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LOCKENDE KARIBIK


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TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 10/2023 vom 13.12.2022

CAYMAN ISLANDS

Artikelbild für den Artikel "LOCKENDE KARIBIK" aus der Ausgabe 10/2023 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 10/2023

»SO INDIVIDUELL UNTERWEGS HAT MAN ALS UNTERWASSERSPORTLER MEHR ZEIT UND BEWEGUNGS-FREIHEIT ALS BEI ORGANISIER-TEN TAUCHAUSFLÜGEN.«

Es ist kurz nach 10 Uhr. Eine graue, staubige Limousine rollt langsam über eine schmale Asphaltstraße. Durch das offene Fenster weht heiße Luft ins Wageninnere. Auf Jans Stirn glitzern Schweißtropfen. Bekleidet mit einem knappen Tanktop, dunkler Sonnenbrille auf der Nase und breitem Lächeln im Gesicht scheint er die Fahrt in der Hitze zu genießen. Außer einigen alten Rostlauben am Straßenrand sind keine weiteren Autos zu sehen. Es dauert nur ein paar Minuten, um vom Südufer auf die Nordseite der Insel zu gelangen. Sobald die Vegetation spärlicher wird, ändert sich der Hintergrund. Dann dominieren dunkle Blautöne. Ein kurzer, sandiger Weg führt zu einem verblichenen Pavillon mit Palmblattdach. Es dauert eine Weile, bis sich die Augen an die Helligkeit des ...

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... Sands gewöhnt haben, damit sie die Blautöne im Hintergrund vollständig wahrnehmen können. Es ist kein gewöhnliches Blau. Es ist Karibikblau.

Voll im Flow

Wir sind die ersten. Sicher kommen noch viele Touristen an diesen malerischen Platz am Strand, denke ich mir. Schnell streife ich Maske und Flossen über und schwimme zur Riffkante, die sich einige hundert Meter vor der Küste des Karibischen Meeres erstreckt. Die Tagestauchboote sind bereits unterwegs und setzen ihre Gäste an verschiedenen Spots entlang der 2,5 Kilometer langen Bloody Bay von Little Cayman ab. Diese sind nicht immer zugänglich, da sie den vorherrschenden Nordwinden ausgesetzt sind. Aber heute ist das Meer ruhig, und das Wasser glasklar. Um zum Riff zu gelangen, bedarf es schnorchelnd dennoch einiger Anstrengung. Doch hat man es erst geschafft, wird man mit einer der fantastischsten Unterwasserlandschaften der Karibik belohnt. So individuell unterwegs hat man als Unterwassersportler mehr Zeit und Bewegungsfreiheit als bei organisierten Tauchausflügen. Für mich bedeutet das in Verbindung mit der Wassertemperatur von 28 Grad Celsius, dass man mich erst am Nachmittag wieder am Strand sehen wird.

Die Schönheit des Riffs wirkt absurd. Der flache Meeresboden scheint vollständig von Gorgonien eingenommen zu sein. Nur einige gelbe und violette Schwämme stechen als Farbklekse daraus hervor und dekorieren das submarine Farbenspektrum. Schnapper- und Grunzer-Schwärme tummeln sich im Windschatten, den die in der Dünung hin und her wiegenden Gorgonien bieten. Bei jeder Wasserbewegung schwingen die Fische in synchronem Rhythmus mit. Da die gesamte Bloody Bay ein Nationalpark ist, in dem weder Fischfang noch Speerfischen erlaubt ist, haben viele großgewachsene Nassau- und Tigerzackenbarsche hier ihr Habitat. Die außergewöhnliche, fast irreal wirkende Korallenlandschaft würden einen ambitionierten Fotografen und seine Kamera-Speicherkarte normalerweise »bis zum Anschlag«. fordern. Doch der von der sengenden Karibiksonne verbrannte Rücken und Nacken werfen mich, schneller als mir lieb ist, zurück ins Hier und Jetzt. Als der »verhinderte Lichtbildner« an den Strand zurückkehrt, scheint Jan noch immer »voll im Flow«. Versonnen sitzt er mit seiner dunklen Sonnenbrille auf einem Stuhl und beobachtet den blauen Horizont. Nur das Lächeln in seinem Gesicht ist noch einen Tick breiter. Erstaunlicherweise sind immer noch keine anderen Touristen am Strand. Aber vielleicht sollte ja keiner kommen?

