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Leserpost


segelfliegen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 25.06.2019

Ich lese ja gerne die Zeitschrift, weil sie immer wieder gute Anregungen enthält. Aber bei der Zusendung sehe ich ein großes Problem: die Mengen an unnützem Müll, der die Weltmeere - und nicht nur die -bevölkert mit Auswirkungen, die wir heute noch gar nicht übersehen können, da die Plastikstoffe Eingang in die Nahrungskette auch des Menschen nimmt, ganz abgesehen von den vielen Tieren, die elend zugrunde gehen. Diese Gedanken gingen mir gestern durch den Kopf, als ich die Zeitschrift in Händen hielt und die Plastikverpackung entfernen musste, um lesen zu können. Lässt sich die Zusendung nicht ohne Verpackung regeln? Ich denke, dass in den nächsten Jahren auf jeden Fall in diese Richtung Gesetze kommen werden, da wäre es doch toll, wenn wir da schon mal anfangen könnten! (Quasi mit Vorbildcharakter).
Katharina Milke, Soest

Anm.d. Red.: Liebe Abonnenten, sagen Sie uns zu diesem Punkt doch Ihre Meinung! Wir nehmen das gerne als Anregung und verschicken das Magazin auch ohne Folie, machen aber darauf aufmerksam, dass es dann nicht mehr gegen Beschädigung und Verschmutzung geschützt ist. Wir möchten dazu gerne Ihre Rückmeldung an: bg@segelfliegen-magazin.ch

Ausgabe 02/2019: Im Sinkflug

Wie soll das Segelfliegen der Zukunft aussehen, und wer soll diesen Sport ausüben? Diese Frage hat Michail Hengstenberg hat in seinem Artikel „Im Sinkflug“ (Ausgabe 02/2019) ausführlich dargestellt und diskutiert. Er hat mir, als eben einem dieser „Mittelbauer“ und lebensälterem Flugschüler, in vielen Aspekten aus dem Herzen gesprochen. Wie oft verharren Vereine aus Hochmut, Unflexibilität, Ignoranz oder gar nur aufgrund der Meinung einiger weniger Wortführer auf althergebrachten, vermeintlich unabänderlichen Modellen eines Vereinsverständnisses. Die unbestreitbare Erkenntnis, dass sich Lebensrealitäten verändern, ist noch nicht überall angekommen.
Mitgliedszahlen, Altersstruktur, Jahres-flugstunden und Auslastungsstatistiken der Flugzeuge sprechen oft eine deutliche Sprache. Beim Blick auf die Altersstruktur, die ein wenig wie ein Schneemann aussieht – eher mehr Mitglieder um die 20 und dann wieder um die 50-60 Jahre, kann man sich sehr wohl um die Zukunft der Vereine Sorgen machen: Wie werden die Vereine in 10 Jahren dastehen? Wir müssen es schaffen, aus dem Schneemann wieder eine Pyramide zu gestalten, in dem wir junge Leute auch beim Eintritt in ein eigenes Berufs- und Familienleben in den Vereinen halten, in allen Altersgruppen Neumitglieder gewinnen und weiterhin viele Jugendliche für unseren Sport begeistern. Warum aber fehlt uns der Mittelbau? Michail Hengstenberg hat die Bedürfnisse und Zwickmühlen der Mitglieder zwischen 25 und 45 sehr gut beschrieben. Diese sind es jedoch, die uns mittelfristig als Vereine zukunftsfähig machen, die Funktionspersonal und Vorstände in 10 oder 20 Jahren stellen sollen. Deshalb sollten wir uns um diese Altersgruppe bemühen und diese Debatte aktiv führen, sonst brechen uns noch mehr Vereine weg.
Die gemeinsame Basis für unser schönes Hobby sind nun einmal die Vereine, die die Bedingungen verändern könnten. Vereine brauchen ehrenamtliches Engagement, auch das möchte ich nicht bestreiten. Uns sollte es also darum gehen, die Grundlage für dieses Engagement zu legen, in dem wir Wege finden, das Vereinsleben mit den heutigen Lebensrealitäten in Einklang zu bringen. Familienfreundlichkeit ist für mich der Schlüssel zu der genannten Altersgruppe. Familienfreundlichkeit zeigt sich jedoch nicht nur durch die Sandkiste neben dem Vereinsheim. Ehrlich, die an den Platz mitgeschleppte Familie langweilt sich ab Stunde zwei fürchterlich – ein aktives Einbinden ist notwendig. Ein Blick in andere Sportarten kann da hilfreich sein, wo auch Familienmitglieder anderer Generationen eingebunden werden. Wie wäre es zum Beispiel, die Mitgliederfamilien nicht nur für Thekendienste einzuplanen, sondern durch Mitfliegen an besonderen Familienflugtagen zu begeistern. Oder ein ganz und gar „unfliegerisches“ Aktivitätenangebot an die Familien am Platz zu schaffen: Sport, Handwerken, LAN/WLAN-Parties, etc. Wenn wir so die Familien als ganzes auf den Platz locken können, kommen auch weitere Familien dazu und eine schöne soziale Dynamik kann ihren Anfang nehmen. In der Folge kommen dann auch die ‚mittelalten‘ Mitglieder häufiger und ohne schlechtes Gewissen zum Platz und steigen ins Flugzeug.
Die Alternative ist für mich aber auch nicht so schrecklich. Eine Kommerzialisierung der Vereine kann zwar zum Verlust von Mitgliedern, die finanziell nicht so stark sind, führen. Auf der anderen Seite werden aber vielleicht so wieder Mitglieder angesprochen, die zwar mit einem geringen Zeitbudget ausgestattet sind, so aber wieder die Chance sehen, ihrem Hobby nachzugehen. Ein völliges Umschwenken auf dieses Modell würde uns aber die Jugend und damit die künftigen Piloten nehmen. Ein rein kommerzieller Ansatz ist daher sicher nicht erstrebenswert, aber eine Mischung von beiden Gedankenmodellen könnte trotzdem helfen, die Situation zu verbessern. Im Moment bekommt jemand, der seine fehlende Zeit im Verein nur zu gern durch ein etwas höheres finanzielles Engagement ausgleichen würde, oft Ablehnung oder gar Anfeindungen zu hören. Warum? Bei der Berechnung von nicht geleisteten Arbeitsstunden sind einige Vereine ja auch nicht zimperlich.
Auch hier kann der Blick in andere Sportarten dem vereinseigenen Denken auf die Sprünge helfen: Ein Golfclub, zum Beispiel, funktioniert auch mit bezahlten Servicekräften und Greenkeepern. Ich will das Segelfliegen sicher nicht mit Golf gleichsetzen, aber der erwartbare Aufschrei sollte uns nachdenklich stimmen. Dahinter steht nämlich die unverrückbare Forderung, Zeit zu investieren. Dies ist aber eben heutzutage schwieriger, und das Anbieten einer anderen, verfügbaren, Ressource (nämlich Geld) wird kategorisch abgelehnt. Allerdings ist die Grundvoraussetzung für solche Mischmodelle ein grundsätzlicher Sinneswandel bei den Mitgliedern, sonst ist ein harmonisches Miteinander von beiden Seiten nur schwer denkbar. Sicherlich sollen die Vereine als solche nicht in Frage gestellt werden. Sie sind die Basis unseres Sports in der Fläche. Und ebenso wenig sollen das Engagement, der Ideenreichtum und die Initiative einiger Vereine genau diese Probleme anzugehen unbeachtet bleiben. Ganz im Gegenteil – wir müssen davon lernen, Ideen weiterentwickeln und auch den Mut haben Dinge auch ohne eine Erfolgsgarantie einfach auszuprobieren und die Erfahrungen dann zu teilen! Gehen wir es an!

