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LIN76


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Keys - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.11.2022

LINDELL AUDIO

Der 1967 auf den Markt gebrachte Kompressor Urei 1176 ist ein Klassiker, der in vielen verschiedenen Modellen, sogenannten „Revisions“, auf den Markt gebracht wurde. Jedes dieser verschiedenen Modelle trägt die Zahl 1176 im Namen. Der besondere Klang dieser FET-Kompressoren entsteht durch das Zusammenspiel der verschiedenen elektronischen Komponenten in Verbindung mit den gewählten Einstellungen am Gerät und kann vermutlich durch kein noch so gutes Plug-in ersetzt werden. In jedem besseren Studio findet man noch heute oft mindestens ein Exemplar des berühmten 1176, meist in der LN-Variante. Dieser Kompressor ist auch die Vorlage für den Clone von Lindell Audio, den LiN76. Viele Hersteller haben schon versucht, das Original von Universal Audio so gut wie möglich nachzubauen, darunter Klark Teknik, Warm Audio, Purple Audio Inc., WES Audio und Black Lion Audio sowie Hersteller diverser ...

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... Plug-ins. Wir hatten Gelegenheit, die neue Version von Lindell Audio über mehrere Wochen hinweg in unserem Teststudio unter die Lupe zu nehmen.Erster Eindruck >> Das Plus an Höhen/Obertönen, das für die Klarheit des Klangbildes sorgt, bringt das mit dem LiN76 behandelte Instrument im Gesamtmix weiter nach vorne. << Die Rückseite des Lindell Audio LiN76 Nach dem Öffnen der Verpackung und des Füllmaterials halten wir den hochglänzend, vierfarbig bedruckten Karton des LiN76 in Händen. Nach dem Auf klappen des wiederverschließbaren Deckels sahen wir den LiN76, sorgfältig in einem Kunststoff beutel geschützt vor eventuell eindringender Feuchtigkeit. Um das Gehäuse mittig im Karton zu halten und die Ecken für die Rackmontage zu schützen, sind seitlich Hartschaum-Formteile aufgesteckt, wobei rechts in einer Aussparung eine kleine, weiße Schachtel mit dem externen Netzteil untergebracht ist. Das Netzteil arbeitet primär mit 100 bis 240 Volt, 50/60 Hz-Wechselspannung und liefert sekundär 12 Volt Wechselstrom an das LiN76. Da das Netzteil nicht in das Gerät eingebaut ist, können schon mal keine Nebengeräusche durch die Stromversorgung auftreten. Da der LiN76 für den Einbau in ein 19-Zoll-Rack gedacht ist, sucht man vergeblich nach Gummifüßen oder Ähnlichem zum Aufstellen des Geräts. Das zusammengeschraubte 2-HE-Metallgehäuse macht einen robusten und stabilen Eindruck und ist mit einem feinen, schwarzen Strukturlack beschichtet. Lediglich die Front weicht mit ihrer edel wirkenden, anthrazitfarbigen Lackierung ab, wobei der charakteristische Streifen um das Display in Weiß gehalten ist. Mit der Farbgebung des Streifens wurden andere Versionen des originalen 1176-Kompressors gekennzeichnet. So hatte zum Beispiel das erste Modell (Revision A) eine Aluminium-Front mit einem blauen Streifen um das Display. Wer es ganz genau wissen will, der sollte mal bei Wikipedia nachlesen oder die History-Seite auf www. aufrufen. Die Beschriftung der frontseitigen Bedienelemente sowie der Rückseite ist in Weiß gehalten und groß genug, damit sie auch bei wenig Licht noch gut gelesen werden kann. Die dem Original entsprechenden, großen Metall-Regler, das anthrazitfarbige Design und das große, gut ablesbare Display in Retro-Optik geben dem LiN76 einen edlen Vintage-Charakter, dessen Wertigkeit durch die makellose Verarbeitung noch unterstrichen wird. Da der LiN76 nur zum Test in unserem Studio war, haben wir auf eine Festmontage in unserem Effekt-Rack verzichtet und das Gerät auf das Rack gelegt. Für die Stromversorgung haben wir das externe Netzteil des LiN76 mit einem Adapter an unseren Furman PL Pro Power Conditioner angeschlossen, um Nebengeräusche oder Störungen über den Stromanschluss auszuschließen.Anschlüsse Beim LiN76 sind alle Anschlüsse auf der Rückseite, was bei einer Rackmontage durchaus sinnvoll ist. Das externe Netzteil wird in die dafür vorgesehene Buchse mit der Beschriftung „12 V –5 A“ eingesteckt. Ein- und Ausgang wurden mit einem MOTU 24 I/O mit 6,3-mm-Stereo-Klinkenstecker-Kabeln verbunden. Danach musste in unserer DAW- nur noch der externe Effekt-Loop definiert werden und das Testen konnte beginnen. Da es sich bei den Kabelverbindungen um symmetrische Kabelwege handelt, wäre es nicht schlecht gewesen, wenn der LiN76 parallel zu den Klinkensteckern auch entsprechende XLR-Buchsen zum Anschluss anbieten würde, da im Studio fast alle symmetrischen Kabel mit XLR-Steckern ausgestattet sind. Nun musste nur noch das Display kalibriert werden. Die Grobeinstellung erfolgte mit Hilfe der Schalter rechts vom Display und die Feinkalibrierung über den mit einem Schraubenzieher drehbaren Regler auf der Rückseite des LiN76. Nach der Kalibrierung des Displays konnten wir dieses auf die Anzeige der Gain-Reduction durch Drücken des Schalters GR umschalten, sodass es uns nun die durch den Kompressor abgesenkten Werte anzeigt. Je stärker der