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LESEPROBE: K.K. DOWNING: LEATHER REBEL: REBELL unter REBELLEN


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.02.2019

K.K. DOWNING ist einer der tragischen Helden im Kosmos von JUDAS PRIEST: Während die legendären Metal-Veteranen bald ihr 50-jähriges Bestehen zelebrieren, bleibt für den 2011 ausgestiegenen Gitarristen nur die Flucht nach vorn: Er veröffentlicht in seiner Autobiografie LEATHER REBEL – MEIN LEBEN MIT JUDAS PRIEST seine Sicht auf Band-Historie, Höhen wie Tiefen und nicht zuletzt das unschöne Ende der gemeinsamen Zeit. Wir präsentieren euch eine (eins zu eins vom Originaltext übernommene) Leseprobe aus der im Februar erscheinenden deutschen Fassung dieses lesenswerten Buchs.


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Foto: K.Winter/Getty Images ...

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2019 ist ein Jahr voller pompöser Jubiläen: Einige davon (40 Jahre OVERKILL und BOMBER von Motörhead, 35 Jahre POWER SLAVE von Iron Maiden) haben wir bereits in den letzten Ausgaben gewürdigt, ein anderes (35 Jahre METAL HAMMER) wird uns in den folgenden Monaten immer wieder beschäftigen. Ihren 50. Geburtstag zu zelebrieren, ist indes nur wenigen Bands vergönnt: Nach der furiosen Rückkehr mit dem Hammer FIREPOWER im vergangenen Jahr begehen Judas Priest 2019 dieses be sondere, goldene Jubiläum – und wir feiern mit! Bevor wir den britischen Helden und ihrer ereignisreichen Geschichte in der kommenden METAL HAMMER-Ausgabe eine detaillierte History widmen und an manch vergessene Perle erinnern, legen wir auf den folgenden Seiten vor und präsentieren euch – passend zum offiziellen Veröffentlichungstermin Mitte Februar – eine Leseprobe aus K.K. Downings spannender Autobiografie ‘Leather Rebel – Mein Leben mit Judas Priest’. Selbstverständlich haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und in diesem Zusammenhang auch gleich mit dem eigensinnigen Gitarrenhelden gesprochen. Das Interview findet ihr im Rahmen der erwähnten Folgegeschichte, in der auch weitere Priest-Protagonisten zu Wort kommen und ihre Sicht auf manch eine Kontroverse darlegen. Zunächst wünschen wir euch jedoch viel Spaß mit dem Prolog und Beginn des ersten Kapitels sowie einem Auszug aus dem provokanten sechsten Kapitel von K.K. Downings ‘Leather Rebel – Mein Leben mit Judas Priest’.

Maximum Lesespaß! Eure Redaktion

K.K. Downing mit Mark Eglinton
LEATHER REBEL – MEIN LEBEN MIT JUDAS PRIEST

IP Verlag (VÖ: 28.2.2019)

ISBN: 978-3-940822-13-0
Seiten: 224 (Farbseiten: 16; Abbildungen: 23)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Jenny Rönnebeck
Preis: 21,90 € (Limitierte Erstauflage in Hardcover-Einband)

PROLOG (S. 4-5)

Reno, Nevada. 16. Juni 1990. Da holte mich schlagartig die Realität ein. Als das passierte, hatte ich das Gefühl, als ob wir uns in falscher Sicher heit gewogen hätten, nur um in eine Falle zu geraten, die für irgendeine Band gedacht war, die nicht aufpasste, wo sie hintrat.

Dieser Tag fühlte sich wie der Gipfel einer heimlichen Verschwörung an, die sich kontinuierlich entwickelt hatte, seit wir ab 1980 dazu beigetragen hatten, eine ganze Szene zum Leben zu erwecken – wobei Heavy Metal und der damit verbundene Lebensstil mit Misstrauen betrachtet und sogar für gefährlich gehalten wurden. Und das ging so weit, dass gewisse Gruppen von Aktivisten es auf die ganze Kultur abgesehen hatten. In diesem Moment wurde mir klar, dass wir nur als Sündenböcke herhalten mussten.

