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Liberté? Egalité? Blockchainé!


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IM + io - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 01.06.2022

INTERVIEW

Artikelbild für den Artikel "Liberté? Egalité? Blockchainé!" aus der Ausgabe 2/2022 von IM   io. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IM io, Ausgabe 2/2022

IM io Herr Huelsmann, wie ist die Idee zu FINEXITY entstanden und wie kam es zur Startup-Gründung?

PH: Ich kam 2016 nach beruf lichen Stationen in Bangkok und Singapur nach Deutschland zurück. Dort hatte ich im Bereich der Unternehmenszukäufe und -verkäufe gearbeitet. In Deutschland habe ich dann zunächst auch noch einmal damit weitergemacht. Pro Monat haben wir damals circa ein Unternehmen gekauft, und darum war ich schon sehr nahe dran am dynamischen Transaktionsbusiness.

Beim Auf bau eines globalen Startup-Inkubators habe ich dann meinen Co-Gründer, Henning Wagner, den CTO von FINEXITY, kennengelernt. Aus einem Konzern heraus haben wir Startups gegründet und uns auch an externen Unternehmen beteiligt. Innerhalb eines Jahres sind wir 14 Beteiligungen eingegangen. Also auch hier wieder alles sehr agil mit schnellen Entscheidungsprozessen und dadurch sehr positiv für den Konzern. Von ...

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... diesen 14 Beteiligungen waren damals bereits sechs im Bereich Blockchain. Das heißt, wir haben uns recht früh mit der Thematik Blockchain als Technologie auseinandergesetzt.

Das große Problem, dass wir damals aber gesehen haben, war, dass viele Entwicklungen gute Entwicklungen waren, die aber niemand gebraucht hat und die auch keinen Mehrwert für den Kunden geschaffen haben. Wir haben dann analysiert, warum Privatanleger eine andere Portfoliostruktur haben als institutionelle Anleger, und der klare Unterschied ist, wenn man sich die Renditeseite anschaut, dass der Privatanleger keinen Zugang zu alternativen Kapitalanlagen wie zum Beispiel Immobilien oder Diamanten hat.

IM+io Und hier setzen Sie mit FINEXITY an …

PH: Genau, es handelt sich hierbei um einen integralen Baustein der Portfoliotheorie, und deshalb geht es bei uns um die Liberalisierung dieser alternativen Kapitalmärkte für jeden, sodass ich am Ende als Privatanleger die gleichen Möglichkeiten habe wie institutionelle Anleger.

Diese Vision verfolgen wir seit 2018. Im September 2018 wurden wir im Handelsregister eingetragen, haben dann im Oktober des gleichen Jahres die erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und konnten ein Jahr und drei Monate später mit unserem Marktplatz live gehen.

IM+io Sie nutzen also die Blockchain-Technologie, um Ihren Kund innen und Kunden alternative Kapitalanlagen anbieten zu können. Wie funktioniert das aus Sicht der Privatanleger? Und worin investiere ich dann genau?

PH: Über unseren Marktplatz haben Privatanleger die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, in welches Asset sie investieren möchten. Am Ende halten sie dann einen Anteil am Asset, also zum Beispiel an einer Immobilie. Das ist aber kein direkter Anteil, denn es wäre unmöglich, 1.000 Kunden im Grundbuch einzutragen, und wenn einer dann verkaufen möchte, muss ich jedes Mal zum Notar gehen und alles umschreiben lassen. Das würde von den Kostenstrukturen nicht passen und wäre in Deutschland auch nicht rechtskonform. Daher haben wir ein Konstrukt entwickelt, welches es dem Anleger ermöglicht, dennoch wie ein Eigentümer von Mieteinnahmen und Wertsteigerungen zu profitieren – und das über alle Assetklassen hinweg.

Der große Vorteil für die Privatanleger ist, dass sie selbst selektieren können in welches Asset sie investieren möchten. Das heißt ich kann als Anleger auch entscheiden, dass ich zwar in Berlin und Hamburg in Immobilien investieren möchte, aber zum Beispiel nicht in München. So kann sich der Kunde sein Portfolio selbst zusammenstellen und wir stellen sicher, dass die Produkte langfristig erfolgreich sind.

