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LIVE: Slash Featuring Myles Kennedy And The Conspirators


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 17.04.2019

+ Bishop Gunn Berlin: Verti Music Hall

Artikelbild für den Artikel "LIVE: Slash Featuring Myles Kennedy And The Conspirators" aus der Ausgabe 5/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 5/2019

Am Montag nach dem Country To Country-Festival an selber Stelle tummeln sich in der 2018 eröffneten, seelenlos-betoncharmanten Verti Music Hall schon wieder Menschen mit Hüten, Karohemden, Lederjacken und Cowboystiefeln. Musikalisch wie optisch treffen auch die bluesigen Rock’n’RollerBishop Gunn aus Mississippi den Ton. Jene bestreiten auf dieser Tournee ihre ersten Deutschlandkonzerte und fahren dafür lautstarken Jubel ein: Während Travis McCready, der Sänger mit der starken Stimme und dem Steven Tyler-Schal, schlagbehost über die Bühne tänzelt und seiner ...

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Am Montag nach dem Country To Country-Festival an selber Stelle tummeln sich in der 2018 eröffneten, seelenlos-betoncharmanten Verti Music Hall schon wieder Menschen mit Hüten, Karohemden, Lederjacken und Cowboystiefeln. Musikalisch wie optisch treffen auch die bluesigen Rock’n’RollerBishop Gunn aus Mississippi den Ton. Jene bestreiten auf dieser Tournee ihre ersten Deutschlandkonzerte und fahren dafür lautstarken Jubel ein: Während Travis McCready, der Sänger mit der starken Stimme und dem Steven Tyler-Schal, schlagbehost über die Bühne tänzelt und seiner Mundharmonika ungeahnten Drive entlockt, stimmen die Schrammelgitarren mit mächtig Dampf auf den

Abend ein. Einzig die kurze Spielzeit lässt sich als Manko des beseelten Auftritts anführen. Nur eine halbe Stunde später beschreitet die Hauptattraktion die Bühne – oder vielmehr: die Hauptattraktionen. Denn dass sich hinter dem NamensknäuelSlash Featuring Myles Kennedy And The Conspirators nicht nur fünf großartige Einzelkünstler, sondern auch eine hervorragend harmonierende Band verbirgt, wird in den folgenden zwei Stunden deutlich. Schon der Auftakt mit ‘The Call Of The Wild’ („Turn off the silence!“) und ‘Halo’ entfacht unbändige Kraft und erntet Jubel; die Bühnen- Show kann sich ebenso sehen lassen: Während Slash agil über die Bretter tollt und mal rhythmisch tippelnd, mal hüpfend, mal in Andeutung eines Spagats lässig Spielfreude ausstrahlt, posiert Ausnahmesänger Myles Kennedy fast lasziv auf einem Podest und steht dem Lockenkopf hinsichtlich Ausstrahlung und Präsenz in nichts nach. Die Conspirators zeigen sich indes publikumsnah und unterhaltsam – bei den Slash-Stücken ‘We’re All Gonna Die’ und (dem Lemmy Kilmister gewidmeten) ‘Doctor Alibi’ übernimmt Bassist Todd Kerns sogar den Gesang, bevor Kennedy zur Ballade ‘The Great Pretender’ zurückkehrt. Kurz darauf tritt er (an die Gitarre wechselnd) in den Hintergrund und überlässt dem Meister das Rampenlicht: Es folgt eine eindrucksvolle Frickelorgie, die sich minutenlang hinzieht, die ausverkaufte Halle in Atem hält und sogar die Pit-Bewegungen im vorderen Bereich überdauert – es ist noch immer eine wahre Freude, Slash in seiner Paradedisziplin zu erleben! Dank des starken Sets – inklusive neuer Stücke wie ‘My Antidote’ oder ‘Mind Your Manners’ (zu dem ein Bierbecher durch die Luft fliegt) – ist es auch nicht verwunderlich, dass ‘Nightrain’ der einzige Guns N’ Roses-Song des Abends bleibt: Das Quintett hat spätestens seit LIVING THE DREAM (2018) genug überzeugendes Eigenmaterial am Start, während die (offenkundigeren) Welt-Hits wieder unter ihrem ursprünglichen Banner mit Axl Rose und Co. dargeboten werden. Eine Trennung, die dem Saitenhexer Freiheiten einräumt und ihm mitsamt seiner bestens aufgelegten Truppe offensichtlich großen Spaß bereitet – dies zeigt neben der auffälligen gegenseitigen Ehrerbietung auch die auf ‘Anastacia’ folgende Endzeremonie, in der sich die Band extrem sympathisch von Berlin verabschiedet.