Während der Tortur, die uns bevorstand, gab es eine auf bauende Welle der Unterstützung für uns. Ich konnte die Ehrlichkeit in den Augen der Fans sehen, die die Straßen draußen vor dem Gerichtshof säumten. Sie wollten, dass wir diesen Fall gewannen – die Anklage lautete, dass zwei Leute aus ihren Reihen, zwei Fans von Judas Priest, sich erschossen hatten, und dass unsere Musik der Grund dafür war. Allerdings war es irgendwie unverständlich, dass dieses Amerika – das Land, das uns 1977 mit offenen Armen empfangen hatte – das gleiche Land war, das nun zu versuchen schien, unsere Karriere zu beenden.

Als ich in all diese gequälten und verzweifelten Gesichter sah, während ich vor den Stufen des Gerichts von Reno aus dem Taxi stieg und die Leute “Priest! Priest! Priest!” rufen hörte, war ich so durch den Wind, dass ich das gleiche Gefühl hatte wie beim Betreten der Bühne – so als ob die Beleuchtung im Zuschauerraum gerade ausgegangen wäre, bevor wir unsere Show anfangen.

Es war dieses unglaubliche Gefühl von Unbesiegbarkeit, das man in einer Gruppe bekommt, die zusammenhält. Immer wenn ich dieses Gefühl hatte, hörte ich auf, der kleine Ken Downing aus dem Yew Tree Estate zu sein. Ich war nicht mehr länger der schüchterne und introvertierte Junge mit dem Plastikschulranzen und den löchrigen Schuhen; stattdessen verwandelte ich mich in K.K., den selbstbewussten Gitarristen, der mit seinen Freunden in der besten Heavy-Metal-Band der Welt spielt.

Während ich mit Adrenalin vollgepumpt die Treppen hochstieg und zu Rob Halford neben mir guckte, dessen Augen geradeaus blickten und dessen Kinn entschlossen nach vorne gereckt war, dachte ich: “Das wird gut für uns ausgehen.”

Als wir dann aber in den Gerichtssaal hineingeführt wurden, änderte sich das wieder alles. Der Moment, als sich die schwere, holzvertäfelte Tür hinter uns schloss, fühlte sich so an, als ob wir gerade in ein Vakuum gelaufen wären. Das Gefühl von Verlust und Traurigkeit war so spürbar wie der Kloß in meinem Hals. Ich hatte noch nie erlebt, dass sich die Stimmung so plötzlich veränderte. Die skandierenden Stimmen von draußen konnte ich jetzt nicht mehr hören. Ihre Stärke war weg, und unsere Gruppe fühlte sich augenblicklich schwächer.

Das Geräusch meines schnellen Herzschlages übertönte alles, als der Beamte aufstand, um das erste Mal das Gericht anzusprechen. Unabhängig davon, wie selbstsicher ich mich dabei fühlte, was wir getan und – viel wichtiger – was wir nicht getan hatten, fühlte ich mich sofort wieder wie der kleine Ken in dieser allzu bekannten Position des Wartens auf das, was da an Übel auf mich zukommen sollte.

Wandel: Der schüchterne Kenneth Downing (hier im Al ter von vier oder fünf Jahren) wird später zum selbstbewussten Gitarristen


KAPITEL 1 (S. 6-7)

Als mir in den letzten Jahren des Öfteren vorgeschlagen wurde, eine Autobiografie zu schreiben, hielt mich hauptsächlich die Frage zurück, ob ich bereit war, wirklich ehrlich über meine unglaubliche und mehr als vierzig Jahre lange Karriere in Judas Priest zu sprechen.

Von außen betrachtet, denken die Leute und Fans immer: “Es muss unglaublich toll gewesen sein, bei Judas Priest zu sein. Sie tourten durch die Welt und machten Musik. Es gab Geld, es gab Mädchen – das ist das perfekte Leben.”

Eine Zeit lang war es auch das perfekte Leben.

