Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

Leserreise Spanien & Marokko: Ab in die Wüste


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 16.11.2018

Ungewohnte Verfahren und komplexe Lufträume liegen auf dem Weg zum Traumziel Marokko. Doch die Teilnehmer der vonfliegermagazin und Eisenschmidt veranstalteten Leserreise waren sich einig: Exotische Erlebnisse in orientalischen Märkten und einsamen Wüsten lohnen die Mühe


Artikelbild für den Artikel "Leserreise Spanien & Marokko: Ab in die Wüste" aus der Ausgabe 120/2018 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 120/2018

Salz macht bunt An der Mündung des Flusses Ebro in Spanien wird in Lagunen Salz gewonnen. Die Rotfärbung entsteht durch Mikroorganismen. Auch aus der Luft sind die dort rastenden Flamingos zu erkennen


1 Hier endet Europa Am Felsen von Gibraltar kleben die durch Wind entstehenden Wolken. Der Luftraum zwingt Piloten auf unter 1000 Fuß ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von fliegermagazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 120/2018 von Foto des Monats: Alles fließt – noch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Foto des Monats: Alles fließt – noch
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von Oldtimer-Porträt: Dewoitine D.26: Friedliche Fighter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Oldtimer-Porträt: Dewoitine D.26: Friedliche Fighter
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von KOMMENTAR: SCHIEDSRICHTER!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOMMENTAR: SCHIEDSRICHTER!
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von Unsere Leserreisen 2019: Rundum sorglos. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unsere Leserreisen 2019: Rundum sorglos
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von Porträt: Dr. Roland Winkler: Zeit zum Fliegen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Porträt: Dr. Roland Winkler: Zeit zum Fliegen
Vorheriger Artikel
Spruce Creek Airpark: Fliegerparadies
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Touch & Go Luxemburg: Europäische Vielfalt
aus dieser Ausgabe

1 Hier endet Europa Am Felsen von Gibraltar kleben die durch Wind entstehenden Wolken. Der Luftraum zwingt Piloten auf unter 1000 Fuß


2 Ungewohnt Erstmals seit Jahren wird im Cockpit eine Papierkarte entfaltet: Wir haben das PDF der marokkanischen Behörden ausgedruckt


3 Freundlich und einfach Nördlich von Alicante ist der Flugplatz Mutxamel (LEMU) ein guter Anlaufpunkt für die Allgemeine Luftfahrt


4 Hier kommen die Tomaten her Die landwirtschaftlich nutzbaren Gebiete an der spanischen Küste sind großflächig mit Folien-Gewächshäusern überzogen, in denen Gemüse reift


Die letzte der 14 Maschinen in unserer Gruppe rollt gerade nach der Landung auf das riesige Vorfeld im marokkanischen Fès, da kommen zwei grimmig drein blickende Männer in dunkler Kleidung auf uns zu: »Wer ist der Pilot von dem Flugzeug da?« Wir fragen, was das Problem sei: »Er ist über den Königspalast geflogen! « Oha! Doch Towerchef Khalid, der eigens zur Begrüßung unserer Gruppe auf die Ramp gekommen ist, nimmt mich zur Seite: »Kein Problem, der König ist ja gar nicht hier. Der Pilot soll einfach sagen, er sei ganz normal geflogen und habe nichts vom Palast gewusst.« Was ja stimmt. Auf die Frage, ob der Palast denn irgendwo auf einer Karte als Sperrgebiet markiert sei, antwortet Khalid mit leisem Lächeln: »Aber nein! Dann wüsste doch jeder, wo er ist.« Nach einer schriftlichen Erklärung des Piloten zieht der königliche Sicherheitsdienst zufrieden ab.

Es geht alles ein bisschen anders in Marokko, aber immer sind die Menschen unglaublich freundlich. Das gilt auch für die Tankwarte: Mit einem Riesenlaster voller Jet Fuel betanken sie die drei Dieselflugzeuge unserer Flotte zügig. Doch dann kommt das, was uns drei Stunden Verspätung kosten wird: Hinten am Lkw hängt ein winzi-ger Anhänger. Der hat eine Handpumpe und einen 600-Liter-Avgas-Tank. Alle drei, vier Flugzeuge geht’s zurück ins Depot; am Ende erlahmt der kräftige Arm des Tankwarts, sodass wir mitpumpen.

