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LEX 790: Nicht nur für glattes Wasser


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 17.07.2019

Mit den eleganten Runabouts der österreichischen Boots-Manufaktur Lex Boats rundet der Nord-Importeur der skandinavischen Nimbus- und Axopar Yachten, die Firma Nautic Yachting, ihr Portfolio ab. Nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn die Boote vom Wörthersee glänzen ebenso wie die soliden Skandinavier durch Funktionalität und klares Design. Wir fuhren den Prototypen der neuen Lex 790 auf der Ostsee.


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Fotos: Lex Boats (Exterieur) / Schneider (Interieur)

Design, Konzept, Verarbeitung

Stand im Jahr 2016 noch die Lex 610 als einziges Modell auf dem Messe-Stand der Bootsmanufaktur des Alpenlandes, wurde ...

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Stand im Jahr 2016 noch die Lex 610 als einziges Modell auf dem Messe-Stand der Bootsmanufaktur des Alpenlandes, wurde nun mit der Lex 790 die „große Schwester“ – ebenfalls aus der Zeichenfeder des Hamburger Konstruktionsbüros iYacht – zu Wasser gelassen und ging vom Wörthersee auch bald auf die Reise auf die Ostsee.
Gerade, fast minimalistisch und sehr funktional mutet das Boot an und reckt sich mit schönen Proportionen und scharfen Linien und dem markant negativ einfallenden Steven am Steg. An Bord des Prototypen der Lex 790 geht’s am bequemsten über die für die Bootsgröße recht große Badeplattform und über zwei integrierte Stufen aufs Deck. Unter der Sonnenliege achtern liegt der Motorraum des Bootes, dessen große Motorraumklappe nach dem Öffnen die erste Überraschung preisgibt: Denn statt eines großen Innenborders und entsprechender Installation, verbirgt sich hier ein großer Motorschacht, der auf dem Testboot einen 200 PS Yamaha-Außenborder beherbergt. Durch die Motorraumabdeckung, die über Gasdruckstoßdämpfer abgestützt wird, und eine optional zu öffnende zweite Luke im Heckspiegel ist der gute Zugang zum Motor z.B. für Servicearbeiten gewährleistet. Das Boot ist grundsätzlich mit Verbrennungsmotor oder mit

1Der Motor im Schacht.


2Geräumige und geschützte Plicht mit Sofa, Cockpittisch und Sonnenliege an Backbord.


3Klare Kante: Die schönen Linien der Lex 790 begeistern!


4Aufgeräumte Schlupfkajüte im Vorschiff.


5Große Stauräume unter den Sitzbänken.


6Übersichtlicher Fahrstand mit Raymarine Plotter und Flip up Sitz. Eine Fußstütze im Fußraum sollte nachgerüstet werden


7Das Cabrio-Verdeck unter der Abdeckung hinter der Rückbank.


8Markantes Designelement der Lex Boote: Der gerade, negativ einfallende Vorsteven.


