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LOCKJAGD AUF WINTERKRÄHEN: SCHWARZ AUF WEIß


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 24/2019 vom 19.12.2019

Oft wird die Krähenjagd zur kalten Jahreszeit stiefmütterlich behandelt. WuH-Lockjagd-Experte Klaus Demmel zieht es dann ans Luder, aber nicht, um Reineke nachzustellen.


Artikelbild für den Artikel "LOCKJAGD AUF WINTERKRÄHEN: SCHWARZ AUF WEIß" aus der Ausgabe 24/2019 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Klaus Demmel

Bussarde lassen sich oft als erstes am Luder und Lockbild blicken. Sie nehmen den Rabenvögeln die Scheu.


Wird über mehrere Tage geludert, spricht sich das unter den Krähen weit herum, und es kommen immer mehr.


Noch während ich das krächzende „Kraa, kraaa“ auf meinem Rottumtaler spiele, kommt Antwort. Der Daumen meines Sohnes Andreas zeigt nach hinten. Wenige Augenblicke später tauchen drei schwarze Gesellen rechts über ...

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Noch während ich das krächzende „Kraa, kraaa“ auf meinem Rottumtaler spiele, kommt Antwort. Der Daumen meines Sohnes Andreas zeigt nach hinten. Wenige Augenblicke später tauchen drei schwarze Gesellen rechts über unseren Köpfen auf.

Wohlwissend, dass sie unser Lockbild gegen den Wind anstreichen werden, verharren wir bewegungslos im Schirm. Der Plan geht auf. Die Krähen drehen bei und kommen direkt auf uns zu. Ohne hektische Bewegung – übrigens ein häufiger Fehler – pflückt Andreas die ersten beiden auf etwa zwanzig Meter vom Himmel. Die dritte versucht mit ruderndem Schwingenschlag zu entkommen, bis auch sie die 2,7-mm-Schrote aus meiner Flinteerreichen.

Als sie zu Boden fällt, staubt der frische Pulverschnee. Von der Krähe sind nur noch die Schwingenspitzen zu sehen. Für die feine Hundenase ist es jedoch kein Problem, die Erlegten zu finden.

Während die meisten Krähenjäger in den Sommer- und Herbstmonaten aktiv sind, herrscht in der kalten Jahreszeit hingegen oft Zurückhaltung in Sachen Lockjagd. Das mag daran liegen, dass die Feldflur weitgehend ausgeräumt ist und nur wenig Deckung bietet oder dass die im Sommer noch unerfahrenen Jungkrähen dazugelernt haben und nicht mehr ganz so einfach zu überlisten sind. Obwohl die Jagd etwas anspruchsvoller ist, ist es durchaus möglich, auch im Winter beachtliche Strecken zu erzielen.

Abhängig von der vorhandenen Deckung kommt Schneetarn (oben) oder gewöhnliches Camouflage (unten) zum Einsatz.


Sobald Frost einsetzt, fehlt den Krähen ein Großteil der Nahrungsquellen. Das meiste Kleingetier hat sich in tiefere Erdschichten verkrümelt. Auf der Suche nach Nahrung zigeunern die schwarzen Gesellen dann durch die Lande und legen dabei zum Teil beachtliche Strecken zurück. Vermehrt tauchen auch fremde Individuen im Revier auf. Jedoch kehren sie allabendlich zu ihren festen Schlafbäumen zurück. Das erklärt, dass in der kalten Jahreszeit vermehrt ein abendlicher Krähenstrich zu beobachten ist.

Haben die Rabenvögel tagsüber eine ergiebige Futterquelle, wie beispielsweise ein Maissilo oder Luder, gefunden, kehren sie in der Regel tags darauf wieder an diese Stelle zurück. So ist es bei Schnee oder Frost für den Jäger ein Leichtes, die Krähen mit Luder an einen Platz zu binden.

Bei mir steht im Keller eine Gefriertruhe, in der ich ab Herbst Rehwild-Gescheide bunkere. Wer selbst nur an wenig Luder kommt, sollte Freunde und Bekannte fragen. Bei Frost kann das Gescheide – möglichst katzen- und hundesicher – auch im Freien gelagert werden.

Krähen hegen frischem Luder gegenüber anfangs viel Misstrauen. Doch der Hunger bei Frost und Schnee lassen es schnell schwinden. Sobald der erste Bussard darauf sitzt, ist meist jeder Argwohn dahin. Ist das Luder einmal angenommen, und der Jäger beschickt diesen Platz täglich aufs Neue, fallen die schwarzen Gesellen bald ohne jegliches Zögern darüber her. Tag für Tag finden sich mehr Krähen ein. Je länger im Vorfeld bis zum Tag der Jagd gekirrt wird, desto mehr kennen den Weg zum Luder. Wird die Fraßstelle über mehrere Tage beschickt, sind Strecken von zwanzig, dreißig oder mehr Krähen mit ein bis zwei Flinten keine Seltenheit.