Beast In Black

+ Turmion Kätilöt Berlin: Columbia Theater

Die beste Nachricht zuerst: Die LED-Brillen sind zurück – und haben ein Update bekommen! Bevor Beast In Black zu ihrer Killerapplikation greifen, dürfen jedoch die LandsmännerTurmion Kätilöt ran. Die wilde Truppe geht als eine Art finnische Version von Eskimo Callboy durch und erinnert mit ihrem elektronischen Sound auch mal an Peter Tägtgrens Pain. Darüber hinaus punktet sie mit viel Untenrumhumor und einem Sänger, der unter seinem Lendenschurz nichts zu tragen scheint. Verstörend unterhaltsam, auch wenn die Sprachbarriere das Mitsingen erschwert.

Die stellt beiBeast In Black kein Hindernis mehr dar – auch nicht die hohen Tonlagen, die Sänger Yannis Papadopoulos immer wieder ansteuert, obwohl er insgesamt (stimmlich und in seinem Gebaren) aggressiver agiert als bei bisherigen Supportshows. Die etwas kleinere Headliner-Bühne (zuletzt waren sie vor Nightwish zu sehen) tut den Finnen gut, führt zwangsläufig zu mehr Interaktion untereinander und damit geballter Angriffsstärke. Die Saitenfraktion um Anton Kabanen hat sichtlich Spaß am Spielen und Posen, das Publikum im vollgepackten Club feiert flinke Soloeskapaden und knackige Riff-Attacken ab und zeigt sich durchweg textsicher; dabei schaffen es Beast In Black an diesem Abend, fast alle (!) Songs ihrer beiden Alben zu spielen. Ein Livekeyboarder würde dem Fanfaren-Metal sicher noch guttun, trotzdem ballern ‘Eternal Fire’, ‘Die By The Blade’ und ‘Repentless’ sauber. Vor allem mit dem etwas handzahmen neuen Battle Beast-Album im Hinterkopf macht die hier zelebrierte Übertreibung jede Menge Spaß! ‘Zodd The Immortal’ erfreut nicht nur die zahlreich anwesenden Manga-Fans, sondern leitet auch den nerdigen Teil des Abends ein: ‘Sweet True Lies’ kehrt noch mal Achtziger-Patina in den Vordergrund, und zum schrägen Hit ‘Crazy, Mad, Insane’ darf Papadopoulos in Zwangsjacke die Laufschrift- LED-Brille tragen, während die restliche Band mit blinkenden ‘Ninja Turtles’-Masken auftrumpft. Ein starkes Finale der ersten Headliner-Europatour!
SEBASTIAN KESSLER

