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LICHT IM GARTEN


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selbermachen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 09.01.2023

LAMPE AUS, NACHT AN

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Bildquelle: selbermachen, Ausgabe 2/2023

„Wer das Gartenlicht öfter ausschaltet, betreibt Artenschutz und hält seine Pflanzen gesund.“

Vonden Lampions im Baum bis zur Solarlampe am Tulpenbeet:Wer seinen Garten liebt, sorgt sich nicht nur um seine Pflanzen und Tiere, sondern setzt ihn gerne auch mit einer Beleuchtung in Szene. Doch was für uns Menschen schön aussieht, ist für viele nachtaktive Lebewesen höchst störend. „Die Natur hat es so vorgesehen, dass es in der Nacht dunkel ist“, erklärt Manuel Philipp. Der Physiker und Astronom informiert im Rahmen der gemeinnützigen Organisation Paten der Nacht täglich über die schädlichen Auswirkungen von Licht auf unsere Umwelt.

HELLE NÄCHTE

Menschen, Tiere, Pflanzen – wir alle reagieren auf Licht. Lassen wir es nachts im Garten oder bei offenen Jalousien in der Wohnung an, hat das ungeahnte Folgen.

Bäume & Pflanzen

DAS PROBLEM

Ob Apfelbaum oder Paprika: Pflanzen brauchen Dunkelheit. ...

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... Wenn man darüber nachdenkt, ist es logisch: Stellt man das Gemüse im Gewächshaus tagsüber unter eine Pflanzenlampe, um das Wachstum anzuregen, so macht man das Licht nachts aus, um ihm eine Ruhepause zu gönnen. Wie wichtig das ist, zeigt sich am Beispiel von Bäumen, die in der Nähe von Straßenlampen stehen. Die Experten bei erklären, dass diese ihr Laub oft zu spät oder gar nicht abwerfen. Die Helligkeit suggeriert ihnen, dass noch Sommer ist. Wird es dann kalt, sind sie unvorbereitet und anfälliger für Frostrisse.

Teich

Auch auf die Teichbewohner wirkt sich eine künstliche Beleuchtung schädlich aus. Erst bei ausreichender Dunkelheit suchen Lachse ihre Laichplätze auf oder steigen Wasserflöhe auf, um andere Organismen und Algen zu fressen und so das Wasser zu säubern. Ist es zu hell, werden die Lachsbestände langfristig abnehmen und unsere Gewässer schmutziger.

Tiere & Insekten

Auch Insekten und andere nachtaktive Tiere werden von einer Nachtbeleuchtung in ihrem Biorhythmus gestört. Vögel brüten zu früh und können dann ihren Nachwuchs nicht ernähren. Insekten verwechseln die Gartenleuchte mit dem Mond, an dessen Licht sie sich normalerweise orientieren, und umkreisen diese, bis sie tot oder erschöpft zu Boden fallen, um dann von Spinnen und Laufkäfern gefressen zu werden. Da etwa 60 Prozent unserer Insekten Bestäuber sind, bleiben am Ende deutlich weniger übrig, die unsere Pflanzen bestäuben können. Mehr Licht bedeutet somit auf lange Sicht weniger Nahrung für uns.

SCHNECKEN

Wussten Sie zudem, dass sich Ackerund Wegschnecken in gut beleuchteten Gärten besonders stark vermehren, oder dass die Larven von Glühwürmchen diese fressen? Wenn Sie die penetranten Salatdiebe künftig in ihrer Zahl reduzieren und von Ihrem Gemüse fernhalten möchten, sollten Sie darauf achten, dass Beete und Wiesen möglichst dunkel gelegen sind und Sie Leuchtkäfer dort nicht durch gelbe Lichtquellen verschrecken.

Aber keine Sorge, wie wir bei selber machen erfahren haben, ist die Lösung für dieses Problem ganz leicht.

DIE RICHTIGE BELEUCHTUNG

Um möglichst wenig zur Lichtverschmutzung beizutragen, finden Sie hier wichtige Anregungen.

