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Linux-Distributionen für Altgeräte


TecChannel Compact - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 02.08.2021

Ältere Hardware wiederbeleben

Artikelbild für den Artikel "Linux-Distributionen für Altgeräte" aus der Ausgabe 8/2021 von TecChannel Compact. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TecChannel Compact, Ausgabe 8/2021

Neues Leben für alte Hardware: Auch auf Notebooks, die vor 2010 erschienen sind (hier ein Asus EEE-PC 900A), lässt sich Linux installieren und einigermaßen flott nutzen.

Für (sehr) alte Hardware bietet Linux die besten Voraussetzungen. Gemeint sind Geräte, die vor zehn oder 15 Jahren hergestellt wurden. Die Hardware ist dann so alt, dass es für alle Komponenten praktisch keine Treiberprobleme geben sollte. Das gilt zumindest für PCs und weitverbreitete Notebooks. Nur in sehr seltenen Fällen arbeiten ältere Notebooks unter Linux nicht einwandfrei. Wie flott ein schwach ausgestatteter Rechner unter Linux läuft, hängt nicht zuletzt von der Distribution ab. Wir stellen einige vor, die sich am besten für ältere Hardware eignen.

Möglichkeiten und Einschränkungen

Wofür sich ein älterer Rechner noch einsetzen lässt, hängt unter anderem von der CPU und dem RAM-Ausbau ab. In Geräten bis etwa 2005 kann bei 32-Bit-Prozessoren PAE (Physical Address Extension) fehlen, beispielsweise beim Pentium M und Celeron M. Die meisten aktuellen ...

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... Linux-Distributionen lassen sich dann nicht starten. Von einigen Distributionen, etwa Antix, Bodhi Linux und Bunsenlabs, gibt es jedoch noch Ausgaben mit einem Kernel, der kein PAE erfordert.

Auf Geräten mit 64-Bit-CPU läuft theoretisch jedes Linux. Es empfiehlt sich aber auch hier, ein 32-Bit-System zu installieren. Das benötigt weniger Speicher und läuft meist schneller. Die Auswahl ist jedoch beschränkt. Von vielen aktuellen Distributionen gibt es keine 32-Bit-Versionen mehr. Älteres Ubuntu 18.04 ist noch mit 32 Bit verfügbar und wird bis April 2023 mit Updates versorgt.

Speicher: Die Tabelle auf der letzten Seite zeigt den minimalen RAM-Bedarf laut Herstellerangaben. Damit lässt sich das System installieren und in Betrieb nehmen, für flüssige Programme reicht das aber nicht. Mit 512 MB RAM und schwacher CPU ist nur eine Rolle als Miniserver ohne grafische Oberfläche realistisch. Notebooks, die zwischen etwa 2000 und 2010 auf den Markt kamen, sind meist mit einer Dualcore-CPU oder einem Pentium/Celeron-M ausgestattet. Taktfrequenzen ab einem GHz und einem GB RAM oder mehr erlauben auch die Nutzung als Zweitdesktop.

Linux-Installation: Ältere PCs und Notebooks lassen sich manchmal nicht von einem USB-Stick booten, ein CD/DVD-Laufwerk ist nicht immer vorhanden oder inzwischen defekt. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, bauen Sie die Festplatte aus und führen die Installation auf einem anderen Gerät durch. PCs bieten oft eine Option für die Installation über das Netzwerk. Die Einrichtung eines dafür nötigen Servers haben wir unter www.pcwelt.de/2091677 beschrieben.

Antix: Spezialist fürs Recycling

Antix ist eine der wenigen Linux-Distributionen, die es noch in einer Non-PAE-Variante gibt (nur 32 Bit). Theoretisch reichen dem System eine Pentium-II-CPU und 200 MB RAM. Im Downloadbereich wählen Sie einen Spiegelserver. Laden Sie die Datei „antiX-19.3_386-full.iso“ herunter, wenn Sie ein Livesystem mit Libre Office verwenden möchten.

Als Webbrowser ist Firefox mit dabei. Alternative ISO-Dateien mit „base“ im Namen enthalten weniger Software. Beim Start können Sie über F2 als Sprache „Deutsch“ einstellen. Die Installation erfolgt per Klick auf das Desktopicon „Installation“ mit einem komfortablen Assistenten.