Kissin’ Dynamite

+ John Diva & The Rockets Of Love Nürnberg: Der Hirsch

Kissin‘ Dynamite


MAMA SAID ROCK IS DEAD? Mitnichten! ObgleichJohn Diva & The Rockets Of Love optisch eine Spur zu viel Tamtam auffahren – hautenge Leggings, Perücken, Glitzer –, zelebriert der Trupp seinen Achtziger Jahre-Rock solide und läutet den Abend mit einer guten Portion Spaß ein. Während ein Großteil der Besucher dazu bereit ist, sich auf dieses Steel Pantherähnliche Gehabe einzulassen, schweben über vereinzelten Köpfen doch ziemlich große Fragezeichen, und manch einer scheint seine Verwirrung gar in zu viel Alkohol ertränkt zu haben. Desaströser Pegel zu so früher Stunde – uncool. Doch auch umherschwankende Schluckspechte werden vom Nürnberger Publikum beherzt aufgefangen. Die Stimmung ist beschwingt und entspannt am heutigen Donnerstag, und die Spielstätte beinahe ausverkauft. Schließlich sindKissin’ Dynamite schon lange kein Geheimtipp mehr, und auch die vorangegangenen Konzerte mit den Kollegen von Powerwolf und Amaranthe haben sicher ihren Teil dazu beigetragen, dass die Schwaben auf ihrer „Europe In Ecstasy“-Tour solch großen Zuspruch erfahren. Auf dem Zettel haben Frontmann Hannes Braun und seine Mitstreiter ein Motto ganz groß: Bring back stadium Rock! Tiefstapeln ist nicht. Und, ja, die eingängigen Refrains sowie vor allem das überzeugende Auftreten und die großen Posen der jungen Musiker katapultieren Kissin’ Dynamite – zumindest gedanklich – wirklich auf die großen Bühnen dieser Welt. Zu ‘I’ve Got The Fire’ heizen Band und Publikum gemeinsam gen großer Heavy Metal-Party. Den Test auf Textsicherheit zu ‘Sex Is War’ besteht Nürnberg mit einer glatten Eins (inklusive Sternchen), während der gesamte Raum wenig später Gastsängerin Anna Brunner zu ‘Ecstasy’ feiert. Und weil die Schwaben bekanntlich geizig – oder, wie es Sänger Hannes ausdrückt, sparsam – sind, muss sich besagte Kooperation wirklich lohnen. So bereichert die Musikerin auch ‘Sleaze Deluxe’ und das finale ‘Flying Colours’ mit ihrem prägnanten Organ. Apropos Schwaben: Natürlich bleiben Bundesland-Bashing und charmante Sticheleien seitens der Band an diesem Abend nicht aus. Nürnberg hat euch trotzdem lieb! Passend zur Thematik kommt ‘Steel Of Swabia’ daher. Zum anschließenden ‘I Will Be King’ nimmt Hannes auf einem pompösen Thron Platz. An Selbstbewusstsein mangelt es Kissin’ Dynamite zu keiner Sekunde – das ist bekannt und passt zum Gesamtkonzept. Mit ‘Still Around’ steht die erste Zugabe an und leitet langsam auf das Highlight dieses Konzertabends hin: ‘You’re Not Alone’ ist und bleibt unumstritten die Band-Hymne schlechthin, vermittelt Wir-Gefühl und macht uns kollektiv zur großen Metal-Familie. Einfach schön und ein durchweg gelungener Abschluss.

LISA GRATZKE

Mike Shinoda

+ Tiavo München: Zenith

Wenn ein schwarzer Vorhang die große Halle in Freimann um die Hälfte verkleinert, waren Booker und/oder Band entweder etwas zu optimistisch, oder Ton- und/oder Muffathalle schon belegt. Wie dem auch sei: Der erste Eindruck beim Stelldichein des Linkin Park-Kreativhirns ist tendenziell eher getrübt, wenngleich das anwesende Rock am Ring-Publikum entspannt und guter Laune ist. Letztere vermag nicht mal das deutsche Hiphop-DuoTiavo zu vermiesen, die eine schreckliche Melange aus Casper und Alligatoah abliefern. Die Leute finden es leider durchaus okay. Spätestens jetzt fühlt sich der Autor definitiv zu alt hier. Es befinden sich zwar auch Gestalten mit grauen Haaren in der als akustisch schwierig geltenden Halle im Münchener Norden, doch diese begleiten und beaufsichtigen offensichtlich durchweg ihren noch minderjährigen Nachwuchs.

