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Literarische Wanderungen: Bergwandern: Litera Touren


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 17.08.2019

Wer hat sich bei der Aussicht von einem Gipfel schon mal von der Muse geküsst gefühlt? Die Natur in den Bergen ist so beeindruckend, dass ihr Anblick einige der berühmtesten Schriftsteller der Welt zu ihren Texten inspirierte. Heute begleiten uns die Werke von Hesse, Nietzsche, Frisch und Hemingway auf den Wegen, die ihre Autoren einst bewanderten.


Artikelbild für den Artikel "Literarische Wanderungen: Bergwandern: Litera Touren" aus der Ausgabe 9/2019 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 9/2019

Unterwegs auf den Spuren Hemingways auf der Silvretta Bielerhöhe


Hermann Hesse (1877-1962)

Zeitlebens fühlt sich Hermann Hesse in den Bergen wohl. Geboren in Calw im nördlichen Schwarzwald, zieht es ihn mit den Jahren immer weiter in die Alpen. Mit seiner ...

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... Familie aus erster Ehe lebt er zunächst am Bodensee und ab 1912 in Bern. Gerne unternimmt der Schriftsteller Reisen nach Oberitalien und in die Schweizer Berge.

1907 verbringt Hesse vier Wochen auf dem Monte Verità, einer Aussteigerkommune im Tessin. Nach der Trennung von seiner Familie findet er hier eine neue Heimat. Er zieht 1919 nach Montagnola am Luganersee, wo er bis zu seinem Tod lebt. Im Jahr darauf veröffentlicht er das Buch »Wanderung«. Darin schreibt er: »Das erste Dorf auf der Südseite der Berge. Hier beginnt erst recht das Wanderleben, das ich so liebe, das ziellose Schweifen, die sonnigen Rasten, das befreite Vagabundentum. «

Zu den größten Freuden in Hesses Leben gehört die »Berührung mit der Natur«. Sie motiviert ihn zum Wandern: »Das Wandern in einer Landschaft soll das Höchste in uns fördern, die Harmonie mit dem Weltganzen, und es soll weder ein Sport noch ein Kitzel sein.« Im Tessin ist er häufig zum Malen unterwegs. In einem Brief an Freunde schreibt er 1953, dass er schon viele Landschaften gesehen habe: »Wohl die schönste, am stärksten auf mich wirkende von diesen Landschaften ist das obere Engadin.« Er besucht das Hochtal mehrmals in seinem Leben, meist über mehrere Wochen. Hier in den Bündner Bergen ist er zu Fuß und im Winter auf Skiern unterwegs.

Die Alpen inspirieren Hesse zu vielen seiner Texte. Sein erster Roman »Peter Camenzind« spielt rund um die Rigi am Vierwaldstättersee und dreht sich um einen Bergsteiger. In »Der geheimnisvolle Berg« beschreibt er die Geschichte eines jungen Bergführers ohne Lizenz. Seine Eindrücke verarbeitet er auch in Gedichten wie »Hochgebirgswinter«.

Zu den größten Freuden

In Montagnola befindet sich neben der Casa Camuzzi, wo Hermann Hesse zwölf Jahre lang lebte, ein sehr persönliches Museum zu seinem Werk und Leben.

Via Ru Cürta 2, CH-6926 Montagnola Tel. 00 41/91/9 93 37 70 www.hessemontagnola.ch

Tipp: Wer Montagnola auf den Spuren Hermann Hesses erkunden möchte, besucht am besten zuerst das Museum.

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Nietzsche-Haus

In dem Haus in Sils Maria, in dem Nietzsche seinerzeit acht Sommer verbrachte, beschäftigt sich heute ein Museum mit dem Philosophen.

Via da Marias 67 CH-7514 Sils Maria Tel. 00 41/81/8 26 53 69 www.nietzschehaus.ch

Weniger ein Wanderer als ein Spaziergänger, der sich gerne mit Bergen umgibt, ist der Philosoph und Dichter Friedrich Nietzsche. Gesundheitliche Probleme bringen ihn 1879 dazu, seine Professorenstelle an der Universität in Basel aufzugeben. Daraufhin entdeckt er das Engadin, das ihm Erleichterung von seinen Leiden bringt. Ab 1881 verbringt er sieben Sommer in Sils Maria. Im Winter reist er von der Schweiz an die milde Mittelmeerküste von Italien und Frankreich. Doch zwischen den Schweizer Bergen, am Ufer des Silsersees, ist es ihm am wohlsten: »Wieder fühle ich, daß hier und nirgends anderswo meine rechte Heimat und Brutstätte ist.«

In Sils Maria quartiert er sich in einem Haus ein, dessen kleine Fenster nur wenig Licht hineinlassen. Hier wohnt er zurückgezogen in einem ungeheizten Zimmer im Obergeschoss. Nietzsche verbringt seine Zeit mit Wandern und Nachdenken, Lesen und Schreiben. Hier ist er so glücklich wie noch nie. »Es kann gar nicht still und hoch und einsam genug um mich sein, daß ich meine innersten Stimmen vernehmen kann!« Am Ufer des Silsersees soll er die Idee zum Kerngedanken seines Werks »Also sprach Zarathustra « gehabt haben: die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Der Philosoph beschreibt das Wandern als eine Methode, mit der Wirklichkeit umzugehen. Der Wanderer mag schwere Zeiten erleben, »aber dann kommen, als Entgelt, die wonnevollen Morgen anderer Gegenden und Tage, wo er schon im Grauen des Lichtes die Musenschwärme im Nebel des Gebirges nahe an sich vorübertanzen sieht, wo ihm … lauter gute Dinge zugeworfen werden«.