Ein Hauch von Hollywood

Zehn Minuten später parkt die graue, staubige Limousine vor der Autovermietung, keine drei Kilometer von dem verblichenen

Strandpavillon mit Palmblattdach entfernt. Ein lächelnder Mann nimmt dort die Autoschlüssel entgegen und verkürzt den Vorgang des Checkouts auf sagenhafte fünf Sekunden. Das Airfield Terminal von Little Cayman liegt nur 30 Meter entfernt. Als Jan in einer 20-sitzigen De Havilland-Turboprop-Maschine Platz nimmt, sind seine Haare noch nass, und er hat noch reichlich Sand zwischen den Zehen. Zwei Stunden später wird er in George Town auf Grand Cayman ein Thunfischsteak und einen Fancy Cocktail zu sich nehmen. Szenen, die eher an einen Hollywood-Blockbuster als an eine wahre Begebenheit erinnern? Mag sein. Manchmal ist die Wirklichkeit eben noch besser als das beste Drehbuch. Man muss dazu nur auf die Caymans reisen.

Licht im Schattenfinanzzentrum

Von Little Cayman kommend auf Grand Cayman zu landen, fühlt sich an, als käme man aus dem Urlaub. Der Unterschied zwischen den beiden Inseln ist deutlich spürbar. Von den insgesamt 70.000 Einwohnern der Cayman Islands leben mehr als 67.000 auf Grand Cayman. Noch interessanter ist vielleicht die Tatsache, dass es 80.000 registrierte Fahrzeuge auf der Insel gibt. Verkehrsstaus, glitzernde Shoppingmalls und Luxushotels passen zu der hier vorrangig agierenden Klientel. Dennoch gibt es auch auf Grand Cayman versteckte Ecken mit charmantem Touch. Doch bevor wir uns erneut mit einem Mietwagen auf den Weg in Grand Caymans Inselnorden machen, ist es Zeit für Dinner und Cocktails in Tillie‘s Strandrestaurant.

Einer der charmanten Orte abseits ausgetretener Pfade ist auf der Insel das Cobalt Coast Grand Cayman Resort: eine Institution für anspruchsvolle Taucher. Der Servicegedanke hat hier geschichtlichen Background: Die Cayman Islands gelten als »Mekka des Tauchens«, denn Rob Soto gründete hier 1957 die erste Sporttauchbasis. Kein Wunder, dass die Tauchzentren der Caymans ihren Betrieb bis zur Perfektion gepimpt haben.

REISEINFO: CAYMAN ISLANDS / KARIBIK

ANREISE Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Hauptinsel Grand Cayman zu erreichen. Die vielleicht einfachste ist es, mit British Airways via London nach Grand Cayman zu fliegen. Danach gibt es mehrere Varianten, einen guten Reiseablauf zusammenzubauen, wobei eine Kombination aus entweder zwei Gebieten auf Grand Cayman oder Grand Cayman und Little Cayman sehr zu empfehlen ist. Die Inlandsflüge zwischen den beiden Inseln verkehren mehrmals täglich und können vom Reiseveranstalter in Deutschland arrangiert werden.

WICHTIG: Entweder der Hin- oder der Rückflug nach/von Little Cayman Island muss sanstags erfolgen.

HOTELEMPFEHLUNGEN Cobalt Coast – der ideale Kompromiss aus der Nähe zu den Hauptattraktionen über Wasser von Grand Cayman und einigen der besten Tauchplätze der Region. Ein kleines, atmosphärisches Tauchresort mit 21 Zimmern, sehr guter Tauchbasis und eigenem Tauchpier. Bei gutem Wetter kann man am Hausriff auch klasse strandtauchen.

