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Lieb, aber doof


Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 27.06.2019

Die Methode»Optimist«


Jüngst ist es mir mal wieder gelungen, ein elektrisches Gerät zu reparieren. Und zwar nach der Methode »Optimist«: Gerät aufschrauben, nichts anfassen, wieder zusammenschrauben, einschalten, läuft. Die Methode funktioniert. Nicht immer, aber deutlich öfter, als sie nach den Gesetzen der Logik und der Elektrotechnik funktionieren dürfte.

Die Begabung, ein Gerät allein durch Auf-und wieder Zuschrauben zu reparieren, beruht im Wesentlichen auf der Zuversicht, dass man Geräte genau so reparieren kann. Wenn man dran glaubt! Natürlich könnte man sich auch stundenlang über Schaltpläne ...

Artikelbild für den Artikel "Lieb, aber doof" aus der Ausgabe 7/2019 von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 7/2019

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... beugen, irgendetwas »durchmessen «, beschädigte Teile austauschen, Gelöstes verdrahten, Gebrochenes verlöten. Sich in Internetforen Tipps und Ratschläge holen. Abwechselnd sich und das Gerät verfluchen. Noch auf dem Totenbett aufschrecken, weil einem endlich einfällt, wie man damals, vor fünfund zwanzig Jahren, den defekten Transistor hätte »überbrücken« können.

DANIEL NOLL

PETERTHULKE

MATTHIAS KIEFEL

Wer die Methode »Optimist« beherrscht, könnte auch als Chirurg arbeiten. Patient aufschrauben, aufschneiden, aufsägen – irgendwie öffnen jeden-falls, nichts machen, höchstens eine rauchen, Nachrichten checken, in der Kantine einen Kaffee holen, und dann den Patienten wieder verschließen – repariert. Beziehungsweise »geheilt«, wie es in der mitunter rätselhaften Fachsprache der Ärzte heißt.

Eine Steigerung wäre die homöopathische Chirurgie, bei der der sich mit beidseitiger Kniegelenksarthrose durch den Alltag schleppende Patient noch nicht einmal aufgeschnitten wird und trotzdem hinterher sofort wieder herumtollt wie ein junges Fohlen. Das funktioniert allerdings nur beim Menschen, Geräte sind da kritischer. Sie wissen zwar auch, dass ihr Reparateur im Grunde gar nichts tut, erwarten aber, dass er sich dabei wenigstens ein bisschen Mühe gibt.

Ganz sicher spielen auch das Baujahr und die Herkunft des defekten Gerätes eine wichtige Rolle. Das von mir zuletzt geheilte Gerät war ein noch aus der DDR stammendes Handrührgerät aus den späten Achtzigerjahren namens RG 28. Wobei »RG« schlicht für »Rührgerät« steht und »28« für »28«. Geräte dieser Art sind in der Welt der Technik das Pendant zu dem, was Anthropologen als das »einfache Mädchen vom Lande« bezeichnen würden – geradlinig, unkompliziert, mit einem freundlichen Wort und einer warmen Suppe zufrieden. Beim neuesten Produkt aus dem Hause Siemens hingegen, dem »MQ955PE Handrührer Power Edition (450 Watt)« hört man den nörgelnden Ton der verwöhnten und hochgezüchteten Wohlstandsgöre schon in der Produktbezeichnung mit. Wenn das mal kaputtgeht, dann will es auch von einem internationalen Spezialistenteam unter Einsatz modernster Hochtechnologie (gerne aus der Weltraumforschung) untersucht und instandgesetzt werden. Und dass es danach weitere 30 Jahre brav weiterrührt und knetet, so wie es sein genügsamer Bruder aus den 80er-Jahren tun wird – darauf sollte man sich lieber nicht verlassen. Vielen Dank auch, moderne Weltraumforschung!

Woran noch gearbeitet werden muss, ist die Umwandlung von Geräten nach der Methode »Optimist «. Aus einem Haartrockner eine Umwälzpumpe für das Aquarium zu bauen, indem man Teile tauscht und das Gerät neu zusammensetzt, ist eine beeindruckende Leistung. Aber – bei allem Respekt – das gab es schon 1978 im DDR-Fernsehen, bei »Außenseiter-Spitzenreiter«. Hingegen aus einer 30 Jahre alten elektrischen Zahnbürste eine Drohne zu machen, die gestochen scharfe Bilder aus den Schlafzimmern der Nachbarschaft liefert, sich selbständig ins Internet einloggt, um die tägliche Dosis Troll-Kommentare abzusetzen, die ganz von alleine am Abend unsere Aktivitäten zur Auswertung an Google meldet, und uns außerdem pünktlich zum Frühstück mit einem selbstgebackenen Brot erwartet – das wäre mal eine echte Innovation. Jedenfalls dann, wenn man an der Zahnbürste überhaupt nichts verändert hat, sondern nur beim Auf-und Zuschrauben ganz fest daran glaubt.