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Lobt euer Kind! Aber richtig


kinder! - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 24.06.2021

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Bildquelle: kinder!, Ausgabe 8/2021

Stellt euch vor, ihr lernt gerade Tennisspielen. Sosehr ihr euch auch bemüht: Der Ball landet beim Aufschlag meist im Netz oder im Aus. Heute spielt ihr im Doppel mit einem neuen Partner. Euer erster Aufschlag sitzt perfekt, euer Partner sagt: „Hey, der Aufschlag ist ja der Hammer!“ Wie fühlt ihr euch? Seid ihr stolz? Fühlt ihr euch jetzt selbstbewusster? Oder habt ihr vielleicht doch mehr Angst davor, dass ihr beim nächsten Mal den Ball nicht mehr so gut trefft? „Lob ist kompliziert. Forschung und Beobachtung legen nahe, dass es nicht darum geht, wie viel wir loben, sondern wie wir Kinder richtig loben“, erklärt Joanna Faber. Sie ist die Tochter der berühmten amerikanischen Familienberaterin Adele Faber und mittlerweile selbst Pädagogin, Autorin und ...

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... Mutter von drei Kindern. Sie hat anhand von etlichen praktischen Fällen festgestellt, dass falsches Lob zu Misstrauen, Demotivation, Verzweiflung und Angst führen kann.

Falsches Lob mit Folgen

Dabei wollen Eltern doch gerade das Gegenteil. Auf die Frage, warum sie ihre Kinder loben, antworten die meisten von ihnen: „Wir versuchen, sie auf ihre Stärken aufmerksam zu machen“ oder „Wir möchten, dass sie sich sicher fühlen“ und „Wir wollen ihr Selbstwertgefühl steigern, sie ermutigen, mehr zu versuchen“.

Laut einer Studie des Psychologischen Instituts der Universität Zürich ist mittlerweile erwiesen, dass ein Fähigkeitslob („Du bist so klug!“) im Gegensatz zu einem Anstrengungslob („Da hast du dir aber Mühe gegeben.“) dazu führt, dass Kinder herausfordernde Aufgaben künftig eher meiden. Der Grund dafür ist, dass Fähigkeiten im Gegensatz zur Anstrengung weniger veränderlich erscheinen – und Kinder es eher vermeiden möchten, als „unfähig“ dazustehen. Auch ein Vergleichslob („Das hast du besser gemacht als die anderen.“) wirkt im Gegensatz zum Meisterungslob („Jetzt hast du es geschafft.“) auf die intrinsische Motivation eher negativ, stellt Dr. Martin Tomasik in diesem Bericht fest. Der Grund: Es suggeriert Kindern, dass es wichtiger ist, besser zu sein, als etwas tatsächlich zu können.

Auch übertriebenes Lob wie „Das ist das schönste Bild, das ich jemals gesehen habe“ schadet dem Kind. Besonders Kinder mit einem schwachen Selbstwertgefühl steigern daraufhin nicht ihre Anstrengungen, sondern suchen sich dann meist die einfachsten Aufgaben. Besser: „Das ist ein schönes Bild, das du da gemalt hast.“

Besonders drastisch beschreibt der im Juli 2019 verstorbene dänische Familientherapeut Jesper Juul die Folgen übertriebenen Lobs in seinem Buch „Aus Erziehung wird Beziehung“. Dort beschäftigt er sich mit der Frage, wie es dazu kommen kann, dass Jugendliche, die aus sogenanntem „guten Hause“ kommen, Gewalttaten begehen. Es sei typisch für Eltern in diesen Kreisen, permanent Loblieder auf ihren Nachwuchs anzustimmen. „Und was ihre Kinder dann entwickeln, ist kein gesundes Selbstwertgefühl, sondern sie werden zu angeheizten, aufgeblasenen Egos“, so Juul, „Da braucht nur eine Kleinigkeit vorzufallen, und schon lösen sich diese Egos in nichts auf. Eine kleine Enttäuschung, dass die Zensuren nicht gut genug sind, reicht diesen jungen Menschen, um in Wut auszubrechen. Diese Kinder wurden zwar dauernd gelobt und mit großen Worten betört, aber sie haben keine Wärme und authentische Nähe erfahren. Mit anderen Worten: Diese Kinder sind von ihren Eltern konsequent betrogen worden.“

Kinder richtig loben und motivieren

Was funktioniert also? Die beste Antwort darauf hat der israelische Familienpsychologe Dr. Haim Ginott: „Das wertvollste Geschenk, das wir einem Kind machen können, ist ein positives und realistisches Bild von sich selbst. Aber wie formt sich dieses Selbstbild? Nicht von einem Moment auf den anderen, sondern langsam, eine Erfahrung nach der anderen.“ Das trägt zu einem Bewusstsein der Kinder über sich selbst bei – und so entsteht: ECHTES Selbstbewusstsein.

„Das Baby liebt es, wenn du diese lustigen Geräusche machst. Ich sehe ein breites Lächeln auf seinem Gesicht“

„Das ist ein schönes Bild, das du gemalt hast“

Wer seine Kinder also richtig loben will, muss wissen, dass Lob nichts anderes als das Gegenteil von negativer Kritik ist. Und deshalb sollte es realistisch und begründet sein. Echtes Lob ist ehrliche Anerkennung. Und deshalb ist es nicht immer angemessen, zu loben.

Aber es gibt eben auch Zeiten, zu denen Kinder ermutigende Sätze brauchen. Sie zeigen ihr gemaltes Bild und wollen wissen, ob wir es mögen. Was ist die beste Reaktion darauf? Gemeinsam mit Autorenkollegin Julie King hat Pädagogin Joanna Faber einige Regeln für echtes Lob aufgestellt. Wir haben ihre fünf Tipps für Eltern von Kindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren zusammengefasst.

Gernot Körner

Zum Weiterlesen

Mit ihrer Autorenkollegin Julie King hat Pädagogin Joanna Faber einige Regeln für echtes Lob aufgestellt (”Wie Sie sprechen sollten, damit Ihr Kind Sie versteht”, Verlag Oberstebrink, 24 Euro). Wir haben ihre fünf Tipps für Eltern von Kindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren zusammengefasst.