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LESESTOFF: Wie Heu von Rügen nach Lappland kam…


Mecklenburger Pferde - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 01.04.2019

Ein Telefonat mit einer Freundin, die vor fünf Jahren nach Lappland ausgewandert ist, öffnete die Tür zu einem Abenteuer für Martina Hermann, einer Reiterhof-Besitzerin von der Insel Rügen.


Artikelbild für den Artikel "LESESTOFF: Wie Heu von Rügen nach Lappland kam…" aus der Ausgabe 4/2019 von Mecklenburger Pferde. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mecklenburger Pferde, Ausgabe 4/2019

Eigentlich wollten Martina Hermann und einige Vereinsmitglieder vom Hof Viervitz im Februar zum Skiurlaub in die Alpen fahren. Doch ein Telefonat warf plötzlich alle Pläne über den Haufen: Martinas Freundin Kerstin Pöller, einst bei Demmin zu Hause und jetzt in Lappland wohnend, hatte nämlich große Sorgen. Ihr Wintervorrat an Heu würde keinesfalls für ihre drei Isländer reichen. Wo sonst 15 Ballen gepresst werden ...

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... konnten, gab es nach dem auch in Nordschweden extrem trockenen Sommer 2018 nur anderthalb Ballen. Und zufüttern muss man in Polarkreisnähe von September bis Mitte Juni

HABEN SIE HEU?

Martina Hermann telefonierte und schaffte das derzeit auch in Deutschland fast Unmögliche: Ein Rügener Landwirtschaftsbetrieb war trotz knapper eigener Reserven bereit, ihr vier Quaderballen Heu für die Lappland-Isis zu verkaufen. Sie disponierte komplett um. Sohn Alexander und Tochter Melina Hermann sowie einige Vereinsmitglieder sicherten den Pferdebetrieb in Viervitz ab. Die Reiterhof-Chefin sattelte die Wohnkabine auf ihren Pickup, lud Sohn Lucas ein und wollte mit zwei Tonnen Heu auf dem Hänger die fast 2000 Kilometer gen Norden unter die Räder nehmen - und dann versagte die Antriebswelle des Autos. Mit dem Traktor brachten sie den Pickup in die Werkstatt. Mit fünf Tagen Verspätung konnte das große Abenteuer starten

UNGEWÖHNLICHES URLAUBSGEPÄCK

So ganz traute Martina Hermann auf den ersten Kilometern dem reparierten Auto noch nicht – aber als das schwere Gespann zuverlässig rollte, buchten die beiden spontan eine Fähre von Rostock nach Trelleborg. Der nächste Schreck: Heu ist Gefahrgut und darf nicht auf der Fähre transportiert werden. Als letztes Fahrzeug durften sie aber dann doch mit. In Trelleborg hieß es: Erstmal durchatmen. Strömender Regen bis Stockholm, kurze Schlafpause. Die Fahrbahn wurde immer vereister und das Fahren immer anstrengender. Nach einer weiteren Übernachtung an der Ostsee ging es ins Landesinnere- die traumhafte Landschaft zauberte den beiden nur noch Ahs und Ohs ins Gesicht. Sie fuhren mitten durch das größte europäische Wintertest- Zentrum der Auto- und Zulieferindustrie, begegneten Rentieren, aber auch Erlkönigen – wie man die neuesten „verkleideten“ Auto-Prototypen nennt. Heil erreichten sie und das Heu schließlich die glücklichen Pferde und Schlittenhunde in Lappland. Denn auch Huskies – 44 davon leben derzeit im Camp von Kerstin Pöller und Andreas Barth - lieben frisches Heu zum Kuscheln

SCHLITTEN FAHREN IN NORDSCHWEDEN

Nur wenige Stunden später standen Martina und Lucas Hermann auf dem Husky- Schlitten und lernten die verschneiten Wälder und Moore aus einer ganz neuen Perspektive kennen. Nicht wie bei der Kutsche hat der Schlittenhundeführer eine Leine in der Hand, sondern nur durch Zurufe werden die Hunde gelenkt. Am Tag danach testete das Rügener Paar ein spannendes Abfahrt-Skigebiet in der kleinen Stadt Arjeplog, um sich gleich darauf ins nächste Abenteuer zu stürzen. Sonne war nämlich angesagt – eine Chance, einmal den Polarkreis zu überfahren. Zwar frischte der Wind danach immer stärker auf, und es war unklar, ob der Pass nach Norwegen befahrbar sein würde, aber wenn schon so weit oben, dann richtig – dachten sie, fuhren weiter, und gelangten über eine traumhafte Route zu einem Skigebiet im norwegischen Narvik, wo die Pisten am Fjord enden. Leider regnete es hier so stark, dass sie sich entschieden, weiterzufahren - zum Nordkap. „Auf dieser Strecke lernten wir, dass es an den Straßenkreuzungen Schranken gibt mit Hinweisschildern, wann der nächste Schneepflug fährt“, erinnert sich Martina. Ohne Begleitung eines Pfluges darf man die Straßen nicht befahren. „Für uns war das aber völlig entspannt, da wir unser Haus ja Huckepack dabei hatten.“ Kurz vor dem Nordkap verbrachten die beiden Rügener eine Nacht im nördlichsten Fischerdorf der Welt. Nächster Morgen elf Uhr: Treffen an der Schranke zum Nordkap. Eine Truppe von Menschen traf sich dort mit unterschiedlichsten Geschichten und Fahrzeugen aus aller Welt. Eine wunderbare Atmosphäre war unter diesen Reisenden zu spüren, viele erfüllten sich einen Lebenstraum.

