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LIVE: SEX, SPASS & SEEMANNSGARN


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 19.06.2019

Ahoi, Seeleute! Die FULL METAL CRUISE VIII führt erfahrene Cruisaders und nautische Neulinge diesmal von Palma de Mallorca über Marseille und Barcelona wieder zurück in den Ursprungshafen. Zum Glück meint es das Seeungeheuer Leviathan gut mit den Metal-Matrosen.


Artikelbild für den Artikel "LIVE: SEX, SPASS & SEEMANNSGARN" aus der Ausgabe 7/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 7/2019

Überraschung im Vorfeld der Reise: Aufgrund einiger Rückläufer sind bei der sonst gnadenlos ausgebuchten Reise kurz vorher noch ein paar Kabinen zu haben. Dafür findet die FULL METAL CRUISE aber nun auf der erst 2017 in Turku und Kiel gebauten Mein Schiff 6 statt, die mit gut 2.500 Passagieren rund 500 Fans mehr als bei den Fahrten zuvor ...

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Überraschung im Vorfeld der Reise: Aufgrund einiger Rückläufer sind bei der sonst gnadenlos ausgebuchten Reise kurz vorher noch ein paar Kabinen zu haben. Dafür findet die FULL METAL CRUISE aber nun auf der erst 2017 in Turku und Kiel gebauten Mein Schiff 6 statt, die mit gut 2.500 Passagieren rund 500 Fans mehr als bei den Fahrten zuvor aufnehmen kann. Und auch sonst lassen sich die Cruisaders nicht von Pillepalle wie verflogenem Gepäck (Reisegruppe Metal-Business-Veteranen) oder verdrehtem Knie (Hate Squads Bauke) aufhalten. Nach der Seenotübung und ein paar Hopfen-Smoothies (Wellness wird an Bord immer großgeschrieben) legenSteel Panther auf dem Pool-Deck los. Die Glam-Helden lassen nichts anbrennen und wissen die feierfreudige Meute gut zu unterhalten. Für ein geplantes ‘Baywatch’-Gedächtnisfoto-Shooting am nächsten Tag fordern sie ein Bikini-Girl im Privat-Jacuzzi. Wir organisieren das unter Einsatz unseres, äh, guten Rufs, doch die Technik macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn trotz Flugmodus hat sich die Uhr auf See in eine andere Zeitzone verabschiedet. Die Dame wird aber nebst Bruder und Nicht-Metal-Eltern (!) kurzerhand in die Hard Rock-Reisegruppe Xaja adoptiert. Danach ist sowieso keine Zeit mehr, denn Michael Starr und Stix Zadinia verdingen sich als Jury beim Synchronschwimmwettbewerb. Obwohl sich ein weibliches Paar aus dem Teilnehmerfeld mit riesigen Melonen (echten, also Obst) aufwertet, gewinnt am Ende doch das Pärchen, das den Fokus der Performance auf Bier legt. Steel Panther selbst steigern sich während der zweiten Show am Pool in neue Comedy-Eruptionen hinein und nennen einen Song selbstironisch ‘Meinen kleinen Schwanz’. Weil sonst niemand blankzieht, fühlen sich ein paar Sickos genötigt, im Whirlpool eine latent rudelbumsige FKK-Sause abzuziehen. Und damit sind nicht Fanta, Kola, Kekse gemeint.
Ältere Semester, aber immer noch sehr gut in Schuss:Vicious Rumors . Deren Set macht nicht nur höllisch Spaß, auch Schlagzeuger Larry Howe unterhält später in der Raucherecke an der Reling mit Anekdoten aus über drei Jahrzehnten Bay Area. Ähnliches gilt für die jungen KanadierSkull Fist , die nicht nur mit ihrem Old School-Metal begeistern sondern auch feiern, als gäbe es kein Morgen. Die jungen Wilden, eben. Nachteulen residieren nach den Shows im Kino, beim Karaoke oder in der Disco. Weniger Disco sind dagegenDio Legacy , die für ihre Huldigungen an den Großmeister insbesondere im schicke Huldigungen schicken Theater ihrerseits große Huldigungen durch das Publikum erfahren.Tri State Corner überzeugen ebenfalls mit großen Refrains, irritieren aber mit lauen Strophen, währendThe Waltons zeigen, dass Cow-Punk noch nicht ganz so tot ist, wie sich annehmen ließe. Das große Show-Tennis wird dann beiOmnium Gatherum geboten, die perfekt auf der schmalen Linie zwischen metallischer Synchron-Headbang-Härte und schmachtfähigem Herzschmerz tanzen.Skyline gehören zum Inventar des Schiffs und überzeugen mit ihren Coversongs, währendIron Savior anfänglich noch etwas unter Flugrost leiden. Immerhin ist Gitarrist und Sänger Piet Sielck ehrlich genug zuzugeben, dass dies eben vorkommt, wenn nur selten geprobt wird. Dieses Manko wird aber mit viel Spielfreude wettgemacht, sodass die Band ordentlich Applaus einheimst.
