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LORBERG: FORSCHUNG FÜR DIE ZUKUNFT


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 01.03.2019

Die H. Lorberg Baumschulerzeugnisse GmbH & Co. KG gehört europaweit zu den ganz Großen in ihrer Branche. Spezialität sind große Bäume und Solitärpflanzen; exportiert wird in 32 Länder, mit Schwerpunkt Russland. Im Herbst 2018 bekam das Unternehmen einen Zukunftspreis.

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Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 2/2019

„Alleen der Zukunft“: Silberlinden (Tilia tomentosa ‘Brabant‘), hier als Hochstamm, haben im Test bei Lorberg mit am besten abgeschnitten.


Bei Lorberg sind in zwei Betrieben, einem Handels- und einem Produktionsbetrieb, 180 Mitarbeiter beschäftigt. Neben dem 800 Hektar großen Hauptsitz in Tremmen (Havelland) gibt es zwei weitere Standorte: ...

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... im brandenburgischen Kleinziethen (zehn Hektar) und in Baden-Baden (20 Hektar). Beide Zweigbetriebe bedienen mit breitem Sortiment den regionalen Großhandel und Privatkunden. Auch Tremmen ist offen für Privatverkauf, doch dieser ist nur ein Nebensegment – in der Hauptsache werden dort die großen Bäume und Solitäre produziert und für den west- und osteuropäischen Export verladen.

„Das Traditionsunternehmen ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und trägt als Ausbilder und enger Kooperationspartner der Wissenschaft zur Fachkräftesicherung in der Region bei“, heißt es in der Jurybegründung zum Brandenburger Zukunftspreis. Die sechs Wirtschaftskammern des Landes loben ihn für Unternehmen mit besonderen Leistungen aus. Was macht das Familienunternehmen Lorberg zukunftsfähig?

Biologisches Pflanzenschutz-Management

Eine Besonderheit der Firma ist die intensive Kooperation mit der Wissenschaft: Vor vier Jahren begann man ein Gemeinschaftsprojekt zum biologischen Pflanzenschutz mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Ziele des Forschungsprojekts sind: Herbizide und Pestizide in der Gehölzproduktion zu reduzieren, Lebensräume für Insekten zu schaffen und möglichst robuste Bäume für den urbanen Raum zu produzieren.

Gründüngung auf breiter Fläche, hier mit Phacelia, bietet nützlichen Insekten eine reiche Nahrungsquelle.


Stefan Lorberg, Geschäftsführer der Baumschule, ist in der sechsten Generation das Oberhaupt des Familienbetriebs.


Dafür stehen im Test die Baumschulpflanzen zusammen mit ihren natürlichen Nützlingen in Kultur: Auf über 50 Hektar Produktionsfläche wird jeweils im Frühjahr und Herbst in Tremmen eine artenreiche, mehrjährige Kräutermischung zwischen die Pflanzreihen gesät. Die Flächen bieten viele Monate lang eine reiche Nahrungsquelle für Insekten. Schon bald nach Beginn des Versuchs stellten sich erste Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Raubmilben ein; der chemische Pflanzenschutz konnte deutlich reduziert werden, sagt Geschäftsführer Stefan Lorberg.

Durch eine auf die Kultur abgestimmte Untersaat können Anzahl und Artenvielfalt der Nützlinge zusätzlich gesteigert werden: Darauf basierend testete man im Frühjahr 2015 drei unterschiedliche Reihen mit je 400 Linden (Tilia europaea ‘Pallida’) mit einem Stammumfang von 10 bis 12 Zentimetern. Bei allen drei Testreihen wurde weitgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichtet.

Im ersten Quartier kam eine betriebsübliche Rasenmischung als Untersaat zur Anwendung, im zweiten eine artenreiche Kräutermischung; das dritte Quartier wurde als Kontrollreihe mechanisch von Bewuchs freigehalten. Die Frage lautete: Inwieweit wirkt sich eine unterschiedliche Kulturführung auf Pflanzengesundheit und -wachstum sowie auf die Anzahl der Nützlinge aus?

Bereits im ersten Standjahr wiesen die Gehölze mit einer artenreichen Kräutermischung als Untersaat die meisten Nützlinge, die geringste Anzahl an Schädlingen und die schwächsten Schadsymptome auf: „An den Linden mit artenreicher Untersaat etablierte sich deutlich schneller eine stabile Raubmilbenpopulation (Phytoseiidae ) als an den Blättern der anderen Versuchsvarianten“, ist in dem Tagungsband „Stadt der Zukunft“ der Beuth Universität aus dem Jahr 2017 zu lesen. Sechs Monate nach der Aufschulung habe man erstmals über 0,5 Raubmilben (Phytoseiidae ) pro Lindenblatt gezählt. Ab diesem Wert werde im Obstbau davon ausgegangen, dass Schadmilben ausreichend reguliert werden. An Lindenblättern mit der artenreichen Untersaat habe sich keine nennenswerte Population phytophager Gallmilben (Eriophyidae ) entwickeln können.