Stefan Wagner

Wir freuen uns auf Ihre Zuschrift unter: bg@segelfliegen-magazin.de Leserzuschriften werden mit Namen und Wohnort veröffentlicht. Gegebenenfalls holt der Verlag eine Stellungnahme der Betroffenen ein. Auswahl sowie Kürzugen liegen im Ermessen der Redaktion.

„Segelfliegen Grundausbildung“ Dirk Corporaal

REZENSION UWE BODENHEIM

Artikelbild für den Artikel "Leserpost" aus der Ausgabe 4/2019 von segelfliegen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segelfliegen, Ausgabe 4/2019

Mit einem Preis von fünf Euro ist das gut 80 Seiten starke Heft im Format DINA5 konkurrenzlos günstig und hat damit das Potential, ein Standardwerk für Einsteiger in den Segelflug zu werden. Aber kann es diesen Anspruch erfüllen?
Das Büchlein begleitet den angehenden Piloten vom ersten Besuch auf dem Flugplatz über die ersten Starts durch alle im Ausbildungsnachweis enthaltenen Flugübungen und schließt mit dem ersten Alleinflug ab. Der Schwerpunkt liegt auf der Flugpraxis und gibt Hinweise, auf was es ankommt und worauf zu achten ist. Wo es für das Verständnis notwendig ist, wird auch auf die theoretischen Hintergründe eingegangen, allerdings ohne den Schüler zu überfrachten. Aber auch die mentalen Aspekte, Ängste, Gefühle und Unsicherheiten werden angesprochen, ebenso wie die zwischenmenschlichen Faktoren im Verein nicht außen vor bleiben und der Schüler an den entscheidenden Stellen motiviert wird, sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen.
Auch wenn die deutsche Ausgabe ganz frisch ist, merkt man ihr an, dass sie in ihrer niederländischen Ursprungs-variante „Zweefvliegen Elementaire Vliegopleiding“ bereits ordentlich reifen konnte. Die Anpassung an die deutschen Verhältnisse (die sich von den niederländischen nicht grundlegend unterscheiden) kann als gelungen bezeichnet werden. Das Layout mit Schwarz-Weiß-Fotos wirkt zwar etwas altbacken, aber die Bilder sind durchweg passend ausgesucht, lockern gezielt auf und tragen meist zum besseren Verständnis bei. Als sehr gut werden die vielen aussagekräftigen, mit Farbakzenten versehenen Grafiken empfunden. Aus Fluglehrersicht gibt es eigentlich keine Themen, die man vermissen würde. Dabei werden die einzelnen Punkte stets in der notwendigen Tiefe behandelt. Im Resultat wurde ein gutes Verhältnis von Einfachheit und Verständlichkeit zu fachlicher Korrektheit gefunden. Ein Eindruck, der auch von einem frischen und somit recht unbedarften Flugschüler als Zielgruppenvertreter bestätigt wird
Resümee: Auch wenn an der eine oder anderen Stelle vielleicht noch Anpassungen und Ergänzungen sinnvoll wären, kann man die deutsche Erstausgabe uneingeschränkt empfeh-len. Aus Sicht des Autors besitzt das Heft das Potential, die Standardisierung der Segelflugausbildung zu unterstützen.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Inhalte auch digital verfügbar sind unter:
www.zweefvliegopleiding.nl/index.php/segelfliegen-grundausbildung

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