Doch, Inschallah, am Ende geht es endlich ins Terminalgebäude. Dort erleben wir zum ersten Mal die Magie der vier Streifen: Die meisten von uns hatten sich auf Anraten von Marokko-Erfahrenen Uniformhemden mit Schulterklappen und einen angeklemmten Crew-Ausweis besorgt – obwohl man sich damit ein wenig komisch vorkommt. Aber jetzt: Eine lange Schlange von Ryanair-Passagieren steht vor der Passkontrolle, doch als die Beamten unsere Uniformen sehen, winken sie uns sofort an einen leeren Schalter, der nur für uns geöffnet wird. So eine Vorzugsbehandlung erhält die Gruppe auch am nächsten Morgen beim Betreten des Terminals und vor der Sicherheitskontrolle, ebenso am zweiten marokkanischen Flugplatz. Merke: In Afrika wirkt Uniform!

Mitten in den engen Gassen der Altstadt von Fès liegt unser Hotel, ein Riad. Das sind alte Stadthäuser, die zu kleinen, aber sehr feinen Herbergen mit traditioneller Einrichtung umgebaut wurden (siehe Randnotiz Seite 53). Wir lassen uns bei unserem Marokko-aufenthalt von der Reisebuchautorin Edith Kohlbach helfen, die früher selbst Pilotin war (www.edith-kohlbach.de).

Bei der Führung durch die Medina fühlt man sich ins Mittelalter versetzt: Enge Gassen sind gefüllt mit winzigen Läden, deren Besitzer in der offenen Tür eines Verschlags sitzen, von all ihren Waren umgeben. Ohne Guide würde man aus dem Gewimmel nicht wieder herausfinden. Im ersten Viertel dreht sich alles um Nahrungsmittel, im nächsten um Kleidung und Stoffe, dann folgen Metallwaren, Töpfe und Pfannen. Die Eindrücke sind überwältigend – und auch verstörend: Armut und Wohlstand liegen hier nah beieinander.

Weiter Weg Gut 3000 Nautische Meilen kommen auf der Reise nach Spanien und Marokko zusammen. Die Route führt entlang der Mittelmeerküste Spaniens


Eine andere Welt In der Medina von Fès drängen sich die winzigen Läden der Händler dicht aneinander


Trügerische Ruhe Bei Sonnenuntergang haben die Arbeiter im Gerberviertel von Fès schon Feierabend – doch der bestialische Gestank ihrer Tauchbecken bleibt


Warten auf Sprit In Fès werden die 13 Flugzeuge per Handpumpe aus einem 600-Liter-Tankanhänger befüllt – das dauert


UNSER PARTNER
Die R. Eisenschmidt GmbH mit Sitz am Flugplatz in Egelsbach ist Pilot Shop und Ansprechpartner für die Allgemeine Luftfahrt. Zum Portfolio gehören Luftfahrtkarten und -publikationen, Aus- und Weiterbildungsmaterial sowie Zubehör für Flugvorbereitung und Flugdurchführung www.eisenschmidt.aero

Am südlichsten Punkt 13 Flugzeuge haben es bis Errachidia geschafft. Von dort fahren die Teilnehmer mit Geländewagen in die Wüstenlandschaft des Erg Chebbi


Trennwand Mit bis zu 4167 Metern Höhe trennt das Atlas-Gebirge den Mittelmeerraum von der Sahara. Beim Überflug bieten sich spektakuläre Ausblicke


Aus dem Gewimmel der Medina von Fès findet man kaum heraus


Tiefflug am Mittelmeer

Von Deutschland aus ist Marokko auch mit dem Flugzeug weit weg: Zwischen 20 und 30 Stunden werden die Maschinen am Ende absolviert haben. Für eine Gruppenreise mit Flugzeugen ist eine Menge Bürokratie erforderlich, doch die reduziert sich für Einzelreisende erheblich.

In Colmar haben wir uns zum Start der Reise getroffen – und am ersten Tag gleich ordentlich Strecke gemacht: Bei Mistral mit bis zu 50 Knoten Rückenwind geht es das Rhonetal hinab bis Perpignan in Südfrankreich. Dort empfängt uns freundlicherweise der Deutsche Stefan Auer mit seinem Wartungsbetrieb Aerosmith66 zum Tankstopp mit Imbiss. Erst gilt es aber, Wind mit 28 Knoten, in Böen 40, zu bewältigen – zum Glück genau auf der Bahn.