Das Luder sollte möglichst morgens ausgebracht werden. Wenn aus Zeitgründen abends gekirrt wird, sollte es verstänkert werden, wenn nicht nachts auf Reineke angesessen wird. Krähen stören sich nicht an gebrauchen Tempotaschentüchern, oder anderweitigen Gerüchen. Fuchs und Sau hingegen halten Abstand. So bleibt der Tisch für die morgens anstreichenden Rabenvögel gedeckt.

Das Luder wird in guter Schrotschussentfernung von etwas 20 bis 25 Metern vor der Stelle, an der am Jagdtag der Schirm stehen soll, ausgelegt.

Gilt es (auch) Elstern, ist ein Stand an Hecken oder Feldgehölzen ideal. Entsprechende Attrappen bereichern das Lockbild.


Mit Ludern allein ist es allerdings nicht getan. Der Platz muss sorgfältig gewählt und die Ausrüstung auf die äußeren Verhältnisse abgestimmt sein. Das ist in der ausgeräumten Winterlandschaft nicht immer ganz einfach. Dennoch bietet nahezu jedes Revier die eine oder andere Möglichkeit, an geeigneter Stelle Deckung zu finden: Sei es ein Holzstapel, eine Feldscheune, eine Hecke oder ein Feld mit Elefantengras. Wie auch bei der Sommerjagd sollten möglichst keine Bäume oder Stromleitungen zum Aufbaumen in der Nähe sein.

Die Tarnung von Schirm, Schützen und Waffe muss der Umgebung angepasst werden. Bei Jagden ohne Schnee, beziehungsweise ohne Raureif, kommt das Sommer-Equipment in diversen Brauntönen zum Einsatz. Sonst ist Schnee-Camouflage beziehungsweise ein Mix aus Braun und Weiß angesagt – je nachdem in welche Umgebung der Schirm eingebaut wird.

Um auch bei Schneelage den Durchblick zu behalten und anstreichende Krähen möglichst früh zu entdecken, benutze ich alternativ zur braunen Tarngardine Schnee-Tarnschals der Bundeswehr. Als blickdichte Unterschicht dient ein weißes Tarnnetz oder ein bis zwei ausrangierte Schneehemden.

Ist soweit alles vorbereitet, muss noch das Wetter mitspielen. Achtet der Jäger nicht auf den Wetterbericht, ist auch eine noch so sorgfältig vorbereitete Jagd schnell zum Scheitern verurteilt. Im Regelfall ist die Vorhersage für drei, vier Tage recht zuverlässig. Das genügt, um zu entscheiden, ob sich das Ludern bis zum Tag der geplanten Jagd lohnt. Eine ruhige Wetterlage, möglichst mit Frost, verspricht beste Erfolge.

Sagen die Wetterfrösche allerdings starken Wind oder Niederschlag in Form von Regen oder Schnee voraus, sollte die Jagd, auch um Luder zu sparen, schon im Vorfeld verschoben werden. Bei Schneefall mutieren die Lockkrähen schnell zu Albinos, und Attrappen im weißen Frack sind für ihre Artgenossen nicht gerade anziehend. Im Gegenteil, anstreichende Krähen durchschauen das falsche Spiel dann sehr schnell.

Um morgens Zeit zu sparen, bauen manche Krähenjäger bei der Sommerjagd schon am Vorabend nach Einbruch der Dämmerung das Lockbild auf. Im Winter ergibt das keinen Sinn. Zu groß ist das Risiko, dass die Attrappen über Nacht mit Frost und Reif überzogen werden.

Schneefall macht den Jagdtag zunichte, da er die Attrappen weiß färbt.


Es muss darauf geachtet werden, dass in idealer Schussentfernung zur Deckung (hier Holzstapel) geludert wird.


Wie im Sommer auch besteht mein Lockbild aus 20 bis 30 Lockkrähen. Wobei einige davon direkt am Luder platziert werden. Ein paar Lock-Elstern dazwischen schaden nicht. Zum einen wecken sie bei den Krähen den Futterneid, zum anderen kommt so die eine oder andere Schwarz-Weiße mit auf die Strecke.

Übrigens kann mit der gleichen Strategie auch gezielt auf Elstern gejagt werden. Die meiden jedoch die offene Feldflur und bevorzugen Hecken und Feldholzinseln. Bei der richtigen Platzwahl und einem Lockbild, das vorwiegend aus Elstern-Attrappen besteht, können auch beim zierlichen Vertreter der Rabenvögel richtig gute Strecken erzielt werden.

Letztendlich liegt der Schlüssel einer erfolgreichen Jagd darin, dass der Jäger sein Handwerk versteht. Angefangen von der richtigen Platzwahl über die perfekte Tarnung bis hin zum richtigen Umgang mit dem Krähenlocker. Nicht zu unterschätzen ist weiterhin das Verhalten der Schützen im Schirm. Krähen und Elstern fallen nicht von allein vom Himmel. Das Verständnis der Schützen untereinander sowie deren Umgang mit der Flinte entscheiden letztendlich, was nach der Jagd auf der Strecke liegt.


Fotos: Klaus Demmel