Torqeedo-Deep Blue Elektroantrieb lieferbar und somit sowohl für offene Seereviere oder aber regulierte Binnengewässer geeignet. Ursprünglich war das auch der Ansatz von Nina und Christian Lex, Inhaber der Lex Handels KG aus dem österreichischen Maria Wörth am Wörthersee: Ein leistbares Elektro-Boot für gehobene Ansprüche zu kreieren.
Gradlinig und funktional geht’s auch in der tiefen, geschützten Plicht weiter. Hier dominiert die große U-Sitzgruppe mit nach achtern ausgerichteter Sonnenbank an Backbord. Steuerbordseitig neben dem Niedergang in die Vorschiffskajüte findet sich der übersichtliche Fahrstand mit Raymarine-Kartenplotter, Motorinstrument und drehbarem Einzelsitz mit Flip-up Funktion. Auffallend schnörkellos und minimalistisch und damit auch pflegeleicht ist die Ausführung der Komponenten. Qualitativ hochwertig präsentieren sich die Materialauswahl und die Verarbeitung und ergeben schöne, aber dezente Kontraste. Plichtboden, Badeplattform und das schmale Seitendeck sind mit einem Kunststoffstabdeck belegt. Unter den Sitzbänken finden sich große Staufächer, kleinere offene Ablagen am Fahrtstand und im Cockpit will Daniel Goertz durch anknöpfbare, schicke Segeltuchtaschen nachrüsten, die sich auch bereits auf anderen Yachten aus seinem Hause bewährt haben.
Auffällig ist die große getönte, gebogene Frontscheibe, die stabil in der Materialauswahl ist und mit zwei Seitenteilen über zwei solide Stützen das Vorschiff von der Plicht trennt. Scheibenwischer sind am Prototypen nicht vorhanden. Das geht in Ordnung und ist nicht untypisch für ein Runabout, das vorzugsweise bei schönem Wetter genutzt wird. Hinter der Frontscheibe ist das Deck mit mattschwarzem Kunstleder bezogen, um Reflexionen und Blendungen zu vermeiden. Aufs Vorschiff gelangt, wer über die Sitzbank aufs Deck und mit einem langen Schritt über die Scheibe steigt. Kein Problem, allerdings wären auf dem Vordeck mit seinen glatten GFK- und Plexiglasoberflächen z.B. ein Streifen rutschhemmendes Stabdeck sinnvoll, wenn der Liegeplatz in einer Box das Betreten des Vordecks zum Festmachen erfordert, oder häufig geankert wird. Vorne befindet sich der klassische Ankerkasten, bei dem an dieser Baunummer 1 der Ablauf noch nachgerüstet werden sollte. Unter Deck präsentiert sich die Lex 790 aufgeräumt. Eine große Liegefläche mit Polstern, das war’s auch schon. Licht und Luft gelangt durch die Fenster im Vordeck, das große Vorschiffsluk oder die transparente Schiebetür zur Plicht. Hinter der Rückbank unter einer Abdeckung befindet sich das eingefaltete Cabrioverdeck.

Fahreigenschaften

Keine Frage: Boote dieser Art werden gerne auf geschützten Gewässern und i.d.R. bei sehr schönem, ruhigem Wetter gefahren. Die Bedingungen, die auf den Außenaufnahmen dieses Artikels zu sehen sind, sind ideal für Boote dieser Art. Umso anspruchsvoller präsentieren sich die Bedingungen, unter denen wir der Lex 790 hier an der Ostsee auf den Propeller fühlen. Ein steifer Westwind lässt selbst im Leeschutz der Küste eine rumpelige Welle stehen. Während die Lex auf den Fotos lässig über den spiegelglatten Alpensee schnürt, wartet hier vor der Tür eher unebenes „Geläuf“. Gut gedämpft meldet sich das Yamaha Aggregat aus seinem Schacht und kündigt dezent säuselnd Fahrbereitschaft an. Trotz starkem Seitenwind und ohne Bugstrahlruder gelingt das Manövrieren im Hafen ohne Probleme. Ein wenig gewöhnen muss sich der Skipper an die Tatsache, dass sich der Drehpunkt des Schiffes durch den vor der Badeplattform im Schacht angeordneten Motor etwas weiter vorne befindet, als es bei einem Boot mit angehängtem Motor oder Z-Drive üblich wäre, und so das Heck mit der Badeplattform in Kurvenfahrt etwas ausschwenkt. Gute 1,5 bis 2 Bootlängen beträgt der Wendekreis des Bootes. Die Übersicht am Fahrstand ist gut, die Ergonomie passt, lediglich eine Fußstütze sollte noch nachgerüstet werden. In Verdrängerfahrt verhält sich das Boot kursstabil und zieht ruhig seine Bahn. Nachdem wir die schützende Einfahrt zur Marina verlassen und etwas Gas geben, stellt sich die Lex etwas auf, um in die Gleitfahrt zu kommen.Bei guten 10 bis 11 Knoten erreicht das Boot den Übergangsbereich, behält die „Nase“ aber auch dann noch etwas oben.Bei 25 Knoten läuft die Lex eine zügige Marschfahrt, mit 31 Knoten liegt die Höchstgeschwindigkeit an. Wäre es jetzt möglich, den Bug noch etwas herunter zu trimmen, wäre ggf. auch noch etwas mehr drin. Ob des Einbaus im Schacht und den begrenzten Platzverhältnissen, verbietet sich aber der Einbau eines Powertrimms. Die Trimmklappenautomatik, die Daniel Goertz beim Boot noch nachrüsten will, wird daher Sinn machen, auch um das eher hochbordige Boot bei starkem Seitenwind und quer laufender Welle etwas in der Längsachse trimmen zu können.

