Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

LIFE STORIES: Bravo, Brigitte!


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019

Ihr Start war nicht leicht, aber inzwischen hat Brigitte Macron die Franzosen überzeugt. Wer istLa Première dame?


Artikelbild für den Artikel "LIFE STORIES: Bravo, Brigitte!" aus der Ausgabe 12/2019 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Donna, Ausgabe 12/2019

Seit der Wahl ihres Mannes führt Brigitte Macron ein ganz neues Leben: hier auf Staatsbesuch in den USA 2018


Brigitte Macron begleitet ihren Mann oft zu politischen Auftritten, kümmert sich aber auch um eigene Projekte, so wie die von ihr gegründete Schule in einem Pariser Brennpunkt (oben rechts, unten links)


Kurz nach der Wahl ihres Mannes zum französischen Präsidenten schlendert Brigitte Macron im Pariser Kaufhaus Le Bon Marché Richtung Umkleidekabine. Sie probiert gerade das erste Outfit ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Donna. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2019 von Frau des Monats: Die Single-Expertin. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frau des Monats: Die Single-Expertin
Titelbild der Ausgabe 12/2019 von 30 40 Lucinde wird 50. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
30 40 Lucinde wird 50
Titelbild der Ausgabe 12/2019 von Campino, mal anders. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Campino, mal anders
Titelbild der Ausgabe 12/2019 von STILVORBILD: „Bitte keine leblosen Looks“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
STILVORBILD: „Bitte keine leblosen Looks“
Titelbild der Ausgabe 12/2019 von MODE: Das bin ich!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MODE: Das bin ich!
Titelbild der Ausgabe 12/2019 von MODE: News: Le(i)der gut. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MODE: News: Le(i)der gut
Vorheriger Artikel
PSYCHOLOGIE: Ich will dieses Jahr Weihnachten nur zu dritt feiern…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel LIEBE: Sex? Kein Interesse
aus dieser Ausgabe

... an, da hört sie im Gang vor den Kabinen Gekicher. Sie späht durch den Vorhangspalt und sieht, dass sich dort eine Menschentraube gebildet hat: Kundinnen werfen sich vor dem Vorhang für Selfies in Pose. Und als Brigitte Macron in ihre Schuhe schlüpft, registriert sie, dass ein paar der Hobby-Paparazzi versuchen, Fotos von ihren nackten Füßen zu machen. Die Politikergattin ist geschockt. Auf ihre geliebten Streifzüge durch die Pariser Boutiquen wird sie künftig wohl verzichten müssen. Es ist der Moment, in dem sie erkennt, dass in ihrem Leben nichts mehr so ist wie zuvor.

In einem Alter, in dem andere in Pension gehen, wurde sie am 14. Mai 2017 auf die Weltbühne geschubst.Première dame. Eine Rolle, mit der sie immer noch ein bisschen fremdelt. „Die Leute haben ja nicht mich gewählt, sondern Emmanuel.“ Die Franzosen sind fasziniert von dem ungewöhnlichen Paar. Und das liegt vor allem an ihr, der Frau mit dem blonden Long Bob und der stilsicheren Garderobe: Minikleider, Lederleggings und Jacken im Bikerstyle – alles sehr modern, mit einem Hauch Avantgarde, meistens von Louis Vuitton. Sind die Macrons auf dem Titel der IllustriertenParis Match , schnellt die Auflage um 30 Prozent in die Höhe. Die Geschichte der beiden ist ein Stoff, der Fantasien beflügelt: Ein hochbegabter Teenager erobert seine 24 Jahre ältere Lehrerin. Ein modernes Märchen mit Happy End.

Es hätte auch schiefgehen können. Denn wer außerhalb klassischer Rollenbilder lebt, wird schnell das Ziel von Häme. Die bekam Brigitte Macron im Wahlkampf mit aller Brutalität zu spüren. „Er sucht eine Mama, steht unter ihrem Pantoffel“, wurde gegen sie gegiftet. Man mokierte sich über ihr Aussehen, teilweise mit Kommentaren, die unter die Gürtellinie zielten. Die grazile Figur der 66-Jährigen mag darüber hinwegtäuschen, aber sie ist ein starker Charakter. Eine Nonkonformistin und undogmatische Feministin, die sich von einem Shitstorm nicht umpusten lässt. Auch nicht wenn dieser von höchster Ebene kommt, wie jüngst von Donald Trump oder dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Und immer hinter ihr: ihr 24 Jahre jüngerer Mann. Man kann in jedem Alter neu anfangen, lautet die Botschaft, die sie ihren vor allem weiblichen Fans durch ihre Biografie vermittelt. Viele von ihnen, vor allem Französinnen aus der Generation der Babyboomer, empfinden sie als Inspiration.


Mit ihrer Rolle alsPremière dame fremdelt sie bis heute ein wenig


Seit sie im Fokus der Kameras steht, ist sie noch schlanker geworden. Muss sie sich kasteien, damit ihre Silhouette so mädchenhaft zart bleibt? Der Aufwand hält sich in Grenzen, berichten Ava Djamshidi und Nathalie Schuck, die Autorinnen des Anfang des Jahres in Frankreich erschienenen Buchs „Madame la Présidente“. Sie strampelt jeden Morgen auf dem Fahrradergometer, isst im Restaurant nur Vorspeise und Hauptgericht. Dazu ein bis zwei Gläser Wein. Auf Snacks und Süßigkeiten verzichtet sie konsequent. „Es kommt allerdings vor, dass sie den Brotkorb leer isst“, verrät eine Vertraute.

