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LIEBE: Ei n Mann aus dem Net z


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 03.04.2019

lt@Sehnsucht nach Frühlingsgefühlen und Zweisamkeit? Drei Frauen über ihre Erfahrungen mit Online-Dating und ein paar Spielregeln


Artikelbild für den Artikel "LIEBE: Ei n Mann aus dem Net z" aus der Ausgabe 5/2019 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Donna, Ausgabe 5/2019

EIN KOSTBARES GESCHENK

Lange waren es die Alphatiere, die mich fasziniert haben. Hochgewachsene Männer, lässig und immer bereit, eine Ansage zu machen. Auf Tinder habe ich solche Typen nach rechts gewischt, an den Bars und in den Schwimmbädern dieser Welt sofort angesprochen. Acht Jahre lang habe ich gehofft, dass sich aus einer dieser Begegnungen eine Beziehung entwickeln würde. Meist hatte ich ein paarmal Sex, bis die Männer lapidar sagten, sie seien nicht beziehungsfähig. ...

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... Ich hatte Sehnsucht nach Nähe, nach einem Menschen, der bleibt. Als ich 50 wurde, war ich dieses Spiel müde. Ich kämpfte mit beruflichem Stress, stand kurz vor einem Burnout, auf Tinder war ich nur noch selten. Mehr aus Routine habe ich Stephan nach rechts gewischt: Er sah gut aus, sein Lächeln wirkte natürlich. Ob wir telefonieren wollen, schrieb er sofort. Wieder so einer, der gleich alles will, dachte ich und erklärte ihm am Telefon, dass es mir nicht gut ginge und im Moment sowieso nichts aus uns würde.

Er fragte nach, was genau los sei, und mir fiel es schwer, sein Interesse ernst zu nehmen: Wollte er tatsächlich wissen, was mich beschäftigte? Warum? Zwei Wochen später kam er mich in meiner Stadt besuchen. Er schlief im Hotel. Wir picknickten. Redeten. Er gab mir Tipps, um mir aus meiner Jobkrise zu helfen, und war auf wundersame Weise fürsorglich. Ich rief eine Freundin an und sagte, Stephan sei nett, aber nicht von dieser Welt. So einem könne ich mich nicht zumuten. Meine Freundin lachte und meinte, dieser Mann hätte drei Kinder großgezogen, eine Ehe geführt. Jemand wie Stephan hätte geübt, Kompromisse einzugehen. Beziehung zu leben. Sie sollte recht behalten. Vor zwei Monaten sind wir in eine Wohnung auf dem Land gezogen. Natürlich habe ich geheult, schließlich habe ich mein Nest in der Stadt aufgegeben. Und natürlich haben wir uns beim Einrichten gestritten. Aber damit habe ich gerechnet. Dass Stephan bleiben wird, spüre ich. An manchen Tagen fühlt sich das immer noch so an, als hätte jemand ein kostbares Geschenk vor meine Haustür gestellt, hätte geklingelt und wäre verschwunden.Corinna, 51, Hebamme


„WOLLTE ER TATSÄCHLICH WISSEN, WIE ES MIR GING? WARUM?”


DER ZWEITE BLICK

Eigentlich bin ich nicht besonders pingelig. Meine Maxime beim Online-Dating war immer, dass die Männer manierlich aussehen und ausreichend spannend sein sollten, um mit ihnen einen Abend verbringen zu können, ohne dass ich mich langweile. Alles Weitere sollte sich ganz entspannt ergeben. Tat es aber nicht, der eine war zwar total nett, lustig und interessant. Aber verheiratet und Vater von zwei Kindern, wie er mir bei der zweiten Verabredung gestand, er wolle eigentlich bloß eine Affäre. Ein anderer hatte einfach nichts zu sagen. Wirklich nichts. Als es dann mit dem Dritten zu einer Verabredung kam, wäre ich am liebsten schon auf dem Parkplatz umgekehrt. Ich sah den Typ da stehen und dachte: Auf keinen Fall! Geht gar nicht. Der war echt in Jogginghose zum Date gekommen. Ich meine: wenn sich jemand nicht mal am Anfang Mühe mit der Optik gibt! Aber dann war ich doch zu höflich. Und zu neugierig. Ich bin also ausgestiegen, und noch während ich ihn begrüßt habe, war ich hingerissen. Wirklich total. Ich kann das gar nicht erklären. Es war einfach so. Und so ist es immer noch. Seit sechs Jahren sind wir ein Paar, seit fast zwei Jahren leben wir zusammen. Seitdem bin ich ein absoluter Fan des zweiten Blicks. Den haben Männer durchaus verdient, gerade die, die vielleicht nicht so aussehen. Wenn ich heute Frauen höre, die der Meinung sind, Tennissocken in Sandalen gingen gar nicht, weiß ich: Letztlich zählt doch die Chemie und nicht das Outfit. Das kann man ändern, einen miesen Charakter dagegen nicht.
Yvonne (51), Agenturchefin


