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LONGROOF SURVIVOR


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 22.12.2021

1967er Chrysler Town & Country

Artikelbild für den Artikel "LONGROOF SURVIVOR" aus der Ausgabe 1/2022 von Chrom & Flammen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 1/2022

In den '60ern war es üblich, dass in den amerikanischen Vorstädten vor jedem fünften Haus ein Kombi parkte. Viele dieser Arbeitstiere durchliefen eine ähnliche Karriere: Zunächst dienten sie als Schulbusersatz, der praktischerweise gerade noch so eben in die Garage passte, anschließend nahm eines der früheren Schulkinder den Wagen als Partymobil mit zum College, wonach dieser meist reif für die Schrottpresse war. Dieser Chrysler-Kombi wurde dagegen gehegt und gepflegt, ein cleveres Upgrade machte ihn zudem fit fürs 21. Jahrhundert.

Zu den Zeiten, als der hier gezeigte Wagon hergestellt wurde, beherrschten die “großen Drei” (plus AMC) den Neuwagenmarkt in den USA. Bevor Minivans und SUVs auf den Plan traten, waren Kombis ein wichtiger Teil in den Modellpaletten aller heimischen Hersteller. Das galt besonders für Ford und bis zu einem gewissen Grad für AMC, die im ...

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... Vergleich zu GM und Chrysler einen höheren Anteil an Station Wagons verkauften. Das heißt aber nicht, dass nicht auch GM und Chrysler interessante Kombis produzierten: Beide Konzerne boten “Pampersbomber” mit Big-Block-Maschinen an, sowohl im Intermediate- als auch im Full-Size-Bereich.

Gerade GM hatte einige A-Body-Intermediate-Kombis im Programm, die mit den richtigen Optionen so ausgestattet werden konnten, dass sie beinahe den damaligen Muscle Cars – wie etwa dem Pontiac GTO oder dem Olds 4-4-2 – entsprachen. So war das eben zu diesen glorreichen Zeiten, als Hubräume und PS-Zahlen gar nicht groß genug sein konnten und der Sprit 30 Cent pro Gallone kostete.

Aber genug über General Motors, in dieser Story geht es um eine fantastische Mopar-Land-Yacht – einen 1967er Chrysler Town & Country 9-Sitzer Wagon in unglaublichem Zustand! Um ein Gefühl für die Ausmaße dieses Giganten zu bekommen, hilft es, die Dimensionen zu denen moderner SUVs in Relation zu setzen: Mit 5,58 Metern ist der Town & Country fast einen halben Meter länger als ein 2021er Dodge Durango und liegt ungefähr auf der Mitte zwischen einem Chevy Tahoe (5,35 m) und einem Suburban (5,75 m).

Bis 2016 verwendete Chrysler den Namen “Town & Country” für seinen Top-of-the-line-Minivan, im Jahr 1967 stand die Bezeichnung für das mit einem Grundpreis von 4.390 Dollar teuerste Modell der Einstiegslinie “Newport”. Damals war die Chrysler-Modellhierarchie in “Newport”, “300” und “New Yorker” gegliedert. Dementsprechend steht an der zweiten Stelle der Fahrgestellnummer dieses Town & Country ein “E” für “Economy”, während Fahrzeuge der “300”-Serie mit einem “M” und die “New Yorker”-Modelle durch ein “H” gekennzeichnet wurden. Ein bereits von Vorbesitzer Andrew Shaw eingeholter Bericht von der seinerzeitigen DaimlerChrysler-Abteilung “Historical Services” weist den Kombi als einen von 7.520 “Newport”-Wagons in 9-Sitzer-Konfiguration aus, die 1967 gebaut wurden.

Das Dokument gibt zudem Auskunft darüber, dass der in “Spice Gold” lackierte Station Wagon im Chrysler-Werk in Newark, Delaware produziert und von der Firma Teterboro Chrysler-Plymouth nahe der Route 48 in Teterboro, New Jersey an seinen ersten Besitzer ausgeliefert wurde. Wenn man sich den Wagen heute genau ansieht, insbesondere aus der Nähe, kann man nur staunen über dessen unberührten Zustand. Beim Kauf durch Debbie und Larry hatte der Chrysler gerade einmal 51.000 Meilen auf dem Tacho, und bis heute funktioniert an diesem Straßenkreuzer alles, sogar die Uhr.

