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LIEBENS-WÜRDIGER LULATSCH


Der Hund - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.02.2020

Sein Blick ist lodernd, seine Erscheinung wild - und angesichts seiner schieren Größekann man sich ganz schön klein fühlen. Selbst Wölfe suchten eilig das Weite, wenn der zottige Gigant in den Hügeln Irlands aus den Nebeln auftauchte. Doch in dem imposanten Hühnen schlummert eine zarte Seele - und eine feurige Loyalität gegenüber seiner Familie. In unserem Rasseportrait:


DER IRISH WOLFHOUND

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Foto: Barbara Lukas

Auf einer Schafswiese im verschlafenen Dorf Beddgelert, inmitten der walisischen Snowdonia-Berge, steht ein verwitterter Grabstein: Gelert’s Grave erinnert an das tragische Schicksal von Gelert, dem ...

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... Irish Wolfhound. Das stolze Tier war der Lieblingshund von Prinz Llywelyn und ein Geschenk des Königs von England: ein wahrer Löwe bei der Jagd, ein sanftes Lamm gegenüber seinen Menschen.

Eines Tages kam Llywelyn nach Hause und fand Gelert an der leeren Wiege seines kleinen Sohnes - blutbesudelt. Von nacktem Grauen gepackt, ergriff der Prinz sein Schwert und stieß es Gelert in die Brust - glaubte er doch, der gewaltige Hund habe sein Kind auf dem Gewissen. Gelert schrie herzzerreißend, und aus dem Nebenzimmer erscholl ein leises Wimmern. Dort fand der Prinz seinen Sohn: Unversehrt lag er neben einem riesigen, toten Wolf. Da wusste der Prinz, dass der tapfere Gelert seinen Sohn beschützt hatte. Er grämte sich so sehr, seinen treuen Freund getötet zu haben, dass man ihn nie wieder lächeln sah.

Inspiration für Maler und Poeten
Schnäuzen Sie sich noch einmal in Ihr Taschentuch, und seien Sie getröstet: Die Geschichte von Gelert ist ebenso traurig wie erfunden. Zwar lebte Prinz Llywelyn tatsächlich, und es ist auch dokumentiert, dass er Anfang des 13. Jahrhunderts einen Irish Wolfhound namens Gelert von König Johann Ohneland geschenkt bekam. Mehr ist über Gelert jedoch nicht bekannt. Der Grabstein stammt aus dem 18. Jahrhundert: Er war eine findige Maßnahme des Gastwirts David Prichard, um Touristen anzulocken

Diese Frühform emotionalen Marketings funktionierte wunderbar, und dass Gelerts Geschichte nur ein Märchen ist, tut seiner Verehrung keinen Abbruch. Der vierbeinige Held inspirierte Maler wie Charles Burton Barber oder Gourlay Steell und Poeten wie William Robert Spencer. Heute steht die Statue eines Irischen Wolfshundes an Gelerts Grab; Besucher lesen die Inschrift und tupfen sich verstohlen die Augen ab.

Eines Königs würdig
Gelert ist nicht alleine: Irische Wolfshunde (IW) tapsten durch viele Mythen und historische Überlieferungen. Sie sind in Erzählungen aus dem alten Rom und Sagen aus Island zu finden.

Die Windhunde sind meist ruhige Zeitgenossen. Sie können die Energie aber auch aufdrehen!


Foto: Barbara Lukas

Keine Frage: Dem gewaltigen Hund brachte man überall große Bewunderung entgegen. Woher er ursprünglich kam, weiß niemand - stammt er vermutlich von den antiken keltischen Windhunden ab

Im Mittelalter waren IW auf den britischen Inseln weit verbreitet. Wer einem anderen Herrscher Ehre erweisen wollte, der schenkte ihm einen der irischen Giganten. Auf diese Weise gelangten IW in die Königshäuser ganz Europas, bis nach Indien und Persien. Wie wertvoll dieser prestigeträchtige Hund war, zeigt auch die zeitgenössische Gesetzgebung: Nur Adelige durften ihn ihr Eigen nennen, und in Wales bezahlte man für das Töten eines solchen Tieres mit dem Leben.

Hirschjäger und Wolfsbezwinger
Der IW wurde für die Hatz auf Hirsche, Wölfe und sogar Bären eingesetzt, und wie alle Windhunde jagte er auf Sicht: Er folgte nicht seiner Nase, wie andere Jagdhunde, sondern seinen Augen - und erreichte seine Beute in schnellen, kraftvollen Sprints. Doch der riesige Hund erfüllte auch andere Aufgaben: So schützte er die Ländereien des Adels und die Herden der Bauern vor Raubtieren und schlug Eindringlinge in die Flucht. Als der Wolf weitestgehend ausgerottet war, verlor der - in seiner Haltung durchaus kostspielige - Irish Wolfhound eines seiner wichtigsten Einsatzgebiete. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Rasse nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Erst ab 1862 widmete sich der schottische Kynologe George Augustus Graham gezielt ihrer Rettung.

