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Logisch ökologisch?


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 13.11.2019

Bio-Produktegibt es inzwischen auch in großer Auswahl in Supermärkten. Das klingt zunächst sehr vernünft ig und nachhaltig. Aber wer produziert all die Lebensmittel ohne Chemie? Und wo? Und ist Bio besser als regional?


Artikelbild für den Artikel "Logisch ökologisch?" aus der Ausgabe 12/2019 von Frau im Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 12/2019

Biologisches Gemüse

Achten Sie auf lose Ware, die nicht in Plastik eingepackt ist. Und auf die Herkunft: je näher, desto besser. Bio-Gurken aus Spanien haben eine schlechte Öko-Bilanz.

Spinat für 49 Cent, eine Salatgurke für 39 Cent, sechs Äpfel zu 99 Cent. Meist am Freitag überschlagen sich die Supermarktketten mit besonderen Schnäppchen zum Wochenende. Der deutsche Lebensmittelhandel gilt ...

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... als einer der am härtesten umkämpften der Welt – zulasten von Bauern und Verarbeitern, die sich dem enormen Preisdruck beugen müssen. „Du kannst nicht für 20 Cent 500 Gramm Karotten aussäen, ernten, waschen und verpacken“, sagt ein Landwirt.

Fünf große Handelsketten

Der Markt wird aktuell von fünf großen Unternehmen beherrscht: der Edeka-Gruppe (mit Netto), Rewe (dazu gehört Penny), der Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufl and), Aldi (Süd und Nord) und Metro (mit Real). Wer bei ihnen verkaufen will, muss ihre Regeln akzeptieren.

Längst haben die Supermärkte und Discounter den Bio- Markt für sich entdeckt, haben zum Teil eigene Bio-Siegel. Und sie bieten noch mehr: Seit Anfang des Jahres gibt es bei Kaufl and Produkte des strengen Öko-Verbands Demeter, die bislang nur in Reformhäusern und ausgewählten Naturkostläden zu fi nden waren. Aldi hat die Bio-Traditionsmarke Schneekoppe ins Sortiment aufgenommen. Konkurrent Lidl ist eine Kooperation mit Bioland, dem größten deutschen Öko- An bau verband, eingegangen. Und Naturland arbeitet mit Rewe zusammen. Auch bei Real und Edeka stehen Produkte der Bio-Anbauverbände im Regal.

Doch Bio ist nicht gleich Bio. Vor allem dann, wenn es sich nicht um eines der strengen Siegel der Anbauverbände handelt (s. Seite 55), sondern um eine Bio-Eigenmarke der Supermärkte. Diese Produkte erfüllen den Mindeststandard nach der EUÖko- Verordnung, was die Erzeu gung, Verarbeitung, Kennzeichnung und Kontrolle betriff t, gehen aber selten darüber hinaus. Zu erkennen sind sie an dem europaweit geltenden Bio- Siegel, dem grünen Blatt aus Sternen, und dem deutschen Bio-Siegel (ein grün umrandetes Sechseck, in dessen Mitte „Bio“ steht). Produkte mit diesen Siegeln dürfen sich „biologisch“ oder „ökologisch“ nennen. Auch Wortkombinatio - nen wie „organisch biologisch“ oder „kontrollierter biologischer Anbau“ sind er - laubt. Begriff e wie „naturgedüngt“, „umweltgerecht“ oder „kontrollierter Anbau“ dagegen sind kein Hinweis auf ökologische Erzeugung, warnen Verbraucherzentralen.


Manche Mittel sind beim EUBiosiegel zugelassen, andere nicht. Also genau hinschauen, was man kauft“
Kevin Smith-Weißmann, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft


Beispiel Gemüseanbau: Hier sind die Unterschiede zwischen staatlichen Siegeln und denen von Demeter, Bioland und Naturland besonders offensichtlich. „Die Verbände machen deutlich mehr Einschränkungen“, sagt Kevin Smith-Weißmann vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. So seien zum Beispiel in der EU-Verordnung Tier-, Blutund Knochenmehl als organischer Dünger zugelassen, bei den Verbänden nicht.

Bio aus Übersee

„Für den EU-Bio-Standard ist auch eine Teilumstellung des Betriebs auf ökologische Landwirtschaft möglich, bei den Anbauverbänden muss der gesamte Betrieb umgestellt werden.“ Tiertransporte werden bei den einen auf vier Stunden begrenzt, bei den anderen nicht.

Eines der größten Probleme ist jedoch, dass zu den Transportwegen weder die EU-Öko-Verordnung noch die Anbauverbände Vorgaben machen. Das bedeutet in der Praxis, dass Produkte mit einem Bio-Zertifi - kat oft eine Reise um die halbe Welt zurücklegen. Auch deshalb, weil die heimischen Bio-Bauern den Bedarf bei Weitem nicht decken können.

Biologische Backwaren

Zusatzstoffe und Hilfsstoffe (E-Nummern) sollen möglichst wenig eingesetzt werden.
• Fragen Sie den Bäcker, welche Enzyme er für welche Zwecke verwendet.
• Kann er garantieren, dass die Enzyme ohne Gentechnik hergestellt wurden?
• Eine Bio-Bäckerei sollte nicht mehr als zwölf Zusätze verwenden.

Biologische Getränke

Die Auswahl an Bio-Weinen und -Bier ist noch sehr gering. Das hat vor allem damit zu tun, dass insbesondere beim Weinanbau die ökologische Landwirtschaft aufwendig und dadurch teuer ist. Bio-Bier gibt’s nur von kleineren Brauereien.