Man investiert also über den Marktplatz und partizipiert am Ende wie gesagt von Mieteinnahmen und Wertsteigerungen. Die Wertsteigerung kann man entweder am Ende realisieren, wenn der ganze Vermögenswert wieder verkauft wird, hat aber auch jederzeit die Möglichkeit, während der Laufzeit des Produkts über den Sekundärmarkt seine digitalen Anteile zu verkaufen. Als Anleger habe ich keinen Verwaltungsaufwand, muss mich nicht um die Fremdkapitalfinanzierung mit der Bank kümmern, denn das macht alles FINEXITY.

IM+io Vereinfacht ausgedrückt setzen Sie mit FINEXITY also auf Beteiligung statt alleinigem Eigentum. Wie verhält sich das dann zum Beispiel bei der Investition in einen Oldtimer? Ich kann diesen nach meiner Investition sicher nicht fahren oder?

PH: Das ist richtig. Uns geht es tatsächlich nur um die reine Kapitalanlage, nicht um Selbstnutzen. Im Falle eines Oldtimers sorgen wir dann beispielsweise über Ausstellungen für Wertzuwächse.

Paul Huelsmann

Paul Huelsmann wurde als einer der zehn innovativsten Finanz- und Versicherungsexperten in Deutschland im Jahr 2020 vom Wirtschaftsmagazin Business Punk ausgezeichnet und ist Regional Chair der Blockchain- und Immobilienstiftung Fibree.

Er studierte Management mit Schwerpunkt Finanzen an der University of Warwick (Großbritannien), war Assistent des Global Chief Controlling Officer eines großen multinationalen Konzerns und Co-Leiter eines internationalen Inkubators. Darüber hinaus ist er ein akkreditierter Finanzanlagenvermittler, sammelt seit Jahren Kunst und lernte die Grundzüge von Kunstinvestitionen beim Sotheby's Institute of Art in London.

Kontakt support@finexity.com www.finexity.com

Der Verwaltungsaufwand ist hier ein wichtiger Punkt. Bei einem „lebendigen“ Asset, wie einer Immobilie, habe ich Mieteinnahmen, die die Kosten decken, und was am Ende übrig bleibt, wird an die Anleger ausgezahlt. Bei einem Oldtimer habe ich jedoch keinen kontinuierlichen Cashf low, und das heißt, es geht darum, die Kosten so gering wie möglich zu halten, damit diese langfristig nicht zu viel von der Rendite auffressen. Hier ist wieder von Vorteil, dass wir über unser Netzwerk sehr gute Konditionen haben, was die Lagerung und Wartung beispielsweise betrifft. Wir haben Wartungspläne über 10 Jahre hinweg, in denen genau aufgeführt ist, wann welches Auto wohin ausgefahren und wo und bei welcher Temperatur es gelagert wird.

IM+io Wir haben nun bereits über Immobilien und Oldtimer gesprochen. Was gehört darüber hinaus noch zu Ihrer Produktpalette?

PH: Im Dezember 2020 haben wir das erste Kunstwerk tokenisiert. Ein kleiner Andy Warhol, Campbell’s Soup, für 45.000 Euro, glaube ich. Im März 2021 kamen dann Fine Wine und im Mai 2021 Diamanten dazu.

Wir arbeiten aktuell verstärkt an verschiedenen weiteren Assetklassen und sind zuversichtlich, dass wir im zweiten Quartal eine weitere Assetklasse in unser Angebot aufnehmen können, sofern die letzten Absprachen mit unseren Partnern positiv ausfallen. Die Partner stehen im Übrigen bereits seit sieben Monaten fest.

IM+io Welche Anforderungen stellen Sie denn an eine neue Assetklasse und im nächsten Schritt dann an ein Produkt, welches Sie auf Ihrem Marktplatz anbieten möchten?

