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Leserbriefe


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.12.2019
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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 1/2020

„Mein Leben mit Münzen“

Leserbriefe erreichen uns zu den unterschiedlichsten Themen, nicht selten geht es um konkrete und aktuelle Anliegen. Im vorliegenden Fall aber berichtet ein Numismatikbegeisterter einfach von seinem Leben mit Münzen. Uns hat das gefallen und es kann ja kein Schaden sein, wenn wir alle mal kurz innehalten und uns mitnehmen lassen in ein Leben mit Münzen.

An die MünzenRevue!
Geschichte und Erdkunde waren meine Lieblingsfächer in der Schule, auch Naturkunde und Rechnen. Es war die Zeit des 3. Reiches, da gab es noch andere Themen, aber noch keinen Computer.

Mein Opa Franke zeigte mir bei einem Besuch bei ihm seine kleinen Sammlungen von Münzen, Zigarrenbauchbinden und anderen Dingen. Die Münzen hatten es mir angetan und so bekam ich zu meinem 12. Geburtstag diese kleine Schatulle mit sächsischen und preußischen Münzen. Außer Kleinmünzen waren auch 5- Mark-Stücke mit König Albert von Sachsen und Kaiser Wilhelm I. dabei.

In der Jugend fehlte das Geld, um Münzen zu kaufen. Erst als ich Mitte der 30 war, durch Sparen und nicht Rauchen – denn mit Rauchen verbrennt man bares Geld – konnte ich auf Auktionen Münzen ersteigern. Auch im Leipziger Münzenfachgeschäft fand ich mal diese und jene „KR“ oder „WR“ Münze.

Nach meinem Umzug nach Freiberg schloss ich mich dem Freiberger Münzverein an, der in dieser Zeit ca. 50 Mitglieder zählte.

Mit Dia-Vorträgen u. a. über Fälschungen wurde ich sehr bekannt. Dies nicht nur in Freiberg, sondern auch in anderen Vereinen, unter anderem auch in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Der Vortrag über Fälschungen – auf einem Bild die echte Münze und daneben die Fälschung und dies groß auf der Leinwand, löste eine gewaltige Reaktion aus.

Zur Dresdner Münzauktion, damals Staatlicher Kunsthandel, fuhr ich immer zur Besichtigung vor der Auktion, um alte Taler zu studieren, die Umschriften zu lesen zur Bestimmung. 1980 mussten wir aus gesundheitlichen Gründen nach Dresden umziehen.

Durch die gute Verbindung zur Dresdner Münzauktion entschloss ich mich, meine berufliche Laufbahn zu beenden und 1983 zum Staatlichen Kunsthandel/Dresdner Münz - auktion zu gehen. Dort habe ich auch den An- und Verkauf für Münzen, Schmuck und alte Taschenuhren eingerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Obermeister der Goldschmiede und einem Experten für alte Uhren konnten wir die Echtheit garantieren. Diese sehr interessante Tätigkeit endete 1990 mit der Wende.

Auf Münzenbörsen im Raum Sachsen war ich dann wieder der Münzenfreund. Als Förderer der Jugend bin ich beim Tempelhofer-Münzenhaus M. Senger, Berlin, bekannt, wo ich auch unterstützt werde. Als 90-Jähriger bin ich noch für einen Kreis von Sammlern tätig, als Berater und Beschaffer bei Münzauktionen. Das ist mein Leben für die Numismatik!

Ein Alexandriner? Oder was?

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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 1/2020

Was ist das?

Ich wende mich an Sie als Fachleute mit der Bitte, mich bei der Bestimmung einer ägyptischen Billontetradrachme zu unterstützen. Möglicherweise können Sie helfen bzw. einen Weg aufzeigen, der mir weiterhilft.

Mit freundlichen Grüßen Georg Zetzmann Das ist eine ziemliche Nuss, die uns Herr Zetzmann da zum Knacken übergab. Wir haben Dr. Angelo Geissen von der Uni Köln, einen der besten Kenner für alexandrinischer Münzen, um Hilfe gebeten. Freundlicherweise hat er sich die Zeit genommen und hier ist seine Antwort:

Lieber Herr Albert, ich habe ein wenig gesucht und glaube, eine Erklärung für das Stück anbieten zu können:

Es handelt sich anscheinend ursprünglich um eine alexandrinische Tetradrachme des Probus, deren Vs.-Legende nach den (nur noch teilweise lesbaren) Buchstaben A K M AYP derart umgeschnitten ist, dass nun (griechisch) FIPMIOC = Firmius zu lesen ist.

Der Rest der Legende mit dem Kaisernamen des Probus und CEB am Schlußss ist „verunklart“ und insgesamt „bearbeitet“. Die Rs.-Darstellung der Elpis/Spes LA ist einwandfrei.

Der erste Anschein einer Tetradrachme des AYP(relian) trügt, da diese Buchstaben seiner Legende bei ihm erst oberhalb des Kopfes bei ca. 11 Uhr beginnen!

Wer ist mit FIRMIUS gemeint? Offenbar hat ein vermeintlich schlauer, frühneuzeitlicher Zeitgenosse in der Historia Augusta gelesen und u.a. in den Kapiteln über die Dreißig Tyrannen (3-6) einen Firmus (als Gegenkaiser Aurelians) entdeckt, der dort als „Zenobiae amicus et socius“ bezeichnet wird. Er hat als reicher Kaufmann (aus Seleukeia) angeblich 273 n. Chr. einen (2.) Aufstand in Alexandria angezettelt, den Aurelian dann aber unterdrückte (HA Aurelian 32,1–2). Vgl. Kienast, Röm. Kaisertabelle, S. 238 (Firmus); Der Neue Pauly, s.v. Firmus (2).

Es wäre doch so schön gewesen, von diesem Herrn ein numismatisches Zeugnis zu haben. Dass man ihn hier als Firmios liest, täte dem keinen Abbruch …

Im übrigen gibt es in der Kölner Sammlung ein weiteres Beispiel solcher Falsifikate: einen Guss nach einer Tetra - drachme des 3. Jhs. für einen gewissen Censorinus (nach Philipp?) (Köln 3494). Auch diesen (fiktiven) Herrn kennen wir aus der Historia Augusta als Gegenkaiser des Claudius II in ebendem Kapitel über die Triginta Tyrannos: 33. (vgl. DNP s.v.; Kienast, S. 232).

Ich hoffe, Ihr Leser wird nicht zu enttäuscht sein. Immerhin ist sein Firm(i)us kein ganz Unbekannter … Herzlichen Dank, Herr Geissen. Die sachkundige Antwort tröstet über die Fälschung, die immerhin auch ein interessantes Stück ist.

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