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Linux für Oldies: Software und Rollen


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LinuxWelt - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 30.09.2022

Alte Hardware kann oft produktiv weitergenutzt werden, wenn man anspruchslosere Rollen festlegt und/oder Systemleichtgewichte installiert. Mit diesem kreativen Akt retten Sie alte Hardware in ein neues Leben und beheben eventuelle Defizite im Homeoffice. Linux leistet dabei den entscheidenden Beitrag, weil es praktisch für jede Hardware und für jede Spezialrolle Systeme und Serverkomponenten bereitstellt.

Altgeräte in der Desktoprolle

Eine Desktopnutzung bedeutet immer deutlich höhere Ansprüche an CPU, RAM und Grafik als ein Servereinsatz. Nicht allzu betagte Rechner können aber die Desktoprolle übernehmen, wenn Sie eine geeignete Linux-Distribution verwenden. Oft handelt es sich um Rechner, die zwar kein Windows oder Ubuntu Gnome mehr stemmen, aber mit einem schlanken Öko-Linux mühelos klarkommen. Technisch ist solches Upcycling keine Herausforderung, weil das jeweilige System nur installiert ...

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Bildquelle: LinuxWelt, Ausgabe 6/2022

Öko-Distributionen sind selten Desktop-Schönheiten. Q4-OS gelingt mit dem schlanken Trinity-Desktop ein ansehnlicher Kompromiss.
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... werden muss – dies in der Regel als alleiniges System ohne Rücksicht auf bestehende Verhältnisse. Schwierig ist dabei nur, die Distribution zu finden, die zur Hardware und zum Nutzer passt. Wir beginnen der Vollständigkeit halber ganz unten – bei Distributionen für ganz alte Hardware.

Sparky Linux führt unter https://sparky nach wie vor eine „non-pae“-Variante (mit LXQT-Desktop). Das unten nicht mehr charakterisierte Sparky ist mit LXDE-Desktop (es gibt auch diverse weitere) äußerst anspruchslos und schon mit 512 MB RAM

Bodhi Linux bietet unter www.bodhilinux. com/download ein „Legacy Release“, das dann noch klarer als „32 Bit non-pae“ ausgewiesen wird.

Desktops (2): Systeme für 32-Bit-CPUs

Die Unterstützung für 32-Bit-Hardware (mit PAE-Erweiterung) schwindet von Jahr zu Jahr, denn immerhin sind selbst die jüngsten Geräte mit 32-Bit-CPUs mittlerweile mindestens 15 Jahre alt. Zu ermitteln ist die Prozessorarchitektur am einfachsten mit dem Terminalbefehl lscpu, der in der zweiten Zeile als „CPU Operationsmodus“ („CPU op mode“) entweder nur „32-bit“ bei „32-Bit-CPUs“, hingegen „32-bit, 64-bit“ bei 64-Bit-CPUs ausgibt. 64-Bit-CPUs können bekanntlich sowohl ein 32-Bit- wie ein 64-Bit-Linux verwenden. Nicht zuletzt dies ein guter Grund, nachfolgend einige empfehlenswerte 32-Bit-Distributionen zu nennen. Auf 32-Bit-Hardware müssen Sie solche Systeme installieren, auf 64-Bit-Hardware können Sie diese installieren, was grundsätzlich deutlich Arbeitsspeicher einspart (oft 200 MB im Vergleich zum identischen 64-Bit-System). Stehen nur ein oder zwei GB RAM zur Verfügung, sind 32-Bit-Distributionen auch auf 64-Bit-Hardware vorzuziehen. Die Nachteile von 32-Bit-Systemen sollten bei den hier relevanten Zielgeräten keine Rolle spielen: Es ist kein Uefi/GPT-Multiboot möglich und die Größe der Systempartition darf zwei TB nicht überschreiten.

