Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

LÖWENZAHN: Überlebenskünstler, Bettseicher und Ginseng des Westens


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 20.03.2020

Wer kennt ihn nicht, den Löwenzahn? Während Hobby-Gärtner über ihn schimpfen, frohlocken Heilkräuterexperten, wenn sie ihn wachsen sehen. Wir haben recherchiert, warum diese gegensätzlichen Meinungen bestehen


Artikelbild für den Artikel "LÖWENZAHN: Überlebenskünstler, Bettseicher und Ginseng des Westens" aus der Ausgabe 4/2020 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 4/2020

„Armer gelber Löwenzahn, wirst als Unkraut abgetan. Wärst du rar wie Orchideen, jeder fänd‘ dich wunderschön.“

(Wiltrud Eberhardt)

Tatsächlich wird der Löwenzahn oft als Unkraut verunglimpft, obwohl er ein anerkanntes Heilkraut in der Phytotherapie ist. Und wenn man ganz genau hinsieht, ist am Löwenzahn so einiges dran!


Er wird schon lange in der Volksmedizin zur Behandlung einiger Krankheiten ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lust auf Natur. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Liebe Leserinnen und Leser. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Frohe Ostern!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frohe Ostern!
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Zeit für ein Kiesbeet!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zeit für ein Kiesbeet!
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Ein Garten mit vielen Bewohnern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Garten mit vielen Bewohnern
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von PRAXISTIPPS APRIL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXISTIPPS APRIL
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Viva la PAPRIKA!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Viva la PAPRIKA!
Vorheriger Artikel
VORHER NACHHER: Repräsentativer Blütenreigen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Tanz der Narzissen
aus dieser Ausgabe

... erfolgreich eingesetzt und dabei als „Ginseng des Westens“ bezeichnet


Allerweltspflanze und Überlebenskünstler

Der Löwenzahn ist eine Allerweltspflanze und auf der gesamten nördlichen Hemisphäre anzutreffen. Schon Kindern ist er bekannt - meist durch seinen Fruchtstand, der sich so schön wegpusten lässt. Deswegen wird er auch „Pusteblume“ genannt. Der Name „Löwenzahn“ bezieht sich dagegen auf die gezähnten Blätter, und die Bezeichnung „Kuhblume“ weist darauf hin, dass die Pflanze häufig auf Wiesen und Weiden zu finden ist.
Doch der Löwenzahn wächst nicht nur auf weichem Untergrund. Ganz im Gegenteil: Überall dort, wo der Wind seine Schirmchen hinweht, schlägt er Wurzeln. Dabei ist er ein echter Überlebenskünstler. Seine kräftige Pfahlwurzel vermag selbst Asphalt zu sprengen.

Der Ginseng des Westens

Diese Überlebenskünstlermentalität ist wahrscheinlich der Grund, warum der Löwenzahn als Unkraut angesehen wird: Er kommt fast überall vor, kann überall wachsen und aufgrund seiner äußerst strapazierfähigen Wurzeln ist es sehr schwer, ihn aus einem einmal besiedelten Stück Land wieder zu entfernen. Das kann jeder Hobbygärtner bestätigen.
Nichtsdestotrotz ist der Löwenzahn eine Augenweide, wenn seine gelben Blüten im Frühling erstrahlen und Wiesen und Weiden zum Leuchten bringen. Außerdem wird er schon lange in der Volksmedizin zur Behandlung einiger Krankheiten erfolgreich eingesetzt und dabei als „Ginseng des Westens“ bezeichnet. Eine erste Andeutung auf den medizinischen Einsatz findet sich bereits im Gattungsnamen „Taraxacum“. Dieser leitet sich ab von den griechischen Wörtern „taraxacis“ und „akeo mai“ und bedeutet „Ich heile Entzündungen“. Tatsächlich wurden früher mit dem Löwenzahn vornehmlich Augenentzündungen behandelt. Heutzutage wird der Löwenzahn jedoch hauptsächlich als harntreibendes Mittel eingesetzt, weswegen er auch in jeder Frühjahrskur enthalten sein sollte. In den südlichen Regionen von Deutschland wird er aufgrund dieser Wirkung auf die Nieren sehr bildhaft als „Bettpisser“ oder „Bettseicher“ bezeichnet und in Frankreich dementsprechend „Pis en lit“.