Weiter geht’s nach Spanien: Gleich hinter der Grenze ist der Luftraum um Barcelona sehr komplex, genaues Kartenstudium ist erforderlich. In den Luftraum D hinein gibt es keine Freigaben, drumherum kommt man vernünftig nur mit GPS-Hilfe und im Tiefflug bei etwa 1000 Fuß AGL. Das gilt auch für die Gegend um Valencia, wenn dort nicht eine Freigabe angeboten wird. Die Vorteile: Aus niedriger Höhe ist die spanische Mittelmeerküste sehr schön – und überm Wasser wäre die Route auch bei niedrigen Wolken noch machbar. Wir haben allerdings auf der ganzen Reise Glück mit dem Wetter.

1 Gewöhnungssache Anfangs sorgt der schaukelnde Gang der Dromedare für Unsicherheit. Doch der einstündige Ritt durch die Wüste ins Zeltcamp wird ein besonderer Genuss


2 Vom Wind geformt Die orangefarbenen Dünen des Erg Chebbi werfen besonders bei tiefstehender Sonne wunderschöne Schatten


3 Fundstücke Bei Erfoud findet sich ein Felsgebiet mit eingelagerten Fossilien. Kinder bieten bearbeitete Stücke zum Kauf an


Luxus in der Wüste Die Zelte der Berbercamps im Erg Chebbi sind mit allem Komfort ausgestattet


In Marokko muss man vorgegebenen VFR-Routen folgen


Eigentlich wären wir gerne nach Alicante geflogen, denn Spanien schreibt für Aus- und Einreisen in Non-Schengen-Staaten einen internationalen Flughafen mit Handling vor. Das brauchen wir am nächsten Tag, aber der Platz ist dienstags für VFR-Verkehr gesperrt. Also gehen wir zum Übernachtungsstopp auf den kleinen und sehr freundlichen Platz von Mutxamel

Von dort soll Almería unser Ausflugspunkt nach Marokko werden. Eine gute Wahl: Der Handling-Agent Airlines Ground Assistance hat unsere Grenz- und Zollabfertigung sowie das Tanken perfekt organisiert; die Gebühren bleiben mit gut 100 Euro erträglich. Auch für innerspanische VFR-Flüge sind übrigens Flugpläne erforderlich. Für unsere Gruppe hat das AIS-C der DFS freundlicherweise alle Pläne aufgegeben.

Man könnte von hier direkt über das Mittelmeer nach Fès fliegen – hätte aber wenig zu sehen. Wir genießen den Tiefflug entlang der Küste, lassen uns von freundlichen Lotsen in Malága durch die dortige Kontrollzone leiten und passieren in 1000 Fuß den Felsen von Gibraltar. Dort verlassen wir Europa

Die marokkanischen Behörden veröffentlichen ihre Luftfahrtkarte als PDF zum Download. Die haben wir uns ausgedruckt. Ungewohnt: Geländehöhen sind in Metern verzeichnet. In Marokko muss man VFR-Routen folgen, die auf der Karte verzeichnet sind, sich aber längst nicht in allen Navigations-Apps finden.

Casablanca Radar ist nur zeitweise im Funk zu erreichen. Weil es in weiten Teilen des Landes keine Radarabdeckung gibt, fragen die Controller nach »Estimates «, also nach der Ankunftszeit an bestimmten Meldepunkten oder am Ziel. Darauf sollte man mit etwas Kopfrechnen vorbereitet sein, auch wenn es nicht auf die Minute ankommt.

Nach einer Nacht in Fès erleben wir am Morgen nochmal die Freundlichkeit der Menschen: Im Bus zum Flughafen vermisst ein Teilnehmer plötzlich seine Pilotentasche. Panik macht sich breit – was tun? Plötzlich hält an einer Ampel ein Moped neben dem Bus, der Fahrer reicht die Tasche durchs Fenster herein: Sie habe sich im Hotel angefunden, da sei er losgedüst. Mehr Service geht nicht.