Foto: Barbara Lukas

Ein Bild aus Kindertagen von @thorinspack. Vor allem im Vergleich zu kleineren Hunderassen brauchen Irish Wolfhounds relativ lange, bis sie ausgewachsen sind - rund drei Jahre.


Foto: IG@thorinspack

Graham fand die letzten verbliebenen Exemplare und kreuzte sie mit Deerhounds - einer rauhaarigen Windhunderasse aus Schottland (Seite 24), an deren Entstehung der IW einst beteiligt gewesen war. Auch Doggen und Barsois verpaarte Graham. Mit seiner Zucht legte er den Grundstein für den heutigen Irish Wolfhound.

Wahre Größe
Der IW ist eine Erscheinung, die tief beeindruckt. Er strahlt eine ungeheure Kraft, Ruhe und Eleganz aus. Rüden sollen laut Rassestandard eine Schulterhöhe von über 79 Zentimetern haben, erwünscht sind 81 bis 86 Zentimeter. Damit ist der Irish Wolfhound eine der größten Hunderassen der Welt. Der größte Rassevertreter brachte es angeblich auf eine Schulterhöhe von 106 Zentimetern.

Mit einem Gewicht von mindestens 40,5 Kilogramm bei Hündinnen und 54,5 Kilogramm bei Rüden ist der imposante Ire in der Regel leichter als die Deutsche Dogge, aber schwerer als der Deerhound. Obwohl vor allem der graue Farbschlag bekannt ist, gibt es den Irish Wolfhound auch in Weiß, Schwarz, Braun, Rot und Gestromt. Das drahtige, raue Fell schützte den Windhund vor dem stürmisch-regnerischen Klima Irlands.

Vorsicht beim Füttern
Der Appetit eines Irish Wolfhounds ist beachtlich. Da die Rasse zu Magendrehungen neigt, sollte das Futter in mehreren, kleineren Portionen gereicht werden. Experten empfehlen, Welpen wenigstens viermal und erwachsene Hunde zweimal täglich zu füttern. Eine Stunde vor und nach den Mahlzeiten sollten die Tiere zudem nicht rennen oder ausgelassen spielen. Da der IW zu Herzerkrankungen neigt, sollte das Herz regelmäßig kontrolliert werden. Auch Erbkrankheiten wie Epilepsie und Knochenkrebs können auftreten, gelten aber als selten.

Um Touristen in die Gegend zu locken, widmete im 18. Jahrhundert ein walisischer Gastwirt dem aus einer Geschichte bekannten Wolfshund Gelert einen Grabstein.


Foto: Julia Elling

Wer einen IW in seine Familie aufnehmen möchte, sollte sich dessen bewusst sein, dass die Lebenserwartung im Durchschnitt bei sechs bis neun Jahren liegt. Auf der Suche nach einem Welpen sollte man besonderes Augenmerk auf das erreichte Lebensalter der Vorfahren legen. Ein guter Züchter gibt gern Auskunft darüber, auch im Internet findet man die entsprechenden Daten - beispielsweise in einer Irish Wolfhound Database.

Der IW ist ein ausgesprochen rücksichtsvoller und geduldiger Hund. Mit Kindern und anderen Tieren geht er oft geradezu rührend vorsichtig um, und trotz seiner eindrucksvollen Größe fügt er sich vorbildlich in seine Familie ein und kuschelt mit seinen Lieben auf dem Sofa. Seine windhundtypische Lauffreude sollte er wenigstens einmal am Tag ausleben dürfen - am besten ohne Leine.

Zwar besitzen IW einen ausgeprägten Jagdtrieb, bei einer konsequenten Erziehung und einem guten Anti-Jagdtraining können sie jedoch meist Freilauf genießen. Die langbeinigen Iren sind vorzügliche Sprinter, aber weder Dauerläufer, noch allgemeine Sportler-Asse. Wer seinen Hund gut kennt, findet eine Beschäftigung, die seinem Geschmack entspricht. Viele Rassevertreter haben Freude an Coursing, einem Hunderennen mit simulierter Hasenhetze. Es gibt auch Irische Wolfshunde, die apportieren, Tricks lernen oder als Rettungshunde aktiv sind.

Gelerts Vermächtnis
Heute ist die Haltung des Irish Wolfhounds glücklicherweise nicht mehr einer kleinen Elite vorbehalten. Gewisse Ansprüche stellt der edle Hund dennoch an seine Menschen. Nein, ein großes Haus mit Garten gehört nicht zwingend dazu. Ein ebenerdiger Zugang zu Auslaufmöglichkeiten ist bei einem so großen und schweren Hund jedoch allein aus logistischen Gründen empfehlenswert.

Vergessen sollte man niemals: In dem imposanten Körper des Iren schlummert eine empfindsame Seele. Der liebenswürdige Lulatsch braucht Menschen, die ihn einfühlsam behandeln und bereit sind, ihm viel Zeit zu widmen. Denn wenn ein Irischer Wolfshund sein Herz verschenkt, dann mit ganzer Hingabe. Die Legende vom treuen Gelert mag erfunden sein - doch ein Körnchen Wahrheit steckt darin.

