.06.2015). Berlin: KMK. www. kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2015/2015_06_11-Gesamtstrategie-Bildungsmonitoring.pdf

Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg LISUM (Hrsg.) (2021): ILeA plus. Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Ludwigsfelde: LISUM. https:// bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/lernbegleitende_Diagnostik/ilea_plus/211102-ILeAplus-I-Allgemein-komp.pdf

DR. HOLGER GÄRTNER ist Professor für Unterrichts- und Schulevaluation an der Freien Universität Berlin sowie wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg e. V. (ISQ) an der Freien Universität Berlin.

DEJANA BILIC ist Lehrerin für die Fächer Englisch und Informatik am Friedrich-Engels-Gymnasium, Berlin, und abgeordnete Lehrerin am Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg e. V. (ISQ) an der Freien Universität Berlin.

ALMUTH MEISSNER ist Lehrerin für die Fächer Deutsch und Englisch am Arndt-Gymnasium Dahlem, Berlin, und abgeordnete Lehrerin am Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg e. V. (ISQ) an der Freien Universität Berlin.