Von Fès aus fliegen wir über das einsame und wilde Atlasgebirge nach Errachidia. Die VFR-Route folgt der einzigen Fernstraße der Gegend; mit leichten Abweichungen kann man auch die höheren Gipfel meiden. Gleich hinter den Bergen liegt der Platz, nach Süden erstreckt sich eine weite Ebene. Irgendwo da hinten beginnt die Sahara.

Mit Geländewagen fahren wir 90 Minuten lang in diese Richtung. Unser Ziel ist das Erg Chebbi, eine Wüstenlandschaft mit riesigen Dünen. Obwohl es hier eine Unmenge von Hotels und Zeltcamps gibt, erle-ben wir auf unserem einstündigen Dromedarritt ins Camp Einsamkeit zum Sonnenuntergang. Wir schlafen in luxuriösen Steilwandzelten mit eigenem Bad und haben dennoch das Gefühl, einen Einblick in die Welt der Berbernomaden zu bekommen.

Nach nur zwei Nächten in Marokko wollen wir schon wieder zurück nach Spanien: Granada ist unser Ziel, es liegt in den Bergen hinter Málaga. Wieder sind die Lotsen in Marokko schwer zu erreichen – es scheint aber keinen zu stören, wenn man sich sehr spät vor Erreichen eines Luftraums meldet.

Auch in Granada haben wir mit Andalucia Aviation Services die richtige Wahl beim verpflichtend vorgeschriebenen Handling getroffen – es gibt an jedem Flughafen mehrere Anbieter. Alles klappt schnell und problemlos. Dennoch jagt uns Handling-Mann Jaime bei der Begrüßung einen Schreck ein: »Sevilla Control ist sauer, Ihr seid ohne Flugplan aus dem Ausland gekommen!« Das stimmt natürlich nicht. »Kennen wir schon, die Marokkaner geben die Pläne oft nicht weiter. Habt Ihr einen Beweis?« Das AIS-C sendet die entsprechenden Mails, erst dann klärt sich alles.

Eigentlich geht es in Granada mit Marokko weiter: Die berühmte Alhambra, die wir besichtigen, ist ein Bauwerk der Mauren, die aus Nordafrika nach Spanien eindrangen und dort bis 1492 herrschten.

Avignon in Südfrankreich ist letzter Übernachtungsstopp unserer Kurzvisite in Marokko. Bei einem typisch französischen Abschieds-Dîner mit Herbsttrüffel ist sich die Gruppe in zwei Dingen einig: In dieser Kürze ist so eine Reise nur mit kleinen Flugzeugen möglich. Und: Marokko hätte mehr Zeit verdient.

Oase der Ruhe Im Gewühl der Altstadt von Fès bieten Riads – zum Hotel umgebaute Stadthäuser – mit ihren Innenhöfen eine stimmige Unterkunft


HOTELS
Unser Riad in Fès war das Maison Bleue (www.maisonbleue.com), das zwei Häuser in der Stadt hat. Die Auberge Café du Sud betreibt im Wüstengebiet Erg Chebbi ein Hotel und ein Luxus-Zeltcamp, in dem wir gewohnt haben (www.aubergedusud.com). In Granda liegt das historische Hotel Parador de Granada auf dem Gelände der Alhambra (www.parador.es). Das Hotel d’Europe in Avignon bietet Fünf-Sterne-Komfort in einem historischen Gebäude in der Altstadt (www.heurope.com)

1 Flugvorbereitung Der komplexe Luftraum entlang der spanischen Mittelmeerküste wird gemeinsm durchgesprochen. Unser Gastgeber in Perpignan ist der Wartungsbetrieb Aerosmith66, der unter deutscher Leitung steht


2 Maurische Pracht Der Nasriden-Palast in der Alhambra von Granada bietet Einblicke in die Zeit, als die Mauren auch Spanien beherrschten


3 Verkleidet Auch wenn das Tragen eines Hemds mit vier Streifen anfangs ungewohnt ist: Auf den ersten Blick als Pilot erkennbar zu sein, macht in Marokko viele Abläufe einfacher


ONLINE
Scannen Sie den Code oder geben Sie http:// bit.ly/2zqDfx8 ein, um mehr Bilder und Videos von der Reise zu sehen


KARTE: DEINZER GRAFIK