Derweil gibt es neben diversen Meet & Greet-Veranstaltungen einen Song-Workshop mitOst von Hämatom und ProduzentVincent Sorg zu besuchen, ebenso wie Lesungen von FMC-DesignerTim Eckhorst , ReporterveteranUwe Bahn sowie Ex-METAL HAMMER-ChefredakteurChristof Leim , der in seinen „Rock Stories“ unter anderem erzählt, wie er dereinst ohne Nahrung, aber rattenvoll bei Zakk Wylde im Kinderzimmer des Gästehauses aufwachte. Nachts übernimmt Leimsen die Koordination desAll-Star Jam und wird sich für den Rest seines Lebens anhören müssen, dass er sich die Bühne aktiv mit einem Black-Metaller geteilt hat. Feiner Spaß, genau wie die Late Night-Talkrunden mit KultmoderatorMaschine . Die ganz Hartgesottenen treffen sich morgens zum Joggen (Gummersbacher Grüße!) oder beim Metal Yoga mit Saskia Thode. Der Autor wäre dieser tausend gestorben. Ähnlich anstrengend ist dafür der Ausflflflug nach Marseille mit Kollege Sauermann. Der ist beruflflflflich dabei und wird von erschrockenen METAL HAMMER-Lesern gefragt, ob er sich ob des Line-ups der Cruise verlaufen hätte. Alte Kollegen treffen und eine „kurze“ Abhandlung über den hübschen alten Hafen – der Tag verflflfliegt, sodass alsbaldUgly Kid Joe auf der Bühne am Pool stehen. Die sehen zwar aus wie eine Hardcore-Band, spielen aber natürlich schmissigen und überraschend frisch wirkenden Hard Rock. Insofern wäre es falsch, die Band nur auf ihre bekanntesten Hits wie ‘Cats In The Cradle’ (schmacht) zu reduzieren. Beim Publikum haben sie es überraschend schwer, aberSavage Messiah wissen mit Heavy Metal mit leichtem Thrash-Einflflfluss zu gefallen – klasse, wenn dieser Sound auch noch von jungen Bands gepflflflegt wird.
Im Theater feiern derweilDestruction ihren vierten Frühling, denn die Verpflflflichtung von Schlagzeuger Randy Black und Gitarrist Damir Eskic´ macht sich richtig bezahlt: Mehr Bühnenpräsenz, mehr Headbanging, mehr Druck, wenn Soli gespielt werden. Dieser Energieschub wirkt sich auch positiv auf Schmier und Mike aus – die Show macht richtig Bock. Da schaut auch Jürgen „Ventor“ Reiacht Reil von Kreator gerne vorbei, der sonst an Bord, von Ehefrau Brigitte assistiert, für die Tattoos zuständig ist. Kollege Sauermann ist auch am Start und verwickelt den Autor in einen Zwei-Mann-Circle Pit – Saruman ist so unterknüppelt, dass er sich sogar freiwillig Death Metal anhören würde. So langsam treibt das Fehlen von bösem Deathoder Black Metal auf dem Schiff seltsame Blüten (Wink mit dem umgedrehten Kreuz!). Dann wieder zurück in die harte Realität der Seeleute. Trotz der Prämisse „ab 4 Grad kurze Hose“ pfeift ein eiskalter Wind übers Pool-Deck, der Band und Fans einiges abverlangt. Doch wer wenn nicht die vier Mädels vonThundermother hätte die Eier, dagegen anzurocken? Großartig. Ebenso wieBackyard Babies , die dem Theater eine massive Ladung Rock’n’Roll überhelfen, während sich Sänger Nicke Borg fragt, ob er denn eigentlich um diese Uhrzeit der Einzige noch nüchterne sei. Wer weiß schon, wie viele Metaller diese Nacht vom tentakelbartbewehrten Nodens auf seinem Seemuschelstreitwagen träumen? Am nächsten Morgen steht der Kahn in Barcelona, und die Meute macht sich auf zu Ausflflügen (hier ist die TUI-Crew stets hilfsbereit) oder dem Katerfrühstück. An dieser Stelle sei auch die gesamte Crew gelobt, die im Buffet-oder Schicki-Restaurant ebenso Gas gibt wie nachts an der Cocktail-Bar oder beim Housekeeping. So verwundert es auch nicht, dass das Pool-Deck bei der traditionellen Crew-Verabschiedung mit Mitgliedern aus Dutzenden verschiedenen Nationen vollsteht. Da der stets legere Kapitän Todd Burgman später noch fahren muss, gibt er seinen Kollegen den Hinweis mit dem Zaunpfahl, einer ganz speziellen Forderung der Metaller nachzukommen. „In den Pool!“ ist nach wie vor der Running Gag jeder Cruise.