DIE LÖSUNG

A uf die Frage, ob es eine Beleuchtung für den Garten gibt, die ungefährlich für unsere Insekten ist, antwortet Manuel Philipp mit einem klaren „Nein.“ Ideal wäre es, das Licht beim Verlassen des Gartens ebenso selbstverständlich auszuschalten wie vor dem Zubettgehen im Haus. Wer aber nicht gänzlich auf Außenlicht verzichten möchte, kann sich beim Kauf und bei der Montage an die Empfehlungen der Paten der Nacht halten. Diese gelten gleichermaßen für die Beleuchtung von Grünflächen, Gebäuden, Straßen, Parkplätzen und Schaufenstern. Der große Vorteil: Nicht nur, dass Sie mit dem passenden Lampenmodell und einigen einfachen Handgriffen tag- und nachtaktive Tiere besser schützen können, Sie sparen zugleich eine Menge an Energiekosten und tragen dazu bei, den Sternenhimmel strahlen zu lassen. Denn je weniger Licht wir in der Nacht brennen lassen, desto deutlicher ist er zu sehen.

Lichtfarbe und -intensität

Auch Farbe und Intensität spielen bei der Wahl der Gartenlampe eine wichtige Rolle. Je mehr Blauanteile eine Lichtquelle enthält, desto stärker fühlen wir uns davon geblendet bzw. werden Insekten angezogen. Eine gute Wahl ist eine Lampe mit stärkerem Rotanteil. Unser Auge nimmt dieses Licht gelblich wahr. Die wahrgenommene Lichtfarbe wird auch als „Farbtemperatur“ bezeichnet und in Kelvin (K) gemessen. Idealerweise sollte ein Leuchtmittel die Farbe „Amber“ haben, zumindest aber 2.700 Kelvin nicht überschreiten. Im Handel häufiger anzutreffen ist die Farbe „Warmweiß“ mit 2.700 bis 3.000 Kelvin. Achten Sie bei letzteren darauf, die Leuchtdauer möglichst kurz zu halten. Von Leuchtmitteln mit höheren Kelvinwerten ist abzuraten. Die Intensität oder Helligkeit einer Lampe wird hingegen in Lumen (lm) angegeben. Auch hier sollte der Wert möglichst gering ausfallen, je nach Abschirmmöglichkeit des Lampengehäuses maximal 500 bis 800 Lumen.

Geeignete Modelle

Die Auswahl an Leuchtmitteln für den Garten ist groß. Mit dem richtigen Modell können Sie bis zu 80 Prozent an verschwendetem Licht durch Streuverlust einsparen. Dafür empfehlen die Experten von Paten der Nacht LED-Reflektorlampen in geschirmten, offenen Gehäusen, in denen Sie die Leuchten leicht selber austauschen können. LED-Reflektorlampen leiten das Licht gezielt in Richtung Boden – das genügt schon, um sich bei Dunkelheit orientieren zu können. In Kombination mit einem Bewegungsmelder mit möglichst kurzer Schaltzeit und einer Zeitschaltuhr, die etwa ab 22 Uhr das Licht löscht, ist dieser Lampentyp optimal. Von Solarlampen ist eher abzuraten, da sie aufgeladen vom Tag meist die Nacht durchbrennen. Falls Sie darauf nicht verzichten möchten, wählen Sie eine gelbliche, lichtschwache Solarleuchte mit automatischer Abschaltung.

TIPP

LED-Reflektorlampen mit klassischer E27-oder E14-Fassung für den Hausgebrauch gibt es in dimmbarer und nicht dimmbarer Version von Herstellern wie Osram (hier zum Beispiel die Parathom-Serie) und Philips. Wenn Sie Licht gezielt nur auf den Boden lenken, können Sie auf Modelle mit niedriger Wattzahl zurückgreifen. 2 Watt sind oft ausreichend. Auch LED Pollerleuchten mit möglichst niedriger Höhe sind denkbar, etwa die myGarden Bustan von Philips mit 2.700 Kelvin.

