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LICHT AUS, SPOT AN!


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StadlPost - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 01.03.2021
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Die „Bay City Rollers“ 1975 zu Gast in der Show mit ihrem Riesenhit „Bye bye baby“


Die „disco“ wird 50! Am 13. Februar 1971 lief im ZDF die erste Folge der legendären Musikshow. Der damalige Moderator der Sendung, Ilja Richter, gibt hierzu allerdings keine Interviews. „Er freut sich über das Jubiläum, aber da er längst auf anderen Schiffen unterwegs ist, muss und möchte er auch nicht dieses längst vergangene Thema wieder bedienen“, teilt sein Management mit. Das gilt es zu respektieren. Wenngleich der 68-Jährige der Musik noch immer verbunden ist: In seinem Bühnenprogramm „Lieblingslieder“ wirft er einen ironisch-melancholischen Blick zurück und erzählt ganz persönliche Geschichten. Auch wenn er immun gegen jede Nostalgiewelle ist („Ich habe so viel Vergangenheit, ich brauche keine Nostalgie“) und die 70er-Jahre als ein „humorloses und pathetisches Jahr- zehnt“ bezeichnet, schreibt er in seiner Biografie „Meine Story“: „Heute habe ich zu meiner ‚disco‘- Vergangenheit ein entspanntes Verhältnis.“ 133 Sendungen à 45 Minuten wurden in den Jahren 1971 bis 1982 gedreht. „Genau eine Jugend lang“, so Ilja. In Spitzenzeiten schalteten bis zu 20 Millionen Zuschauer*innen ein. Der Satz „Licht aus – Womm! Spot an – Jaaaa!“ ist Kult. Ebenso wie die Sketche, für die er heute laut Kabarettist Wolfgang Trepper noch „gehängt gehört“. „Die Sketche sind das, was Ilja Richter an ‚disco‘ am besten gefällt“, schreibt Ilja Richters Co-Autor in „Meine Story“ fast ein bisschen trotzig. Räumt aber immerhin ein: „Große Teile des Publikums empfinden die Sketche als retardierendes Element.“ Ilja selbst neigt gelegentlich zur Selbstüberschätzung. Etwas selbstverliebt heißt es in seinen Erinnerungen: „… Anschließend parodiert Ilja Frank Sinatra, der sogar in parodierter Form besser klingt als manche seiner deutschen Schlagerkollegen im Original.“ Auch stellt er sich humormäßig auf dieselbe Stufe wie Loriot und Otto: „Ansonsten war Humor tabu im deutschen Fernsehen.“ Zu den Schlagerstars, die in seiner Show auftraten, hat Ilja Richter bis heute ein eher ambivalentes Verhält-nis. Über Heintje schreibt er, der habe keinen Humor, zu Udo Jürgens witzelt er „… aber jünger als zwanzig sollten Sie schon sein, gnädige Frau“. Gunter Gabriel kanzelt er als „Balladensänger des deutschen Speditionswesens“ ab, Heino als „Gunter Gabriel für Fußgänger“, Peter Alexander wiederum nennt er einen „Pseudohumanisten“ und zu Peter Maffay meint er: „Der Rocker von Tutzing ist nicht halb so wild, wie er tut.“ Auch Michael Holm bekommt sein Fett weg: „Schlagersänger sind ihren Fans oft sehr ähnlich. Kleinbürger, die ihren eigenen Erfolg kaum fassen können.“ Zumindest Marianne Rosenberg, mit der er fünf Jahre lang – von der Öffentlichkeit unbemerkt! – liiert war, bezeichnet er als „eine Sängerin, die tatsächlich singen kann“. Ein Kumpel zum Anfassen ist Ilja Richter nicht: „Ich bin kein volkstümlicher Typ. Das Bad in der Menge mag ich nicht.“ Legendär übrigens auch die ausgelobten Preise der „disco“-Sendungen: 3. Preis: ein Kofferradio, 2. Preis: ein Plattenspieler, 1. Preis („Licht aus – Spot an!“): eine Reise nach Hamburg, München oder Berlin ins Studio. „Ein Fernsehstar, der nicht mehr regelmäßig im Fernsehen auftritt, ist tot“, bilanziert Ilja Richter in seinem Buch. Dafür ist er aber noch verdammt lebendig.

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Auch das war „disco“: Ilja spielt einen „Wilhelm Tell“-Sketch mit dem niederländischen Moderator und Sänger Lou van Burg


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Ilja Richter ist bis heute untrennbar mit „disco“ verbunden. Er prägte mit der Show den Musikgeschmack einer Generation


Mit „disco“ startete eine ganze Generation in die wilde Jugendzeit


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1 Sogar Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor war Iljas Gast. 2 „Is this the way to Amarillo“: Brit-Star Tony Christie sorgte für internationales Flair 3 Auch der „Fröhlichmacher der Nation“ Tony Marshall sang bei „disco“ 4 „How do you do“: „Die Windows“ Jeanette McKinlay und Peter Petrel waren in den 70ern schwer angesagt 5 Ebenso Kult: die „Les Humphries Singers“

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Vor 60 Jahren, 1961, erschien die erste Ilja-Richter-Single „Schokolade – Pfefferminz – Saure Drops“


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Seine Sketche gefielen ihm bei „disco“ am besten: Ilja verkleidete sich sehr gerne. Hier als Pantomime à la Marcel Marceau

Kollegin Suzanne Doucet erinnert sich

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Suzanne Doucet, die seit vielen Jahren in Los Angeles lebt, moderierte in den Jahren von 1969 bis 1970 mit Ilja Richter die Vorgänger-Sendung von „disco“: „4-3-2-1 Hot & Sweet“. Exklusiv in STADLPOST erinnert sie sich an die gemeinsame Zeit: „Ilja war ein Teenager, sehr witzig, kreativ und bereits ein hervorragender Schauspieler! Ich weiß nicht, ob er das in seinem Buch erwähnt, aber wir haben uns als Kollegen in dem Film ,Tony’s Freunde‘ kennengelernt. Rainer Werner Fassbinder spielte auch mit. Regie führte Paul Vasil. Ilja und ich hatten sehr viel Spaß während der Dreharbeiten. Ein paar Monate später fragte mich das ZDF, ob ich jemanden als meinen Partner für die ,Hot & Sweet‘-Sendung wüsste – und da habe ich Ilja vorgeschlagen. Der Rest ist Geschichte!“

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