“Zum ersten Mal entdeckten wir diesen erstaunlich gut erhaltenen Station Wagon auf Ebay”, berichtet Larry. Larry ist Gründer der Perfomance West Group, einem Unternehmen, das sich auf den Aufbau von Image Cars für große Unternehmen spezialisiert hat, welche die Fahrzeuge unter anderem regelmäßig dazu nutzen, diese auf der SEMA Show als Aushängeschilder auszustellen. Aktuell baut die Performance West Group Dodge-Modelle für die Marke “Mr. Norm” des legendären, kürzlich verstorbenen Norm Kraus in Kleinserie aufwendig um.

“Der Town & Country schien in einem wirklich kaum benutzten Zustand zu sein, der Preis lag aber außerhalb unseres Budgets”, schildert Larry. “Etwa nach einem halben Jahr wurde der Wagen wieder angeboten. Dieses Mal von einem Vermittler und zu einem deutlich niedrigeren Preis. Nach etwas Verhandlung haben wir uns auf einen Preis geeinigt, mit dem wir beide leben konnten.” Laut dem, was Larry über den Station Wagon in Erfahrung bringen konnte, wurde der Chrysler vom Erstbesitzer in New Jersey nur vier Jahre und vornehmlich bei schönem Wetter gefahren, bevor er bis Mitte der 90er Jahre abgestellt und im Rahmen einer Nachlassauflösung angeboten wurde.

1967er Chrysler Town & Country 9-Sitzer

Motor: OHV-V8, 383 ci, 6.277 ccm, 270 PS bei 4.400 U/Min, 529 Nm bei 2.800 U/min; Bohrung × Hub in mm: 108 × 85,7; Verdichtung 9,2:1; Carter-Zweifach-Vergaser

Kraftübertragung: Dreigang-Automatikgetriebe “Torque Flite” 727, Hinterradantrieb, Gear Vendors Overdrive

Vorderachse: Einzelradaufhängung, längsliegende Drehstabfedern, Teleskopstoßdämpfer

Hinterachse: Starrachse, Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer

Bremsen: Scheibenbremsen vorn /Trommelbremsen hinten

Räder: 15"-Stahlräder mit Originalradkappen Reifen: Weißwandreifen in 235/75 R15

“Anschließend landete der Chrysler in der Sammlung eines Mopar-Enthusiasten, der vor allem Hemis sammelte”, erzählt Larry. “Er behielt den Wagen bis 2008, als er ihn zusammen mit einigen seiner Hemi Cars veräußerte und wir ihn kaufen konnten.” Seitdem sind fast 15 Jahre vergangen, in denen der Kombi laut Larry “zu einem Familienmitglied wurde”. Obwohl Debbie und Larry den Chrysler so oft wie möglich fahren, benötigte der Wagen nie mehr als regelmäßige Wartungen und sorgfältige Pflege. Larry ließ ein Overdrive-Getriebe von Gear Vendors nachrüsten, das auf Knopfdruck die Übersetzungsverhältnisse der TorqueFlite-727-Dreigang-Automatik um 22 Prozent streckt. Diese Modifikation sorgte dank gesenkter Drehzahlen für mehr Alltagstauglichkeit, denn heute liegen sowohl der Benzinpreis als auch das übliche Tempolimit auf dem Highway deutlich höher als 1967.

Daher kam es auch gar nicht in Frage, den Station Wagon zurückzulassen, als Debbie und Larry sich entschlossen, den zunehmend hektischen und überfüllten “Golden State” in Richtung Oregon zu verlassen. Das Paar schätzt nicht nur das entspanntere Lebensgefühl des Pazifischen Nordwestens, sondern auch Landschaft und Architektur: “Große Teile des Südwestens von Oregon bieten einen Einblick in das klassische Amerika vergangener Jahrzehnte, von dem in vielen anderen Teilen des Landes nichts mehr zu sehen ist”, beschreibt Larry. Ein perfektes Beispiel für solche Plätze ist die guterhaltene Werbung, die auf der Ziegelmauer eines früheren Lebensmittelladens aufgemalt ist. Die Anzeige wirbt für Holsum Bread, das früher in Nick's Quality Market verkauft wurde. Sie ist eine tolle Erinnerung, dass diese Art von Werbung vom Beginn bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gang und gäbe war.

Mehr Bilder findet Ihr in unseren Bonus Galleries

Nachdem Larry das historische Billboard bei einer Ausfahrt mit dem örtlichen Corvette Club entdeckt hatte, beschloss er, mit dem- Town & Country für eine kleine Fotosession zurückzukehren. So entstand das tolle Aufmacherfoto des Mid-Century Station Wagon vor einer zeitgenössischen Kulisse. Volltreffer –a perfect match!

Text: Richard Truesdell/Frank Mundus