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Liebe gesucht


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

Deutschlands bekannteste Psychotherapeutin Stefanie Stahl veranstaltet jetzt auch Matching Parties für Singles. DONNA war bei der Premiere


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Bildquelle: Donna, Ausgabe 8/2019

Stefanie Stahl will mit einem ausgeklügelten Konzept der Liebe auf die Sprünge helfen


Es ist kurz vor sechs, als sich auf dem belebten Platz in Trier eine seltsame Unruhe breitmacht. Frauen in Jeans und dezent dekolletierten Tops schlendern nicht mehr absichtslos durch die Gegend, sondern scheinen ein festes Ziel zu haben. Männer mit sorgfältig verwilderten Neuntagebärten ziehen die kaum vorhandenen Bäuche ein und beschleunigen ihre Schritte.

Alle wollen zu Stefanie ...

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... Stahl. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Psychotherapeutin und Bestsellerautorin mit Millionenauflage (u. a. „Das Kind in dir muss Heimat finden“) als Chefexpertin in Sachen Liebe und Glück etabliert. Sie gilt als Retterin aller Unsicheren, nicht Perfekten und Bindungspaniker, auch weil sie den Leuten nicht nur vorbetet, welche Probleme sie haben, sondern Lösungswege präsentiert, die auf unaufgeregte Art den Nerv unserer Zeit treffen. Was Stahl anpackt, wird zu Gold – davon scheinen alle überzeugt, schließlich haben sie schon vor Wochen 60 Euro für diesen Abend bezahlt (Essen und Getränke nicht inklusive) und sind zum Teil von sehr weit her angereist.

„Diese Frau therapiert ganz Deutschland“ steht im Marketing-Sprech auf dem Plakat, das über der Warteschlange schwebt und, hoffentlich, etwas ironisch gemeint ist. Darunter Stahls Konterfei. Ihr aufmunterndes Lächeln scheint zu sagen: „Vertraue mir, ich helfe dir, den Partner zu finden, der wirklich zu dir passt.“
Jetzt macht die Frau auch den Dating-Portalen Konkurrenz: Sie hat ein Workshop- und Partykonzept für Singles auf Partnersuche entworfen. Und für Leute, die ihren Freundeskreis erweitern wollen. Das Ganze nennt sie „Stefanie Stahls Matching Party“. In wenigen Minuten steigt die Premiere.

„Tinder, Parship – online hab ich alles durch“, stöhnt Helena*, 57, während sie den Saal betritt. Neun Männer hat die Lehrerin aus Köln im letzten Jahr getroffen, drei waren verheiratet und der Rest irgendwie schräg. „Sexuell dominant, 17 Jahre älter als angegeben, hässlich wie Quasimodo, es war alles dabei.“ Das Internet, so Helena, heble unsere Intuitivwahrnehmung aus. „Ab jetzt will ich nur noch Männer Auge in Auge auf mich wirken lassen.“ Heute Abend, so glaubt ihre Freundin Anne, könne durchaus was Passendes für sie beide dabei sein: „Schließlich ist alles psychologisch ausgeklügelt.“ Die Steuerberaterin aus Frankfurt weiß genau, wie ihr Nächster nicht sein darf: so narzisstisch wie ihr Ex. „Ständig ist der ins Fitnessstudio gerannt und kämpfte nur gegen sein Unterhautfettgewebe, gegen das Alter, gegen mich.“ Am Rand des Saals steht Rita, 55, zweimal geschieden, drei Kinder. „Singlefrauen kenne ich ohne Ende“, konstatiert die Krankenschwester aus Trier. „Aber wo sind die Kerle?“ Abgetaucht, ausgewandert, unter der Hand im Freundeskreis weitervermittelt an eine Jüngere? Einfach mal wieder Spaß mit Männern haben. „Muss ja nicht für die Ewigkeit sein“, sagt Rita und sieht sich sehnsüchtig um.