Kompressor arbeiten musste, desto weiter schlug die Nadel nach links aus. Über die DAW-Software konnten wir entscheiden, ob sich der Kompressor bereits bei der Aufnahme im Signalweg befinden sollte oder ob er erst nach der Aufnahme im Mix eingebunden werden sollte. Übrigens: Will man das Gerät als Summenkompressor betreiben, müssen zwei LiN76, je einer für den linken und den rechten Kanal, eingebunden werden.Die vier LiN76-Regler Input, Output, Attack und Release haben einen sahnigen Lauf. Praxistest Für unseren Praxistest verwenden wir den LiN76-Kompressor zunächst bei der Aufnahme von Snare-Drum und Bass-Drum, wobei das Ausgangssignal des Mikrofon-Preamps an den Eingang des LiN76 und das Ausgangssignal des Kompressors wieder an den Aufnahmekanal geroutet wurden (serielles Einschleifen des Effekts). Um zu hören, wie sich der LiN76 auf das jeweilige Audiosignal auswirkt, haben wir eine Spur ohne den Kompressor und mehrere Spuren mit dem Kompressor bei unterschiedlichen Einstellungen aufgezeichnet. Durch ein Hin- und Herschalten zwischen den beiden Spuren mit und ohne Kompressor hatten wir so einen direkten Vergleich. Diese Vorgehensweise haben wir auch für die anderen getesteten Instrumente beibehalten. Diese waren ein E-Bass, eine E-Akustikgitarre, eine cleane E-Gitarre sowie eine verzerrte E-Gitarre und natürlich die Vocal-Spuren von einem männlichen und einem weiblichen Sänger. Da unsere ADAM-Studio-Abhöranlage einen Frequenzbereich von 25 Hz bis 35 kHz abdeckt, konnten auch kleinste Änderungen im Klangbild nachvollzogen werden. Alternativ setzten wir noch ein Paar Mackie XR824 ein sowie ein Paar Nowsonic-Radiocheck-Monitore ein, die aufgrund ihrer Lautsprechergröße nur einen sehr eingeschränkten Frequenzbereich (90 Hz-17 kHz) übertragen. Durch sie wird deutlich, ob sich der Mix auch über schlechte Lautsprecher, gegebenenfalls sogar als Mono-Mix, noch gut anhört oder ob zum Beispiel die Bassdrum plötzlich aus dem Klangbild verschwindet.Testergebnis Die vier Regler Input, Output, Attack und Release haben einen sahnigen Lauf mit einer spürbaren, feinen Rasterung. Durch die Rasterung ist es möglich, genaue Einstellungen der Regler zu dokumentieren und, wenn nötig, wieder genau zu reproduzieren. Was ein großes Plus ist. Auch die Kompressionsrate (Ratio), die über die Schalter links vom Display eingestellt wird, kann genau wieder hergestellt werden. Zur Einstellung der gewünschten Kompressionsrate von 4:1, 8:1, 12:1 oder 20:1 einfach den entsprechenden Schalter drücken. Klanglich bleibt der Lindell Audio LiN76 seinem Vorbild treu und liefert den charakteristischen, ganz speziellen Ton des Klassikers. Eine Besonderheit des Vorbilds findet sich auch im Lindell Audio LiN76: der All-Buttons-in-Mode. Werden alle Ratio-Knöpfe gleichzeitig gedrückt, verändert sich das Regelverhalten des Kompressors noch einmal deutlich. Das Kompressionsverhältnis ändert sich zu einem Wert nahe der Unendlichkeit, die Einheit wird also zum Brick-Wall-Limiter. Auch andere Elemente der Schaltung verändern ihre Arbeitsweise, sodass ein besonders aggressiver Kompressions-Sound entsteht, der an den richtigen Stellen geradezu magisch wirken kann. Diese ehedem „geheime“ Einstellung wurde in den 70ern erstmals von englischen Toningenieuren häufig eingesetzt. Der All-buttons-in-Mode kommt besonders gut bei aggressiven Drums sowie anderen Instrumenten/ Vocals, die besonders hervorgehoben werden sollen. Insgesamt gesehen liegt der LiN76 klanglich sehr nah am Original und bringt aber auch seinen eigenen Sound mit. Bei niedrigen Kompressionsraten wirkt sein Klang voller und klarer. Je höher die Kompressionsrate steigt, desto aggressiver und schmutziger wird der Sound, was bei einigen Instrumenten aber durchaus eine Verbesserung des Gesamteindrucks und eine bessere Durchsetzungsfähigkeit im Mix bedeutet. Das Plus an Höhen/ Obertönen, das für die Klarheit des Klangbildes sorgt, bringt das mit dem LiN76 behandelte Instrument im Gesamtmix weiter nach vorne, ohne ein Plus an Lautstärke. Gerade für Vocals oder Gitarrensolos ist dies oft guter beliebter Effekt.>> Der berühmte All-buttons-in-Mode des Urei 1176 kommt besonders gut bei aggressiven Drums. << FAZIT In seinem Auf bau und seinen klanglichen Eigenschaften ist der Lindell Audio LiN76 ein reinrassiger 1176-Clone, der dem Original in allen Eigenschaften sehr nahe kommt. Für das untrainierte Ohr sind die Unterschiede so gut wie nicht wahrnehmbar. Da das Original von Universal Audio derzeit in Deutschland nicht lieferbar ist (wer weiß, wie lange noch), sollten sich Interessierte auf alle Fälle den LiN76 einmal genauer ansehen beziehungsweise antesten. Einen interessanten Vergleich findet man auch online bei YouTube („Lindell Audio LiN76 Compressor Shootout w/ Mike Watts“). Man hört hier die hohe Qualität der Bauteile, die im LiN76 eine ideale Kombination von moderner und Vintage-Technologie darstellen. Wir haben uns jedenfalls während der Testphase in den LiN76 verliebt und geben ihn nur schweren Herzens wieder an Lindell Audio zurück.

