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LOCKMITTEL IM TEST: Magisches Anis?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 04.07.2019

Was taugen Anis-Lockstoffe aus dem Fachhandel? Locken sie wirklich Wild an? Tobias Thimm hat sieben Produkte getestet und kam zu überraschenden Ergebnissen.


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Fotos: Reiner Bernhardt, Bogdan Kurylo/istockphoto.com

Ähnlich wie bei verschiedenen Monitoring-Projekten wurden Teststäbe verwendet. Als Trägermaterial diente Baumwolle.


Fotos: Tobias Thimm

Einfach etwas Lockmittel ausbringen und dann erfolgreich ansitzen – die Hersteller preisen ihre Produkte oft mit vollmundigen Versprechen an. Von „magischer Anziehungskraft“ ist die Rede. Ist da was dran? Auf den Duft von Anis scheinen viele Tierarten zu stehen, ...

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Einfach etwas Lockmittel ausbringen und dann erfolgreich ansitzen – die Hersteller preisen ihre Produkte oft mit vollmundigen Versprechen an. Von „magischer Anziehungskraft“ ist die Rede. Ist da was dran? Auf den Duft von Anis scheinen viele Tierarten zu stehen, so nutzt die Angelindustrie schon ewig die Gewürzextrakte für Lockfutter, und auch so mancher Fallensteller in Übersee nebelt seine Köder damit ein.

Ähnlich wie beim Wildkatzen-Monitoring brachten wir sieben unterschiedliche Anisöle auf einfachen Lockstäben aus. Als Trägermaterial wurde am oberen Ende Stoff mit Blumendraht befestigt und reichlich mit den unterschiedlichen Mitteln getränkt. Alle Stäbe wurden nummeriert und für jeweils sieben Tage an drei unterschiedlichen Standorten im Revier in den Waldboden gesteckt. Jeglicher Interessent wurde durch eine Wildkamera, die uns die Firma Bresser für den Test zur Verfügung stellte, mit Video und Foto dokumentiert. Die Videofunktion belegte zweifelsfrei, dass die Besucher sich für den jeweiligen Lockstoff interessierten.

Sobald ein Stück das ausgebrachte Mittel bewindete, wurde dies als Kontakt gewertet. So galt der Besuch einer einer ganzen Rotte wie auch der eines einzelnen Überläufers als jeweils ein Schwarzwildkontakt.

Hagopur „Anis-Öl“

Das Lockmittel „Anis-Öl“ der Firma Hagopur basiert auf einem biologischen Haftöl, das den Duft bindet und dadurch lange wirkt. Es ist hochkonzentriert und von dickflüssiger Konsistenz. Es konnte mit dem Pumpspray sauber im Revier ausgebracht werden und begeisterte mehrere Rotten. Der Teststab wurde von den Sauen vor allem zum „Schubbern“ der Schwarte genutzt, sodass dieser mehrmals neu aufgestellt werden musste. Kein anderes Mittel wurde von Sauen heftiger angenommen. Sogar Eichhörnchen lockte das Produkt. Laut Hersteller können Jäger es auch zum Überdecken des Eigengeruchs nutzen. Allerdings sollte das Mittel mit Schutzhandschuhen ausgebracht werden, da es aufgrund des hohen Reinheitsgrades allergische Reaktionen auslösen kann.

Neben Eichhörnchen (l.) liebten vor allem Sauen (r.) das AnisÖl von Hagopur.


Kieferle „Anisöl“

„100 % reines Anisöl in bester Qualität“, steht in der Produktbeschreibung. Es ist von dünnflüssiger, öliger Konsistenz. Zudem wurden keine Alkohole oder andere Stoffe beigemischt. Das Lockmittel von Kieferle bewies im Test eine gute Anziehungskraft auf Reh- und Schwarzwild und hielt, was sein Hersteller verspricht.

Mehrere Stücke Reh- (l.) und Schwarzwild (r.) besuchten den Lockstab, der mit Anisöl von Kieferle getränkt wurde.


Attratec No 2 „Anis Ultra“

Das Lockmittel vom Hersteller Attratec überraschte durch ein breites Wirkspektrum: Neben Rehen und Sauen tauchte auch Damwild und ein Fuchs auf. Die Aufnahme eines weiteren Fuchses wurde nicht gewertet, da er nicht eindeutig zum Teststab schnürte. Möglicherweise wurde aber auch er angelockt. Das Produkt ist frei von bedenklichen Nebenkomponenten des Anisöls. Es enthät ein Antioxidans, das die „natürliche“ Oxidation durch Sauerstoff deutlich verlangsamt. Zudem enthält es einen Depositbildner, wodurch die „Verdampfung“ verlangsamt wird. Der Lockstoff wurde als Aerosol formuliert, damit sich über die Verpackung (Aludose) kein Sauerstoff-Kontakt während der Lagerung ergibt. Das Produkt kann auch bei Temperaturen unter 0 °C ausgebracht werden. Einziger Kritikpunkt ist der vergleichsweise hohe Preis.