PH: Bei den Assetklassen ist es so, dass wir uns kontinuierlich die Vermögensstrukturen und Portfoliostrukturen von den sogenannten Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI), das sind Personen mit einem frei verfügbaren Vermögen von über 30 Millionen US Dollar, ansehen und diese analysieren. Wenn wir dann ein Asset finden, das gut ins Portfolio passt, weil es zum Beispiel auch gut in die Korrelation mit anderen Assetklassen passt, dann verfolgen wir das weiter.

Die Korrelation zu den anderen Assetklassen ist dann wichtig, wenn Krisen entstehen. Denn bei einer reinen Diversifikation innerhalb einer einzigen Assetklasse ist die Gefahr, dass der Wert des gesamten Portfolios beim Platzen einer Immobilienblase beispielsweise fällt, trotzdem hoch. Daher sagen wir, wenn jemand zum Beispiel stark in Immobilien investiert ist, sollte auch ein kleinerer Teil Kunst im Portfolio enthalten sein. Daher der Blick auf die Korrelation. Das ist Punkt eins.

In einem nächsten Schritt suchen wir dann in unserem Netzwerk oder auch extern nach Partnern. Wir sehen uns an, wie sie arbeiten, wie verlässlich sie sind, schauen uns die Track Records an und sprechen viel miteinander. Das ist normalerweise ein Prozess von bis zu zwei Jahren. Denn das Schlimmste, was wir tun könnten, wäre, eine Assetklasse aufzunehmen, mit der wir uns nicht auskennen und die langfristig nicht funktioniert.

Für jede der Klassen haben wir dann noch einmal eigene Voraussetzungen, wenn es um die Aufnahme von Produkten geht. Im Bereich Kunst zum Beispiel schauen wir uns an, ob das Objekt schon einmal auf Auktionen gehandelt wurde, ob es in der Literatur vorhanden ist, prüfen Provenienzen, wie es in den letzten Jahren gehandelt wurde, und vieles mehr. Es ist ein recht umfangreicher Prüfungsprozess.

Im Immobilienbereich analysieren wir mittlerweile knapp einhundert Objekte im Monat. Bei der Kunst sind es zwischen 30 und 50 Stücken. Mit einer Erfolgsquote von circa 3 %, die dann in die engere Auswahl kommen. Anschließend geht die Auswahl noch an unser Investmentkomitee, wo wir gemeinsam über die Chancen und Risiken des jeweiligen Produkts beraten. Und wenn alle Analysen und Einschätzungen positiv ausfallen, stellen wir das Produkt auf unserem Marktplatz ein und schließen Kaufverträge.

IM+io Das klingt in der Tat nach einem sehr umfangreichen Prozess. Wie ist die Resonanz auf Ihr Angebot? Müssen Sie viel Aufklärungsarbeit in Bezug auf das Investieren in Anteile von Sachwerten leisten?

PH: Wir stellen seit 2018 eine enorme Entwicklung fest, was die Akzeptanz der Kunden angeht. Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt, hätte ich mich nicht getraut, zu sagen, dass wir heute dort stehen, wo wir jetzt sind. Wir haben den großen Vorteil, dass wir mit etablierten Unternehmen, wie etwa der Sparkasse Bremen, kooperieren, die bereits eine große Kunden-gruppe haben, die ihnen vertraut. In dem Moment, in dem mehr dieser Produktemittenten auf den Markt kommen und mehr Vertriebe darauf aufmerksam werden, wird natürlich auch der Markt größer. Und da sehen wir, dass wir in den letzten Jahren für unseren Investorenkreis viel Auf klärungsarbeit geleistet haben.

Was wir aber nicht tun, ist das Marketing breit zu streuen, um jeden Kunden anzusprechen. Stattdessen selektieren wir sehr gezielt unsere Kundengruppen, denn das große Problem in den Märkten ist, dass man auf Kundenseite zwar viel auf bauen kann, aber auch die Assets dafür haben muss. Und wenn nur 3 % der Assets auf dem Marktplatz landen, muss man sehr stark selektieren, um den Kunden die Produkte auch anbieten zu können. Daher gehört es auch zu unserer Strategie, mit größeren Playern am Markt zu kooperieren, um die Qualität unserer Produkte langfristig am Markt zu etablieren.