Rund 180 Menschen suchen sich jetzt ihren Wohlfühlplatz für die mentale Aufwärmphase. Die meisten sind um die 50, der Frauenanteil überwiegt leicht. Manche gucken ein bisschen rum, andere flirten bereits mit der typischen Mixtur aus Small Talk, Bewerbungsgespräch und verkappter Koketterie – und über all dem liegt eine leichte Anspannung.
Max, gut aussehend, mit 30 einer der Jüngsten hier, sitzt an der Bar und schaut nachdenklich. Er hatte noch nie eine Beziehung, „nur Kurzaffären mit Frauen, die vergeben waren“. Der Grafikdesigner aus Nürnberg habe sich „ unbewusst immer nur solche Partnerinnen ausgesucht, mit denen von vornherein keine echte Nähe möglich war“. Er habe wohl Angst, verletzt zu werden. „Geht mir ähnlich. Ich war nur mit Frauen liiert, die im Ausland gelebt haben“, schaltet sich Daniel, 47, ein. Um sein Beuteschema umzuprogrammieren, fragte der Anwalt aus Koblenz erst kürzlich eine Kollegin, ob sie mit ihm was trinken gehe. „Nein, da müssen wir erst einen richtigen Termin vereinbaren“, sei ihre Antwort gewesen. Er habe sich vorgenommen, alle „guten“ Frauen, die ihm über den Weg laufen anzusprechen, was er dann doch nicht tat. „Vielleicht erfahren wir ja gleich, wie’s besser klappt“, sagt Max, steht auf und setzt sich auf einen der Stühle vorn im Raum. Denn jetzt gibt’s einen Workshop mit Stefanie Stahl, und da, glaubt Max, könne er noch eine Menge über sich selbst lernen.

Stefanie Stahl erklärt vor der Party ihr Beziehungskonzept


Für wen soll man sein zum Teil einsames, aber selbstbestimmtes und bequemes Single-Sein aufgeben?


Stefanie Stahl erscheint auf der Bühne und erzählt erst mal, worum es heute Abend nicht gehe: um im Elternhaus Erlerntes wie Selbstwertgefühl und Bindungsfähigkeit. Sondern um „angeborene Charaktereigenschaften, die wir kennen müssen, um die Menschen zu finden, mit denen es wirklich funkt“. In der freien Wildbahn, so Stahl weiter, fahren wir oft auf Typen ab, die anders ticken als wir. „Zuerst mag das spannend sein, führt aber schnell zu Spannungen.“ Gleichund-Gleich-Beziehungen seien „stressfreier und glücklicher“. Um diese Erkenntnis habe sie einen Persönlichkeitstest entwickelt, der auf eine vom Psychoanalytiker C. G. Jung begründete Typenlehre zurückgehe. „Extravertiert oder introvertiert, Konkret- oder Abstraktwahrnehmer, locker oder organisiert, Denkentscheider oder Fühlentscheider – je mehr Merkmale bei Paaren übereinstimmen, desto besser die Chancen“, sagt sie und geht alle 20 Fragen im Plenum durch. Schließlich verkörpert jeder Partygast einen von 16 Typen, denen sie je einen Ministertitel gegeben hat. Diese warden in vier Temperamente unterteilt, und jeder steckt sich nun die farblich passende Plakette an: Blau sind die Strategen, Gelb die Traditionalisten, Grün die Idealisten, Rot die Experimentierer. „Sucht euch die Menschen, die zu euch passen“, ruft Stefanie Stahl. Na, dann mal los!

