Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

LIFE STORIES: Pretty Man


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

Sein Name bringt bis heute Frauen zum Seufzen. Nun wird Richard Gere 70 – und beweist: Meditieren hilft beim Älterwerden


Artikelbild für den Artikel "LIFE STORIES: Pretty Man" aus der Ausgabe 8/2019 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Donna, Ausgabe 8/2019

1980
Richard Gere als Sexsymbol seiner Generation


2015
Der Schauspieler bei einem Pressetermin für einen Film in Rom


1980
Mit Lauren Hutton (hier in New York) spielte Richard Gere in „Ein Mann für gewisse Stunden“


2008
Richard Geres zweite Frau, Schauspielerin Carey Lowell, ist die Mutter seines erwachsenen Sohns


1993
In „… und das Leben geht weiter“ trug Richard Gere vorübergehend Bart


1979
Ein guter Sohn: beim Tanzen mit seiner Mutter Doris


1994
Mit dem Dalai Lama verbindet den ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Donna. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Frau des Monats: Ruhestand? Niemals. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frau des Monats: Ruhestand? Niemals
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Lucinde wird 50. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lucinde wird 50
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Ein Däne für alle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Däne für alle
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Willkommen in …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Willkommen in …
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von STILVORBILD: Svenja auf Touren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
STILVORBILD: Svenja auf Touren
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von MODE: Fashion for Future. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MODE: Fashion for Future
Vorheriger Artikel
INTERVIEW: Traumjob auf dem Traumschiff
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Liebe gesucht
aus dieser Ausgabe

1994
Mit dem Dalai Lama verbindet den Buddhisten Gere eine jahrzehntelange Freundschaft


1992
Powerpaar: Richard Geres erste Ehe mit Supermodel Cindy Crawford hielt immerhin vier Jahre


Das Image älterer weißer Männer in der Entertainment-Industrie ist zurzeit ziemlich ramponiert. Denn viele von ihnen haben sich durch erzkonservative Gesinnung (Clint Eastwood), Pädophilieverdacht (Woody Allen) oder sexuelle Übergriffigkeit (Kevin Spacey) ins moralische Abseits katapultiert. Da ist es doch sehr beruhigend, dass es noch ein paar Lichtgestalten gibt, die durch ihre Integrität und Klasse imponieren. Bryan Ferry, George Clooney und Paul McCartney spielen in dieser Liga. Und natürlich Richard Gere, der Mann, der vomPeople -Magazin zum ersten Mal mit 44 (1993) und zum zweiten Mal im Alter von 50 Jahren (1999) zum „Sexiest Man Alive“ gewählt wurde.

Am 31. August feiert der Schauspieler seinen 70. Geburtstag. Wie fühlt es sich an, diesem alterslosen Frauenflüsterer in Flirtdistanz gegenüberzusitzen? Ganz anders, als man vermuten würde, berichtet die Autorin Chrissy Iley in ihrem Porträt in derSunday Times. Seine Ausstrahlung, so die Autorin, sei nicht etwa die eines Raubtiers – sondern eher die eines Therapiehunds. Freundlich und angenehm sedierend.

1978
„Heißes Blut“ hieß einer von Richard Geres ersten Filmen


Schon in seiner Jugend stürzten sich Frauen auf ihn


1990
In der romantischen Komödie „Pretty Woman“ mit Julia Roberts


1967
Der junge Richard im Jahrbuch seiner High School


1980
So liebten ihn die Frauen (und Männer): leicht bekleidet in „American Gigolo“


2017
Mit Sohn Homer im Urlaub in Italien


Das ist vermutlich das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Meditationspraxis. Auf diesem Gebiet ist der in Philadelphia geborene Schauspieler nämlich ein Pionier. Schon vor 35 Jahren, lange vor anderen Hollywood-Buddhisten wie Sharon Stone und Orlando Bloom, entdeckte er nach einer Begegnung mit dem Dalai Lama die segensreiche Wirkung fernöstlicher Selbsterfahrungstechniken. Die jahrzehntelangen Yogaübungen haben noch einen weiteren Nebeneffekt: Der Body des tiefenentspannten Gentlemans ist fast noch genauso gut in Schuss wie 1980, das Jahr, in dem der legendäre Film „Ein Mann für gewisse Stunden“ („American Gigolo“) in die Kinos kam. Richard Gere spielt darin die Rolle des Edel-Callboys Julian Kaye, mit dem Thriller begann damals seine Weltkarriere. In einer Szene sieht man Richard Gere, nackt bis auf einen Slip, mit einer Hantel seinen Bizeps trainieren. Ein Anblick, der bei Frauen bis heute Begeisterung auslöst – und bei den Männern womöglich Neid.
Der Gere-Hype, der danach um ihn ausbricht, überrollt den Schauspieler. Er reagiert darauf „wie ein Tier – ich lief vor ihm davon, versteckte mich“. Doch Ruhm und Erfolg blieben ihm dicht auf den Fersen: Der Mann hat mehr als 50 Filme gedreht, einige von ihnen, darunter die romantischen Komödien „Ein Offizier und Gentleman“ (1982) und „Pretty Woman“ (1990) wurden zu Klassikern. Kritiker halten „Arbitrage“ (2012), einen Thriller um Geld und Gier, für seine Bestleistung. Doch trotz seines Talents für charakterstarke Rollen wurde er nie für einen Oscar nominiert. „Richard hat in guten Filmen mitgespielt“, so seine Kollegin Susan Sarandon. „Aber ein herausragender war nie darunter.“

