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Lost Places


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fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 70/2022 vom 17.06.2022
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Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 70/2022

Umfunktioniert Seit 1989 steht in Borkheide eine Iljuschin Il-18. Als Museum zeigt sie im Innern die Geschichte des Platzes sowie Leben und Werk Hans Grades

Borkheide (N52°13'57'', E12°50'51'')

Der erste Postflug

DasWappen der »Waldgemeinde Borkheide« zeigt auf grünem Grund einen Propeller, ein Posthorn und zwei Pilze – ein passenderes Motiv ist kaum denkbar. Als Hans Grade im Sommer 1909 von Magdeburg, wo ihm der erste Motorflug in Deutschland gelungen war, ins mittelmärkische Bork (wie das Dorf damals noch hieß) zog, war ihm ein Flugplatz in Aussicht gestellt worden. Vorgefunden hatte er lediglich einen Heideplan, »auf dem das Heidekraut einen halben Meter hoch stand und außerdem Weihnachtsbäume wuchsen.« Dennoch gründete er in Bork eine Flugzeugfabrik – mit dem Geld, das ihm der Lanz-Preis der Lüfte eingebracht hatte – und bildete zahlreiche Flugschüler und -schülerinnen aus. Wer abgehoben hatte, musste abends im »Fliegerheim« eine Runde Freibier ausgeben. Dieses Gebäude gibt es noch heute, äußerlich kaum verändert. In dem stilvoll eingerichteten ...

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... Hotel und vorzüglichen Restaurant halten historische Fotos, Gemälde, Flugzeugteile und Modelle die Erinnerung an damals wach.

Heidekraut und Weihnachtsbäume, wo ein Flugplatz sein sollte

Am 18. Februar 1912 fand in Bork der erste Postflug statt, Ziel war der acht Kilometer nahe Nachbarort Brück. Wegen dichten Nebels konnte Pilot Hermann Pentz erst um 15 Uhr starten – unterdessen wäre man auch zu Fuß in Brück gewesen. Aber macht ja nichts, der Flug war eine Sensation, englische, französische und amerikanische Zeitungen berichteten mit Fotos. Heute sind neben Grades schmuckem blauen Wohnhaus noch Reste seines Firmensitzes zu sehen.

Am 16. November 1989 landete auf Borkheides 800-Meter-Grasbahn ein ausrangiertes Passagierflugzeug der DDR-Airline Interflug, um fortan als Ausstellungsstück und Museum zu dienen. Im Inne- ren der Iljuschin Il-18 geht es um Leben und Werk Hans Grades sowie die Geschichte des Platzes. Auch ein Agrarflugzeug und ein Hubschrauber gehören zu dem urigen, durch ehrenamtliches Engagement aufrechterhaltenen Museum. Besucher dürfen in Original-Bordjournalen der Interflug blättern – eine echte Zeitreise.

Bis 2003 konnte man zumindest einmal im Jahr – zum Flugplatzfest – noch in Borkheide landen. Seither wurde die entsprechende Sondergenehmigung von der Behörde nicht mehr erteilt; der Wald ringsum ist zu hoch geworden. Auch die Piste wächst allmählich zu. Eine Pilzgegend war hier sowieso schon immer. So kehrt der Zustand wieder ein, den Hans Grade vorfand, als er das Gelände 1909 in Augenschein nahm. Nur dass die »Weihnachtsbäume« heute garantiert in keine Stube mehr passen.

Der Spitzberg bei Derwitz/Krielow (N52°24'45'', E12°49'13'')

Lilienthals Testgelände

Zugegeben, ein Flugplatz im heutigen Sinne war der 64 Meter hohe Spitzberg nie. Und doch hat die Erhebung im Flachland rund 15 Kilometer westlich von Potsdam Luftfahrtgeschichte geschrieben: Hier gelangen Otto Lilienthal im Frühjahr 1891 auf dem Gelände einer Sandgrube oberhalb der Bahntrasse Berlin–Magdeburg die ersten Gleitflüge. Das sprach sich herum, bald kamen an Wochenenden ganze Familien herausgefahren, um am Hang zu picknicken und dem Pionier beim Fliegen zuzusehen.