1Bequemer Zugang über die Badeplattform und die eingelassenen Stufen im Heck. Die achtere Klappe im Spiegel dient als Servicezugang für den Motor.


2Eine Kühlschublade ist auf einem solchen Boot ein Muss.


3Die große getönte Fronscheibe schützt die Plicht wirkungsvoll.


4Aufgeräumtes Vorschiff mit Oberlichtern, Vorschiffsluke und Ankerkasten. Mittig würdee ein Streifen rutschfestes Stabdeck die Trittsicherheit beim Festmachen oder Ankern erhöhen.


In schneller Kurvenfahrt legt sich die Lex sportlich auf die „Backe“, zieht dann aber sauber und ohne zu ventilieren, auszubrechen oder gar einzuhaken „ums Eck“. Dabei nimmt das Boot vom Wörthersee die ruppige Welle erstaunlich gelassen. Nach ein paar zügigen Kurvenfahrten freundet man sich so immer mehr mit der schönen Österreicherin an, und die Crew quittiert die Fahrt im rauen Wasser mit einem immer breiter werdenden Grinsen, denn ebenso wie die Lex immer schneller und enger durch Kurven, Kielwasser und Rumpelwelle getrieben wird, baut sich das Vertrauen zum alpinen Runabout auf, das mit sicherer und trockener Fahrt auch bei steifer Brise in der kurzen Ostseewelle eine gute Figur macht. Die Crew sitzt derweil geschützt und komfortabel in der tiefen Plicht hinter der großen Frontscheibe.
Der 200er Yamaha drückt kräftig, aber nicht rabiat. Wer mehr will – kein Problem: Mit den 300 PS der von der Werft empfohlene Maximalmotorisierung ist hier noch Reserve nach oben. Doch darin liegt nicht der Sinn eines solchen Bootes. Vielmehr ist es das entspannte Cruisen, das Dahingleiten in lockerer Fahrt, das Genießen der Natur und der Umgebung und das Chauffieren eines stilvollen Runabouts, was es ausmacht, ein solches Boot zu fahren.

Generalimporteur Deutschland:
nautic yachting GmbH
Akademiestraße 3
40213 Düsseldorf
info@nautic-yachting.com
www.nautic-yachting.com
Vertriebsbüro Nord
ancora marina
An der Wiek 7–15
23730 Neustadt in Holstein
Tel.: +49 (0) 45 61/52 67 80
Fax: +49 (0) 45 61/52 67 88

Werft Österreich:
Lex Handels KG / eLex Boats
Wörthersee-Süduferstraße 232
9082 Maria Wörth / Austria
Tel.: +43 / (0)660 25 75 215
info@elex-boats.com
www.elex-boats.com

Messwerte

TESTBEDINGUNGEN: Revier: Ostsee, Wind (Bft)/Strom (kn)/Wellenhöhe(m): 5/1/0,4, Personen an Bord: 2, Tankinhalt Brennstoff/Wasser (Liter) ca.: voll/–

Mein Fazit

Auch wenn die Lex 790 ihre Stärken als lässiger Kreuzer, stilvoller Gleiter und schönes Sommerboot sowohl von der Nutzbarkeit als auch hinsichtlich der Fahreigenschaften sicher am besten bei schönem Wetter und ruhiger See ausspielen kann, das Boot bewährt sich auch bei raueren Bedingungen und verfügt über die nötigen Reserven. Abgesehen von einigen leicht nachzurüstenden Details macht bereits der Prototyp in Sachen Verarbeitung, Qualität und konzeptioneller Linie einen absolut fertigen Eindruck und stellt damit die Sach- und Fachkunde der Werft unter Beweis. In Sachen Design und Fertigung ist das Boot ohnehin ein absoluter Hingucker, der so bereits am Steg vom Stil und Geschmack seiner Eigner zeugt und zur stilvollen Fahrt in die Sommerfrische einlädt.
Christian Schneider, Chefredakteur