Foto: Barbara Lukas

DIE RASSE IN KÜRZE

Ursprung:
Der Irish Wolfhound (IW) soll auf rauhaarige keltische Windhunde zurückgehen, die bereits im vorchristlichen Irland und Großbritannien bekannt waren. Die Tiere wurden vor allem im Mittelalter zur Jagd auf Hirsche, Bären und Wölfe eingesetzt. Im 19. Jahrhundert war der IW fast ausgestorben und wurde durch Einkreuzung von Deerhounds, Doggen und anderen Hunderassen gerettet.

Ursprungsland:
Irland

Wesen:
sanft, sensibel, liebenswürdig, loyal, geduldig, freundlich, ausgeglichen, verschmust, mutig, aktiv, draußen sehr lauffreudig

Verwendung:
Heute ist der IW vor allem ein Familien- und Begleithund. Einige Tiere sind im Coursing aktiv, manche arbeiten als Rettungshunde.

Besonderheiten:
Die Rasse neigt zur Magendrehung, dies sollte bei der Fütterung berücksichtigt werden. Wie alle Windhunderassen vertragen auch IW bestimmte Narkosearten nicht

oto: Debra Bardowicks

Perdita Lübbe-Scheuermann beschreibt die Rasse aus Sicht einer Hundetrainerin

Der Irische Wolfshund ist in der Regel ein Hund mit recht ausgeglichenem und freundlichem Gemüt. Die meisten Rassevertreter sind ausgesprochen geduldige und gelassene Tiere. Irische Wolfshunde sind oftmals sehr eng mit ihren Bezugspersonen.

Viele Menschen sehen die imposante Körpergröße, können sich jedoch nicht vorstellen, wie sensibel und teilweise sogar sanft diese Hunde häufig sind. Auf der anderen Seite beweisen sie großen Mut in Dingen, die ihnen wichtig sind.

Irische Wolfshunde sind eher ruhig, melden jedoch schon mal, wenn sich jemand dem Territorium nähert. In der Regel reagieren sie ansonsten eher neutral bis interessiert auf fremde Menschen.

Vom Temperament her sind Irische Wolfshunde relativ ausgeglichen. Sie benötigen natürlich ausreichend Auslauf, brauchen jedoch kein stundenlanges Programm, zumal auf den Bewegungsapparat geachtet werden muss. Große Ansprüche in Hinblick auf Beschäftigung stellen sie eher nicht.

Es ist individuell, wie stark das Jagdverhalten eines irischen Wolfshundes ausgeprägt ist. Die Bandbreite ist hier sehr groß und reicht von wenig bis hin zu großem Interesse.

Aufgrund der Größe und Kraft dieser Hunderasse ist es ganz besonders sinnvoll, dass eine gute Orientierung am Halter und eine stabile Leinenführigkeit vorhanden sind. Genau dies sind oftmals die Hauptthemen, wenn Menschen mit ihrem irischen Wolfshund unsere Hundeschule aufsuchen.

www.hundeakademie.de

Foto: privat

Jochen H. Eberhardt kommentiert aus Sicht eines Zuchtrichters.

Größte Hunderasse der Welt? Dieses reißerische Etikett braucht diese größte Rasse aus der Gruppe der Windhunde nicht. Zweifellos ist diese mächtige Hunderasse eindrucksvoll, kann sie doch trotz ihrer beachtlichen Masse Windhund-typisch laufen, nämlich bei der richtigen Geschwindigkeit mit einer deutlichen Schwebephase.

Der Rassename klingt heutzutage dramatisch, auch wenn die freie Jagd mehrerer Hunde dieser Rasse auf Großwild schon lange her ist - und in Deutschland schon gar nicht erlaubt wäre. Das Wilde im Erbgut dieser Rasse ist höchst selten zu beobachten - im Ausstellungsbereich ja auch nicht erwünscht. Nun, die wirklich überdurchschnittliche Körpergröße des Irish Wolfhounds ist ja schließlich durch Zuchtwahl erzielt worden.

Verbunden damit, dass so große Hunde ja erst mit etwa drei Jahren körperlich voll entwickelt sind, sehen wir im Ausstellungsring nur in den „erwachsenen“ Konkurrenzklassen repräsentative Rassevertreter. Da die Aufzucht und das Aufwachsen so großer Hunde viel Rassekenntnis erfordert, gelingt es nicht allen Ausstellern, Hunde ohne deutliche Abweichungen vom Rasseideal zu präsentieren. Dazu kommt, dass auch die in der Windhundeszene „IW“ genannten Hunde schließlich von denselben Plagen heimgesucht werden wie fast alle anderen Rassen.

Die Zuchtrichter freuen sich daher, wenn sie im Ring einen stattlichen Irish Wolfhound sehen, der sich wach und vorzüglich bewegt; so sind sie durchaus geneigt, diesen imposanten Rassevertretern einen Platz auf dem Treppchen der Sieger zuzusprechen.