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Liebe Dich selbst!


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.06.2019

Ohne Liebe ist das Leben öde und kalt. Wir alle sehnen uns danach, geliebt zu werden und vergessen darüber den Menschen, der es zuallererst verdient, geliebt zu werden: uns selbst. Aber dürfen wir das? Uns selbst lieben? Ja, unbedingt!


TITELTHEMA

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Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 3/2019

Stell dir vor, Deine beste Freundin würde – je nach Gelegenheit – zu Dir Sätze sagen wie: „Das kannst Du nicht, das haut nicht hin!“ – „Diese Hose? Geht gar nicht! Du bist einfach zu fett!“ – „Diesen Mann findest du gut? Du bist bestimmt nicht sein Typ!“ Diese Frau wäre nicht mehr lange Deine Freundin, weil Du ihr irgendwann mal die rote Karte zeigen würdest. ...

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Stell dir vor, Deine beste Freundin würde – je nach Gelegenheit – zu Dir Sätze sagen wie: „Das kannst Du nicht, das haut nicht hin!“ – „Diese Hose? Geht gar nicht! Du bist einfach zu fett!“ – „Diesen Mann findest du gut? Du bist bestimmt nicht sein Typ!“ Diese Frau wäre nicht mehr lange Deine Freundin, weil Du ihr irgendwann mal die rote Karte zeigen würdest. Zu Recht, denn man muss es nicht haben, ständig niedergemacht zu werden. Doch was ist mit dieser kleinen, fiesen Stimme in Dir, die Dir solche Sachen einflüstert?
Das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, tragen wir vielleicht schon ein Leben lang mit uns herum. Es hat uns klein gehalten und traurig gemacht. Die gute Nachricht: Du kannst etwas dagegen tun. Die noch bessere Nachricht: NUR Du kannst etwas dagegen tun. Du brauchst keinen anderen dafür. Denn Du hast einen Menschen an Deiner Seite, mit dem Du garantiert zusammen bleiben wirst, bist dass der Tod Euch scheidet. Wie fühlt sich das an? Was würdest Du für diesen Menschen tun? Wie würdest Du Eure Zeit gestalten? Spiele das in Deiner Fantasie durch – und dann denke daran: Dieser Mensch bist Du selbst. Deswegen solltest Du Dich lieben und ehren. Und es Dir mit Dir selbst nett und gemütlich machen. Denn was wäre die Alternative? Ein Leben mit einem Menschen, den Du nicht magst!

Wenn Du Dich selbst liebst …

musst Du nicht mehr versuchen, bei anderen Menschen das zu suchen, was Du Dir selbst nicht geben kannst: Liebe. Wenn Du Dich selbst liebst, lebst Du Deine Beziehung souverän und gelassen, denn Dein Partner wird nicht mehr unbewusst beschuldigt, weil Du angeblich zu wenig Liebe von ihm bekommst. Du kannst aufhören, Dich anzustrengen, um von anderen Menschen geliebt zu werden. Du kannst damit aufhören, Dich zu verbiegen, um für andere Menschen liebenswert zu sein. „Selbstfürsorge ist das Rankgerüst für authentische Beziehungen“, erklärt die Psychologische Psychotherapeutin Sonja Jaburg.

Jede Beziehung ist ein Abenteuer …

Jede Beziehung entwickelt sich weiter. So ist es auch mit der Beziehung zu Dir selbst. Du solltest sie so ernst nehmen, wie die Beziehung zu Deinem Partner. Zugegeben, bei einem Liebespartner ist es einfacher: Zu Beginn der Beziehung bist Du total verliebt und es bereitet Dir Freude, alles für ihn zu tun. Das ist bei Deinem Weg zur Selbstliebe wohl nicht der Fall. Vielleicht verliebst Du Dich eines Tages auch in Dich selbst – aber der Weg dahin ist nicht einfach. Doch mit der Selbstliebe ist es wie mit einem Musikinstrument: Du kannst es lernen. Zu Beginn klingt es manchmal eben schief. Da hilft nur üben und nicht aufgeben!