Aber wie alles Andere läuft auch das nicht jeden einzelnen Tag der Woche perfekt. Wenn es so wäre, würde es langweilig und vorhersehbar werden – zwei Adjektive, die mich in eine Band einsteigen ließen, weil ich eine Konfrontation mit Langeweile und Vorhersehbarkeit vermeiden wollte.

In den letzten Jahren ist mir etwas bewusst geworden: Auch wenn man ein Kapitel seines Lebens hinter sich lässt, um einen bestimmten Eindruck aufrechtzuerhalten oder ein Image zu wahren – wofür man seine zu der Zeit scheinbar richtigen Gründe hat – ist das Bedürfnis ehrlich und direkt zu sein, fairer gegenüber den Fans und jedem, der mit der Band zu tun hat. So kann man eher reinen Tisch machen, als wenn Dinge ungesagt, unvollständig und unklar bleiben.

Und als ich Judas Priest verließ, sind Dinge definitiv ungesagt, unvollständig und unklar geblieben.

Also habe ich meine Meinung geändert, was das Schreiben über mein Leben angeht – aus Gründen, von denen ich finde, dass sie im besten Interesse aller sind. Und alle Leute, über die gesprochen wird und die darin vorkommen, sind Menschen, deren Gesellschaft, Können und Freundschaft ich sehr schätze und auch noch lange nach der Fertigstellung dieses Buches schätzen werde. Nichts wird meine Zeit bei Judas Priest jemals abwerten. Aber es ist für mich wichtig, dass all die Fakten, wie ich sie sehe, auf den Tisch kommen, um die Fans zum Lachen und Weinen zu bringen, dafür zu sorgen, dass sie vor Frust mit den Zähnen knirschen … und natürlich, damit sie losgehen und noch mehr Judas-Priest-Alben kaufen, sobald sie das Buch fertig gelesen haben.

Folglich repräsentiert alles, was ich in diesem Buch schreibe, meine eigene Erinnerung oder stellt meine Meinung über Geschehnisse dar, wie ich sie erlebt habe. Natürlich erinnere ich mich nicht an alles; viele dieser Sachen sind vor sehr langer Zeit passiert. Aber als ich diese unterhaltsame Arbeit erledigte und mich durch über fünf Jahrzehnte an Erinnerungen wühlte, kam ich zu der Erkenntnis, dass es Aspekte in meinem Leben gibt, mit denen ich mich bis jetzt nie richtig beschäftigt hatte.

Diese verspätete Reaktion darauf ist weder gut noch schlecht. So ist halt das Leben – und die Perspektive, die man dadurch erhält. Im Großen und Ganzen habe ich es jedenfalls genossen, in Erinnerungen zu schwelgen. Als ich das erste Mal darüber nachgedacht habe, über mein Leben generell und mein Leben mit Judas Priest zu schreiben, habe ich versucht, festzulegen und nach Prioritäten zu ordnen, welche Dinge ich erwähnen und welche Gedanken ich vermitteln wollte. Dabei bekam ich eine Ahnung, die ich nicht mehr abschütteln konnte: Dass die Kindheit eines Menschen alles prägt, was später passiert.

Alles.

In meinem Fall trifft das besonders zu – so sehr, dass es sich manchmal so anfühlt, als ob ich mein ganzes Leben damit verbracht habe, zu versuchen, vor dem zu fliehen, woher und von wem ich stamme. Egal, was ich tue – und das galt sogar für die Momente in der absoluten Hochphase von Priest in den späten Achtzigern – ertappe ich mich immer noch dabei so zu denken und unbewusste Entscheidungen so zu treffen, als ob ich nicht K.K. von Judas Priest, sondern immer noch der kleine Ken mit Löchern in den Schuhen wäre, der in einer Sozialwohnungssiedlung im Black Country in den Midlands von England wohnt.

Manchmal hat das auch etwas Gutes: Meine Kindheit hat mir eine Menge darüber beigebracht, wie ich nicht leben wollte. Aber es kann auch negative Auswirkungen haben: Bei manchen Gelegenheiten bin ich vielleicht zu zurückhaltend gewesen oder habe es mir mit Menschen, die mir nahe stehen, unbeabsichtigt verscherzt.