IM+io Noch einmal zurück zur Blockchain: Wie nutzen Sie diese Technologie für Ihr Unternehmen?

PH: Die Blockchain-Technologie bietet entscheidende Vorteile für die Sachwertinvestition. Der erste große Vorteil im Vergleich zu einem konventionellen Verbriefungssystem ist, dass wir dem Kunden statt eines Initial Public Offering (IPO) ein Security Token Offering (STO) anbieten können. Der Kunde oder die Kundin kauft also einen Token auf der Blockchain, der alle Rechte und Pf lichten der Anleger widerspiegelt.

So lassen sich knapp 85 Prozent der Kosten im Vergleich zu einer konventionellen Verbriefung einsparen. Das heißt, durch die Blockchain habe ich die Möglichkeit, auch kleinere Produkte zu strukturieren, und muss nicht immer große Fonds aufsetzen, bei denen der Anleger gar nicht selbst entscheiden kann, worin er investiert, sondern abhängig ist vom Fondsmanager.

Der zweite Vorteil ist, dass die Möglichkeit besteht, über die Blockchain alle Token individuell und rechtskonform zu handeln. Das spart erneut enorme Transaktionskosten und sorgt für regen Handel. Auf der Asset Management-Seite reduziert die Blockchain-Technologie auch den Aufwand ganz erheblich. Das wiederum senkt die operativen Kosten und wirkt sich positiv auf die Wertentwicklung beziehungsweise das Renditepotenzial für den Anleger aus.

Meine These ist, dass der Handel immer fünf bis acht Jahre vor der Finanzbranche liegt, was die Evolution angeht. Und was der Handel mit E-Commerce gemacht hat, ist das, was wir heute in der Finanzwelt über die Blockchain erleben. Die Finanzwelt ist so alt, und es gibt so viele Akteure, die versuchen, ihre Existenzberechtigung zu erhalten, die es aber heute wegen der Blockchain nicht mehr gibt. Und das ist im Kern das Spannende, was die Blockchain mit der Finanzbranche macht.

IM+io Das ist eine sehr spannende These!Wir haben nun bereits über die Gegenwart gesprochen und uns auch angeschaut, wie es sich seit 2018 für Ihr Unternehmen entwickelt hat. Auf Ihre These aufbauend, lassen Sie uns noch einen Blick in die Zukunft werfen: Wie geht es für FINEXITY weiter?

PH: Ich gehe von einer sehr positiven Zukunft aus, weil ich glaube, dass das Privatanlegergeschäft in den nächsten Jahren viel größere Potenziale hat als das institutionelle Geschäft.

Institutionelle Anleger kennen Sachwerte, denn sie investieren hier bereits seit Jahren. Aber mit der Blockchain ist es nun zum ersten Mal möglich auch Privatanlegern kostengünstig Zugang zu Sachwertinvestitionen zu ermöglichen, und das muss umgesetzt werden. Deshalb glaube ich, dass das Privatanlegergeschäft im Sachwertebereich extrem zunehmen wird. In den letzten Jahren lag die Nachfrage nach Sachwerten immer 10– 15 % über dem Angebot. Wenn ich das zugrunde lege und noch die Privatanleger hinzunehme, dann wird der Markt eine Evolution erleben. Es f ließen viele makroökonomische Faktoren mit ein, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Sachwerte ein extrem wichtiger Meilenstein für den kontinuierlichen Vermögensauf bau von Privatanlegern sind. •

Kurz und Bündig

Der Marktplatz der FINEXITY AG ermöglicht Privatanlegern den Zugang zu alternativen Kapitalanlagen wie Immobilien, Classic Cars oder Diamanten. Dank der Blockchain-Technologie profitieren die Anleger dabei von größtmöglicher Flexibilität, einem professionellen Management der Sachwerte und einer enormen Kostenersparnis.