Compass Point – im Südosten und somit direkt an den besten Tauchspots von Grand Cayman gelegen, zählt es zu den etabliertesten Tauchresorts auf den Cayman Islands und bietet herausragend organisierte Tauchausfahrten. Hier steht das Tauchen klar im Vordergrund. Das Compass Point Dive Resort mit 28 Zimmern ist ein prima Treffpunkt für Taucher auf den Cayman Islands.

Little Cayman Beach Resort – Wer die Karibik in Kombination mit feinstem Tauchen erleben möchte, ist im Little Cayman Beach Resort genau richtig. Das Tauchresort mit 40 Zimmern und eigener Tauchbasis direkt im Hotel bietet Tauchausfahrten zu intakten Riffen mit artenreichen Korallenlandschaften und auffälligem Fischreichtum.

MIETWAGEN Auf Grand Cayman sollte man auf jeden Fall einen Mietwagen buchen, denn nur so kann man die Insel mit all ihren Möglichkeiten gut entdecken. Dadurch, dass meist vormittags Boostausfahrten mit zwei Tauchgängen durchgeführt werden, hat man (sofern man nicht nochmal am Nachmittag taucht) nachmittags immer frei und kann etwas auf der Insel unternehmen. Und das sollte man, denn es gibt viel zu sehen! Auf Little Cayman ist ein Mietwagen nicht unbedingt notwendig. Dort wird man die meiste Zeit im Hotel und beim Tauchen verbringen. Achtung: Auf den Inseln herrscht Linksverkehr!

RESTAURANTS

Tillie’s – Inmitten von Palmen in einem tropischen Garten sitzt man mit den Füßen im Sand direkt am Meer. Die Ceviches sind top.

Cracked Conch – Perfekt für den Sonnenuntergang! Das vorgelagerte Riff ist außerdem ein schöner Tauch- und Schnorchelplatz.

Rackam‘s – Insidertipp in George Town. Man sitzt direkt über dem Wasser mit Blick auf den Hafen und kann von Fingerfood bis hin zu leckerem Fisch sehr gut essen.

INFOS & BUCHUNG

PREISBEISPIEL GRAND CAYMAN & LITTLE CAYMAN Grand Cayman, Cobalt Coast: 7 Nächte im Doppelzimmer, 12 Bootstauchgänge (6 Two Tank Dives), HP, Transfer ab/bis Flughafen. Little Cayman Beach Resort: 7 Nächte im Doppelzimmer, 12 Bootstauchgänge (6 Two Tank Dives), HP, Transfer ab/bis Flughafen, Inlandsflug (ab/bis Flughafen): pro Person 4790 Euro plus 480 Euro Flugsteuern, plus Flugkosten ab Deutschland.

»KARIBIKBLAU IST NICHT NUR WUNDERSCHÖN ANZUSEHEN. ES MACHT SÜCHTIG.«

Sucht nach »dem« Blau

Aufgrund seiner geografischen Ausrichtung Richtung Nordwesten schläft das Cobalt Coast Resort auf Grand Cayman offenbar länger. Während das Meer bereits in hellen Blautönen erstrahlt, versteckt sich das Resort-Restaurant noch im Schatten. Doch das Klappern der Tauchflaschen, die auf die Boote geladen werden, ist wie ein Wecksignal. Auf geht’s! Zum Tauchen! Neben einer Tasse Kaffee gehören Tauchcomputer und Go-Pro zur Grundausstattung auf fast jedem Frühstückstisch. Die übrige Ausrüstung wird von den Diveguides vorbereitet. Nur ein paar Schritte zum Strand, rauf auf ‘s Boot, und Abfahrt. Wenige Stunden später stehen die tollen Erlebnisse eines weiteren Two Tank Dive im Logbuch. Wenn es ein Resort gibt, in dem außer jenen Taucher-Aufbruch-Szenarien nahezu null Bewegung herrscht, dann ist es dieses. Sobald das Tauchboot den Anleger verlassen hat, wird Karibikblau wieder zur vorherrschenden Farbe. Je mehr einer davon abkriegt, desto süchtiger wird er.