Ein wichtiger Aspekt der Selbstliebe ist …

Selbstfürsorge. Die Autorin Franziska Muri schreibt in ihrem Buch „Selbstfürsorge“ (siehe Buchtipp Seite 19): „Selbstfürsorge ist nichts, was man kann. Es ist etwas, das man lebenslang einüben und stets neu an die äußeren und inneren Gegebenheiten anpassen darf.“
Deine Vorstellung, dass Du keine Schwächen haben darfst und dass Du Dich erst optimieren musst, bevor Du Dich lieben kannst, ist ein tragischer Irrtum! Denn Du musst nicht perfekt sein, um Dich selbst zu lieben.

Die magischet der Selbstliebe:

1. Güte
Verzeihe Dir, dass Du Fehler hast und nicht perfekt bist.

2. Geduld
Selbstliebe ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Selbstliebe kann trainiert werden und baut sich langsam auf.

3. Achtsamkeit
Beobachte Dich, wann Du Dich selbst entmutigst. Statt zu denken „Ich kann das nicht!“ sage Dir: „Ich kann dasnoch nicht und ich probiere es einfach mal!“

4. Dankbarkeit
Dankbarkeit öffnet die Augen. Du entwickelst die Fähigkeit, das Positive an Dir und Deinem Leben zu erkennen und wertzuschätzen, auch wenn nicht alles perfekt ist.

5. Zeit
Nimm Dir Zeit für Dich selbst: Verabrede Dich mit Dir selbst, um Dinge zu tun, die Dir Spaß machen. Nimm Dir darüber hinaus jeden Tag mindestens zwanzig Minuten Zeit, die Du mit Dir alleine verbringst.

6. Lob
Lobe Dich selbst. Beachte auch kleine Erfolge. Du kannst auch laut anderen Menschen gegenüber äußern: „Das habe ich gut gemacht!“ Lob und Anerkennung sind Vitamine für Deine Seele.

7. Mut
Habe den Mut, aus Deinem Leben zu entfernen, was Dich runterzieht oder klein macht. Das können auch Menschen sein, die Dir nicht guttun.

Du bist wie ein Baum, der in Deinem Selbstbewusstsein verwurzelt ist. So kannst Du Dich und Deine Fähigkeiten voll entfalten.Schreibe in die Blätter (oder Blüten), welche Eigenschaften Du an Dir besonders magst. Du kannst die Seite heraustrennen und wie ein Poster aufhängen.

Die Psychologin erklärt: „Das Schwierige an der Selbstakzeptanz ist das Bedingungslose. Wir sind alle durch unsere persönliche Geschichte angefüllt mit Vorstellungen darüber, wie wir denken, dass andere uns haben wollen oder wie wir selbst sein wollen. Das Urteilen und Verurteilen liegt uns im Blut, weil es Eindeutigkeit und Orientierung produziert. Dann weiß ich, wo ich stehe, wenn ich mich beurteile – nämlich vor meinem Richter. Und wenn der mir sagt, wo es langgeht, was an mir gut und schlecht ist, hübsch und hässlich, dann brauche ich mich gar nicht mehr um eine Beziehung zu mir selbst zu bemühen, in der ich üben könnte, mich davon zu befreien, mich ständig gegen mich selbst zu wehren.“