AlsMike Shinoda loslegt, lässt er erst mal ordentlich und fett den Bass wummern und rappt den Fort Minor- Track ‘Petrified’ darüber. Nach dem emotionalen ‘Hold It Together’ und Linkin Parks ‘When They Come For Me’ (für das Shinoda die E-Gitarre zückt und pumpende Power Chords raushaut) ist klar, zwischen welchen Koordinaten sich der Abend abspielen wird: Seinem Solodebüt POST TRAUMATIC, seinem früheren Nebenprojekt und den Hits sowie jüngeren Tracks seiner Haupt-Band. Klar, ‘Nobody Can Save Me’, ‘Roads Untraveled’, ‘Heavy’ und ‘In The End’, bei dem die Menge Chester Benningtons Gesang übernimmt, evozieren die stärkeren Gefühle im Set. Doch auch bei anderen Nummern wie ‘Crossing A Line’, ‘About You’ oder ‘Make It Up As I Go’ macht der 42-Jährige deutlich, über welche Qualitäten und Weitsichten er verfügt. Im Zentrum des Geschehens (zwischen Schlagzeuger und Keyboarder/Gitarrist) wechselt Mike vom Keyboard zum Sechssaiter zum Sampler, während er durchgehend singt oder rappt. Musikalische Grenzen oder Barrieren kennt er nicht – oder überspringt sie zu ausgeklügelten Beats. Wer hierher gekommen ist und Linkin Park light erwartet hat, geht möglicherweise etwas irritiert von dannen (wie das nicht wenige während der Zugabe tun). Der lauteste Moment der Show ist dann auch folgerichtig, als Shinoda Applaus für seinen im Juli 2017 verstorbenen Band- Intimus und Freund einfordert. „Vor einem Jahr konnten wir beim Gedanken an Chester nicht lächeln, aber jetzt könnt ihr über Chester lächeln“, so der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln über Benningtons künstlerisches sowie menschliches Vermächtnis, und zieht damit eine Art emotionales Fazit für sich und die Linkin Park-Fans.
LOTHAR GERBER

Oomph!

+ Nervenbeisser Leipzig: Täubchenthal

Man könnte meinen, dass ein Konzert an einem Dienstagabend nicht besonders gut besucht ist – weit gefehlt! Wenn die (inzwischen) Urgesteine Oomph! zum Feiern aufrufen, kommen die Leipziger in Scharen. Vor vollem Haus machen zunächstNervenbeisser den Anfang. Jedoch gelingt es den Rheinländern leider nicht, das Publikum richtig auf Temperatur zu bringen, obwohl sie ihr Bestes geben. Umso brodelnder ist die Stimmung nach einer kurzen Umbaupause: Als die ersten Töne erklingen und die HerrenOomph! nach und nach die Bühne betreten, befürchtet man fast, das Dach des kleinen Täubchenthals könne vor lauter Begeisterungsstürmen davonfliegen. Wie gewohnt reißen Dero und seine Kollegen einfach alles und jeden mit sich. Ganz besonders alteingesessene Fans kommen an diesem Abend auf ihre Kosten, denn die Setlist enthält viele Klassiker wie ‘Der neue Gott‘ oder eine sehr gelungene Akustikversion von ‘Fieber’. Bei den Gassenhauern ‘Augen auf’, ‘Labyrinth’ und ‘Gott ist ein Popstar’ macht das Publikum unglaublich Lärm und verleitet Frontmann Dero sogar zu einer kleinen Stagedive-Einlage. Auch mit den neuen Stücken ‘Tausend Mann und ein Befehl’, ‘Im Namen des Vaters’ und ‘Kein Liebeslied’ treffen die Niedersachsen erneut voll ins Schwarze. Nach einer beachtlichen Spielzeit von knapp zwei Stunden inklusive Zugaben ist das Konzert gefühlt dennoch viel zu schnell vorbei. Damit haben die Koryphäen in Sachen NDH und Goth-Rock einmal mehr bewiesen, dass sie auch nach 30 Jahren Band-Geschichte nicht müde geworden sind und wissen, wie man eine ordentliche Show abfeuert.