Der 1967 auf den Markt gebrachte Kompressor Urei 1176 ist ein Klassiker, der in vielen verschiedenen Modellen, sogenannten „Revisions“, auf den Markt gebracht wurde. Jedes dieser verschiedenen Modelle trägt die Zahl 1176 im Namen. Der besondere Klang dieser FET-Kompressoren entsteht durch das Zusammenspiel der verschiedenen elektronischen Komponenten in Verbindung mit den gewählten Einstellungen am Gerät und kann vermutlich durch kein noch so gutes Plug-in ersetzt werden. In jedem besseren Studio findet man noch heute oft mindestens ein Exemplar des berühmten 1176, meist in der LN-Variante. Dieser Kompressor ist auch die Vorlage für den Clone von Lindell Audio, den LiN76. Viele Hersteller haben schon versucht, das Original von Universal Audio so gut wie möglich nachzubauen, darunter Klark Teknik, Warm Audio, Purple Audio Inc., WES Audio und Black Lion Audio sowie Hersteller diverser Plug-ins. Wir hatten Gelegenheit, die neue Version von Lindell Audio über mehrere Wochen hinweg in unserem Teststudio unter die Lupe zu nehmen.

Erster Eindruck

>> Das Plus an Höhen/Obertönen, das für die Klarheit des Klangbildes sorgt, bringt das mit dem LiN76 behandelte Instrument im Gesamtmix weiter nach vorne. <<

