Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Let’s roll, girls!


emotion - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

Outdoor

Artikelbild für den Artikel "Let’s roll, girls!" aus der Ausgabe 8/2021 von emotion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: emotion, Ausgabe 8/2021

Es ist wie der Moment beim Aufräumen, wenn die Bluetooth-Box die Verbindung verliert, man beim Mitgrölen eben noch wie Beyoncé klang, jetzt aber plötzlich nur ein dünnes Krächzen durch die

Räume hallt: Man blickt der Realität ins Auge. „Ihr müsst in die Knie gehen und einfach bouncen, bouncen, bouncen!“ Was bei Nadja auf Rollschuhen so lässig aussieht, bekomme ich einfach nicht hin. Mein verzogener Homeoffice-Körper kann nicht in die Knie gehen und bouncen. Zum Glück bin ich damit nicht allein; in Nadjas Anfänger*innen- Kurs stehen neun weitere Frauen auf Rollerskates neben mir und versuchen sich im Jam-Skating, dem Tanzen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von emotion. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2021 von Leo, meine Urlaubsliebe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leo, meine Urlaubsliebe
Titelbild der Ausgabe 8/2021 von Intern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Intern
Titelbild der Ausgabe 8/2021 von Neuland. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neuland
Titelbild der Ausgabe 8/2021 von „WER SCHWEIGT, STIMMT UNRECHT ZU“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„WER SCHWEIGT, STIMMT UNRECHT ZU“
Titelbild der Ausgabe 8/2021 von DER PROTE ST DER FRAUEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER PROTE ST DER FRAUEN
Titelbild der Ausgabe 8/2021 von KENNT DEN BODEN, WILL ZU DEN STERNEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KENNT DEN BODEN, WILL ZU DEN STERNEN
Vorheriger Artikel
JA ? NEIN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Dr. Google? Ich frag lieber meine Ärztin!
aus dieser Ausgabe

... auf Rollschuhen.

„Draußen mit Abstand Freunde treffen und Kugeln werfen, ein bisschen französischer Flair: Boule ist gesellig und absolut coronakonform.“

Brenda Büttner, Grafikerin

Jam-Skaten ist der Trend aus dem letzten Lockdown: Als das Wetter netter wurde und wirklich keiner mehr Bock hatte, spazieren zu gehen, stiegen viele – vor allem Frauen – auf Rollen um. Ausgelöst hat den Hype die Berliner Skaterin Oumi Janta, als eines ihrer Tanzvideos viral ging (wer sie nicht kennt, sofort ihr Instagram auschecken: @oumi_janta). Das lässige Skate-Video war wie das Versprechen eines perfekten Sommers: der Flow, die Leichtigkeit, einfach Spaß haben, sich im Tanzen verlieren. Wann könnte man sich mehr nach all diesen Gefühlen sehnen als nach den letzten 18 Monaten?

Bei Nadja sehen die Bewegungen jedenfalls so easy aus, als könnte jeder direkt losdancen. Aber, Surprise!, in mir schlummert doch keine unentdeckte Oumi. Egal – ich höre ja auch nicht auf zu singen, nur weil ich nicht wie Beyoncé klinge. Das Gute beim Jam-Skating ist nämlich: Wenn das Tanzen nicht gut klappt, kann man zwischendurch einfach nur fahren – das macht so Spaß! Die Achsen der Skates sind flexibel, man kann sich richtig schön in die Kurven legen und muss sich nur ein paarmal abdrücken, schon bekommt man Speed und Wind in die Locken.

Eigentlich ist es nicht überraschend, dass das Skaten ein solches Comeback feiert, braucht man dafür doch nur Rollschuhe und Asphalt. Es erzeugt ein fast kindliches Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, vor allem jetzt, wo man auf die größeren Zusammenhänge (dieses Covid ...) so wenig Einfluss hat.

„Vor anderthalb Jahren waren wir vielleicht 15 Jam-Skater*innen in Ham-burg, jetzt sind schon fast 70 in unserer Whatsapp-Gruppe“, erzählt Nadja (auf Instagram @borynec). Was sofort auffällt, ist die Altersdurchmischung im Kurs. Ich hatte schon Angst, dass man mir harte Berufsjugendlichkeit attestieren würde, aber nichts da: Hier fährt die Studentin aus der Schanze neben der Mutter aus Eppendorf. „Rollerskaten ist total divers, da ist jedes Alter, jeder Background dabei. Es spielt keine Rolle, ob man was kann oder nicht, die Community ist total offen“, sagt Nadja.

„Mit 42 habe ich Breakdance ausprobiert: Den Baby Freeze hab ich sogar geschafft – mit Stolz, Euphorie und enormem Muskelkater hinterher.“

Lena Schindler, Leitung Textressort

Das merke ich auch, als ich ein paar Tage später alleine auf der Rollschuhbahn meine Runden drehe und ungelenk versuche, Nadjas Schritte nachzutanzen. Nach kurzer Zeit kommt Hilda auf mich zu und gibt mir Tipps: die Knie natürlich! „Es braucht ein bisschen, bis der Körper verstanden hat, wie er die Bewegung umsetzen muss“, sagt sie. Alles geht über Schulter, Hüfte und Knie. Wir quatschen noch in der Sonne, im Hintergrund wummern Funk-Beats.

„Hula Hoop ist perfekt, wenn man sich im Homeoffice zwischendurch bewegen will. Der Reifen liegt direkt neben meinem Schreibtisch.“

Sina Harrsen, Grafikerin

In Nadjas zweiter Stunde strecke ich beim Fahren ein Bein aus, klappt, natürlich bouncen und ein kleiner Kick. „Fordert euch immer wieder heraus, das Gleichgewicht wiederzufinden“, sagt Nadja. Ich glaube mein Körper ist dankbar, dass ich versuche, ihm etwas Balance zurückzugeben. Während ich übe, merke ich nicht, wie die Zeit verfliegt. Ich bin so im Flow, weil sonst viel Fail. Es fühlt sich an, als hätte ich die Stopptaste von diesem immer noch seltsamen Alltag gedrückt: Jetzt ist wirklich die beste Zeit, um Neues auszuprobieren. Geht raus, gönnt euch den Spaß!