„ER WAR ECHT MIT JOGGINGHOSEN ZUM ERSTEN DATE GEKOMMEN”


DIGITALE PARTNERSUCHE: SO LÄUFT’S

1. Auf Dating-Plattformen wimmelt es vor Selfies. Machen Sie einen Unterschied und lassen Sie eine Freundin ein authentisches Porträt knipsen. Dazu ein Ganzkörperfoto für den Gesamteindruck und eines, das für Ihre Interessen steht.

2. Unser Gehirn kann sich am besten zwischen fünf bis neun Optionen entscheiden – mehr Auswahl überfordert. Deswegen: Treffen Sie sich mit einigen Kandidaten und legen Sie dann eine Suchpause ein, in der Sie mindestens einen näher kennenlernen.

3. Natürlich gibt es die Liebe auf den ersten Blick. Aber sie ist nicht zwingend für eine gute Beziehung. Nach einer neuen Studie von Elite Partner haben sich 61 Prozent von 2666 Liierten erst allmählich verliebt.

4. Vorsicht vor überhöhten Ansprüchen: Laut Elite-Studie hat fast jeder zweite Befragte bei seinem Partner Kompromisse gemacht – und ist heute froh darüber. Idealbilder und tatsächliche Bedürfnisse in einer Beziehung sind nicht das Gleiche!

DER REINFALL

Er war total charmant und hatte so viel aus seinem spannenden Leben zu erzählen. Von Reisen, von Kontakten zu Prominenten. Ich war hingerissen von Klaus. Kennengelernt hatten wir uns über ein Online-Portal. Er war nicht mein erstes Date, aber der Erste, der nicht mauerte, nicht zögerte, mir zu sagen, wie verliebt er sei, wie toll er mich findet, und der schon nach vier Treffen darüber sprach, von Bremen zu mir nach München zu ziehen. Er war attraktiv – und ich fühlte mich, als hätte ich endlich mal den Hauptgewinn ergattert. Klaus erzählte, dass er als ehemaliger Bundesligaspieler sein Geld gut investiert habe und es sich nun leisten könne, nur noch gelegentlich Aufträge als Personalberater anzunehmen. Ich fand nett, wie er sich um seinen alten Vater kümmerte, und war sehr ergriffen, als er mir sagte, dass er ihn sogar mit einem Hubschrauber habe nach München fliegen lassen, damit er sich hier ein Heim anschauen könne. Als er mir nach einigen Wochen anvertraute, dass er stündlich auf eine Lebertransplantation wartet, habe ich eine Woche nur geheult, weil ich dachte: Endlich, endlich habe ich den Richtigen gefunden, und schon macht ihn mir das Schicksal wieder streitig. Aber das hat uns noch mal enger zusammenge- schweißt. Ich hätte alles für diesen Mann getan. Und das habe ich auch. Denn ehrlich, ein paar der Dinge, die er nun beim Sex von mir erwartete, waren nicht gerade ein Vergnügen für mich. Dann erzählte ich einer Freundin von uns. Sie ist Ärztin und klärte mich gleich mal darüber auf, dass jemand mit einer Anwartschaft auf eine neue Leber ganz sicher nicht so munter wäre wie mein Freund. Wir googelten noch am gleichen Abend nach ehemaligen Bundesligaspielern mit dem Namen von Klaus. Tatsächlich hatte er Fußball gespielt. Aber in der vierten Liga. Alles andere war gelogen. Auch die Geschichte mit dem Hubschrauber. So weit fliegen die gar nicht. Jetzt recherchierten wir gründlich. Der Hammer kam, als ich Klaus mit all dem konfrontierte. Er sagte: „Du bist nicht gerade eine Schnell-Checkerin, oder?“ Das war’s. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Rückwirkend kann ich mir selbst nicht erklären, wie ich so ein Schaf sein konnte. Ich wollte wohl einfach nur mal glücklich sein. Das ist jetzt sehr viel schwerer geworden, seither bin ich extrem misstrauisch. Leider gerade dann, wenn es eigentlich ganz gut läuft. Das nehme ich Klaus am meisten übel.
Clara (45), Grundschullehrerin


„ICH FAND NETT, WIE ER SICH UM SEINEN VATER KÜMMERTE ”