Attraktive Menschen stehen ja immer unter dem Verdacht, unter ihrer glanzvollen Oberfläche sei wenig Substanz zu finden. Richard Gere widerlegt dieses Klischee mit jedem Detail seiner Biografie. Wer immer schon wissen wollte, was man im Alter von 30 oder 40 Jahren für seine Persönlichkeitsbildung tun kann, um als älterer weißer Mann (oder überhaupt als Mensch) eine Inspiration für andere zu sein, kann von dem Sinnsucher einiges lernen. Wichtigste Erkenntnis: Man braucht eine Aufgabe, die größer ist als man selbst. Richard Gere fand sein Herzensprojekt schon in den 80er-Jahren. Er ist Vorsitzender der International Campaign for Tibet, eines Vereins, der sich für Menschenrechte in Tibet einsetzt. Für diese Mission riskiert er Kopf und Kragen. Seit er bei der Oscar-Verleihung 1993 mit sehr deutlichen Worten die chinesische Besatzungspolitik anprangerte, ist er in der Volksrepublik Persona non grata. Der lange Arm des Regimes reicht bis nach Hollywood: Chinesische Investoren, die in der Filmindustrie zunehmend an Einfluss gewinnen, torpedieren seine Karriere durch Mobbing-Aktionen. „Es gibt Filme, in denen der Regisseur mich nicht besetzen kann, weil ihm die chinesischen Partner signalisieren: Wenn er mitspielt, gibt es von uns kein Geld“, erzählte er dem MagazinThe Hollywood Reporter.

2016
Die Spanierin Alejandra ist die neue Mrs Gere


Die Frauen haben sein Profil geschärft


Richard Gere hat trotzdem genug zu tun, dreht jedes Jahr mindestens einen Film. Die großen Umbrüche und Turbulenzen, die Lebensläufe mit einer Dosis Drama würzen, finden bei ihm nicht in der Öffentlichkeit, sondern in seinem Innersten statt. In seiner Heimatstadt Syracuse bei New York zeigt sich schon früh, dass der Junge aus kleinbürgerlichen Verhältnissen – Vater Homer war Versicherungsvertreter – auf das weibliche Geschlecht eine besondere Wirkung hat. Wildfremde Frauen „rannten quer über die Straße, um sich auf ihn zu stürzen“, erzählt Joanne, eines seiner vier Geschwister.
Dabei ist der junge Richard eher ein grüblerischer Teenager. Ein Freak mit langen Haaren, der mehrere Instrumente spielt und mit einer Ausgabe von Jean-Paul Sartres existenzialistischem Werk „Das Sein und das Nichts“ unterm Arm herumläuft. „Ich war von Zweifeln zerfressen“, beschreibt er sein damaliges Lebensgefühl. Ein Studium der Philosophie, finanziert durch ein Stipendium, bricht er ab. Im Jahr 1975 dreht er schließlich seinen ersten Kinofilm „Der einsame Job“. Die Karriere nimmt schnell Fahrt auf.

Und auch in der Liebe läuft es nach überstandener Sinnkrise bestens. Die Frauen in Richard Geres Leben, allesamt starke Charaktere, haben sicher einiges dazu beigetragen, ihn zu dem facettenreichen Künstler zu machen, der er heute ist. Denn Partner, die sich gegenseitig herausfordern, helfen einander, ihr Profil zu schärfen. Ehefrau Nummer eins: das Model Cindy Crawford. Zwei Superstars mit gut gefüllten Terminkalendern und klar konturierten Egos – das ging nur vier Jahre gut, die beiden trennen sich 1995. „Wir dachten, es wäre okay, wenn wir von Paris nach L. A. fliegen, um uns für eine Nacht zu sehen“, sagte Cindy Crawford über die Beziehung. Ein Irrtum. Ehefrau Nummer zwei, Carey Lowell, das Ex-Bond-Girl mit dem markanten Kurzhaarschnitt, liebt das Rampenlicht, ihr Mann das ruhige Leben. Zwei Temperamente, die sich auf Dauer nicht vereinbaren lassen. Die Ehe wird 2016 geschieden, die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, den heute 19-jährigen Homer.

Wie in den romantischen Komödien, in denen Richard Gere so gern besetzt wird, folgte auch in seinem wahren Leben auf die Krise das Happy End: Mit seiner neuen Liebe, Alejandra Silva, 36, lebt Richard Gere nun die meiste Zeit ein Patchworkfamilienleben auf dem Land in der Nähe von New York. Die spanische Geschäftsfrau hat ihren sechsjährigen Sohn Albert mit in die Ehe gebracht, und im vergangenen Februar wurde der gemeinsame Sohn Alexander geboren. Kurze Nächte dürften für den Schauspieler aber kein Problem sein: Richard Gere ist schon vor der Geburt jeden Tag um 4.30 Uhr aufgestanden, um zu meditieren. Sein Ziel: das Ich zum Verschwinden zu bringen. „Wenn man nicht mehr im Mittelpunkt seines eigenen Lebens steht“, sagt er, „ist man frei.“

Wer seinem Vorbild folgen möchte, sollte vielleicht mal nach Bedford reisen. Hier hat Richard Gere 2009 sein Boutique-Hotel „Bedford Post Inn“ mit acht Zimmern und einem Yoga-Loft eröffnet.


FOTOS: TERRY O’NEILL/GETTY IMAGES, ERNESTO RUSCIO/GETTY IMAGES

FOTOS: AKG-IMAGES (1), BRIDGEMAN IMAGES (1), GETTY IMAGES (4), PICTURE PRESS (1)

FOTOS: ACTION PRESS, BESTIMAGE, DDP/INTERTOPICS, HGM-PRESS CELEBRITIES, NEWS PICTURES