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Letzte Chance vertan?


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 16.08.2021

ANALYSE

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 10/2021

In seiner Karriere kam Paul zweimal in die Conference Finals, einmal in die Finals ? jedes Mal ging er als Verlierer vom Court.

CP3

CP3 Letzte Chance vertan?

Während in der Kabine der Milwaukee Bucks Champagner in Strömen fließt, Zigarren geraucht werden und die Larry O‘Brien-Trophy geherzt wird, sitzt Chris Paul am 20. Juli 2021 ganz in schwarz gekleidet im Presseraum des Fiserv Forums in Milwaukee. „Ich werde einige Zeit brauchen, um wertzuschätzen, was wir mit diesem Team in diesem Jahr erreicht haben“, erklärt ein sichtlich niedergeschlagener CP3 nach Spiel Sechs der Finals gegenüber den Medienvertretern. „Aktuell denke ich aber nur darüber nach, was wir noch hätten tun können, um diese Serie zu gewinnen.“ Gedanken, die nachvollziehbar sind, sich Paul aber auch eigentlich sparen kann. Was er auch selbst weiß. „Das wird schon noch für eine ganze Weile weh tun.“

Zum ersten Mal in seiner Karriere hatte es der möglicherweise beste reine Point Guard aller Zeiten, der nicht zu Unrecht den Spitznamen „Point God“ trägt, in ...

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... die Finalserie geschafft, in den ersten beiden Spielen herausragend performt und sich möglicherweise bereits mit der Trophäe im Arm gesehen. Doch dann kamen die Spiele drei bis sechs, vier Niederlagen in Serie und das Verpassen des großen Traumes. Eines Traumes, auf den CP3 16 lange NBA-Jahre hingearbeitet hatte – und auch weiter hinarbeiten wird. „Für mich bedeutet diese Niederlage vor allem, zurück an die Arbeit zu gehen. Wir haben gesehen, was es braucht, um an diesen Punkt zu kommen. Ich hänge jedenfalls nicht die Sneaker an den Nagel“, gibt er sich auch im Moment der Niederlage gleich wieder kämpferisch.

Wechsel oder 44 Millionen Dollar?

Doch wieviel Kampf steckt noch im 36-Jährigen, der 2005 an vierter Stelle gedraftet wurde und seither für fünf verschiedene Teams (Hornets, Clippers, Rockets, Thunder und Suns) aufgelaufen ist? Und wie groß ist der verbleibende Glaube daran, es noch einmal in die NBA-Finals zu schaffen? „Ich sage es nicht gerne, bin mir aber ziemlich sicher, dass das Meisterschafts- Fenster für Chris Paul nun geschlossen ist“, meint Kult-Journalist Stephen A. Smith nach dem Scheitern der Suns in den Finals. „Ich hoffe, dass ich falsch liege. Möglicherweise schließt er sich auch noch einem anderen Contender an. Sollte er jedoch in Phoenix bleiben, sehe ich wenig Chancen, weil der Westen im kommenden Jahr wieder deutlich stärker sein wird“, erklärt Smith – mit Blick auf fitte Lakers, wiedererstarkte Warriors oder auf Rache sinnende Clippers eine nachvollziehbare Argumentation.

Kendrick Perkins ist zumindest teilweise anderer Meinung. „Sein Fenster ist immer noch offen, es kommt nur darauf an, ob es Chris in seinen verbleibenden Jahren noch darum geht, einen Titel zu gewinnen – oder viel Geld einzustreichen.“ Für die kommende Spielzeit besitzt CP3 bekanntermaßen eine Player Option über sage und schreibe 44 Millionen US-Dollar. Möglicherweise verzichtet er jedoch darauf und unterschreibt für kleineres Geld bei einem Team wie den Lakers, mutmaßt „Big Perk“ – was das „Championship Window“ wohl wieder weit aufreißen würde. Bei einer Sache ist sich jedoch auch der Celtics-Meister-Center von 2008 sicher: „Seine Zeit als primäre Option eines Teams ist vorbei, das haben die Playoffs deutlich gezeigt. Als zweite oder dritte Option eines Teams kann er aber noch immer eine Menge beitragen.“

Die nächste schmerzliche Niederlage

Bevor er sich allerdings im Sommer Zeit nehmen wird, um über diese Entscheidung nachzudenken, steht nach der Finalniederlage erst einmal der Frust über allem. So nah wie 2020/21 war Paul seinem Ziel zuvor noch nie gekommen, auch wenn er bereits in der Vergangenheit aussichtsreiche Möglichkeiten dazu hatte.

CP3 Letzte Chance vertan?

Unvergessen sind etwa noch die 2018er Playoffs, in der CP3 wohl nur eine Verletzung am Oberschenkel davon entfernt war, die Golden State Warriors um Kevin Durant und Stephen Curry aus den Playoffs zu werfen und erstmals in seiner Karriere in die Finalserie einzuziehen. Auch den L.A. Clippers, bei denen Paul von 2011 bis 2017 spielte, wurden Jahr für Jahr aussichtsreiche Finals-Chancen prophezeiht – allerdings kamen sie nie über die zweite Playoffrunde hinaus.