HEIDI SKROBANSKI

Overkill

+ Destruction + Flotsam And Jetsam + Chronosphere Berlin: Columbia Theater

Overkill


Thrashig willkommen zum Killfest 2019 – ein Abend voller Geprügel steht bevor! Statt der ursprünglich angekündigten Meshiaak eröffnen die (stilistisch perfekt passenden) GriechenChronosphere den wilden Reigen mit jugendlicher Energie und einem von frühen Metallica inspirierten Klang, obgleich der bellende Gitarrist Spyros Lafias optisch eher an Tante Flynn erinnert. Die uniformierten Rothosen provozieren mit fetzigen Thrashern wie ‘Envirusment’, ‘Warriors’, ‘Picking Up My Pieces’ oder ‘Brutal Decay’ einige Mitnicker, ernten den meisten Zuspruch allerdings erwartungsgemäß beim abschließenden ‘Ace Of Spades’-Cover. Kann man machen! Die USKultgruppeFlotsam And Jetsam wird mit Johlen und Sprechchören begrüßt und zockt nach dem THE END OF CHAOS-Dosenöffner ‘Prisoner Of Time’ ein buntes Programm: Besonders gut an kommt „old shit“ wie ‘Desecrator’ vom Debüt; Feierlaune entfachen aber auch jüngere Nummern wie das herrliche ‘Iron Maiden’ oder das neue ‘Demolition Man’ („Kauft das Album, damit wir etwas zu essen bekommen!“, fordert Goldkehle Eric Knutson, und nimmt eine Flotsam-Fahne aus dem Publikum entgegen). Zwar bleibt das Quintett das von den ersten Reihen geforderte ‘Iron Tears’ schuldig, aber mit dem Klassiker ‘Suffer The Masses’ kommen Berlins Thrasher voll auf ihre Kosten und bereiten „den Flotz“ nach deren kurzem Set einen würdigen Abgang. Durchatmen!

Nach diesem eigenwilligen Stilmix gibt es beiDestruction keine Kompromisse, sondern die harte Realität: Die deutschen Veteranen treten seit Kurzem zu viert in den Ring und profitieren spürbar von der frischen Energie von Junggitarrist Damir Eskic, der den Altvorderen in Sachen Anschlag in nichts nachsteht und die Meute früh mit interaktiven Spielchen für sich einnimmt. Das Set kommt indes einer erbarmungslosen Tracht Prügel gleich: Nach ‘Curse The Gods’ wuchten Schmier und seine Mannen früh den Hit ‘Nailed To The Cross’ unters Volk und entfesseln den Pit; zu ‘Mad Butcher’ steigt rot erleuchteter Dampf empor, und bei ‘Total Desaster’ erliegt der Saal kollektivem Headbangen, dass es eine wahre Freude ist. Dann setzt der „Butcher“ unter Kettensägengeräuschen zum erneuten „Strike“ an, und Schmier gesteht: „Berlin, wir lieben euch!“ Auf das im Sommer erscheinende neue Album darf man sich nach dieser Leistung jetzt schon freuen! Als letzter Höhepunkt des starken Auftritts fällt die gekonnte Parallelpose der drei Saitenhexer zum finalen ‘Bestial Invasion’ ins Auge – was soll jetzt noch kommen? Ach ja:Overkill ! Die vehement von den Fans geforderten US-Amis steigen mit ‘Last Man Standing’ ein und lassen sich vom erbarmungslosen Getrommel von Jason Bittner an treiben; die Gangshouts der Saitenfraktion hallen durchs prall gefüllte Theater und werden hundertfach erwidert. Nur Bobby „Blitz“ Ellsworth verschwindet immer wieder von der Bühne, um bald mit Vollgas wieder nach vorn zu wetzen und gestenreich den Pit zu entfesseln. Warum ausgerechnet das etwas lahmere ‘Distortion’ vom neuen Werk live gespielt wird, bleibt unklar – viel mehr gibt es aber nicht zu kritisieren: Auf Blitz’ Frage „Feeling pretty good tonight?“, zu der er den eigenen Puls checkt, antwortet der Saal mit lautem Grölen; ähnliche Reaktionen provoziert der Dank des Lockenkopfs für den glorreichen Platz fünf in den deutschen Charts. „Zurück in die Neunziger, als ihr alle Teenager wart – genau wie ich“, grinst Blitz vor ‘Bastard Nation’, und verrät vor ‘Mean, Green, Killing Machine’: „Wir lieben den neuen Scheiß ebenso sehr wie den alten!“ Berlin kauft es der Sirene bedingungslos ab, spürt „The Fire“ und wagt nach dem niederstreckenden ‘Rotten To The Core’ ein letztes Aufbäumen zur Zugabe, die aus ‘Ironbound’ und einem feinen Mix aus dem Dauerbrenner ‘Fuck You’ sowie der herrlichen Heimathymne ‘Welcome To The Garden State’ besteht. Haare runter, Mittelfinger in die Höhe, Schmerzen verdrängt – die Dominanz der alten Garde ist weiterhin überdeutlich, und an diesem bärenstarken Abend besteht kein Zweifel: Thrash lebt und vereint auf wie vor der Bühne Generationen!
KATRIN RIEDL