Bio – Ware aus der Region

Wer also Wert auf ökologische Erzeugung und Nachhaltigkeit gleichermaßen legt, sollte beim Einkauf zu saisonaler Bio-Ware aus der Region greifen wie die Marke „Unser Land“.

Florian Görbing ist Bio- Landwirt aus der Nähe von Landau und sieht den Trend, dass die Verbände wie Demeter, Bioland und Naturland in die Supermärkte drängen, durchaus kritisch. „Ich betreibe meinen Gemüsehof seit 25 Jahren ökologisch. Für mich war Bio immer mehr als nur Lebensmittel ohne Gift. Wir Pioniere hatten eine Idee von einer alternativen Landwirtschaft, von fairen Löhnen und einem fairen Miteinander“, sagt der 55-Jährige. Jetzt aber, wo es all diese Sachen auch in Supermärkten gebe, könne man viele dieser Ideale nur noch schwer hochhalten. „In unserem Hofl aden kostet der Liter Milch mit Naturland-Label 1,55 Euro, bei Lidl zwei Ortschaften weiter gibt’s die Bioland- Milch für 99 Cent. Der Preisdruck nimmt zu, aber mit den Konzepten vieler Bio-Pioniere kann man nicht zu den Preisen der Discounter produzieren.“ Knapp elf Mil- liardcn Euro gaben die Kunden 2018 in Deutschland für Öko- Produkte aus, davon blieben 59 Prozent bei Supermärkten und Discountern. Und die Umsätze steigen:zuletzt um 8,6 Prozent, während die klassischen Bioläden nur um 0,8 Prozent zulcgten.

Regionale Märkte nutzen

Vertreter der strengen Bio-Zer- tifikatc geben sich inzwischen bei Supermarktketten die Klinke in die Hand und nehmen zu den Verhandlungen auch Landwirte mit. „Dann verstehen die Manager, dass wir ein ganzes Tier vermarkten müssen, nicht nur die Edelteile, sondern auch die Innereien“, erklärt dazu Bioland-Präsident Jan Plagge.

Biologisches Obst

Heimisches Obst wie Äpfel, Birnen, Pflaumen oder Kirschen gibt es flächendeckend in Bio-Qualität. Bei den Exoten wie Mango oder Bananen sind die Produktions- Prozesse oft schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt der lange Transportweg.

Biologische Milchprodukte

Das Futter für die Kühe muss ebenfalls aus ökologischem Anbau kommen und auch die Molkerei darf nur biologische Produkte verwenden.

Die Ernährungs-Wissenschaftlerin Martina Grabauer freut sich, dass nun auch immer mehr Supermärkte nahezu den gesamten Bedarf eines Haushalts in Bio-Qualität anbieten. Trotzdem plädiert die Berline- rin dafür, auf Wochenmärkten einzukaufen. „Dort gibt es Obst, Gemüse, Käse und vieles mehr, regional und saisonal, meist aus ökologischer Landwirtschaft“, sagt sie. Dort könne man auch mal eine einzelne Bio-Zucchini kaufen und müsse nicht den viel teureren Dreierpack aus dem Supermarkt nehmen, von dem man dann am Ende vielleicht einen Teil wegwerfen muss. „Das Gerücht, dass Bio nur was für Gutverdiener ist, stimmt nicht.“


„Viele unserer Ideale können wir nicht mehr hochhalten“
Florian Görbing, Bio-Landwirt


Demeter ist zwar auch einem Preisdruck der Supermärkte ausgesetzt, stellt seinerseits aber auch Forderungen: Wer das Label in seinem Sortiment haben will, muss mindestens sieben Prozent seines Umsatzes mit Bio-Produkten machen. Die Märkte werden außerdem zu einem Nachhaltigkeits-Management verpfl ichtet und müssen die biologische Wirtschaftsweise fördern. Außerdem muss die Ware herausragend platziert sein. Supermärkte lassen sich auf diese Vorgaben ein, weil sie wissen: Die Nachfrage nach Bio wird weiter steigen und die Kunden wollen die Wahl haben.

Das bedeuten die Bio-Siegel

Wo Bio draufsteht, ist Bio drin. Aber es gibt Unterschiede

Deutsches und EU-Siegel
Das deutsche (l.) und das EU-Bio- Siegel kennzeichnen Produkte ohne Gentechnik. Für deren Verarbeitung sind von über 300 in der EU zugelassenen Zusatzstoffen (z. B. E 322) nur 53 erlaubt; auf chemische Pflanzenschutzund Düngemittel wird verzichtet.

Die Strengen
Die Anbauverbände stellen mit ihren Logos weit höhere Ansprüche an die Produkte. Nur 22 Zusatzstoffe sind erlaubt (Demeter 21). Bei Milchkühen ist ein Freigelände, im Idealfall eine Weide, für den Auslauf vorgeschrieben.

Die Marken-Labels
Meist erfüllen die Bio-Produkte der Handelsketten lediglich die Vorgaben des EU-Bio-Siegels. Achten Sie bei der Zutaten-Liste darauf, ob auch wirklich alle Inhaltsstoffe ökologischen Ursprungs sind. Nur Salz und Wasser sind nicht kennzeichnungspflichtig.


Foto: BMEL, EU-Kommission, Bioland, Aldi Süd, Edeka, PR (4); Illustrationen: Shutterstock