SCHNEEPFLÜGE, EISPISTE, STURM

Schneepflugfahrer prüften alle Autos auf Wintertauglichkeit. „Diese Schneeflüge fahren mit bis zu 80 km/h, man brauchte schon etwas Mut, um ihnen auf den 15 Kilometern Eispisten zu folgen!“ Zwei Stunden Zeit blieben, um sich am Nordkap umzuschauen. „Ich möchte hier nicht im Sommer einer unter tausenden Touristen sein. Aber jetzt im Winter war es einfach wunderschön!“, sagt Martina Hermann. Nach einer weiteren Nacht am Kap überraschte sie ein Wetterumschwung: Sturm. Richtiger Sturm. Schranke war nun zu im Fischerdorf. Nachmittags startete der Schneepflug in die nächst größere Stadt. Erneut ging es mit 80 km/h über die Eispisten. „Man darf keinesfalls den Anschluss verlieren, da die Straßen in wenigen Minuten wieder völlig zuwehen.“ In Honnigsvag, der größten Stadt auf dem Nordkap, gab es die nächste Schranke. „Bis zu 14 Tage könnten wir bei vollem Tank und gefüllten Gasflaschen autark stehen. Also waren wir recht entspannt…“ Noch am selben Abend rollten mehrere riesige Schneepflüge an, dazu Polizei und ein Radlader. Der Sturm legte zu, die Autotüren gingen kaum noch zu öffnen. Der Radlader buddelte die Nordkap-Tunneleinfahrt frei. Derweil gab es gewissenhafte Ausrüstungskontrollen und eine lange Einführung über das Verhalten in einem Konvoi im Sturm. Alle Personen wurden gezählt.

Die Schneepflugfahrer überlegten lange, ob sie den Pickup mit der Wohnkabine überhaupt mitnehmen konnten. Dann grünes Licht. Das Abenteuer Konvoifahrt im Sturm vom Nordkap konnte starten. Mehrere Begleitfahrzeuge in der Mitte, ein Schneeflug am Anfang und einer am Ende des Konvois begleiteten den Tross von 25 Autos fast 100 km von der Inselgruppe Nordkap herunter. „Teilweise im völligen Blindflug durch den aufgewirbelten Schnee fuhren wir an zweiter Stelle hinter dem Pflug. Jetzt konnten wir die Sicherheitsmaßnahmen verstehen!“ Nach 84 km verabschiedeten sich die Pflugfahrer, und der Konvoi sollte die 15 km bis zum nächsten Ort allein fahren. Nach wenigen Metern hingen die ersten Autos in den Schneewehen fest. Autotüren liessen sich in den Orkanböen nicht mehr öffnen. Jetzt wurde klar, warum man Mütze, Jacke, Handschuhe immer im Auto mit sich führt. Innerhalb weniger Minuten war der Pickup bis Mitte der Fahrertüre im Schnee versunken. Also warten und hoffen, dass das Auto nicht umgerissen wird. Vier riesengroße Schneepflüge befreiten die 25 Autos. „Faszinierend, wie gelassen und mit welcher Freude uns die Pflugfahrer aus un- serer misslichen Lage befreiten.“ Der Schneeflug spannte den Pickup an sein Schild und manövrierte ihn zentimeterweise zurück in die Spur. Mitten in der Nacht ging es noch einige Kilometer bis in den nächsten Ort. Der Schneepflugfahrer warnte: „Fahren Sie nicht über den Pass, sondern über Finnland nach Schweden zurück!“ Das Nordkap sei inzwischen komplett dicht. Fast drei Tage dauerte die Umweg-Rückfahrt - mit Elchen und Rentieren auf der Straße, vorbei am nördlichsten Punkt der zugefrorenen Ostsee, dem Hafen Haparanda, bis ins Husky-Camp Gasa.