Untergestellt wurde sein Flugapparat in der benachbarten, heute nicht mehr existierenden Scheune des Windmüllers Hermann Schwach, der holprig geschriebene Erinnerungen an seinen berühmten Gast verfasst hat: »Auch lag ich oft unten am Berg, und Herr Lilienthal flog über mich weck. Auch wenn die Züge von der Eisenbahn vorbei fuhren, freute er sich, wenn ihm gerade ein Flug so recht gelang.« Später nutzte Lilienthal für seine Versuche den eigens aufgeschütteten »Fliegeberg« an seinem Wohnort Lichterfelde sowie den Gollenberg im havelländischen Rhinow, wo er im August 1896 tödlich verunglückte.

Die meisten seiner Flüge auf dem Spitzberg fanden wohl in dem heute bewaldeten Bereich statt, dessen Gestalt sich durch die Weiternutzung als Sandgrube stark verändert hat. 1991 wurde zum hundertsten Jahr des ersten Menschenflugs ein auch aus der Luft gut sichtbares Denkmal eingeweiht. Es ist Lilienthals »Normalsegelapparat« nachempfunden, dem ersten in Serie gebauten Fluggerät der Welt. Ein schöner Ort – auch heute noch empfehlenswert für ein Picknick beim Familienausflug.

Döberitz (N52°32'00'', E12°59'30'')

Die Wiege der deutschen Militärluftfahrt

Im Luftwaffenmuseum auf dem ehemaligen Flughafen Gatow am Westrand von Berlin steht der Nachbau eines Albatros-Doppel- deckers von 1910 – das erste deutsche Militärflugzeug. Eingesetzt wurde das Original allerdings einige Kilometer weiter westlich auf dem nicht mehr existierenden Flugplatz Döberitz. Die Maschine war ein Geschenk des Industriellen Walter Huth. Sein Chauffeur Simon Brunnhuber, der auch Pilot war, bildete unter dem Pseudonym Dr. Brück in Döberitz künftige Militärpiloten aus.

Während des Ersten Weltkriegs entstand an diesem Ort der mutmaßlich erste Flugsimulator der Welt, indem man einen Flugzeugrumpf in ein rhönradähnliches Gestell hängte. Trainiert wurden allerdings nicht die Piloten, sondern die mitfliegenden Beobachter, die lernen sollten, bei plötzlichen Bewegungen der Maschine nicht herauszufallen.

Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurden 1919 die meisten Bauten wieder abgerissen. Jahrelang verwilderte das Terrain, bis der junge Ernst Sagebiel 1929 den Auftrag erhielt, es wieder zum Fliegerhorst auszubauen. Der Architekt, der auch die Tempelhofener Gebäude entwarf und dessen Stil ihn als Erfinder der »Luftwaffenmoderne« bekannt machte, ließ in Döberitz elegant geschwungene Hangars errichten, hinzu kamen unterirdische Lager, eine Werfthalle, Unterkünfte, Motorenprüfstände und anderes mehr. Offiziell war in Döberitz bloß eine »Reklamestaffel« stationiert, doch ein Jahr nach der »Machtergreifung« versuchte man die militärischen Aktivitäten nicht mehr geheimzuhalten.

Unter Freunden von Lost Places ist Karlshorst sehr beliebt

Eine befestigte Piste gab es in Döberitz nie, gestartet und gelandet wurde auf einer ovalen Grasfläche. Als die Rote Armee am 23. April 1945 einrückte, war niemand mehr da. Die Sowjets demontierten viele Einrichtungen, nutzten den Platz aber noch bis Ende der fünfziger Jahre. Er hieß nun nach der nahegelegenen Gemeinde Elstal, weil Döberitz im angrenzenden Truppenübungsgelände schon lange unbewohnt war und schließlich abgerissen wurde.

Beim Abzug der Roten Armee 1992 blieben Berge von Schrott zurück, Blindgänger und verseuchte Böden machten die Wiege der deutschen Militärluftfahrt zu einer einzigen Altlast. Doch durch jahrzehntelange Abschottung hatte sich auch eine ungewöhnliche Flora und Fauna entwickelt, und so erklärte man das Areal schließlich zum Naturschutzgebiet. Was von der Infrastruktur noch übrig war, wurde komplett abgerissen. Heute vermag man sich im Durcheinander überwachsener Betonbrocken und Erdwälle die einstige Infrastruktur des Flugplatzes kaum noch vorzustellen.