Thrill der Tiefendimension

Als Jan am Indigo Drop-off, einem Tauchplatz am Rande des North Sound, hinunterschaut, ist er fasziniert von den schillerndsten Blautönen, die er je gesehen hat. Der Rest der Gruppe ist von der Wasseroberfläche bis hinunter in 30 Meter Tiefe deutlich zu erkennen. All die Details, die durch das klare Wasser auszumachen sind, wirken so intensiv, dass die submarine Szene, die Jan aus der Distanz beobachtet, förmlich in der Zeit einzufrieren scheint. Nur eine frei im dreidimensionalen Raum umherschwimmende Grüne Muräne haucht dem Ganzen Leben ein und zieht Jan näher an das Riff heran. Auch wenn Farbspektrum und Vielfalt der Unterwasserwelt nicht mit der von Little Cayman mithalten können, bieten die vertikalen Strukturen, die vor Grand Cayman ins Nirgendwo fallen, einen ganz besonderen Thrill. Der tiefste Punkt der Karibik ist hier ganz nah – er liegt mit minus 7686 Metern im Cayman Trench. Auch die Inselgeschwister Little Cayman und Cayman Brac sind von bis zu 2000 Meter tiefen Gewässern umgeben. Die riesigen Dimensionen geben Jan das Gefühl, winzig zu sein. Das süchtig machende Blau der Karibik zieht ihn tiefer und tiefer hinein.

Abenteuer »as you like«

Es sind nicht nur die mondänen Restaurants, Bars und Hotels, die den Aufenthalt auf Grand Cayman so anders gestalten als auf Little Cayman. Auch die Tauchplätze bieten mehr Auswahl. Stingray City und das Schiffswrack von Kittiwake sind die bekanntesten Divespots dieser größten der drei Cayman-Eilande und ideal auch für individuelle Schnorchelabenteuer. Das Wrack der Kittiwake ist vom Strand aus zugänglich. So können auch erfahrene Freitaucher dort zu verschiedenen Tageszeiten ausgiebieg ihre Freiheit unter Wasser auskosten.

Die Stingray City-Sandbank und der Stingray City-Tauchplatz sind ein Semi-Naturwunder mit 50-jähriger symbiotischer Beziehung zwischen Stachelrochen und Menschen. Seit den späten 1970er Jahren warfen Fischer die Reste ihrer Muschel- und Tintenfischfänge auf die Sandbank, die fünf Kilometer vor Rum Point im North Sound liegt, und die die Stachelrochen magisch anzog. Später fütterten die Reiseveranstalter die Stachelrochen, um sie in der Nähe der zahlenden Schnorchler zu halten. Und Tauchveranstalter brachten Tintenfische mit, um den besten Flachwasser-Tauchplatz der Karibik zu schaffen. Letzteres darf als Anekdote betrachtet werden.

Aufgrund des Corona-Pandemie-Wahnsinns blieben die Cayman Islands fast zwei Jahre lang für Touristen geschlossen, sodass die Rochen-Fütterungsaktivitäten unterblieben. Nach jahrzehntelangen täglichen Begegnungen konnten sich die Stingrays nun plötzlich nicht mehr auf irgendwelche Nebennahrungsquellen verlassen und hatten daher keinen Grund mehr, sich an der legendären Sandbank oder dem Tauchplatz zu versammeln. Seit der Rückkehr der Touristen auf die Cayman-Inseln Anfang 2022 besuchen sie nun aber wieder häufiger die Sandbank. Der Tauchplatz Stingray City hingegen wird von den Stachelrochen noch immer kaum aufgesucht. Ein Kajak zu mieten und bei Sonnenaufgang vom Rum Point aus rüberzupaddeln, mag eine zu große Herausforderung sein. Die Vorstellung, die beeindruckenden Tiere einmal ganz allein zu beobachten, bevor die Tagesboote aufkreuzen, ist dennoch eine Option, erneut nach Grand Cayman zu reisen. Ob das »kleine Lederköfferchen« dann auch mitreist? Wer weiß …