Die meisten der verbleibenden sparsamen 32-Bit-Distributionen basieren auf Debian. Auch hier darf der Hinweis nicht fehlen, dass alle diese Distributionen selbstverständlich auch 64-Bit-Varianten anbieten: Antix ist der Spezialist für „antike“ Hardware. Mit 32-Bit-Debian-Basis und minimalem Desktop fordert es kaum mehr als 150 MB und läuft schon mit 512 MB RAM und auf Pentium-CPUs, die auf die Jahrtausendwende zurückdatieren. Lohnende Kandidaten sind aber zehn bis maximal 15 Jahre alte Notebooks, die Antix wieder zu richtig schnellen Systemen macht. Die Auswahl der richtigen Variante auf https://

Bodhi Linux () ist Ubuntu-basiert, aber ungleich schneller und kleiner. Die 32-Bit-Version ist standardmäßig für Non-PAE-CPUs ausgerichtet und fordert nur 150 MB für System und Desktop. Bodhi bootet schnell und ist am Desktop frappierend flott. Der eigenwillige Moksha-Desktop ist aber mindestens gewöhnungsbedürftig. Gravierender noch sind fehlende Konfigurationszentralen. Wer Monitoreinstellungen, Partitionen, Benutzerkonten bearbeiten will, ist überwiegend auf das Terminal angewiesen – nichts für Linux-Anfänger! Q4-OS (https://q4os.org) gehört zu unseren Öko-Favoriten, weil ihm der Kompromiss zwischen Minimalismus und komfortablem Desktop gelingt. Das System mit der sparsamen KDE-Abspaltung Trinity konsumiert nach dem Start etwa 300 MB. Die Arbeitsfläche ist eine klassische Dateiablage, das Menü ähnelt dem Stil alter Windows-Versionen und die Systemleiste („Kontrollleiste“) enthält mit Schnellstarter, Fensterliste und Indikatoren die typischen Elemente. Über das „Kontrollpanel“ lässt sich jedes Element KDE-typisch individuell einrichten..

Kanotix () ist ebenfalls ein guter Kompromiss für Nutzer, die ein unkompliziertes System suchen und sich auf der Oberfläche auf keine Experimente einlassen wollen. Als Desktop arbeitet ein schlankes LXDE, das sich bekanntlich durch Funktionalität auszeichnet, aber nicht durch ästhetischen Schick. Das vollständig deutschsprachige System belegt nach der Anmeldung etwa 350 MB RAM. Folgende weitere, in 32 Bit verfügbare Distributionen werden für ältere Hardware immer wieder empfohlen, spielen aber bereits in einer Mittelklasse-Liga nahe Xubuntu und Lubuntu

MX Linux 21.1 () mit XFCE ist der größere Bruder von Antix und gleichfalls noch in 32 Bit verfügbar. Mit etwa 500 MB Eigenbedarf für die 32-Bit- Variante sind ältere Notebooks mit zwei bis vier GB ein ideales Ziel für die Distribution

Linux Mint LMDE5: Die Linux Mint Debian Edition ( lmde.php) ist stets etwa später dran als das Ubuntu-basierte Mint, bietet aber wie dieses den beliebten Cinnamon-Desktop, der auf dieser schlanken Basis kaum mehr als 500 MB nach der Anmeldung fordert. Das komfortable System ist eine Option für bis zu zehn Jahre alte Hardware.

Desktops (3): Systeme für 64-Bit-CPUs

Für Altgeräte mit 64-Bit-CPU und mit vier GB RAM oder mehr sind 64-Bit-Distributionen zu empfehlen, allerdings nur solche mit reduzierten Ansprüchen an CPU, RAM und Grafik. Hier kommen genau die Kandidaten in Betracht, die bereits für 32-Bit-Hardware genannt wurden und allesamt auch in 64 Bit zur Verfügung stehen. Hinzu kommen noch die zwei anspruchslosesten Ubuntu-Editionen Lubuntu und Xubuntu mit LXQT- und XFCE-Desktop. Spezialisierte Oldie-Unterstützer wie Antix, Bodhi oder Q4-OS sind diese Ubuntus nicht, aber im Benutzeralltag pflegeleichter als diese Spezialisten. Xubuntu 22.04: (www. lubuntu.me) (https://xubuntu.org) bietet eine klassische Oberfläche, eine komfortable Einstellungszentrale und weitreichende sowie logische Anpassungsoptionen. Ein ähnlich unkomplizierter Kandidat bei ähnlichen Hardwareansprüchen ist die bereits genannte Linux Mint Debian Edition mit Cinnamon. Damit kann man den ungeliebten, wuchtigen Snaps (Firefox) aus dem Weg gehen, die auf Altrechnern noch weniger erwünscht sind als sonst. mit LXQT-Desktop (früher LXDE) nur noch um 100 MB sparsamer ausfällt als Xubuntu (etwa 500 MB nach Anmeldung), ist Xubuntu unsere Ubuntu-Empfehlung für ältere, aber noch nicht moosalte Hardware. Xubuntu Nachdem Lubuntu

