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Liebe Leserinnen und Leser,


ÖKOJAGD - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 04.11.2019
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Bildquelle: ÖKOJAGD, Ausgabe 3/2019

in dieser Schwerpunktausgabe beschäftigen wir uns eingehend mit dem aktuellen und brennenden Phänomen „Wald im Klimawandel“ – eigentlich müsste es Klimadesaster heißen. Welche Rolle spielte die Jagd dabei in der Vergangenheit und welche Bedeutung könnte, ja muss sie für die Zukunft unserer Wälder haben.

Die aktuelle Diskussion um den Zustand unserer Wälder bewegt sich zwischen den Extremen „Holzacker und Plantage“ oder „naturnaher Wald bis auf wenige Ausnahmen“. Diese Ausnahmen wären Hypotheken aufgrund von nadelholzdominierten Nachkriegsaufforstungen, die bis jetzt nicht zu beseitigen waren oder auch lokale Defizite in der forstlichen Behandlung. Letztere gehen immer auch mit Defiziten in der Schalenwildbejagung einher, entweder es fehlten der Wille oder die handwerklichen Fähigkeiten (meistens beides), eine zielführende und waldfreundliche Jagd umzusetzen. Die forstlichen Gutachten legen bis heute vom massiven, großflächigen Wildeinfluss Zeugnis ab. Unabhängig von der nun vehement einsetzenden, in ihren Auswirkungen noch nicht absehbaren, Klimakrise gab es auch bisher mannigfaltige Gründe für angepasste Wildbestände, da eine naturnahe Waldentwicklung ökonomisch und ökologisch nur Vorteile bringt. Nur sie ermöglicht die Erfüllung sämtlicher, auch gesellschaftlich bedeutender Waldfunktionen zum Schutz von Boden, Wasserhaushalt, Artenvielfalt oder Erholungsleistungen sowie wirtschaftlichen Erträgen.

Eine unterschiedliche Betroffenheit durch Trocknis, Schädlinge und weiteren Krankheitssymptomen je nach Naturnähe und Standortgerechtheit der Bestände ist nicht wegzudiskutieren. Aber die, regional unterschiedlichen, Wetterextreme durch die Folge von zwei klimatischen Ausnahmejahren treffen mittlerweile auch viele andere Baumarten und ebenso Bewirtschafter, die eigentlich alles richtig gemacht haben. Auch nicht genutzte Wälder verschiedener Schutzkategorien sind betroffen.

Es ist zu befürchten, dass die angestrebten Mechanismen der Wiederbewaldung von Kahlflächen wie Sukzession, Ergänzungspflanzung oder Aufforstung durch unzureichende Bejagung gestört oder gar verhindert werden. Die desolaten Verhältnisse auf den 2007 vom Sturm Kyrill betroffenen Flächen v.a. in Nordrhein-Westfalen hat Frank Christian Heute bereits 2017 in der ÖKOJAGD treffend beschrieben, „Die anfälligen Fichten-Monokulturen sollten ja bereits allmählich in Mischwälder umgewandelt werden, so der Auftrag der Förster. Doch nun, quasi, über Nacht‘, eröffnete sich auf Tausenden Hektar aufgerissener Fichtenbestände und Kahlflächen die Gelegenheit, die gewollten Mischwälder per natürlicher Sukzession Wirklichkeit werden zu lassen. … Der für viele Waldbauern katastrophale Orkan sollte zumindest die Entwicklung von den naturfernen Forsten hin zu resilienten, zukunftsfähigen Mischwäldern einleiten. Sollte. Doch auf den meisten Flächen kam es anders.“ Flächige Entmischung und die Entwicklung von artenarmen Fichten-Gras-Steppen waren und sind in NRW landauf, landab festzustellen. In einem konsequent bejagten Revier mit angepasstem Rehbestand konnte Heute zeigen, dass eine vielfältige Verjüngung durch Sukzession und Pflanzung sehr wohl möglich ist.

Andererseits ist zu hoffen, dass der aktuelle Schwung und in den Veranstaltungen, Positionspapieren und Medienberichten festzustellende Schulterschluss vieler Akteure aus Naturschutz und vor allem Waldwirtschaft für ein zukunftsfähiges, waldfreundliches Jagen zu einer positiveren Entwicklung führt. Nicht nur aus Sicht des ÖJV kommt einer konsequenten und effektiven Schalenwildbejagung eine überragende Rolle als Schlüssel zu einer naturnahen, möglichst klimastabilen Waldentwicklung zu. Dem Vernehmen nach wird im BMEL an ersten

Entwürfen zu einer Änderung des Bundesjagdgesetzes gearbeitet. Aus Sicht des ÖJV hat sie in erster Linie dazu zu dienen, den Willigen eine waldfreundliche Jagdausübung zu erleichtern. Die Unwilligen und Uneinsichtigen sollten seitens der Jagdrechtsinhaber sukzessive von ihrer Verantwortung entbunden werden.

Weiter muss daran gearbeitet werden, dass viele der Beteiligten vor allem auf Seiten des Waldbesitzes jeglicher Couleur die Tragweite ihrer jagdpolitischen und jagdpraktischen Entscheidungen für die Zukunft des Waldes in Zeiten der Klimakrise erkennen. Im Hinblick auf die Rehbejagung der Zukunft äußerte Bruno Hespeler im Rahmen der ANW-Bundestagung 2019: „Daher ist ein großer rechtlicher Rahmen dort gut, wo in ihm die Vernunft das Sagen hat“. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass bei einer zunehmend ökologischen Jagdausübung immer mehr „die Vernunft das Sagen hat“.

Herzlichst Ihre Elisabeth Emmert

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