Vitaminpille und Mineral - stofftablette zugleich

Neben seiner harntreibenden Wirkung ist der Löwenzahn eine bekannte Bitterstoffpflanze und wird bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden (zum Beispiel Völlegefühle und Blähungen) und Störungen des Galleflusses angewendet. Dafür gibt es Präparate, die in der Apotheke erworben werden können. Noch besser wirkt die Pflanze, wenn man sie beispielsweise in der heimischen Küche verwendet. Denn dann werden nicht nur die Bitterstoffe aufgenommen, die eine wohltuende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt haben, sondern auch die in ihr enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe. Der Löwenzahn ersetzt nämlich sämtliche Nahrungsergänzungsmittel: Neben den B-Vitaminen und den Vitaminen A, D, E und K hat die Pflanze außerdem einen hohen Gehalt an Kalium und Eisen und enthält zusätzlich noch Natrium, Calcium und Zink!
Deswegen ist der Löwenzahn besonders im Frühjahr eine belebende Zutat für Salate oder Suppen und kann sogar als Gemüse zubereitet werden.

Selber ernten statt kaufen

Mittlerweile gibt es Löwenzahnblätter auf Bauernmärkten und sogar in Bio-Supermärkten zu kaufen. Dabei ist das gar nicht nötig, denn die Pflanze wächst ja überall und teilt gerne ihre Schätze mit uns. Die Blätter pflückt man am besten, bevor der Löwenzahn zu blühen beginnt, also im zeitigen Frühjahr. Dann sind sie schön zart und noch nicht zu bitter und können beispielsweise für Salate verwendet werden. Knospen und Blüten werden vom Frühjahr bis zum Frühsommer geerntet. Auch im Herbst, wenn der Löwenzahn ein zweites Mal austreibt, können Blätter, Knospen und Blüten gepflückt werden. Allerdings sollte man dann darauf achten, dass Blätter nicht von Pilzen oder anderen Krankheiten befallen sind. Jetzt bietet es sich außerdem an, Blätter und Blüten zu trocknen, um sich einen Wintervorrat, zum Beispiel für Teemischungen, anzulegen.

Gesundheit mit der Kraft der Wurzel

Sowohl im Frühjahr vor dem Austreiben der Blätter als auch im Herbst nach der zweiten Blüte können zudem die Wurzeln des Löwenzahns geerntet werden. Mit einem Wurzelstecher wird man dabei auch der kräftigen Pfahlwurzel Herr, die sich dann relativ leicht aus der Erde holen lässt. Im Frühjahr geerntet enthalten die Wurzeln vor allem Bitterstoffe, wohingegen sie im Herbst einen hohen Gehalt an Inulin besitzen. Dieser Stoff zählt zu den präbiotischen Nahrungszusatzstoffen und hat ebenfalls eine wohltuende Wirkung auf unseren Darm und die dortigen Darmbakterien.
Verarbeitet werden können die Wurzeln beispielsweise zu Gemüse. Gut trocknen lassen sie sich außerdem: Nachdem sie gründlich gewaschen und gebürstet worden sind, einfach der Länge nach vierteln oder achteln (die Stücke sollten nicht dicker als 3 mm sein), mit einer Stopfnadel durchstoßen und an einem warmen Ort aufhängen.

Heidemarie Wolter

Einander ähnlich und doch ganz anders

Und auch wenn auf den ersten Blick ein Löwenzahn wie der andere aussieht, ein zweiter Blick lohnt sich auf jeden Fall. So erkennt man, dass die rosettenförmig angeordneten Blätter sich von Pflanze zu Pflanze unterscheiden. Mal sind sie kleiner und stärker gezahnt - vor allem an sonnigen Standorten - und mal sind sie größer und fast gar nicht eingeschnitten. Das ist besonders an schattigen Plätzen der Fall.

Selbst auf einer Wiese, auf der viele Löwenzahnpflanzen nebeneinander wachsen, kann sich die Gestalt der Blätter von denen der Nachbarn unterscheiden. Denn der Überlebenskünstler Löwenzahn reagiert auf Bodenbeschaffenheit, Klima, Lichteinfall und viele weitere Aspekte mit einer Änderung seiner Gestalt und schafft damit die für ihn besten Bedingungen zum Wachsen und Blühen.

LÖWENZAHNBLÜTENSTÄNGEL FÜR SALAT

Die Blütenstängel der Länge nach in 2 bis 3 Streifen teilen und etwa 10 Minuten in eine Schüssel mit kaltem Wasser legen. Sie beginnen sich dann zu kringeln und werden dabei entbittert. Wenn das Einweichwasser zwei- bis dreimal gewechselt oder etwas gesalzen wird, sind die Stängel kaum noch bitter und können dann in Frühlingssalate als knackige Zutat gegeben werden.

Tipp:

Beim Sammeln der Blüten bleiben die Stängel übrig. Diese können für knackige Salate verwendet werden.