An Chris Paul, so die überwiegende Meinung von Experten und Fans, hatte dies nicht gelegen; ist der „Point God“ doch erwiesenermaßen ein Spieler, der jeden seiner Kollegen um ihn herum besser machen kann. Dies bewies er auch 2020/21 in Phoenix, transformierte das langjährige Kellerteam zu einem waschechten Contender. Keine Frage, ohne Paul hätten Devin Booker und Co. wohl nicht einmal von der zweiten Playoffrunde zu träumen gewagt, geschweige denn von den Finals – allerdings wurde in der entscheidenden Serie auch Kritik am Anführer in Arizona laut.

Ruf des „dreckigen“ Spielers?

Sportlich vor allem an seinen Auftritten in den Spielen drei, vier und fünf, in denen Paul im Schnitt nur etwas über 16 Zähler pro Partie erzielte – zu wenig für ein Team, das mit Devin Booker lediglich einen weiteren Shot-Creator in den Reihen hat. Natürlich wurden während der Postseason Gerüchte laut, Paul sei aufgrund einer nicht näher definierten Verletzung nicht bei 100 Prozent, steht man jedoch auf dem Court, kann man nicht erwarten, dass das andere Team darauf Rücksicht nimmt. So schafften es die Bucks insbesondere in Person von Jrue Holiday, den Suns-Einser fast komplett aus dem Spiel zu nehmen, selbst in der Crunchtime, wo Paul zuvor stets geglänzt hatte.

CHRIS PAUL (Leider) in bester Gesellschaft

Dass Chris Paul eines Tages den Weg in die Basketball Hall of Fame finden wird, steht außer Frage – er ist einer von drei aktiven Spielern neben LeBron James und Kevin Durant, denen die Platfform „Basketball Reference“ eine 100-prozentige Chance einräumt, in die HoF aufgenommen zu werden. Zudem ist Paul einer von fünf Spielern in der NBA-Geschichte mit mehr als zehn All-NBA-Selections, aber keinem Titel. Die anderen: Elgin Baylor, Charles Barkley, John Stockton und Karl Malone.

Darüber hinaus stört es Fans, dass sich CP3 im Moment der drohenden Niederlage auch nicht zwingend als fairer Sportsmann zeigte – ein Muster, welches sich leider durch die gesamte Karriere des künftigen Hall-of-Famers zieht. In Spiel fünf, welches Giannis Antetokounmpo mit einem unmenschlichen Alley-Oop entschied, stieß Paul diesem beim Absprung in die Hüfte – wäre der Grieche nicht der wohl spektakulärste Athlet der Welt, die Aktion hätte für ihn zweifelsfrei im Krankenhaus enden können. Im Internet kursieren ganze Videomontagen mit dem Titel „Chris Pauls dirtiest Plays“, die beweisen, dass der „Point God“ nicht der beste Verlierer ist.

Das dürfte Paul selbst nicht besonders tangieren, muss er doch erst einmal die bittere Niederlage nach 2:0-Serienführung in den Finals verdauen. Es spielt jedoch definitiv mit herein, wenn es darum geht, seine Legacy jetzt nach der Final-Schlappe neu zu bewerten. Insofern das überhaupt nötig ist: Viele haben sich mit Paul als ewigem Playoffs-Verlierer ohnehin bereits abgefunden, definieren sein Vermächtnis eher durch das, was der Point Guard in Regular Seasons geschafft hat. Doch ist das für CP3 selbst genug?

Trauma nach 2:0-Führung

„Seine Legacy hat einen ordentlichen Schaden genommen“, erklärt ESPN-Analyst Max Kellerman. „Ich bin ein großer Fan von ihm, muss aber sagen, dass er in diesen Finals nicht abgeliefert hat. In der Vergangenheit haben ihn Verletzungen, unglückliche Schiedsrichterentscheidungen oder waschechte Super-Teams davon abzuhalten, den Titel zu gewinnen. Diesmal hat er es im Grunde genommen selbst getan“, spielt er vor allem auf die spielentscheidenden Turnover an, die sich der sonst so ballsichere Einser in den Spielen zwei (sechs Turnover), drei (vier Turnover) und vier (fünf Turnover) geleistet hatte. In der Vergangenheit hatte sich immer ein triftiger Grund gefunden, warum Paul es nicht an die NBA-Spitze schaffte – dieses Jahr, lässt man die angebliche Verletzung einmal außen vor, fehlt dieser jedoch.

Natürlich stellten Giannis Antetokounmpo, Khris Middleton und für Paul insbesondere Jrue Holiday ebenfalls einen riesigen Stolperstein auf dem Weg zum NBA-Titel dar – nach einer 2:0-Serienführung fällt es allerdings schwer zu glauben, die Suns hätten diese Serie nicht doch irgendwie gewinnen können. In Spiel fünf beispielsweise zeigte Phoenix insgesamt eine starke Performance, hätte mit einem Sieg das komplette Momentum auf seiner Seite gehabt – verlor jedoch nicht nur das Spiel, sondern auch die Kontrolle über die Serie.

Kontrolle dürfte überdies eines der Lieblingsworte des 36-Jährigen sein, drückt er dem Spiel doch als Anführer seines Teams regelmäßig den Stempel auf. Diese Zeiten könnten, so haben die Finals zweifelsfrei gezeigt, allerdings schon bald vorbei sein – genauso wie Pauls Chance auf einen Titel. Oder der „Point God“ verschiebt den Abgesang auf seine Person nochmal um ein paar Jahre – es wäre schließlich nicht das erste mal. Auch, wenn er die Niederlage erstmal sacken lassen muss.