Altgeräte in der Serverrolle

Während Altgeräte als Desktop über den Status eines Zweitsystems selten hinauskommen, können ältere Notebooks und Netbooks in der Rolle als Heimserver voll überzeugen. Im Prinzip sind Serverdienste auf jedem Desktop-Linux nachrüstbar. Trotzdem sind spezialisierte Serverdistributionen gerade auf schwächerer Hardware von Vorteil, weil sie auf Serverfunktionen fokussieren und auf überflüssige Komponenten verzichten.

Server (1): Headless-Server

Wer die Systemverwaltung per Kommandozeile beherrscht, kommt mit einem Headless-Server ohne Desktop und Eingabegeräte klar, der ausschließlich per SSH konfiguriert wird. Für leistungsschwache Hardware ist das ideal und falls der Server nur eine Konfiguration etwa als Samba- oder Webserver benötigt, hält sich der Aufwand in Grenzen. Gute Kandidaten für solche Server sind Debian, Ubuntu Server oder Open Suse Leap.

Debian: Für Debian laden Sie das Installerimage von für die passende Architektur (i386 für 32 Bit oder amd64 für 64 Bit). Dieses schreiben Sie auf einen USB-Stick. Nach dem Booten auf dem Zielgerät treffen Sie weitere Entscheidungen im Installer. Was Sie neben dem Basissystem haben wollen, fragt der Installationsassistent ab: Wichtig ist, „OpenSSH server“ auszuwählen, andere Komponenten wie „web server“ lassen sich auch später via SSH nachinstallieren. Mit der Installation von Serverkomponenten wie Samba oder Apache ist es natürlich nicht ganz getan. Diese laufen dann zwar, müssen aber noch im SSH-Terminal konfiguriert werden. Nur SSH läuft voraussetzungslos: Sie brauchen nur die IP-Adresse des Serversystems und die Zugangsdaten des bei der Installation eingerichteten Kontos.

Server (2): Open Media Vault

Der pure Headlessbetrieb setzt Terminal-Know-how voraus und überfordert manche Home-Admins. Eine Alternative, die jedes ältere Gerät stemmt (was nicht für alle NAS-Systeme gilt), ist das Debian-System Open Media Vault ist ein Installer, der die wenigen Schritte gut erklärt. Nach der Installation erfolgt die Konfiguration über das Netzwerk via Browser (für die Konfigurationsoberfläche nutzt OMV den mitinstallierten Webserver Nginx). Sie benötigen lediglich die IP-Adresse des OMV-Rechners. Voreingestellt zur Anmeldung ist der Benutzer „admin“ mit dem Passwort „openmediavault“. Angeschlossene Datenträger (Ext, FAT, NTFS, exFAT) lädt OMV beim Systemstart automatisch und zeigt sie als physische Festplatten unter „Datenspeicher –› Reale Festplatten“. Wesentliche Einstellungen finden Sie unter „Dienste“, wo Sie für Netzfreigaben an Windows, Linux, Mac-OS „SMB/CIFS“ aktivieren. Danach kann im Register „Freigaben“ ein Datenträger oder Ordner freigegeben werden. Die zugriffsberechtigten Konten richten Sie unter „Zugriffskontrolle –› Benutzer“ ein. Unter „Zugriffskontrolle –› Freigegebene Ordner“ finden Sie die vorher unter „SMB/ CIFS“ eingerichteten Freigaben, die hier über „Privilegien“ (Netzwerkrechte) detaillierter konfiguriert werden können.