Selbstliebe und Selbstakzeptanz … … … …

kannst Du also üben und erlernen. Eigenschaften oder Schwächen, zu denen Du nicht stehen kannst, sind wie ungeliebte Kellerkinder Deiner Seele. Hole sie ans Licht und gib ihnen einen offenen Platz in Deinem Leben. Umarme Deine Schwächen! Daraus kannst Du ein regelmäßiges, kleines Ritual machen. Vielleicht magst Du Deine Ängstlichkeit nicht. Stell Dir vor, dass Du sie in dem Arm nimmst und zu ihr sagst: „Hallo, Ängstlichkeit! Ich mag Dich trotzdem!“ Tu das nach und nach mit allem, was Dir an Dir nicht gefällt. Ist ein Satz wie „Huch, das kann ich nicht!“ Deine erste Reaktion? Ganz normal. Du begibst Dich ja auf unbekanntes Gebiet. Probiere es trotzdem aus. Du wirst erleben, dass Du Dich mehr und mehr entspannst und Deine vermeintlichen oder tatsächlichen Schwächen, Makel, Macken einen anderen Stellenwert bekommen. Sie sind da, bestimmen aber weder Deine Laune noch Dein Leben.

Und was ist mit den Perfektionistinnen unter uns? Sie könnten sich einen Zettel an den Badezimmerspiegel kleben auf dem steht: „Ich bin perfekt unperfekt!“

Selbstakzeptanz bedeutet …

bedingungsloses Zu-sich-selbst-stehen. Ein Beispiel: Silke ist heute 52 Jahre alt und hatte mit siebzehn Jahren etwas, das sie als „Erweckungserlebnis“ bezeichnet: „Ich stand nach dem Duschen vor dem Badezimmerspiegel und schaute meine Brüste an.
Nicht groß, nicht klein, ein normaler Busen halt. Ich dachte: ‚Hm, er könnte praller sein! Oder irgendwie anders …‘ Doch plötzlich war da eine Stimme im Kopf, die sehr bestimmt sagte: ‚Du hast jetzt genau zwei Möglichkeiten: Entweder, Du findest Deinen Busen in Ordnung, oder Du bist für den Rest Deines Lebens unglücklich, weil Dein Busen nicht Deinen Vorstellungen entspricht. Wer ist hier nicht in Ordnung? Deine Vorstellungen oder Deine Brüste?‘ “
Silke entschied sich in diesem Moment gegen ihre falschen Vorstellungen und findet bis heute ihren Busen toll: „Es ist meiner, den gibt’s nur einmal!“
Nun gut, so einfach ist es nicht immer. Aber diese Erkenntnis lässt sich wie eine Selbstakzeptanz-Vorlage auf viele andere Situationen übertragen. Denn wir haben tatsächlich nur zwei Möglichkeiten: Uns auf den Weg der Selbstliebe zu begeben oder ein Leben lang mit uns zu hadern.
Was willst Du?
Wenn Du Dich selbst liebst, übernimmst Du Verantwortung für Dein Leben. Aber Du kannst es auch genau andersherum machen: Übernimm erst Verantwortung für Dein Leben. Du wirst merken, dass Du bessere Entscheidungen triffst und stolz auf Deine Erfolge sein kannst. So stellt sich das Gefühl der Zufriedenheit und der Selbstsicherheit nach und nach ein – das ist der beste Nährboden für die Liebe zu Dir selbst.

Wie gut sorgst Du für Dich selbst?

Selbstfürsorge ist eine Facette der Selbstliebe. Hand aufs Herz: Wie fürsorglich gehst Du mit Dir, Deinem Körper und Deinem Leben um? Kreuze an, was für Dich zutrifft. Die Bereiche, die kein Kreuz bekommen haben, könnten Deine nächsten Selbstfürsorge-Challenges sein.

○ Ich verzichte öfter mal auf Computer, TV, Handy.

○ Ich ernähre mich gesund

○ Ich habe eine Arbeit, die mich erfüllt.

○ Ich habe Zeit für meine Freunde/Familie.

○ Ich habe Zeit für mich.

○ Ich lebe in einer Wohnung, die mir guttut.