Dieses Ergebnis habe dazu motiviert, mehr Zeit und Energie in die richtige Zusammensetzung der Saatmischung zu investieren und sie optimal für die Baumschulproduktion zu gestalten, sagt Lorberg. Dabei seien die Wuchshöhe der Kräuter und die Nützlingsarten, die sie beherbergen, wichtige Faktoren, um eine praxistaugliche Mischung für die Baumschule zu finden.

Phase 1 des Forschungsprojekts ist abgeschlossen; die Ergebnisse werden nun im Rahmen einer Dissertation ausgewertet. Ein Folgeprojekt soll sich den Nützlingen widmen, welche die Gehölze beim Umsetzen „mitbringen“. Die Frage lautet, ob eine Besiedelung durch Raubmilben & Co die Pflanzen so stärken kann, dass sie sich am Endstandort besser etablieren.

Projekt heute für Alleen der Zukunft

In der Stadt sind Bäume vielfältigem Stress ausgesetzt: zu kleine Baumscheiben, Schadstoffe, salzige Böden. Hinzu kommt der Klimawandel mit lange anhaltenden, heißen Trockenperioden und einer ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung. Dies schwächt die Pflanzen zusätzlich und macht sie anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Auch zu diesem Thema betei-

Bild links: Liquidambar styraciflua gilt als geeignete Pflanze für den Klimawandel.


Bild Mitte und rechts: Kiefern einmal anders: Heimische Wald-Kiefern (Pinus sylvestris), die nach dem Vorbild der italienischen Mittelmeer-Kiefer (Pinus pinea) als Schirmform gezogen wurden.


ligt sich die Firma Lorberg an einer Kooperation – diesmal mit dem Fachgebiet Urbane Ökophysiologie der Pflanzen der Humboldt-Universität zu Berlin (HU).

Bei dem Projekt, das eingebettet ist in das Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin (INKA BB), werden zukunftsträchtige Baumarten und -sorten hinsichtlich ihrer morphologischen, phänologischen und stressphysiologischen Eigenschaften untersucht. Ein Teil der Bäume (80 verschiedene Arten) wurde in Kleinziethen gepflanzt – eingeteilt in drei Gruppen mit jeweils unterschiedlicher Bewässerung.

Der andere Teil der Bäume steht mitten in Berlin, an der Neuen Späthstraße, die sämtliche Kriterien eines extremen Standorts erfüllt: starke Windbelastung, Gefälle des Pflanzstreifens, keine Beschattung, ein vierspuriger, mit mehr als 40.000 Fahrzeugen pro Tag befahrener Autobahnzubringer, Abgasimmissionen und eine hohe Belastung mit Auftausalz. Getestet werden Japanische Zelkove (Zelkova serrata ), Kobushi-Magnolie (Magnolia kobus ), Ungarische Eiche (Quercus frainetto ), Italienische Erle (Alnus cordata ), Rotesche (Fraxinus pennsylvanica ) sowie Kegel-Feldahorn (Acer campestre ‘Elsrjik’). Mit Projektende 2019 gibt es eine Auswertung – dann wird sich zeigen, welche Gehölze den Praxistest an einem Extremstandort bestehen.

Schnelle Selektion dank In-vitro-Kulturen

Bei einem weiteren Forschungsprojekt mit dem Titel „Trees4Streets“ und einer Laufzeit von 2016 bis 2020 sind neben dem Unternehmen Lorberg zwei weitere Baumschulen, das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) und die HU mit an Bord. Das Ziel von „Trees4Streets“ ist die Selektion und anschließende Produktion von in vitro vermehrten, stresstoleranten Straßen- und Alleebäumen.

Durch In-vitro-Kultur können wurzelechte Gehölze bereitgestellt werden, die durch physiologische Frühtests auf Trocken-, Salz-, Hitze- und Spätfrosttoleranz wissenschaftlich getestet wurden, sagt Lorberg. Dazu habe man in den vergangenen Jahren in Berlin etwa 150 Klone selektiert. In die Auswahl kamen Berliner Straßenbäume, die ein auffällig gesundes und vitales Erscheinungsbild in schwierigen Standortsituationen zeigten, sowie bereits selektierte Gehölze aus anderen Versuchseinrichtungen und Baumschulbetrieben.

Im neu entwickelten In-vitro-Schnelltestverfahren werden die Sprosse auf Trockenheit, Hitze und Kälte, Salz sowie Stickstoffüberschuss und Stickstoffmangel getestet und weiter selektioniert. Damit können in kurzer Zeit stresstolerante Sorten identifiziert und mittels der In-vitro- Kultur auf eigener Wurzel in großen Mengen produziert werden, erklärt Lorberg. Die wurzelechte In-vitro-Vermehrung sei bedeutend schneller als der bisherige Selektionsprozess – außerdem gebe es keine Probleme wie beim Veredeln durch eine fremde Unterlage und mit Veredelungsstelle.

