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LIVE: DAS GUTE GEBISS


musikexpress - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 11.04.2019
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Bildquelle: musikexpress, Ausgabe 5/2019

Düsteres Feeling, karge Bühne, schlechte Zähne – Dendemann in der Schweiz.

„Habt ihr Bock, Zürich – und wenn ja, warum?“, fragt Dendemann, dem hier viel Platz zur Verfügung steht. Die Festivalbühne ist riesig, um sie zu füllen, hat er nicht viel mehr mitgebracht außer sich selbst. Seinen DJ im Hintergrund, ein paar Projektionen des eigenen Namens, Trockeneis, fertig. Die Euphorie, die Dendemann mit dieser Nicht-Inszenierung erzeugt, ist allerdings enorm. Das Publikum hat in der Halle vor wenigen Stunden noch Schnittchen, Häppchen, Finger Food gefressen – und so fühlte sich die Resonanz auf die Musik-Acts ...

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FEEDBACK
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... dann auch erst mal an. Bis zu Dende, jetzt und hier um Mitternacht.m4music, das ist jene Musikmesse, die einem immer das Gefühl gibt, in einem Schweizer Paralleluniversum existiere die vor rund zehn Jahren final havarierte Popkomm doch noch – und es gehe ihr sogar verdammt gut. Im vergangenen Jahr spielte an dieser Stelle und auf diesem prominenten Slot Trettmann. Damals gab es überhaupt kein Durchkommen mehr, das verhält sich heute bei Dendemann etwas weniger klaustrophobisch, dennoch kommt man nicht umhin, in diesem Auftritt ein Highlight der diesjährigen Ausgabe zu sehen. Liegt an Dendemann selbst natürlich. Mit seinem neuen Album DA NICH FÜR! verkörpert er einerseits ganz präsidial deutschsprachigen Old-School-HipHop, andererseits aber genauso die Wildcard eines wirkmächtigen MCs, der sich generationsübergreifend jenseits von Auto-Tune Respekt verschafft hat.

Auf seinem Hoodie windet sich Sweet Gwendoline, die Bondage-Ikone des Ärzte-Fun-Punks, Dendemann selbst ist allerdings völlig entfesselt. Die Coolness des Rumstehens überlässt er den unzähligen immobileren MCs da draußen. Ein einsamer Ballon wird vom Publikum immer wieder in die Luft gescheucht, ein Überbleibsel einer anderen Show. Das Publikum hängt ohnehin bloß an den Lippen des ehemaligen „Neo Magazin Royale“-Conférenciers. Die düstere Atmosphäre in Look und Beats konterkariert er höchstens mal durch eine launige Anekdote. Zum Schluss grinst er schief: „Wie viel Scheiß soll man labern und trotzdem noch ein gutes Gebiss haben?“ Ein deutscher Gastarbeiter in der Schweiz wurde selten so bejubelt.Linus Volkmann

Die Heiterkeit Artheater, Köln

Ein gemischtes Doppel für Pop und Poesie als Glücksbringer fürs Publikum.

So eine Harfe ist jetzt nicht gerade das Lieblingsinstrument der Logistiker im TourTross, Tross, schwer zu transportieren. Und dann wieder mit so leichter Hand gespielt von SupportAct Hans Unstern. „13 Bonbons aus Plastik, die uns Glück gebracht“, singt Ihre Höflichkeit Hans zur Harfe. Der Entertainer als genderpolitisch modellierter Körper – mit Zopf, Leopardenleggings und transparenter Korsage. Das Plateaugestöckel fällt erst richtig auf, als er sich viel später zum MerchStand begibt.

Wie das mit diesem gemischten Doppel für Pop und Poesie funktionieren soll, ist vorab schwer auszumachen. Immerhin hat Stella Sommer nach Unstern ein gewisses Exzentrikdefizit zu bewältigen. Und ein Stück Arbeit an jenem Ruf zu verrichten, der ihr auf den Leib geschrieben worden war: „Tragödin“, „frostige Diseuse“. Zutreffend ist nichts davon an diesem Abend. Die Schubladisierung der Stella Sommer, sie entpuppt sich als ein Witz. Es ist ein konzentrierter 70minütiger Auftritt, den die Sängerin und ihre Band mit vielen Songs aus dem neuen Album, WAS PASSIERT IST, bestreiten. Es passiert ja auch was. „Eine Spannungskurve, die ich nur für euch vorbereitet habe“, sagt Ihre Heiterkeit Stella, während sie nicht zum ersten Mal die Gitarre stimmt. Und wenn keiner zu gut hinguckt, dann grinst sie locker über das Mikro hinweg. Auch das gehört zur Atmosphärenvermittlung, die hier zwischen hoheitlichem Chanson und ElektroPop changiert. In Songs über Einsamkeit und – aha, schon wieder – Glück und darüber, ob das vielleicht gar keinen Unterschied macht. Es sind eben gute Lieder, manchmal berauschend vertextet, und die partnerschaftlichen Kombinate im Auditorium singen die schönsten Zeilen einfach mal mit, als wären sie seit Menschengedenken in Stellas Backingband.

Der AfterShowSchlussakt gehört wieder Unstern, diesmal als Fachverkäufer für Harfenmusik und mit blauer Lichterkette um den Hals. Sein riesiges Instrument schlummert da schon neben ihm im Koffer.
Frank Sawatzki

I AM YOUR GOD!: Modeselektor Halle am Berghain, Berlin

Modeselektor melden sich lautstark als Duo zurück. Der Name ihrer neuen Platte, WHO ELSE, wird zur rhetorischen Frage – und zur Liebeserklärung an ihre musikalischen Wurzeln.

