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LIVE IS LIFE


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digit! - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 25.10.2019

Der Multivision-Artist Pascal Violo verbindet den Reiz des Reisens, die Kunst des Erzählens und die Live-Reportage zu einem Businessmodell


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 6/2019

Pascal Violo erreicht während seiner Vorträge bis zu 1.500 Besucher pro Abend.

Darum gehts

Fremde Kulturen haben Pascal Violo schon immer fasziniert. Bereits nach seinem Abitur trampte der heute 39-Jährige ein Jahr lang von Kanada nach Nicaragua, Anfang der Nullerjahre reiste er mehrfach durch Süd- und Mittelamerika und hielt seine Eindrucke fotografisch fest. Irgendwann kam ihm dann die Idee, sein Fernweh zu seinem Beruf zu machen. Anfangs habe er versucht, seine ...

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... Reisen über den Verkauf redaktioneller Bilder zu finanzieren, sagt der Österreicher, aber das habe sich nicht wirklich gerechnet. 2005 präsentierte er seine erste Diashow, Titel „Die vielen Gesichter Mittelamerikas“, 2006 mit „Südostasien – Thailand, Laos & Kambodscha“ dann die zweite. In den Folgejahren absolvierte er etliche Reisen durch Kuba, später durch Indien und zuletzt durch Nepal, Bhutan, Ladakh & Tibet und arbeitete sie jeweils zu Live-Reportagen aus. Derzeit produziert er gerade seine nächste Show zum Thema „Kanada & Alaska“. Die ersten fünf Jahre seien „richtig hart“ gewesen, sagt Violo: 80-Stunden-Woche, so viel Kontakte knüpfen wie möglich, von Festival zu Festival tingeln, als Newcomer zum Teil ohne Gage. Er wurde Vater, seine Frau sagte: „Ich gebe dir noch ein Jahr.“ 2011 schafft er endlich die finanzielle Wende. Inzwischen sind seine Tourneen meist ausgebucht, und Violo kann gut von seinen Live-Reportagen leben.

Das steckt dahinter

Derzeit tourt Violo mit seinem Programm „Himalaya – Gipfel, Götter, Glücksmomente“ durch Österreich und Deutschland – vom oberbayrischen Unterhaching bis nach Kiel. Auf Multivisionsfestivals wie Mundologia (Freiburg), Weitsicht-Festival (Darmstadt), Lichtbildarena (Jena), Grenzgang (mehrere Städte in NRW), „Alles-Leinwand“ (Wien) und „El Mundo“-Festival (Judenburg, Österreich) hören und sehen pro Abend bis zu 1.500 Besucher seine Live-Reportagen, während einer Vortragssaison sind es bis zu 20.000. Die Zielgruppe gehört zur Generation 40+, der Eintritt kostet je nach Location und Veranstalter zwischen 12 und 20 Euro.

Vorausgegangen ist eine vierjährige Produktion. Violo war insgesamt acht Mal in der Region und hat rund 50.000 Euro in die Vorfinanzierung gesteckt. Der Aufwand rechne sich trotzdem. „Es läuft sehr gut“, sagt er, „ich gehe von ca. 200 Auftritten in vier Jahren aus.“ Neben 500 bis 800 wohlselektierten Stills, bei denen sich epische mit informativen Bildern abwechseln, kommen während Violos audiovisuellen Shows auch filmische Einspieler zum Einsatz, untermalt von Musik und den fesselnden Erzählungen des Fotoreisenden.

Hier und oben: Derzeit produziert der Österreicher gerade seine nächste Show zum Thema Kanada und Alaska.

Im Moment tourt Violo mit seinem Programm „Himalaya – Gipfel, Götter, Glücksmomente“ durch den deutschsprachigen Raum.


Verglichen mit den früheren Dia-Vorträgen seien die Live-Reportagen heute weitaus professioneller gestaltet und organisiert. Statt Diaprojektoren kommen nun leistungsstarke Beamer zum Einsatz, mit denen neben Stills auch multimediale Filmsequenzen, Timelapses und O-Töne auf riesige Leinwände projiziert werden.