CHECKLISTE

Die richtige Lampe

IN DER PRAXIS

Sie möchten Ihr Außenlicht optimieren, die alte Beleuchtungsanlage jedoch möglichst behalten? Lesen Sie die Tipps vom Profi.

S eit 2018 ist die Winklmoos-Alm in den Alpen ein zertifizierter Sternenpark. Das bedeutet, dass man dort aufgrund der geringen Lichtverschmutzung wieder einen ungetrübten Blick in einen aufregenden Sternenhimmel genießen kann. Um das zu erreichen, hat Manuel Philipp vor Ort die Beleuchtungsanlage optimiert. Seine Ideen sind dabei so einfach wie wirkungsvoll.

Alte Lampen umbauen

1

In der unten offenen Wandlaterne strahlte das Licht der Glühlampe seitlich und in den Himmel ungenutzt ab. Die neue LED-Reflektorlampe leitet das Licht gezielt zu Boden und Tür

2

Da das Lampengehäuse hier geschlossen ist, wurde es gegen einen LED-Fluter (von Luceco) mit Bewegungsmelder ausgetauscht. Der Neigungswinkel beträgt circa 8 bis 10 Grad

3

Hier wurde das Leuchtmittel gegen eine LED ausgetauscht und die obere Hälfte des Glaskolbens mit lichtdichtem Gewebe-Klebeband zugeklebt, dass das Licht nur nach unten strahlt

3 FRAGEN AN

. „Uns ist wichtig zu vermitteln, dass man etwas für die Umwelt tun kann, ohne dafür verzichten oder es sich dunkler machen zu müssen.“

Die gemeinnützige Organisation Paten der Nacht ist ein breit gefächertes Netzwerk aus Experten und ehrenamtlichen Helfern, die sich seit 2019 dafür einsetzen, Menschen in Deutschland und Österreich zum Thema Lichtverschmutzung zu informieren und Lösungen anzubieten. Mehr Infos erhalten Sie unter www.paten-der-nacht.de

1| Sie vertreten das Motto „Licht aus, Nacht an“. Was macht ein Umdenken beim Thema Licht so wichtig? Die Lichtverschmutzung ist sozusagen das Mikroplastik in unserer Atmosphäre – ein schleichendes, aber gravierendes Umweltproblem. Wegen des weltweit immer stärker eingesetzten Kunstlichts geraten ganze Ökosysteme ins Wanken, da nahezu alle Lebewesen und Pflanzen auf einen wahrnehmbaren Hell-/Dunkel-Rhythmus angewiesen sind. Erst nachts erholt und repariert sich der Körper selbst, auch unserer. Zwingen wir ihn mit Dunkelheit zur Ruhe, bleiben wir langfristig gesünder und leistungsfähiger.

2| Für viele Privatbesitzer ist (Einbruch-)Sicherheit ein großes Thema. Wie kann man beleuchten, damit diese gewahrt bleibt? Nicht nur, dass erleuchtete Häuser Einbrecher oftmals stärker locken, sich einmal darin umzusehen als unbeleuchtete Häuser – auch eine Taschenlampe sieht man im dunklen Garten besser als in einem erhellten. Die Dunkelheit kann auch ein Schutz sein. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann mit Bewegungsmeldern arbeiten und seine Innenbeleuchtung so steuern, dass sie bei längerer Abwesenheit per Zufallsprinzip ein- und ausgeschaltet wird. Das vermittelt den Eindruck, als sei jemand zu Hause.

3| Was kann man noch tun, um der Welt etwas von ihrer natürlichen Dunkelheit zurückzugeben? Wir haben zwei Projekte zur Reduzierung der Lichtverschmutzung gestartet: Bei der im September stattfindenden Earth Night (im kommenden Jahr am 15.09.23) setzen immer mehr Menschen ein Zeichen, indem sie ab spätestens 22 Uhr eine Nacht lang das Außenlicht ausmachen. Das Projekt 22 Uhr – Licht aus soll Firmen dazu anregen, nachts freiwillig die im Freien sichtbare Werbebeleuchtung abzuschalten. Es sind oftmals solche kleinen Schritte, die eine große Wirkung erzielen können.