Da stehen sie nun, fast 200 Frauen und Männer mit viel Lebenserfahrung, viele geschieden, erwachsene Kinder, tolle Jobs. Und all diese intelligenten, smarten, selbstreflektierten Menschen wissen gerade nicht so genau, was sie tun sollen. Einige kichern, andere gucken verlegen vor sich hin. Und plötzlich hat das hier was rührend Skurriles, man fühlt sich wieder wie auf der ersten Party mit zwölf, als jemand Rod Stewarts „Sailing“ auflegte und es galt, die Barriere zwischen Kindheit und Jugend zu durchbrechen.
Kämpfen oder flüchten, das war damals die Frage. Auch jetzt nimmt so mancher Reißaus vor zu viel Körperkontakt und Seelennähe, andere lauschen Stefanie Stahls Dating-Tipps: „Wertschätzt einander. Fragt die anderen nach ihren Stärken, Hobbys, Interessen.“ Das Wichtigste sei ohnehin, dass man mit sich selbst in Freundschaft lebe und authentisch rüberkomme. „So, ab jetzt tue ich so, als fände ich mich sexy und flirte einfach mal locker mit jedem interessanten Mann“, Helena dreht die Augen gen Himmel. Zigmal habe sie sich das schon vorgenommen, zigmal sei es schiefgegangen, mault sie und verschwindet im Gewimmel.

Jetzt übernimmt DJ Michael, Stefanie Stahl tanzt, andere schließen sich ihr an. Daniel, laut blauer Plakette Kompetenzminister, sitzt noch an der Bar. „Auf wen stürze ich mich denn jetzt?“, fragt er in die Männerrunde. „Wie wär’s mit der Blonden?“, schlägt einer vor. „Nee, die ist Präzisionsminister. Blau und Gelb geht nicht.“ Frank, 56, attraktiv, John-Lennon-Brille, findet das mit den Farben und Plaketten blöd. „Menschen lassen sich nicht in Schablonen pressen.“ Der Ingenieur tanzt einfach jede an, zieht Frauen aufs Parkett. „Bist du Single?“, fragt ihn Anne. Frank zögert drei Sekunden, sagt dann gedehnt: „Jaaa.“ Anne zischt: „Niemals ist der allein.“

„Lustiger als zehn Online-Dates zusammen.“ Die Party geht bis tief in die Nacht


* Alle Namen der Partygäste sind verändert

Rita, die Krankenschwester aus Trier, findet Frank dagegen klasse. „Single oder liiert, ist doch egal“, sagt sie und zeigt mit ihm zu Luis Fonsis „Despacito“ eine respektable Salsa. Überhaupt, jetzt gegen halb eins dreht der DJ so richtig auf, und plötzlich scheinen all die Pläne, Hemmungen, Typenlehren, Flirtregeln vergessen. „Tolle Stimmung! Und viel lustiger als zehn Online-Dates zusammen“, lacht Helena und steppt zu Gloria Gaynors „I will survive“. Und der Mann fürs Leben? „Fehlanzeige. Aber es geht ja auch gut ohne.“
Freundin Anne räsoniert: „Gar nicht so einfach, sich in unserem Alter noch auf einen einzulassen. Klar gibt’s nette Männer, aber die Vorbehalte überwiegen doch.“ Auch sonst scheint keiner im Saal den Menschen gefunden zu haben, für den er sein zwar manchmal einsames, aber auch wunderbar selbstbestimmtes, bequemes und emotional sicheres Singlele ben aufgeben würde. Jener Funke, der überspringen muss, damit aus einer normalen Begegnung ein Den-muss-ich-wiedersehen-Moment wird, lässt sich wohl auch durch ausgefeilte Konzepte nicht herbeimatchen. Oder doch? Da drüben in der Ecke unterhält sich der 30-jährige Max mit einer deutlich älteren Frau, beide tragen grüne Plaketten, ihre Köpfe neigen sich immer mehr einander zu.

Und nachts um zwei schwenkt Rita, die Frau, die ohne große Erwartungen kam, drei Visitenkarten, eine von einer tollen Frau, zwei von Männern – Frank ist auch dabei. „Vielleicht ruf ich ja mal einen an“, strahlt sie und verschwindet in der Nacht.

Ü-50-Single-Partys

Erst Workshop, dann Party – so das Motto der Matching Parties von Stefanie Stahl. Die nächsten finden voraussichtlich in Berlin und in Wien statt. Kosten: 60 Euro pro Person. Infos und Anmeldung:stefaniestahl.de


FOTOS: PAUL BARBERA/EW-AGENCY.COM, KUNDSPRODUCTIONS.COM