Max Frisch (1911-1991)

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch ist seit seiner Jugend ein begeisterter Bergsteiger und Skifahrer. Viele seiner Touren führen ihn in die Glarner Alpen, die in der Nähe seines Heimatortes Zürich liegen. In seinen Zwanzigern läuft er mit Rucksack und Zelt bepackt in sechs Tagen vom Glarnerland bis nach Locarno. Darüber schreibt er den Text »Über die Alpen«. Er fängt seine Beobachtungen und Begegnungen mit Worten ein und schließt mit dem Satz: »Noch kann ich es kaum fassen, dass es ein Dasein ohne Rucksack gibt, und mich dünkt, noch nie habe ich das Baden so genossen, wie eben jetzt, da es die lange Sehnsucht heißer Wandertage erfüllt.«

Auch in seinem fiktiven Werk spielen die Berge immer wieder eine wichtige Rolle. Seine frühe Erzählung »Antwort aus der Stille« begleitet einen Mann auf Identitätssuche in die Berge. In »Mein Name sei Gantenbein« beschreibt er eine Hochtour auf den Piz Kesch in Graubünden. Ab 1964 wohnt Frisch in Berzona im Valle Onsernone. Das Bergdorf wird zu seinem Lebensmittelpunkt, zu einer Konstante, auch wenn er immer mehrere Wohnungen – etwa in Rom oder New York – gleichzeitig mietet. Hier wandert er viel durch das Tal; oft begleitet ihn Golo Mann, der Sohn Thomas Manns.

Das Tessiner Tal wählt Frisch als Schauplatz für seinen Roman »Der Mensch erscheint im Holozän«. Der Protagonist Herr Geiser versucht während eines Sturms über den Passo della Garina ins Maggiatal zu fliehen. Frischs eigene Erfahrungen in den Bergen machen seine Beschreibungen authentisch. Für bergsteigende Leser haben die Situationen Wiedererkennungswert: »Auch wenn man im Nebel nicht weiß, wo man sich im Augenblick befindet, in jedem Fall geht es aufwärts, Kehre um Kehre; wichtig ist nur, daß man ohne Hast geht, Schritt vor Schritt, regelmäßig ohne Hast, damit man nie außer Atem kommt.«

Museo Onsernonese

Im Dorf Loco ist ein Museum zur Geschichte des Tals eingerichtet. Es bietet literarische Spaziergänge auf den Spuren Max Frischs an.

Paese 5, CH-6661 Loco Tel. 00 41/91/7 97 10 70 www.onsernone.ch

Bankerl mit Ausblick am Schweizer Silsersee


Blick auf den Silvrettasee auf der Bielerhöhe im Montafon


Ernest Hemingway (1899-1961)

Seit seiner Kindheit verbringt Ernest Hemingway viel Zeit in der Natur, ist ein leidenschaftlicher Fischer und Jäger. Während des Ersten Weltkriegs meldet er sich als Freiwilliger beim Amerikanischen Roten Kreuz und kommt 1918 nach Europa. Hier lernt er die Dolomiten kennen. Ab 1921 arbeitet Hemingway als Schriftsteller und Korrespondent fünf Jahre in Paris. Während dieser Zeit unternimmt er mit seiner ersten Frau Hadley viele Reisen in die Alpen. Sie wandern über den Großen St. Bernhard nach Italien, gehen in der Schweiz und den Dolomiten Skifahren. Zum Wandern und Angeln fährt er auch in den Schwarzwald, obwohl ihm die Landschaft hier nicht wild genug ist.

Besonders einschneidend sind die beiden Winter, die Hemingway mit Hadley und ihrem gemeinsamen Sohn im Montafon verbringt. Die Monate in den Jahren 1924 und 1925 verlaufen idyllisch. Hemingway schreibt, geht jagen und spielt in der Wirtschaft Karten. Immer wieder unternimmt er mehrtägige Skitouren. Auf Holzlatten mit Seehundfellen erklimmt er die Gletscher der Region. »Es war schöner als Fliegen oder sonst irgendetwas.« Seine Erfahrungen in dem Vorarlberger Tal verarbeitet er unter anderem in der Kurzgeschichte »Schnee auf dem Kilimandscharo« und der Erzählung »Ein Gebirgsidyll«. In seinen autobiografischen Erinnerungen »Paris – Ein Fest fürs Leben« beschreibt er, wie er vom Ort Partenen auf die Bielerhöhe aufsteigt und dort das Madlenerhaus als Stützpunkt für die Winterbegehung der umliegenden Gipfel nutzt.

Den Winter darauf reist die junge Familie ins Montafon. In dieser Zeit beginnt Hemingway eine Affäre mit Pauline Pfeiffer, die er ein Jahr später heiratet. Gemeinsam ziehen sie nach Florida und lassen Europa und die Alpen hinter sich.

Madlenerhaus, Montafon

Mitte der 1920er-Jahre trank und spielte Ernest Hemingway bei seinen Montafonbesuchen gern im Madlenerhaus und brachte auch seinen Schriftstellerfreund John Dos Passos mit.

www.madlenerhaus-silvretta.com

Mareike Busch hat Literaturwissenschaft studiert und fast immer ein Buch im Rucksack. Besonders gern hat sie auf ihren Touren Hemingway oder Hesse dabei.


Foto: Silvretta BIlerhöhe/Alexander Kaiser

Fotos: Wikipedia (3), Schweiz Tourismus/Jan Geerk

Fotos: Wikipedia, Montafon Tourismus/Andreas Haller, M. Busch