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Lohnen sich Pyramiden?


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 28.10.2021

MIT WENIGEN TRADES ZU HOHEM GEWINN

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 11/2021

Wir wollen Ihnen an dieser Stelle nun fünf verschiedene Arten von Pyramiden vorstellen, wobei die eine oder andere Ihnen bereits bekannt vorkommen dürfte. Bei dreien davon wird im Gewinnfall hinzugekauft, bei zweien im Verlustfall verbilligt nachgekauft.

Die Strategien im Einzelnen:

1. Halbe Positionen hinzufügen

2. Wiederholen der Ursprungsposition

3. Verdoppeln

4. Negatives Pyramidieren

5. Negatives Pyramidieren mit Verdoppelung.

Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen: Wie oft haben Sie das schon gehört und – Hand aufs Herz – wie schwer ist diese Regel doch zu befolgen (wir sprechen aus Erfahrung …). Hier geht es darum, diese Regel anzuwenden, da sie die Grundlage des Pyramidierens darstellt. Nachdem man eine Position eingegangen ist, wird ein Stopp zur Verlustbegrenzung gesetzt, der eine bestimmte Anzahl von Punkten vom Einstiegspreis entfernt ist. Es gibt ...

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... dabei keine feste Regel, wie weit entfernt das sein muss. Entweder verwendet man einen fixen Betrag vom zur Verfügung stehenden Gesamtkapital oder setzt ihn abhängig von der aktuellen Marktvolatilität entsprechend näher oder weiter entfernt.

„Soll ich zukaufen? Und wenn ja, wie viel?“

Die Methode zur Verlustbegrenzung (und etwas später – im Falle einer günstigen Marktentwicklung – dann der Gewinnsicherung) durch nachziehende Stopps ist recht einfach handzuhaben: Kommt die Position in den Gewinn, so wird der Stopp entsprechend nachgezogen. In der Fachterminologie nennt man diese Art von Verlustbegrenzung Trailing-Stopp. Zum ersten Mal wird dieser Stopp in der Regel nachgezogen, wenn der aufgelaufene Buchgewinn so groß ist, wie der ursprüngliche Stopp vom Einstiegspreis entfernt war. Das wiederholt man nun bei jedem Anstieg um diese Punktzahl.

Ein Beispiel

Angenommen, bei 100 wurde eine Long-Position gekauft. Der erste Stopp wird zehn Punkte unter dem Einstieg, also bei 90 gesetzt. Wenn die Kurse nun steigen und die Marke von 110 erreicht werden sollte, wird der Stopp auf 100 nach oben gezogen. Wird dann 120 erreicht, liegt der Stopp bei 110 und so weiter. Dieser Stopp darf unter keinen Umständen wieder zurückgenommen werden. In Märkten, die ein Trendverhalten aufweisen, kann man auf diese Art und Weise den größten Teil des Trends einfahren.

1. Halbe Position hinzufügen

Vielen Tradern genügt das Potenzial einer sich günstig entwickelnden Position nicht und sie versuchen mehr daraus zu machen. Jedes Mal, wenn nach dem ersten Verfahren für nachziehende Stopps das Preisziel erreicht wird, werden Kontrakte oder Aktien nachgekauft: Beim ersten Mal die halbe Anzahl der an der Ursprungsposition beteiligten Aktien oder Kontrakte, dann ein Viertel.

Beispiel: Die Ursprungsposition umfasst vier Kontrakte, die bei 100 gekauft wurden. Der Stopp liegt bei 90. Steigen die Kurse auf 110, wird der Stopp auf 100 angehoben und zwei weitere Kontrakte werden zu 110 gekauft. Steigen die Kurse weiter, wird der Stopp auf 110 nachgezogen und ein weiterer Kontrakt zu 120 gekauft.

2. Wiederholen der Ursprungsposition

Aggressiver als im ersten Beispiel gestaltet sich diese Strategie. Anstatt nur die halbe Position nachzukaufen, wird stets die gleiche Anzahl von Aktien oder Kontrakten nachgekauft. Ab dem zweiten Nachkauf besteht bei normalem Marktverlauf kein Verlustrisiko mehr, aber auch keine Aussicht auf Gewinn. Ab dem dritten Zukauf wird dann ein Gewinn festgeschrieben, weil beim Auslösen des Stopps die Position oberhalb des rechnerischen Durchschnittspreises von 115 – mit einem aufgelaufenen Gewinn von 20 Punkten (4 *(120 -115)) – aus dem Markt genommen wird.

3. Verdoppeln

Man kann diese Strategie noch aggressiver durchführen, indem man nicht nur die originale Position nochmals kauft, sondern die doppelte Anzahl. Das Problem dabei ist jedoch, dass dadurch das Verlustrisiko überproportional zunimmt. Dies würde der Devise „Verluste begrenzen“ widersprechen. Es ist jedoch möglich (beziehungsweise auch anzuraten, wie wir es in unserem Zahlenbeispiel getan haben), dass man dieses Verdoppeln auf eine bestimmte Anzahl begrenzt.

4. Negatives Pyramidieren

Einige von Ihnen werden von den bisher aufgeführten Beispielen vielleicht etwas abgeschreckt werden. Der Gedanke, etwas zu einem höheren Preis zu kaufen, als man ursprünglich dafür bezahlt hat, erscheint wenig erfolgversprechend. Schließlich erhöht man dadurch letztlich den (durchschnittlichen) Einstiegspreis der Gesamtposition und gibt so wieder einen Teil des Gewinnes der ursprünglichen Position ab. Wenn man bei 100 gekauft hat, würde man dann eher bei 95 als 110 nachkaufen?