Flotsam And Jetsam


Destruction


Sólstafir: Berlin: Apostel-Paulus-Kirche

Gänzlich ohne belästigende Vor-Band und passend zur nasskalten, November-haften Witterung laden die isländischen Atmosphärekünstler in das außergewöhnliche Ambiente der Apostel-Paulus-Kirche. Dass sie neben hochbewegenden regulären Konzerten auch die Kür der außergewöhnlichen Darbietung beherrschen, hatten Sólstafir bereits 2015 auf dem Roadburn Festival unter Beweis gestellt, wo sie den Kult-Wikingerstreifen ‘Hrafninn flýgur’/‘Der Flug des Raben’ aus dem Jahr 1984 mit ihrer instrumentalen Score-Interpretation untermalten. Am heutigen Samstagabend hingegen bieten die heiligen Hallen des neogotischen Backsteinbaus die perfekte Kulisse für eine ehrfürchtige musikalische Messe. Ergänzt um einen Keyboarder sowie ein vierköpfiges weibliches Streicherensemble betritt das Quartett um Viertel nach acht die Bühne und stürzt sich zur kongenial begleitenden Stimmungslichtregie in ein exklusives Set aus ausgewählten Elegien. Trommler Hallgrímur Jón „Grimsi“ Hallgrímsson, mit weißem Hemd und schmalem Lt. Castillo-Schlips, ist dafür eigens hinter einer vor zu viel Schlagzeugschall schützenden Plexiglaswand platziert worden, auch wenn die Drums zuweilen noch immer die leiseren Klänge übertönen. Bassist Svavar Austman Traustason trägt auch im Gotteshaus seine markanten Zöpfe sowie Sonnenbrille zur Schau, während Gitarrist Sæþór Maríus Sæþórsson den alten JOSHUA TREE-Look von The Edge mit einem staubigen Fields Of The Nephilim-Faktor perfektioniert hat. Auch musikalisch sind (Eiswüsten-) Einöde und Italo-Western-Gothic gute Anhaltspunkte für den Tanz aus Schwer- und Anmut, den Sólstafir andächtig zelebrieren. Selbstredend gibt es bei einer Heavy Metal-Hochkultur-Veranstaltung wie dieser zur Mitte eine Pause; im Anschluss spielen zunächst die Streicher kammermusikalisch einstimmend auf. Eine der wenigen Ansagen gebührt ‘Necrologue’, welches Sänger Aðalbjörn Tryggvason einem Freund widmet, der den Freitod gewählt hat. Das epische wie hymnische ‘Fjara’ im Anschluss weiß wieder etwas von der noch drückenden emotionalen Schwere zu nehmen und provoziert mit cooler Coda gar einen Mitklatschteil. Zum großen Finale von ‘Goddess Of The Ages’ gibt sich Tryggvason losgelöst, besteigt kurz die Kanzel und streift sogar tuchfühlend durchs Publikum. Ein fürwahr furioses Finale, welches mit dem zuvor flugs einstudierten Publikumspartizipationsschlachtruf in einem erweckungsgleichen gigantischen Crescendo gipfelt.
FRANK THIESSIES