Wenn man das Glück hat, ein stabiles, liebevolles Familienleben zu haben, ist das großartig. Theoretisch hat man dann alles, was man zum Leben braucht. Aber glaubt mir: Wenn man in schwierigen Familienverhältnissen aufwächst, hinterlässt das bleibende Narben. Diese Narben, auch wenn sie ein bisschen blasser wurden, sind immer noch da – und bis heute spüre ich sie gelegentlich, trotz des privilegierten und aufregenden Lebens, das ich geführt habe. Ich weiß jetzt, dass sie niemals ganz verheilen werden; dazu hätten sie schon genug Gelegenheiten gehabt.

KAPITEL 6 (S. 76-77)

Apropos zweischneidige Schwerter: 1978 begannen meine Probleme im Studio mit Glenn erst so richtig. So sehr Glenns und mein Gitarrenspiel auch wesentliche Bestandteile des Priest-Sounds waren, bewegte sich unsere Beziehung dennoch durchgehend auf besonders dünnem Eis – aus den Gründen, die ich schon erwähnt habe.

Persönlichkeitsunterschiede sind eine Sache – die gibt es an jedem Arbeitsplatz ständig. Aber wenn die Unterschiede anfangen, grundlegende Veränderungen dabei zu verursachen, wie eine Einheit – in diesem Fall Judas Priest – funktioniert, dann kommen nur noch Probleme auf einen zu.

Ich war mir nie sicher, was der Auslöser war, aber ich habe mich immer gefragt, ob ein Gitarrenpoll, der zu dieser Zeit in Japan veröffentlicht wurde, etwas damit zu tun hatte. Wenn ich mich recht erinnere, stand ich an dritter Stelle des Polls, und Glenn war weiter unten auf Platz 18. Ich habe Gitarrenumfragen nie große Beachtung geschenkt; ich habe eher darüber gelacht. Mir kam es jedenfalls so vor, als ob Glenn die ganze Sache überhaupt nicht gefiel, und das könnte natürlich die Probleme verursacht haben.

Mir kam es so vor, als ob es Glenn so sehr ärgerte, die Nummer 18 zu sein, dass er auf raffifinierte Weise begann, die Kontrolle über manche Dinge in der Band zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt kam es mir so vor, als ob er dachte, dass er keinem großen Widerstand begegnen würde. Es gab beileibe keine formale Bandentscheidung oder Diskussion. Ich merkte einfach, wenn die Arbeiten an einem neuen Album begannen, dass Glenn anfifing, sich schon im Voraus zu entscheiden, was er tun wollte und was nicht. Sobald wir uns dann also zusammensetzten, um die Gitarrensoli aufzuteilen, sagte er: “Ich mache dies und du machst das. Dann mache ich das und du nimmst das.”

Und als er das tat, gab es keine Zweifel, dass ich viel mehr konnte als das, was mir zugeteilt wurde.

Damals klang diese Arbeitsteilung wahrscheinlich gut. Aber es lief dann darauf hinaus, dass seine Solozeit auf dem Album fünfmal so lang war wie meine. Ich hatte immer das Gefühl, dass Glenn die auffälligen Soli für sich selbst auswählte. Zumindest kam es mir so vor. Ich dachte vermutlich, dass sich das eines Tages für ihn rächen könnte, aber das tat es nie. Ich hatte den Verdacht, dass er versuchte, durch diese Masse an Soli populär zu werden, und genau das passierte: Je mehr sein Gitarrenspiel, aufgrund der reinen Spielzeit, meines in den Schatten stellte, desto mehr Leute dachten, er sei die wichtigste Person.

Kam das Judas Priest als Band zugute? Das fand ich nicht – einfach aus dem Grund, dass unsere Band zwei Gitarristen mit unverwechselbaren Stilen hatte, die zusammenarbeiteten, um abwechslungsreiche Songs zu kreieren. Wurde der Einflfluss eines dieser beiden Gitarristen eingeschränkt, bedeutete das, dass die Songs manches Mal nicht ihr Potenzial ausschöpfen konnten.

Ging mir das auf den Sack? Ja, das kann man wohl sagen.