„Als ich Ende der 90er-Jahre selber Vorträge besucht habe und so auf die Idee kam, in das Business einzusteigen, gab es allein in Wien über 100 Fotografen, die Diavorträge machten, zum Teil parallel und zu identischen Themen. Die meisten davon waren von fragwürdiger Qualität“, erinnert sich Violo. „Zehn Jahre später waren gerade noch sechs Protagonisten übrig.“ Angesichts der Krise professionalisierte sich die Szene, die Vortragsqualität stieg deutlich, zudem entstanden Dutzende Multivisionsfestivals, die Termine abstimmten und ein attraktives Rahmenprogramm boten. „Ab da“, sagt er, „ging es wieder bergauf mit dem Genre.“

Die Reisen sind mitunter kräftezehrend, aber das Erforschen und Fotografieren fremder Lebensräume hat für mich nichts von seinem Reiz verloren, sagt der 39-Jährige.

Das sagt der Fotograf

„Meine Länderportraits gehen thematisch in die Tiefe, das verlangt den Zuschauern eine gewisse Aufmerksamkeitsspanne ab, aber ich glaube, ich war schon immer gut darin, die Leute mit auf meine Kopfreise zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass bei Live-Reportagen das Storytelling der eigentliche Schlüssel zum Erfolg und wesentlich wichtiger ist als einzelne herausragende Bilder. Natürlich sind meine Bilder im Laufe der Jahre viel besser geworden. Ich bin inzwischen sicherlich ein richtig guter, aber kein Ausnahme-Fotograf, dafür aber ein wirklich guter Geschichtenerzähler – und das ist in meinem Job das Entscheidende. Angesichts des Risikos, das die hohen Vorinvestitionen mit sich bringen, ist aber noch etwas anderes wichtig: die richtige Themenwahl. Was gefragt sein wird und was thematisch exklusiv ist, dafür habe ich in den letzten Jahren ein gutes Gefühl entwickelt.

Ich bekomme zwischen 800 und 1.200 Euro Honorar pro Vortragsabend – bei einigen großen Veranstaltungen sind es auch mal 1.500 Euro – und kann inzwischen gut von meinen Live-Reportagen leben. Hinzu kommen Einnahmen aus Reportage-DVDs und Büchern, die ich produziere, und aus dem Multivisionsfestival „Alles Leinwand“, das ich gemeinsam mit meinem Vortragskollegen Bernhard Brenner seit 2008 in Österreich organisiere.

Man sollte das Rampensau-Gen in sich tragen oder seinen Berufswunsch noch mal überdenken, sagt Violo, hier auf einem Multivisionsfestival.

Im März dieses Jahres habe ich meinen tausendsten Vortrag absolviert, und es macht mir immer noch einen Heidenspaß, auf der Bühne zu stehen. Das ist aus meiner Sicht auch eine wichtige Voraussetzung für diesen Job: Wer mit Multivisions-Shows sein Leben bestreiten will, sollte dieses Rampensau-Gen in sich tragen oder seinen Berufswunsch noch mal überdenken. Mein längste durchgehende Auftrittsreihe waren 37 Shows in 37 Tagen. Natürlich ist das manchmal anstrengend, auch die Reisen sind mitunter kräftezehrend, physisch wie psychisch. Und dennoch: Für mich hat das Erforschen und Fotografieren fremder Lebensräume und Kulturen und das Erzählen davon nichts von seinem Reiz verloren. Keine Frage: Ich sehe mich noch in 30 Jahren auf der Bühne.“

PASCAL VIOLO wurde 1980 in Wien geboren und bereist seit fast 20 Jahren die Welt. Er zählt zu den bekanntesten Multivisionsreferenten Österreichs und tourt jedes Jahr an bis zu 100 Terminen mit seinen Live-Reportagen durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Neben seinen Live-Reportagen veröffentlichte der Reisefotograf zahlreiche Bildbände, DVDs und Kalender und engagiert sich für die Flüchtlingshilfe sowie für ein Waisenkinderprojekt in Südindien. In Österreich organisiert er gemeinsam mit seinem Vortragskollegen Bernhard Brenner seit 2008 die Vortragsreihe „Alles Leinwand“ sowie das Reise-Festival in Wien. Pascal Violo fotografiert für die Bildagentur „Südbild“ und ist berufenes Mitglied der GBV (Gesellschaft für Bild und Vortrag).
www.violo.at | www.allesleinwand.at