Crippled Black Phoenix

+ Soft Kill + Fotocrime Berlin: Bi Nuu

Ein schwarz gemischtes Völkchen versammelt sich an diesem Donnerstag im Club unter den U-Bahngleisen: Gealterte Goten, Träumer, intellektuelle Hipster und sogar einige Metaller kommen zusammen, um im Umbruch von Winter zu Frühling einen schöngeistigen Abend zu erleben und sich in Melancholie zu suhlen. Anfangs bestimmt jedoch gotisches Tanzflflflair die Stimmung und eine dichte Nebelwand enthüllt erst spät, dass beiFotocrime statt eines Trios einzig der bebrillte R. Pattern aka Ryan Patterson die Schwaden gestenreich durchdringt. Selbiges gelingt ihm auch musikalisch mit vollmundig-dunkler Stimme und düsteren Post Punk-Nummern wie ‘Chaos In Cosmos’. Zur brandneuen, fragilen Liebesballade ‘Hold Me In The Night’ bittet der US-Amerikaner um Ruhe, doch der letzte Glaube an die Menschheit erodiert selbst im sensiblen Gotenreich. Gut, dass ‘Plate Glass Eyes’ aufgewühlt einschlägt und die Enttäuschung hinfortwettert, bevor Patterson die Metropole, ihre Musikgeschichte und den Film ‘Der Himmel über Berlin’ lobt – welch überraschend wunderbarer Auftakt! Seine LandsleuteSoft Kill hellen optisch wie stimmlich auf: Das Quartett zockt eigenen Angaben zufolge „Sad Rock“, agiert statt beseelt-rockig aber eher verträumt und driftet bald ins Nihilistische ab. Den emotionalen Höhepunkt markieren ‘Bunny Room’ und ‘Savior’ vom Album SAVIOR (2018), auf dem Sänger Tobias Grave unter anderem vom drohenden Tod seines neugeborenen Sohns erzählt. Am Ende bleibt die Dreiviertelstunde auch aufgrund langer Instrumental-Passagen etwas eintönig und wirkt je nach Zustand hypnotisch-verträumt bis einschläfernd.

Als Aufwecker dient danach das verstörende Intro des aktuellenCrippled Black Phoenix -Werks GREAT ESCAPE, während das angeschlossene ‘To You I Give’ Trost zu spenden vermag und als Balsam für die Seele dient. Diese Empfififindung setzt sich nach Phasen metallischen Aufbegehrens und progressiven Geschwurbels mit ‘Caring Breeds The Horror’ fort, das erst ruhig dahinwandert, dann aber blubbernd und mit dominantem Live-Keyboard auftrumpft und erst den Blick für die achtköpfifige Besetzung auf der Minibühne sensibilisiert. Bei ‘Rain Black, Reign Heavy’ sowie ‘Nebulas’, dem „Song für die einsamen Seelen“, rücken die beiden Damen stärker in den Vordergrund und betören an Gesang (Belinda Kordic) und Trompete (Helen Stanley). Ähnlich tiefgehend schlägt ‘Great Escape Pt. 1’ ein, das laut Sänger Daniel Änghede die Musik als Heimat in depressiven Phasen würdigt und tatsächlich in Traurigkeit hüllt, aber auch Wärme vermittelt. Das gilt im Übrigen für das gesamte Konzert, bei dem die Art-Rocker erneut die Balance zwischen Doom und Prog perfektionieren und mit Tiefgang wie instrumentaler Vielfalt Berlin in einen Strudel der Emotionen versetzen, der auch die Band selbst berührt: Bei den letzten Stücken sieht man Gründer Justin Greaves sein Instrument im Rausch der Gefühle derart stark malträtieren, dass es fast ungesund wirkt. Doch aus Schmerz resultiert bekanntlich große Kunst – und welche Band könnte das eindringlicher zeigen als Crippled Black Phoenix an diesem Abend?
KATRIN RIEDL