Nach dem Öffnen der Verpackung und des Füllmaterials halten wir den hochglänzend, vierfarbig bedruckten Karton des LiN76 in Händen. Nach dem Auf klappen des wiederverschließbaren Deckels sahen wir den LiN76, sorgfältig in einem Kunststoff beutel geschützt vor eventuell eindringender Feuchtigkeit. Um das Gehäuse mittig im Karton zu halten und die Ecken für die Rackmontage zu schützen, sind seitlich Hartschaum-Formteile aufgesteckt, wobei rechts in einer Aussparung eine kleine, weiße Schachtel mit dem externen Netzteil untergebracht ist. Das Netzteil arbeitet primär mit 100 bis 240 Volt, 50/60 Hz-Wechselspannung und liefert sekundär 12 Volt Wechselstrom an das LiN76. Da das Netzteil nicht in das Gerät eingebaut ist, können schon mal keine Nebengeräusche durch die Stromversorgung auftreten. Da der LiN76 für den Einbau in ein 19-Zoll-Rack gedacht ist, sucht man vergeblich nach Gummifüßen oder Ähnlichem zum Aufstellen des Geräts. Das zusammengeschraubte 2-HE-Metallgehäuse macht einen robusten und stabilen Eindruck und ist mit einem feinen, schwarzen Strukturlack beschichtet. Lediglich die Front weicht mit ihrer edel wirkenden, anthrazitfarbigen Lackierung ab, wobei der charakteristische Streifen um das Display in Weiß gehalten ist. Mit der Farbgebung des Streifens wurden andere Versionen des originalen 1176-Kompressors gekennzeichnet. So hatte zum Beispiel das erste Modell (Revision A) eine Aluminium-Front mit einem blauen Streifen um das Display. Wer es ganz genau wissen will, der sollte mal bei Wikipedia nachlesen oder die History-Seite auf www. aufrufen. Die Beschriftung der frontseitigen Bedienelemente sowie der Rückseite ist in Weiß gehalten und groß genug, damit sie auch bei wenig Licht noch gut gelesen werden kann. Die dem Original entsprechenden, großen Metall-Regler, das anthrazitfarbige Design und das große, gut ablesbare Display in Retro-Optik geben dem LiN76 einen edlen Vintage-Charakter, dessen Wertigkeit durch die makellose Verarbeitung noch unterstrichen wird. Da der LiN76 nur zum Test in unserem Studio war, haben wir auf eine Festmontage in unserem Effekt-Rack verzichtet und das Gerät auf das Rack gelegt. Für die Stromversorgung haben wir das externe Netzteil des LiN76 mit einem Adapter an unseren Furman PL Pro Power Conditioner angeschlossen, um Nebengeräusche oder Störungen über den Stromanschluss auszuschließen.

Anschlüsse

Beim LiN76 sind alle Anschlüsse auf der Rückseite, was bei einer Rackmontage durchaus sinnvoll ist. Das externe Netzteil wird in die dafür vorgesehene Buchse mit der Beschriftung „12 V –5 A“ eingesteckt. Ein- und Ausgang wurden mit einem MOTU 24 I/O mit 6,3-mm-Stereo-Klinkenstecker-Kabeln verbunden. Danach musste in unserer DAW- nur noch der externe Effekt-Loop definiert werden und das Testen konnte beginnen. Da es sich bei den Kabelverbindungen um symmetrische Kabelwege handelt, wäre es nicht schlecht gewesen, wenn der LiN76 parallel zu den Klinkensteckern auch entsprechende XLR-Buchsen zum Anschluss anbieten würde, da im Studio fast alle symmetrischen Kabel mit XLR-Steckern ausgestattet sind. Nun musste nur noch das Display kalibriert werden. Die Grobeinstellung erfolgte mit Hilfe der Schalter rechts vom Display und die Feinkalibrierung über den mit einem Schraubenzieher drehbaren Regler auf der Rückseite des LiN76. Nach der Kalibrierung des Displays konnten wir dieses auf die Anzeige der Gain-Reduction durch Drücken des Schalters GR umschalten, sodass es uns nun die durch den Kompressor abgesenkten Werte anzeigt. Je stärker der Kompressor arbeiten musste, desto weiter schlug die Nadel nach links aus. Über die DAW-Software konnten wir entscheiden, ob sich der Kompressor bereits bei der Aufnahme im Signalweg befinden sollte oder ob er erst nach der Aufnahme im Mix eingebunden werden sollte. Übrigens: Will man das Gerät als Summenkompressor betreiben, müssen zwei LiN76, je einer für den linken und den rechten Kanal, eingebunden werden.