Die gewonnenen Sprosse werden akklimatisiert und die etwa 15 Zentimeter großen Jungpflanzen erneut geprüft. 2019 kommen sie als starke Heister in die Baum schule Lorberg zum Aufpflanzen. „Ziel ist es, einen wissenschaftlich geprüften, stresstoleranten Straßenbaum mit einem Stammumfang von 18–20/25 Zentimetern zur Verwendung in typischen Stadtsituationen aufzuziehen“, sagt Lorberg.

Bis zum Projektende 2020 sollen die methodischen Grundlagen für Screening und Zertifizierungsverfahren für an den Klimawandel angepasste Gehölze geschaffen sowie eine webbasierte Informationsplattform erstellt werden. Des Weiteren ist geplant, in Kommunen Demonstrationspflanzungen für Informations- und Monitoring-Zwecke anzulegen.

Großbäume im SpringRing

Auch auf anderen Gebieten zeigt man sich im Unternehmen Lorberg offen für Innovation. Beispiel SpringRing: Stefan Lorberg ist von dem Kulturverfahren überzeugt, weshalb man dieses in Tremmen als eine der ersten Baumschulen im großen Stil in die Produktion einführte. Auf einer Fläche von zehn Hektar stehen nun Großbäume in SpringRing-Containern. Das System biete viele Vorteile, sagt Lorberg. Unter anderem erlaube es Sommerpflanzung, womit jeder gewünschte Termin erfüllt werden könne, und es erübrige sich ein Pflanzschnitt nach der Pflanzung.

Großbäume als Spezialität des Unternehmens wachsen bei Lorberg teilweise bis zu 60 Jahre, bevor sie in Gärten und Parks verpflanzt werden. Nicht nur ihre schiere Größe ist beeindruckend – auch die Tatsache, dass Stefan Lorberg immer wieder Besonderheiten findet, die er sich in der Natur abschaut und in der Baumschule nachahmt. Als Inspiration dienen skurrile Formen, zum Beispiel eine Lärche mit herausgebrochenem Ast, die mehrstämmig weiterwächst, windflüchtende Gehölze in der Bretagne – und Mittelmeer- Pinien: In Tremmen ahmte man italienische Steinkiefern mit heimischen Waldkiefern nach, indem sie oben gekappt und gleichzeitig in der Krone in die Breite gezogen wurden.

2018 feierte das Unternehmen Lorberg Jubiläum: Vor 175 Jahren begann alles mit Gottlob Heinrich Lorberg, der seinen Beruf als Apotheker an den Nagel hängte, um in Berlin einen Rosenzuchtbetrieb zu gründen. Nach der Enteignung zwischen 1945 bis 1949 wurde die Firma zunächst in West-Berlin Lichtenrade, später mit den niedersächsischen Produktionsstätten Neudorf-Platendorf und Hankensbüttel wiederaufgebaut. Anfang der 1990er Jahre verlegte die Firma ihren Hauptsitz ins Havelland.

Der heutige Geschäftsführer Stefan Lorberg stieg 1988 ins Geschäft ein. Er sagt, das Wichtigste sei der gute Mitarbeiterstamm. Nur mit den Menschen in der Firma sei es gelungen, Ideen umzusetzen und den ehemals regionalen Anbieter Lorberg zu einem international agierenden Unternehmen zu entwickeln.

DIESE BÄUME VERTRAGEN TROCKENHEIT

Bei der Untersuchung der Trockenstresstoleranz von Bäumen im Rahmen des Projekts „Alleen der Zukunft“ wurde ein Teil der Pflanzen in dem Lorberg-Quartier in Kleinziethen aufgepflanzt und unterschiedlich bewässert. Insgesamt 80 verschiedene Arten kamen in den Test. Hinsichtlich Trockenheitstoleranz, Vitalität sowie Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten schnitten folgende Arten/Sorten sehr gut ab:

Acer buergerianum ,Ostrya carpinifolia ,Acer monspessulanum ,Parrotia persica ,Alnus xspaethii ,Quercus cerris ,Celtis australis ,Quercus frainetto ,Fraxinus ornus ,Quercus xhispanica ‘Wageningen’,Fraxinus pennsylvanica ‘Summit’,Sophora japonica ‘Regent’,Ginkgo biloba ,Tilia tomentosa ‘Brabant’,Gleditsia triacanthos ‘Skyline’,Liquidambar styraciflua ,Ulmus ’Lobel’,Ulmus ’New Horizon’,Magnolia kobus ,Zelkova serrata ‘Green Vase’


Fotos: Lorberg