Tribulation

+ Gaahls Wyrd + Uada + Idle Hands Berlin: Bi Nuu

Tribulation


Auf der Suche nach einem geeigneten Support für die „Northern Ghosts“-Tour von Tribulation und Gaahls Wyrd stoppte der Finger auf der Weltkarte offenbar in Portland. Sowohl die Newcomer Idle Hands als auch die Black Metal-Formation Uada kommen aus der Stadt des US-amerikanischen Küstenstaats Oregon. Nach der Konzertabenderöffnung vonIdle Hands erheben sich im weißlichen Scheinwerfernebel die vier Gestalten vonUada . Auch wenn man aufgrund der spärlichen Beleuchtung und schwarzen Kapuzen kein großartig visuelles Spektakel geboten bekommt, stützt das Bühnenbild dennoch die musikalisch düstere Atmosphäre. Uada könnten leicht auch einer skandinavischen Region entstammen, denn den Sound für kühle, bergische Waldlandschaften bringt die Band definitiv mit. Der Übergang zu den norwegischenGaahls Wyrd folgt daher im Anschluss geradezu nahtlos.

Die Kapelle, welche der ehemalige Gorgoroth-Sänger Gaahl um sich geschart hat, stellt zunächst mit dem zehnminütigen, klanglich sehr monotonen Opener ‘Steg’ die Ausdauer des Publikums auf die Probe – ein Song, den sich Gaahl aus einem seiner anderen Musikprojekte (Trelldom) geliehen hat. Da das Debütalbum von Gaahls Wyrd erst für den 31. Mai angesetzt ist, wundert es nicht, dass neben der aktuellen Single ‘Ghost Invited’ kaum Band-eigene Lieder gespielt werden. Vielmehr geht es auf Reisen durch Gaahls Musikkarriere mit Gorgoroth-, God Seed- und Trelldom-Covern. Jenen wird live ein immens finsterer, eindringlicher Charakter verliehen. Das liegt zum einen an den sehr ruhigen, melodischen Elementen, in die härtere Riffs und Blastbeats verwoben sind, und zum anderen an Gaahls Bühnenperson: Langsame, pathetische Bewegungen stützen seine sehr tief dröhnende Stimme. Freundlich verabschiedet sich der Norweger am Ende per Handschlag von den Gästen in der ersten Reihe.

Dass ein Großteil des Publikums an diesem Abend nicht wegenTribulation den Weg ins Berliner Bi Nuu gefunden hat, merkt man an den stark gelichteten Reihen des Raums zu Beginn des zweiten Headliners. Wie zu erwarten spielen sich Tribulation hauptsächlich durch die Lieder ihrer aktuellen Platte DOWN BELOW, die letztes Jahr veröffentlicht wurde. Es zeigt sich schnell, dass der leicht angeschwärzte Death Metal der Schweden doch einen recht starken Gegensatz zum zuvor Gehörten bildet. Die angenehme Eindringlichkeit scheint vollkommen verflogen, dafür setzen Tribulation auf einen härteren, wachrüttelnden Sound, dem es jedoch stark an emotionaler Tiefe fehlt. Das Bühnengeschehen wirkt zuweilen sogar arg gekünstelt. Gitarrist Jonathan Hultén scheint sich bei der Überfahrt von Skandinavien nach Deutschland wohl in einigen Fischernetzen verfangen zu haben, die er nun mit übertrieben theatralischen – fast schon tänzerischen – Bewegungen wieder loszuwerden versucht. Das wirkt zwar zum Teil überaus komisch, lenkt aber im Verlauf des Konzerts immer mehr von der eigentlichen Musik ab – weniger ist manchmal eben doch echter!
CELIA WOITAS

Gaahls Wyrd


Tribulation


Uada


TOUR DES MONATS

Festival


Foto: F. Stangl

Fotos: C. Wenig