○ Ich bekoSmcmhlea genug Schlaf


Ich öffne mein Herzfür mich selbst


Ich bin immer für mich da


Selbstliebe hat viele Facetten, sie nimmt immer die „Färbung“ der Person an, die sie praktiziert. Sie kann ganz leise und alltäglich daherkommen wie bei Marlies, 59, die jeden Tag konsequent irgendetwas Positives zu sich sagt: „Mein Ziel ist, dadurch diese negativen Selbstbewertungen, die ich ständig im Kopf habe, abzubauen.“

Einen ungewöhnlichen Schritt …
hat Sinja, 32, vollzogen: „Ich habe mich selbst geheiratet. Nachdem mein Freund mich verlassen hatte, ging es mir richtig schlecht. Mein Weg, damit umzugehen war, mich immer wieder zu fragen: ‚Was kann ich jetzt in diesem Moment tun, damit es mir besser geht?‘ Irgendwann wurde mir klar, das diese Form des ‚Für-michda- seins‘ ganz grundsätzlich mein Weg ist. Schließlich bin ich immer mit mir zusammen, egal ob ich einen Partner habe oder nicht.“ Sinja wollte diese Erkenntnis unbedingt dokumentieren. Sie sollte für immer präsent sein. Erst dachte sie daran, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Aber dann kam alles anders: „Plötzlich hatte ich die Idee, mich selbst zu heiraten und mir das Eheversprechen zu geben.“ Sinja kaufte sich einem schmalen, silbernen Ring, der ihr Ehering sein sollte. „Ich habe ihn mir einfach so übergestreift, ganz ohne Zeremonie, und mir versprochen, ab jetzt immer gut für mich zu sorgen, in guten, wie in schlechten Zeiten.“ Es ist drei Jahre her und bis heute hat Sinja ein warmes Gefühl im Bauch bei dem Gedanken, mit sich selbst verheiratet zu sein: „Es ist ein bisschen so, als wäre ich in mich selbst verliebt.“
Aber dürfen wir uns selbst lieben? Ist das nicht egoistisch, narzisstisch, überheblich? Hier liegt eine Verwechslung vor: Der Mensch, der andere damit nervt, wie toll er ist und was er alles geschafft hat, liebt sich ja nicht selbst. Sonja Jaburg: „Er muss sich immer wieder mit Getöse in Szene setzen, um sich und andere von seiner emotionalen Verunsicherung und tiefen Selbstwert-Wunde wegzulocken. Die darf niemand sehen, da darf niemand ran, weder er selbst noch andere.“ Selbstliebe dagegen ist leise, subtil und diskret. Sie scheint durch, sie bringt Dich innerlich zum Leuchten. Franziska Muri hat die Erfahrung gemacht, dass sie sich dann egoistisch verhält, wenn sie das Gefühl hat, zu kurz zu kommen: „Wenn ich mich hingegen mit mir selbst verbunden fühle und freundlich dafür sorge, erfüllt zu sein, dann gibt es keinen Anlass, egoistisch zu sein. Im Gegenteil, dann gebe ich gern und ganz von mir selbst.“

Die Liebe zu Dir selbst …
ist wie eine Kerzenflamme: Du kannst andere Kerzen damit anzünden, ohne das irgendeine Kerze weniger Feuer bekommt oder erlischt. Selbstliebe stabilisiert Dich, macht Dich widerstandsfähiger, glücklicher, entspannter, großzügiger. Der Showdown der Selbstentmutigung ist endlos, aber die Liebe ist mächtiger. Der Dichter Oscar Wilde sieht es so: „Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ Du bist klug, mutig, schön – und Du bist nicht perfekt! Liebe Dich selbst, wie Du bist.

Mehr erfahren über Selbstfürsorge

In ihrem neuen Buch verrät uns Franziska Muri die sieben Geheimnisse des liebevollen Umgangs mit sich selbst. Ihre These: Selbstfürsorge kannst Du lernen. Es ist ein Prozess, der Deine Erlaubnis braucht. Kluge Gedanken und viele praktische Tipps inspirieren dazu, liebevoller für sich selbst zu sorgen.

Franziska Muri: „Selbstfürsorge – Die 7 Geheimnisse des liebevollen Umgangs mit dir selbst“, Integral Verlag, 18 Euro


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