Solch ein Verbilligen des Einstiegspreises nennt man auch negatives Pyramidieren. Fallen die Kurse so weit, bis man ausgestoppt wird, ist der Verlust allerdings höher als bei der Ursprungsposition. Sollten die Kurse jedoch drehen und in die gewünschte Richtung laufen, dann erhöht sich der Gewinn.

5. Negatives Pyramidieren mit Verdoppeln

Man kann das negative Pyramidieren auch auf die Spitze treiben, indem man die Position nach unten nicht nur verbilligt, sondern die Anzahl der beteiligten Kontrakte zudem stetig erhöht. Das Prinzip des Verdoppelns haben wir ja bereits kennengelernt. Das negative Pyramidieren mit Verdoppelung funktioniert genauso. Wie auch schon im vorhergehenden Beispiel erhöht sich der Verlust deutlich, würde man ausgestoppt werden. Sollten die Kurse jedoch auch hier wieder drehen und in die entsprechende Richtung laufen, ergeben sich viel höhere Gewinne.

„Der große Erfolg des Pyramidierens liegt darin, mit wenigen Trades einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.“

Negatives Pyramidieren (Beispiele 4 und 5) bietet zwar recht gute Chancen, wenn die Kurse wieder in die gewünschte Richtung laufen, doch sollte man ausgestoppt werden, ergeben sich ungleich höhere Verluste als bei einer einfachen Position. Man kann das Verlustrisiko (natürlich auch das Gewinnpotenzial) allerdings dadurch reduzieren, dass man nicht mit der kompletten Kontraktanzahl, die man zu halten bereit ist, in den Markt geht, sondern erst mit einer geringeren Anzahl und sie danach mit dem Pyramidieren entsprechend aufstockt.

Was bringen diese Strategien?

Die genannten Strategien wurden über einen Zeitraum von rund 13 Jahren auf die T-Bonds getestet. Wenn Sie die Ergebnisse in der Tabelle betrachten, werden Sie deutliche Unterschiede bei den Ergebnissen feststellen.

Mit Abstand am schlechtesten schneidet das negative Pyramidieren (Beispiele 4 und 5) in seinen beiden Formen ab. Diese beiden Strategien sollten also mit Vorsicht verwendet werden. Beim normalen Pyramidieren (Beispiele 1 bis 3) übersteigen die Gewinne sichtbar das Ergebnis einer einfachen Position. Während dabei lediglich ein durchschnittlicher Gewinn von 214 US-Dollar erzielt werden konnte, konnte bei Strategie 2 – dem Wiederholen der Ursprungsposition – ein dreimal so hoher Gewinn erzielt werden. Wenn man dabei die Gewinne nicht berücksichtigt, die über 5.000 US-Dollar liegen, dann lag der Gewinn dieser Strategie immerhin noch doppelt so hoch.

Betrachten Sie bei der Tabelle bitte die prozentuale Verteilung der Gewinn- und Verlusttrades. Solche Zahlen treiben jedem Analysten den Schweiß auf die Stirn. Während bei der herkömmlichen Position rund 50 Prozent der Trades danebengingen, waren es beim Spitzenreiter (Strategie 2) sage und schreibe 67 ,6 Prozent. Eine unglaubliche Zahl, die zeigt, wie oft man ausgestoppt wurde. Den Verlierern stehen lediglich 20,7 Prozent Gewinntrades gegenüber. Davon war jedoch beinahe die Hälfte (9,3 Prozent) Trades mit einem Gewinn über 5.000 US-Dollar. Beachtliche Ausbeute!

Fazit

Als Resümee kann man wohl eindeutig sagen: Negatives Pyramidieren sollte für Trader nicht zu den Standardstrategien gehören. Am besten fährt man, wenn man jedes Mal, wenn der Stopp nachgezogen wird, eine weitere (Original-)Position zu den bestehenden hinzufügt. Das brachte langfristig die höchsten Gewinne.

Wenn man etwas konservativer an die Sache herangehen möchte, dann verwendet man Strategie 1, das Hinzufügen der halben Position. Das ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn man mehrere Kontrakte handelt. Beim Handel mit Aktien kann sich das auch schon mit kleineren Positionsgrößen auszahlen. Für aggressive Trader kommt eher Strategie 3 in Frage. Hier wird die Position jeweils verdoppelt, wenn der Stopp nachgezogen wird. Die Ergebnisse von Strategie 1 und 3 sind weitestgehend identisch. Strategie 1 hat hier einen kleinen strategischen Vorteil, da weniger Transaktionskosten anfallen.

Der große Erfolg des Pyramidierens liegt darin, mit wenigen Trades einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Das ist am ehesten in solchen Zeiten möglich, in denen sich ausgeprägte Trends zeigen. Wenn man also seine Chancen mit dem Pyramidieren zu erhöhen gedenkt, sollte man ab und zu den Blick auf Wochencharts richten, wo sich diese ausgeprägten Trends am leichtesten erkennen lassen. (Ein Tipp: Wenn Aktien keine Trends aufweisen, gibt es oft andere Märkte, die deutliches Trendverhalten zeigen, etwa Rohstoffe.) Dadurch erhöht man die Gewinnchancen deutlich und reduziert die Gefahr, unnötig oft ausgestoppt zu werden.