Antix-„core“-Varianten bieten keine grafische Oberfläche. Für die Installation starten Sie im Terminal das Tool cli-installer. Da Antix auf Debian basiert, können Sie im Terminal apt für die Installation weiterer Software und für Updates verwenden. Vorinstalliert ist auch ein Paketinstaller für die grafische Oberfläche („MX-Installer“).

Q4-OS: Trinity-Desktop und Debian-Basis

Q4-OS auf Debian-Basis nutzt den interessanten Trinity-Desktop, der das längst eingestellte KDE 3.5 weiterführt. Die Oberfläche wirkt altbacken, ist aber schlank, schnell und anpassungsfähig. Die 32-Bit-Variante gibt es nur mit dem Debian-Installer im Terminal. Die Installation sollte für die meisten Benutzer trotzdem kein Problem darstellen. Ein Kernel mit PAE-Unterstützung wird vorausgesetzt.

Für die 64-Bit-Version sind eine Installations-CD und ein Livesystem verfügbar. Letzteres ermöglicht es, Q4-OS erst einmal auszuprobieren und die Hardware zu testen. Außerdem lässt sich eine Version mit dem aktuellen KDE-Plasma-Desktop herunterladen. Nach dem ersten Start erscheint das Fenster „Desktop Profiler“. Sie können zwischen „Full featured“ mit den typischen Office-Anwendungen und Webbrowser, „Basic“ mit nur wenigen Programmen oder „Minimal“ mit sehr eingeschränkter Softwareausstattung wählen. Was fehlt, lässt sich später über das „Q4OS Software Centre“, Synaptic oder per apt im Terminal nachinstallieren.

Kanotix: Schneller LXDE-Desktop

Kanotix gibt es mit KDE oder dem schlankeren LXDE-Desktop – jeweils mit 32 oder 64 Bit. Ein PAE-Kernel ist erforderlich. Zusätzlich gibt es im Downloadbereich eine Spezialausgabe für den Asus EEE-PC 701 mit vier GB Flashspeicher, der ursprünglich mit der Linux-Distribution Xandros ausgeliefert wurde.

Kanotix ist ein anspruchsloses System auf Basis von Debian 10. Die LXDE-Oberfläche gewinnt sicher keinen Preis in einem Schönheitswettbewerb, ist aber funktional und schnell. Die Installation führt man vom Livesystem aus über das Menü und „Kanotix –› acritoxinstaller“ durch. Der Assistent führt einen sicher durch die Installation, die Festplatte muss man jedoch selbst über Gparted partitionieren, wenn man dazu aufgefordert wird. Die Softwareausstattung beschränkt sich auf das Nötigste, was sich aber über Synaptic oder apt im Terminal korrigieren lässt.

Lubuntu/Xubuntu/Mate: Auf Ubuntu-Basis

Wer Ubuntu gewohnt ist und keine Experimente wagen will, greift zu einer schlankeren Ubuntu-Edition. Die Standardausgabe (mit Gnome) ist für einige Altgeräte sicher auch geeignet, stellt aber höhere Anforderungen an die Hardware als Lubuntu, Xubuntu oder Ubuntu Mate. Allen ist gemeinsam, dass es aktuell nur noch 64-Bit-Versionen gibt. Wer eine 32-Bit-Ausgabe benötigt, muss auf Version 18.04 zurückgreifen. Xubuntu mit XFCE-Desktop gilt als besonders ressourcensparendes und trotzdem gut anpassbares System, gefolgt von Lubuntu (LXDE) und Ubuntu Mate. Die Installation über das Livesystem erfolgt bei allen Systemen in etwa gleich.

Desktopsysteme für Altgeräte

Bei der Softwareausstattung lässt Lubuntu beispielsweise Libre Office weg, die anderen Systeme enthalten die gleichen Programme wie Ubuntu. Über die jeweilige Paketverwaltung oder apt lässt sich Fehlendes nachinstallieren.

Thorsten Eggeling

Seit 1977 sitzt Thorsten Eggeling, mit längeren oder kürzeren Unterbrechungen, vor Computern unterschiedlichster Bauart. Die Interna und Geheimnisse von Betriebssystemen sind seine Leidenschaft, gleich ob es um Windows, Linux oder Android geht.Weitere Themen sind Office-Software, Videobearbeitung, Software-Entwicklung, Server-Dienste und Content-Management-Systeme.