Praxistest

Für unseren Praxistest verwenden wir den LiN76-Kompressor zunächst bei der Aufnahme von Snare-Drum und Bass-Drum, wobei das Ausgangssignal des Mikrofon-Preamps an den Eingang des LiN76 und das Ausgangssignal des Kompressors wieder an den Aufnahmekanal geroutet wurden (serielles Einschleifen des Effekts). Um zu hören, wie sich der LiN76 auf das jeweilige Audiosignal auswirkt, haben wir eine Spur ohne den Kompressor und mehrere Spuren mit dem Kompressor bei unterschiedlichen Einstellungen aufgezeichnet. Durch ein Hin- und Herschalten zwischen den beiden Spuren mit und ohne Kompressor hatten wir so einen direkten Vergleich. Diese Vorgehensweise haben wir auch für die anderen getesteten Instrumente beibehalten. Diese waren ein E-Bass, eine E-Akustikgitarre, eine cleane E-Gitarre sowie eine verzerrte E-Gitarre und natürlich die Vocal-Spuren von einem männlichen und einem weiblichen Sänger. Da unsere ADAM-Studio-Abhöranlage einen Frequenzbereich von 25 Hz bis 35 kHz abdeckt, konnten auch kleinste Änderungen im Klangbild nachvollzogen werden. Alternativ setzten wir noch ein Paar Mackie XR824 ein sowie ein Paar Nowsonic-Radiocheck-Monitore ein, die aufgrund ihrer Lautsprechergröße nur einen sehr eingeschränkten Frequenzbereich (90 Hz-17 kHz) übertragen. Durch sie wird deutlich, ob sich der Mix auch über schlechte Lautsprecher, gegebenenfalls sogar als Mono-Mix, noch gut anhört oder ob zum Beispiel die Bassdrum plötzlich aus dem Klangbild verschwindet.

Testergebnis

Die vier Regler Input, Output, Attack und Release haben einen sahnigen Lauf mit einer spürbaren, feinen Rasterung. Durch die Rasterung ist es möglich, genaue Einstellungen der Regler zu dokumentieren und, wenn nötig, wieder genau zu reproduzieren. Was ein großes Plus ist. Auch die Kompressionsrate (Ratio), die über die Schalter links vom Display eingestellt wird, kann genau wieder hergestellt werden. Zur Einstellung der gewünschten Kompressionsrate von 4:1, 8:1, 12:1 oder 20:1 einfach den entsprechenden Schalter drücken. Klanglich bleibt der Lindell Audio LiN76 seinem Vorbild treu und liefert den charakteristischen, ganz speziellen Ton des Klassikers. Eine Besonderheit des Vorbilds findet sich auch im Lindell Audio LiN76: der All-Buttons-in-Mode. Werden alle Ratio-Knöpfe gleichzeitig gedrückt, verändert sich das Regelverhalten des Kompressors noch einmal deutlich. Das Kompressionsverhältnis ändert sich zu einem Wert nahe der Unendlichkeit, die Einheit wird also zum Brick-Wall-Limiter. Auch andere Elemente der Schaltung verändern ihre Arbeitsweise, sodass ein besonders aggressiver Kompressions-Sound entsteht, der an den richtigen Stellen geradezu magisch wirken kann. Diese ehedem „geheime“ Einstellung wurde in den 70ern erstmals von englischen Toningenieuren häufig eingesetzt. Der All-buttons-in-Mode kommt besonders gut bei aggressiven Drums sowie anderen Instrumenten/ Vocals, die besonders hervorgehoben werden sollen. Insgesamt gesehen liegt der LiN76 klanglich sehr nah am Original und bringt aber auch seinen eigenen Sound mit. Bei niedrigen Kompressionsraten wirkt sein Klang voller und klarer. Je höher die Kompressionsrate steigt, desto aggressiver und schmutziger wird der Sound, was bei einigen Instrumenten aber durchaus eine Verbesserung des Gesamteindrucks und eine bessere Durchsetzungsfähigkeit im Mix bedeutet. Das Plus an Höhen/ Obertönen, das für die Klarheit des Klangbildes sorgt, bringt das mit dem LiN76 behandelte Instrument im Gesamtmix weiter nach vorne, ohne ein Plus an Lautstärke. Gerade für Vocals oder Gitarrensolos ist dies oft guter beliebter Effekt.

>> Der berühmte All-buttons-in-Mode des Urei 1176 kommt besonders gut bei aggressiven Drums. <<

FAZIT

In seinem Auf bau und seinen klanglichen Eigenschaften ist der Lindell Audio LiN76 ein reinrassiger 1176-Clone, der dem Original in allen Eigenschaften sehr nahe kommt. Für das untrainierte Ohr sind die Unterschiede so gut wie nicht wahrnehmbar. Da das Original von Universal Audio derzeit in Deutschland nicht lieferbar ist (wer weiß, wie lange noch), sollten sich Interessierte auf alle Fälle den LiN76 einmal genauer ansehen beziehungsweise antesten. Einen interessanten Vergleich findet man auch online bei YouTube („Lindell Audio LiN76 Compressor Shootout w/ Mike Watts“). Man hört hier die hohe Qualität der Bauteile, die im LiN76 eine ideale Kombination von moderner und Vintage-Technologie darstellen. Wir haben uns jedenfalls während der Testphase in den LiN76 verliebt und geben ihn nur schweren Herzens wieder an Lindell Audio zurück.

Michael Hennig