Eindrucksvoll bewies „Anis Ultra“ seine Wirksamkeit auf verschiedene Wildarten.


Fotos: Tobias Thimm

Waidjagd „Anisöl“

Das naturreine Anisöl lockt durch sein intensives Aroma Reh- und Schwarzwild an. Die praktische Zerstäuberflasche kann bequem in der Hosentasche bei jedem Reviergang dabei sein und eignet sich auch zum Überdecken des menschlichen Eigengeruchs des Jägers beim Ansitz.

Trotz eines angenehmen und langanhaltenden Geruchs besuchten nur ein Stück Rehwild und zwei einzelne Überläufer den Lockstab im Testzeitraum. Laut Hersteller eignet sich das Produkt auch, um Kirrmaterial zu verfeinern.

Göbel „Anisöl“

Das Produkt ist ein reines, hochkonzentriertes und unverschnittenes Anisöl. Es soll laut Hersteller Dam-, Reh-, Gams-, Stein-, Muffel- und Schwarzwild, Rentiere, Wisent und sogar Elche locken. Im Testzeitraum wirkte es verlässlich auf Reh- und Schwarzwild. Durch die praxistaugliche Sprühflasche ist es sauber und leicht zu dosieren. Leider stellte sich der Drehverschluss als undicht heraus und sorgte lange im Kofferraum des Autos für weihnachtlichen Anisgeruch. Starker Regen beeinflusste die Wirksamkeit in keinster Weise. Ein solides Lockmittel mit einer guten Anziehungskraft.

Mehrere Rehund Schwarzwildkontakte belegten die Funktion des Lockmittels.


Hubertus Premium „Anisöl“

Eine Art Schaum schießt aus der kleinen Spraydose, wenn man auf den Sprühkopf drückt. So können auch bequem Büsche und Sträucher am Ansitzort eingesprüht werden.

Neben einigen Stücken Schalenwild besuchte auch einmal Meister Lampe den Teststab. Vor allem einjähriges Rehwild tauchte am Lockstab auf. Auch Sauen kamen zu Besuch. Allerdings schubberte sich kein Schwarzwild am Teststab. Etwas ärgerlich war, dass das Spray – trotz 150 ml Inhalt – nur noch ganz knapp für die dritte Testwoche ausreichte und der Sprühkopf immer wieder abfiel.

Besonders junges Rehwild (l.) interessierte sich für das Produkt, aber auch Sauen kamen vorbei.


Bresser „12 MP Wildkamera“

Die für den Test verwendeten Wildkameras haben eine Bildauflösung von 12 Megapixel und können über eine Fernbedienung bedient werden. Die Auslösezeit beträgt nur etwa 1 Sekunde. Die Foto- und Videoübertragung per SMS/ MMS oder E-Mail wurde nicht genutzt. Alle Kameras verrichteten im Testzeitraum tadelos tagsüber und nachts ihren Dienst. Die Schnellspannriemen aus Gummi bewährten sich im Praxiseinsatz besser als die Corduragurte bei vielen anderen Modellen. Erfreulich ist zudem, dass der Hersteller 5 Jahre Garantie gewährt. Info:bresser.de

Eurohunt „Anisöl“

Das Duftlockmittel von Eurohunt ist sehr sparsam im Verbrauch und lässt sich dank des praktischen Zerstäubers einfach dosieren. Der Anis-Geruch hält sehr lange an und ließ auch nach dem Testzeitraum nicht merklich nach.

Obwohl auf der Flasche ein starker Rehbock abgebildet ist, lockte das Produkt neben Reh- und Schwarzwild auch einen Fuchs an. Eine Besonderheit ist, dass das Mittel ausschließlich aus Inhaltsstoffen besteht, die auch zur Lebensmittelproduktion verwendet werden – dennoch kann es allergische Reaktionen auslösen.

Das Ergebnis lässt keine Zweifel an der Lockwirkung von Anis: An allen Produkten zeigte Wild eindeutig Interesse. Allerdings besuchten bis auf einen Bock und eine führungslose Frischlingsrotte sämtliche Stücke im Testzeitraum die Lockstellen nur einmal. D. h., das Lockmittel zog sie an, sie fanden jedoch vor Ort keinen Fraß oder Äsung und schienen sich das zu merken. Dennoch haben Anis-Produkte für den praktischen Jagdbetrieb durchaus ihre Berechtigung: Wenn beispielsweise eine neue Kirrung oder Salzlecke angelegt wird. Das Wild wird durch Anis deutlich schneller auf deren Standort aufmerksam und nimmt sie an. Zudem können ein paar Tropfen auf der Kanzelbrüstung nicht schaden, um den Eigengeruch des Waidmanns zu überdecken.


Fotos: Tobias Thimm