Überschäumende Party: Steel Panther


Kombiniert sich: Death-Yoga zwischen Malle und Marseille


Für hartgesottene Fans: Full Metal Cruise-Tattoo


Immer noch absurd: Metal auf hoher See


Beruf oder Berufung? Steel Panther als Jury beim Synchronschwimmwettbewerb


Vicious Rumors


Ebenso wild wie bei der Verabschiedung geht es auf dem Pool-Deck mitThe Wild! weiter, denn die kanadischen Rampensäue sacken den Sonderpreis „Geheimtipp“ ein. In der kleinen Schau Bar spielenHate Squad ihr zweites Set, und der Laden wird immer voller, denn die Leute haben Bock auf den Hardcore-beseelten Thrash der deutschen Metalcore-Vorreiter. Auch wenn es mittlerweile neues Material gibt, zünden insbesondere die alten Hits wie ‘Not My God’ so gut, dass sich sogar ein wilder Moshpit vor der Bühne bildet – von jungen Hüpfern (Rotor-Bangen im sexy stöckelnden Abendkleid hat was) bis zum rüstigen Silberrücken. Der Autor fühlt sich daran erinnert, wie er Mitte der Neunziger im I.Q. ZERO-Batik-Longsleeve zur Loveparade nach Berlin gefahren ist. Crossover eben. Während die ÖsterreicherBlack Inhale mit groovigem Thrash nachlegen undKaizaa mit melodischem Deutsch-Rock das Pool-Deck auf gesittetere Zeiten vorbereiten, folgt das fifinale Highlight auf den späten Fuß. Sorry,Thundermother , dass wir es nicht zur zweiten Show im Theater geschafft haben, aberAudrey Horne waren in der kleinen Schau Bar einfach zu geil. Die Norweger um Sänger Toschie und Gitarrist Ice Dale liefern genau das, was Fans so lieben: kompromisslosen, schweißtreibenden, hautnahen Rock’n’Roll mit jeder Menge Arschtrittfaktor, Coolness und Glückshormonen. Gitarrensolo im Moshpit, Bewegungsareal bis hin zur Theke – die Bergener ziehen das große Show-Einmaleins aus der Tasche und hinterlassen eine Horde geflflashter Fans (und die Backyard Babies), die sich danach langsam, aber sicher in die Kojen trollen. Skurrile Szenen dann zum Abschied: Wer einen späten Rückflflug hat und noch auf einen kleinen Frühschoppen an Bord bleibt, sieht die Gäste der folgenden Cruise unter dem Namen „Jeckliner“ an Bord kommen: Beinharte Karnevalisten fifinden sich ein, um dem Kölschen Klüngel närrischer Dreifaltigkeit zu huldigen – und das kurz nach der Fastenzeit. Die Crew vermisst die Metaller bereits, und Leviathan wirft ein Auge auf seine potenziellen Opfer. Dann lieber trampen und in Malle-Dieters abgerocktem BMW zum Flughafen mitnehmen lassen. Tschüs Luxus, hallo Realität.


Fotos: N. Brunn, U. Schaarschmidt