Server (3): Nextcloud

Eine Nextcloud-Instanz ist auf älterer Hardware mit ein, zwei GB RAM problemlos zu betreiben, denn Nextcloud-Server sind modular und lassen sich fast beliebig skalieren und reduzieren. Viele Komponenten können schon bei der Installation, viele weitere im laufenden Betrieb abgewählt werden. Beispiele für eine reduzierte Spezialisierung wären der Einsatz als Samba-ähnliche Datenzentrale, als Notizensammlung oder auch nur als Intranetkalender. Ein weiteres Motiv für Nextcloud ist die unkomplizierte Installation inklusive Apache-Webserver als Snap-Container. In Ubuntu ist die Snap-Umgebung standardmäßig dabei, auch beim Ubuntu-Server. Bei Bedarf kann dies mit sudo apt install snapd ergänzt werden und zur eigentlichen Installation von Nextcloud genügt dann dieser Terminalbefehl: sudo snap install nextcloud Danach ist die Nextcloud sofort einsatzbereit und mit der IP-Adresse des Servers mit jedem Browser erreichbar. Auf der Anmeldemaske vergeben Sie Kontonamen und Passwort für den Systemverwalter. Das Häkchen vor „Empfohlene Apps installieren“ können Sie deaktivieren, wenn Sie nur ganz bestimmte Komponenten verwenden möchten. Die benötigten Apps erreichen Sie später jederzeit über die Einstellungen („Zahnrad“ rechts oben) und den Menüeintrag „Apps“.

Server (4): Kodi-Mediencenter pur

Was ein Raspberry Pi schafft, ist auch einem mittelalten Notebook zuzumuten, insbesondere dann, wenn es ausschließlich für diese Aufgabe abgestellt wird: Für das bekannte Mediencenter Kodi gibt es spezielle Linux-Distributionen, die als eigenständiges System ausschließlich Kodi starten. Das sehr schlanke Libre Elec („Just enough OS for Kodi“) gibt es für zahlreiche Platinenrechner, aber auch für x86-PCs. Download und Schreiben auf USB oder SD ist mit dem kleinen Tool „LibreELEC USB-SD Creator“ komfortabel automatisiert ( elec.tv), peinlich nur, dass es das Tool derzeit nur für Windows gibt. Das Tool holt das gewünschte Installerimage („Generic AMD/ Intel/Nvidia“ für PCs und Notebooks) aus dem Netz und schreibt es auf USB oder SDKarte. Nach dem Booten dieses Images auf dem Zielgerät kopiert der Installer das System auf einen zweiten endgültigen USBStick. Eine Installation auf Festplatten ist nicht vorgesehen, diese sollen die Film- und Musikmedien anbieten. Kodi arbeitet als Abspielstation und als Samba- und UPnPServer, sofern diese Serverdienste unter „Einstellungen –› Dienste“ aktiviert werden

Server (5): Audioserver Mstream

Mit einem Mediacenter wie Kodi ist ältere Hardware vor allem dann überfordert, wenn sie etwa auch noch als Desktop arbeiten soll. Die Rolle als Audioserver ist aber auch nebenher realistisch. Eine rundum empfehlenswerte Lösung für eine zentrale Musiksammlung (keine Filme und Bilder) ist das Electron-Programm Mstream, das unter beziehen ist – für Linux aktuell ausschließlich als Appimage (für x86-Architektur mit 64 Bit sowie für ARM in 32 und 64 Bit). Das heruntergeladene Appimage muss man nur ausführbar schalten und starten. Danach erscheint es am lokalen Desktop in der Systemleiste, vor allem aber in jedem Browser mit „http:// [IP-Adresse] :3000“. Die Nutzung und Bedienung des englischsprachigen Servers ist schick, funktional und einfach. Das Einrichten der Musikordner geschieht über den Punkt „Admin Panel“.