EINGELEGTE LÖWENZAHNBLÜTENKNOSPEN

ZUTATEN

400 ml Obstessig
200 ml Wasser
½ EL Salz
4 TL brauner Zucker
¼ TL Cayennepfeffer, je nach Geschmack
6 Handvoll Löwenzahn - Blütenknospen
Speiseöl, z. B. Sonnenblumenöl oder Olivenöl

1. Alle Zutaten mit Ausnahme der Blütenknospen in einem Topf mit Deckel kurz aufkochen.

2. Dann die Knospen portionsweise in einem eingehängten Sieb ca. 2 Minuten lang im Essigwasser sieden/blanchieren, herausnehmen und mindestens 2 Stunden abtropfen lassen.

3. In gut verschließbare Gläser füllen und mit so viel Sonnenblumen-, Olivenöl oder anderem guten Speiseöl auffüllen, bis das Öl gut übersteht. Die Kapern sind dann monatelang haltbar.

LÖWENZAHNBLÜTEN-SIRUP

ZUTATEN

4 Handvoll Löwenzahnblüten
1 Liter Wasser
1 kg Zucker
1 - 2 Bio-Zitronen

1. Die Zitronen gut waschen, die Schale abreiben und in das Wasser geben. Löwenzahnblüten dazugeben und alles 7 bis 8 Minuten kochen lassen.

2. Absieben und das Wasser mit dem Saft der Zitronen und dem Zucker unter Rühren zu einem dicken Sirup auf kleiner Flamme einkochen, was eine Zeitlang dauert. Ab und zu kann man etwas Sirup auf einen Teller tropfen und abkühlen lassen, um zu prüfen, ob er dick genug ist. Heiß ist der Sirup dünnflüssiger.

3. Dann in gut verschließbare Flaschen füllen und abkühlen lassen.

LÖWENZAHN - BLÜTEN-HONIG

Für den Honig werden die gleichen Zutaten wie für den Löwenzahnblüten-Sirup verwendet. Auch die Zubereitung ist die gleiche, nur verlängert sich die Kochzeit, bis ein zähflüssiger Honig entstanden ist.

GETROCKNETE LÖWENZAHNBLÜTEN FÜR TEE UND WASSER

1. Am besten sammelt man die Blüten an einem sonnigen Morgen, wenn sie gerade aufgegangen sind, denn die Blüten schließen sich über Nacht oder bei Regenwetter. Idealer Zeitpunkt: Wenn der Tau getrocknet ist und die Bienen erst anfangen zu fliegen, dann ist noch mehr süßer Nektar in den Blüten.

2. Frisch können die Blüten in eine Karaffe mit Wasser gegeben werden, die man 2 bis 3 Stunden vor dem Trinken stehen lässt. Für Tee können die frischen oder getrockneten Blüten verwendet werden.

3. Zum Aufbewahren die Blüten auf Zeitungspapier ausgebreitet an einem luftigen, aber möglichst dunklen Ort 2 bis 3 Wochen lang trocknen, zum Beispiel auf dem Speicher. Der Keller ist wegen der Feuchtigkeit ungeeignet. Sind die Blüten gut trocken, dann in luftdicht verschließbare Gläser füllen und an einem dunklen Ort aufbewahren, da sie am Licht mit der Zeit ausbleichen.

4. Für einen Tee 1 bis 3 Blüten in einer Tasse mit kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, absieben oder schöne Blüten in der Tasse schwimmen lassen und trinken.

Beim Sammeln der Blüten bleiben die Stängel übrig. Diese können für knackige Salate verwendet werden.

ÖSTERLICHER LÖWENZAHNEIERSALAT

ZUTATEN PRO PERSON

4 hartgekochtes Ei

4 kleine Handvoll junge Löwenzahnblätter

4 EL Mayonnaise Salz und Pfeffer essbare Frühlingsblüten nach Belieben, z. B. Löwenzahn, Gänseblümchen, Taubnessel, Veilchen, Primeln Knoblauchrauke

1. Die jungen Löwenzahnblätter waschen und klein schneiden. Das Ei in Würfel schneiden und zu den Blättern geben, mit der Mayonnaise vermischen und bei Bedarf mit Salz und Pfeffer abschmecken.

2. Wer den mild schmeckenden Salat noch etwas würzen möchte, kann 4 bis 5 Blätter Knoblauchrauke pro Portion untermischen und mit essbaren Frühlingsblüten wie Veilchen, Gänseblümchen, Taubnessel, Löwenzahn, Schlüsselblumen oder Primeln garnieren.

Tipp: Löwenzahn-Blütenstängel passen auch zu dem Eiersalat

LÖWENZAHNBLÜTENBUTTER

ZUTATEN

573 g Butter
5 gute Handvoll Löwenzahnblüten


Fotos: Rachele Z. Cecchini; Heidemarie Wolter (2)