alle Fotos: Martina und Lucas Hermann


POLARLICHTER, EISESKÄLTE UND HEMINGWAY

Zwei entspannte Tage mit ganz vielen Polarlichtern und unter minus 35 Grad folgten, bevor unmittelbar vor dem Start zurück ein Beifahrer zustieg: Hemingway, ein fünfjähriger sibirischer Husky, war schwer erkrankt. Alle Hoffnungen ruhten auf einer befreundeten Tierärztin unweit von Leipzig. So landeten die beiden Rügener Pferdeleute mit einem Husky in Sassnitz – und werden diese völlig ungeplante Wahnsinnstour niemals vergessen. Die drei Isis und alle Schlittenhunde sind begeistert von dem Mecklenburger Heu, Hemingway, dem erkrankten Husky geht es inzwischen besser. Lucas Hermann bereitet sich nun auf ein längeres Praktikum im Husky- Camp vor. Er wird den nächsten Winter in Lappland bei den Huskys verbringen. Martina Hermann und ihrer zwei Töchter planen schon die nächste Reise in den hohen Norden

NACHRICHTEN

Gruppenbid in Warendorf - Landesjugendsprechertreffen in der FN-Zentrale.


(Fotos: Henriette Dierkes)

Im Bild v.li.: Anne Hänsisch, Birgit Reimer, Erhard Fenske, Jessica Herbold, Holger Reimer.


(Foto: Annette Führs)

LANDESJUGENDSPRECHER BEIM TREFFEN DES FNJUNIORTEAMS

Zum traditionellen Frühjahrstreffen des FN-Juniorteams, der Landesjugendsprecher aller Landesverbände, fuhren unsere Landesjugendsprecherin Henriette Dierkes und ihre Stellvertreterin Johanna Jaensch nach Warendorf. Gemeinsam bringen Sie Projekte für die Pferdesportjugend auf den Weg und tauschen sich über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen in den jeweiligen Landesverbänden aus.

Andreas Mamerow, von der Deutschen Mentaltrainer Akademie e.V. gab einen Workshop zum Thema: „Das Pferd ist dein Spiegel - besser reiten mit mentalem Training“. Henriette Dierkes und Johanna Jaensch nahmen Tipps und Methoden für den Umgang mit dem Pferd und für die weitere Arbeit im Landesverband MV für Reiten, Fahren und Voltigieren mit. „Besonders beeindruckend, so Henriette Dierkes, wie die Konzentration mit Hilfe von Reaktions- und Geschicklichkeitsübungen trainiert oder Methoden zur Entspannung und Aktivierung des Körpers ausprobiert werden konnten. Auch Basics für die Erhöhung der mentalen Stärke, wie die realistische Selbsteinschätzung und vorzubereitende Handlungspläne wurden den Jugendsprechern näher gebracht“, so Dierkes.

Am zweiten Tag ging es in die Klausurtagung. Annika Schalück, aus der FNAbteilung Jugend, stellte das Projekt „junges Engagement“ vor. Hierbei handelt es sich um deutschlandweite Treffen für junge Pferdesportbegeisterte, die ehrenamtlich tätig sind. Wer Interesse an weiteren Informationen zur Jugendarbeit und zur Jugendleitung im Pferdesport in MV hat, meldet sich gerne in der Geschäftsstelle unter . Mit erhöhter mentaler Stärke und einigen neuen Ideen im Gepäck kamen Henriette und Johanna nach Mecklenburg-Vorpommern zurück und freuen sich auf das nächste Treffen im Herbst.

H. Dierkes

NEUER VORSTAND BEI DER IG HAFLINGER MV MIT HOLGER REIMER AN DER SPITZE

Die Interessengemeinschaft der Züchter und Halter der Haflingerrassen in MV hat im März auf der Mitgliederversammlung im Landhaus Levitzow einen neuen Vorstand gewählt. Bestehend aus Holger Reimer (Vorsitzender), Erhard Fenske, Anne Hänisch, Jessica Herbold und Birgit Reimer leitet das Gremium die Geschicke der Haflinger in Mecklenburg- Vorpommern die kommenden vier Jahre.

Nicht erneut kandidiert hat Rainer Kohl. Er schied nach 12 Jahren Vorstandsarbeit auf eigenen Wunsch aus dem Amt. Ca. 60 Personen folgten der Einladung nach Levitzow. Neben den Jahresberichten und der Wahl des neuen Vorstandes wurden im Rahmen des Jubiläums „25 Jahre IG Haflinger“ Mitglieder geehrt, die in den 25 vergangenen Jahren die Haflingerzucht M- V’s maßgeblich mitbestimmten.

R. Kohl