„Von Brigitte habe ich gelernt, mich keinen Konventionen anzupassen“, schreibt Emmanuel Macron in seinem Wahlkampfbuch „Révolution“. Es heißt, dass er nichts entscheidet, ohne sie zu fragen – ob es um den Inhalt einer Rede geht oder um den Sitz seines Anzugs. Es kommt jedoch schon mal vor, dass ihr Instinkt für Diplomatie sie im Stich lässt. Im November 2018, in einer der heftigsten Staatskrisen, die die neue Regierung zu bewältigen hatte, unterlief dem Paar ein Fauxpas, der es viele Sympathien kostete. Damals zogen Tausende Anhänger der Protestbewegung Gelbwesten über die Champs-Élysées, um gegen die Steuerpolitik des Präsidenten zu rebellieren. Zur gleichen Zeit führten die Macrons Journalisten der TageszeitungLe Monde durch den Élysée-Palast, um ihnen stolz die von ihnen initiierten Renovierungsarbeiten zu präsentieren. Die Verschönerungsaktion kostete 600 000 Euro, ein Luxus, finanziert vom Steuerzahler. „Wir wollen mehr Licht in die Räume lassen“, plaudert Brigitte Macron unbefangen inLe Monde , während draußen die Demonstranten ihrem Ärger über die soziale Ungleichheit in Frankreich Luft machten. Die Krise von damals offenbarte einen blinden Fleck im Bewusstsein der Macrons: Beide stammen aus großbürgerlichen Elternhäusern. Die Sorgen der weniger wohlhabenden Bevölkerung sind ihnen (möglicherweise) fremd. Brigitte Macron besitzt ein Landhaus im Badeort Le Touquet und bezieht durchaus Einnahmen aus Miete und Pension. Doch sie hat aus dem PR-Desaster vom November 2018 gelernt und stürzt sich mit verstärktem Engagement auf soziale Projekte. Im September hat sie in einem Pariser Brennpunkt eine Schule ins Leben gerufen. Die Einrichtung ermöglicht schwer vermittelbaren Menschen den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Sie selbst unterrichtet dort einmal im Monat Französisch – ein Metier, in dem sie sich ja bestens auskennt.


„Egal, was Sie tun, ich werde Sie heiraten.“ Das wusste ihr Mann schon mit 17


Reiches Leben: Brigitte mit ihrer jüngsten Tochter Tiphaine 1984; mit Emmanuel kurz nach der Scheidung von ihrem ersten Mann 2006 und 2017 auf dem Fahrrad in Paris


Brigitte Trogneux, geboren 1953, ist das jüngste von sechs Kindern einer Chocolatier-Dynastie aus Amiens. „Bibi“ schließt ihr Studium mit einem Magister in Philosophie ab und heiratet den Bankier André Louis Auzière. Die drei erwachsenen Kinder des Paars, Statistikexperte Sébastien Auzière, 44, die Kardiologin Laurence, 42, und die Anwältin Tiphaine, 35, haben sie zur Großmutter von sieben Enkelkindern gemacht. Freunde, die Brigitte Macron im Élysée-Palast anrufen, hören die Kleinen manchmal im Hintergrund vor Vergnügen quietschen. „Kinder und Enkel des Herzens“ nennt Emmanuel Macron seine angeheiratete Familie. Man versteht sich bestens.

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag riskiert Brigitte Auzière für einen Flirt mit einem ihrer Schüler ihre bürgerliche Existenz: Die Lehrerin leitet die Theater-AG des Jesuitengymnasiums in Amiens. Eines Tages taucht dort der 15-jährige Emmanuel Macron auf. Die beiden treffen sich jeden Freitag, um Szenen aus einem Stück von Tardieu auszuarbeiten. „Das Schreiben hat uns zusammengebracht und eine unglaubliche Nähe ausgelöst“, sagt Brigitte rückblickend inParis Match. „Ich spürte, dass ich ins Wanken geriet – und er auch.“ Ihre Beziehung war in den ersten Jahren nicht mehr als eine erotisch aufgeladene Seelenverwandtschaft. Doch als er 17 ist, sagt er zu ihr: „Egal, was Sie tun: Ich werde Sie heiraten.“ Bis dahin dauert es noch mehr als zehn Jahre, die beiden bleiben in Kontakt, telefonieren regelmäßig. 2006 reicht Brigitte Auzière die Scheidung ein, ein Jahr später wird sie Madame Macron.

Brigitte Macron beim Empfang des chinesischen Präsidentenpaars in Paris 2019 und bei der Wahl ihres Mannes 2017


„Wo ist Brigitte?“ Ein Satz, den die Mitarbeiter im Élysée-Palast häufig hören. Auch nach mehr als zwölf Jahren Ehe gehen die beiden noch sehr liebevoll miteinander um. Er sucht ihren Blick, nimmt ihre Hand, berührt ihren Arm. Geht er für längere Zeit allein auf Reisen, pflegt sie jeden Morgen im Badezimmer ein besonderes Ritual: Sie tupft sich nicht wie sonst den Duft „Diorella“ aufs Handgelenk, sondern hüllt sich in eine Wolke von „Eau Sauvage“, das Parfum des Präsidenten. So ist er – wenn er im Ausland Staatsgeschäften nachgeht – bei ihr dennoch auf poetische Weise präsent.


FOTO: ALEX WONG/GETTY IMAGES

FOTOS: GETTY IMAGES (6)

FOTOS: GETTY IMAGES (3)