Die Reise startet, wo jedes gute TechnoMärchen beginnt: in Detroit. Satte Beats aus der analogen Drum Machine und nervöse HiHats zerschneiden die Luft der meterhohen Halle am Berghain. Zwischen massiven Betonsäulen, Nebelmaschinen und den StroboVisuals der Berliner VJVeteranen Pfadfinderei fühlt man sich in die 90er zurückversetzt. Gemäß des AlbumArtworks projiziert das Grafikerkollektiv eine pixelige 8BitRetroComputerspielwelt an die Bühne.

Krsn und Codec, die unter anderem das Video zum ModeratSuperhit „Bad Kingdom“ gestaltet und als VJs für Boys Noize und die KalkbrennerBrüder gearbeitet haben, sind schon seit den legendären Partys in der 2010 geschlossenen Berliner Clubinstitution WMF dabei. Als Modeselektor gleich zu Beginn ihrer Show den „WMF Love Song“ anspielen, schließt sich somit der Kreis: Heulende Sirenen und Bleeps nehmen das johlende Publikum mit auf eine Zeitreise. Sebastian Szary und Gernot Bronsert mixen Techno mit Elektro, faden trancige RaveHymnen in hyperaktiven Drum’n’Bass. Jeder Drop sitzt und kommt, vielleicht stellenweise etwas zu erwartbar, voll auf die Zwölf.

Doch poppige IDM haben die beiden mit Moderat zuletzt lange genug produziert. Modeselektor stehen für hochenergetische Sets, ChampagnerDuschen und vor allem: Humor. Dem Affen Zucker geben, das bedeutet, seinen Schwächen und komischen Angewohnheiten nachzugeben. Szary, wie immer im Arbeiteroverall, tut genau das. Mit gereckter Faust und Mikrofon tritt er an den Bühnenrand, schreit in schönster ScooterPose verzerrt in die Menge: „I am your God!“ Er präsentiert seine analoge Drum Machine, klettert auf den Boxen umher und zeigt der Crowd den ausgestreckten Mittelfinger. Highlight der Show: als Modeselektor plötzlich „No Good (Start The Dance)“ von The Prodigy anspielen und „Thank You Keith Flint“ an die Wand projizieren.

Modeselektor schaffen mit ihrem Sound die perfekte Verbindung zwischen gestern und heute und zeigen, dass sie immer noch zu den interessantesten elektronischen Acts gehören. Wer auch sonst?
Laura Aha

MUSIKEXPRESS PRÄSENTIERT

Hurricane & Southside

Im vergangenen Jahr feierte das Southside Jubiläum: 20 Jahre gab es das Festival im süddeutschen Neuhausen ob Eck mittlerweile, zwei Jahre kürzer seine große Schwester Hurricane in Scheeßel. Aber auch ohne runden Geburtstag fahren die Zwillings-Festivals wieder einen starken Mix aus internationalen Stars und hiesigen Szeneperlen auf.
Mit: Tame Impala (Foto), Die Toten Hosen, Mumford & Sons, Foo Fighters, The Cure, Interpol, Bilderbuch, Trettmann, Idles, Bosse, Macklemore, AnnenMayKantereit, Bloc Party, The Wombats, Johnny Marr, The Streets, Christine And The Queens, Cigarettes After Sex, Die Höchste Eisenbahn, Leoniden, Neonschwarz, Gurr, Black Honey, Steiner & Madlaina, Faber, Sofi Tukker, Yung Hurn, The Wombats, Flogging Molly, Frank Turner u.v.a.
21. – 23.06. Scheeßel, Eichenring (Hurricane) Neuhausen ob Eck, Take-off Gewerbepark (Southside)
www.hurricane.de / www.southside.de

Golden Leaves

Jede Festivalsaison findet mal ein Ende, auch wenn wir eigentlich noch gar nicht drüber nachdenken wollen. Andererseits liefert das Golden Leaves Festival genug Anlass, sich schon jetzt auf den Spätsommer zu freuen. Ende August versammeln sich in Darmstadt hochkarätige Geheimtipps, um ein Publikum fernab von Headliner- Hypes und Camping-Schlammschlachten mit ihrer Musik zu begeistern. Die Höchste Eisenbahn, Mighty Oaks oder die großartige Stella Donnely sind Acts, die in einem so intimen Rahmen noch einmal eine ganz andere Wirkung entfalten können als auf den großen Bühnen.
Mit: Mighty Oaks, Die Höchste Eisenbahn, Stella Donnelly (Foto), Mogli, Hundreds, Villagers, Leyya, The Slow Show, Bodi Bill, L’Aupaire, Island, The Teskey Brothers, Cari Cari u.v.a.
31.08. – 01.09. Darmstadt, Schloss Kranichsteinwww.goldenleavesfestival.de

Maifeld Derby

Vorerst letzte Chance auf einen Besuch beim Maifeld Derby, bevor es erst einmal in die Ruhepause geht. Veranstalter Timo Kumpf hat für 2020 nämlich eine Auszeit des Mannheimer Festivals angekündigt, um neue Energie zu sammeln. Ein weiteres Indiz dafür, dass es beim Maifeld Derby vor allem um gute Musik und weniger um eine Verdienstmöglichkeit geht. Auch für dieses Jahr wurde wieder ein bunter Genremix aus Rock und Pop kuratiert, ein Programm für Leute vor allem, die sich an den üblichen Festival-Headlinern sattgesehen haben.
Mit: The Streets, Hot Chip, Tocotronic, Faber (Foto), Parcels, Von wegen Lisbeth, Madrugada, Sleaford Mods, Kate Tempest, Snail Mail, International Music, Captain Planet, Balthazar, Teenage Fanclub, Stephen Malkmus, HVOB, The Twilight Sad, Mavi Phoenix, Kevin Morby, Gurr u.v.a.
14. – 16.06. Mannheim, Maimarktgeländewww.maifeld-derby.de