Rangsdorf (N52°16'59'', E13°25'46'')

Wo Stauffenberg zum Hitler-Attentat aufbrach

Bis vor einigen Jahren konnte man in der Nähe des ehemaligen Flugplatzes Rangsdorf, der südwestlich des neuen Hauptstadtflughafens BER in dessen Kontrollzone liegt, das Bücker-Museum besichtigen. Es war der Geschichte des Platzes und vor allem den legendären Bücker-Sportflugzeugen gewidmet, die dort gebaut wurden. Langfristig sollen die eingelagerten Exponate wieder zugänglich gemacht werden.

Am beinahe einzigen gut erhaltenen Gebäude erinnert noch das Firmenemblem an den Verwaltungssitz von Bücker. Heute wohnt und arbeitet darin ein Künstler. In manchen der ehemaligen Werkshallen sind bloß die Fenster zerschlagen, in anderen Dachteile herabgestürzt, oder es wachsen sogar Bäume. Eine Immobilienfirma plant nun mit der Gemeinde einen »Standort für Wohnen, Arbeiten, Lernen und Leben«, inklusive Bücker-Museum. Vorgesehen ist die Sanierung der Endmontage- und der Einfliegehalle, später auch eine halbkreisförmige »Flugfeldpromenade«.

Als »Reichssportflughafen« wurde der Platz zur Olympiade 1936 fertig. Zwischen dem Flugfeld und dem Rangsdorfer See, der als Wasserflugplatz diente, entstand nach Plänen von Ernst Sagebiel das Clubhaus des Aeroclubs von Deutschland. Es hatte ein Restaurant, Terrassen zur See- und zur Landseite sowie 17 Gästezimmer. Elly Beinhorn, Heinz Rühmann und Ernst Udet hatten ihre Flugzeuge in Rangsdorf stehen. Der später als Luftbrückenpilot bekanntgewordene Amerikaner Jack O. Bennett nannte Rangsdorf in seinen Erinnerungen das »mit Abstand herrlichste Flugfeld, das ich jemals gesehen habe«.

Mit Kriegsausbruch wurde die Anlage zum Fliegerhorst umfunktioniert, zudem verlegte man den gesamte Lufthansa-Verkehr aus Furcht vor Bombenangriffen von Tempelhof nach Rangsdorf. Von hier flog Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 nach Rastenburg (Kętrzyn) in Ostpreußen, um an einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier Wolfsschanze teilzunehmen, im Gepäck die Sprengladung für das geplante Attentat auf Hitler. Es scheiterte, Stauffenberg wurde erschossen. In Rangsdorf erinnert ein Gedenkstein vor dem einstigen Haus des Aeroclubs von Deutschland an sein Opfer. Am 22. April 1945 gelangte der Flugplatz kampflos in die Hände der Roten Armee. Noch bis 1994 nutzten ihn die sowjetischen Luftstreitkräfte.

Teltow (N52°23'09'', E13°17'01'')

Der erste Nachtflug

Im Oktober 1910 wurde am südwestlichen Stadtrand von Berlin in Teltow ein »Flugübungsfeld« eröffnet. Anzeigen warben mit 21 Minuten Fahrzeit ab Anhalter Bahnhof, einem »eigenen Restaurant« sowie »geräumigen u. hellen Fliegerschuppen«. Die Zuschauer kamen in Scharen. Obwohl Teltow viele Aviatiker und auch einige Luftfahrtunternehmen anzog, bleibt der Platz vor allem mit dem Namen des Briefträgers Gustav Witte verbunden, der sich auf einem von ihm wiederaufgebauten Wright-Doppeldecker selbst das Fliegen beigebracht hatte und nach bestandener Prüfung gleich eine Flugschule gründete.

Am 4. März 1912 absolvierte Witte den ersten offiziell anerkannten Nachtflug in Deutschland, indem er bei Mondschein von Teltow über die damaligen Berliner Vororte Lankwitz, Lichterfelde und Zehlendorf flog. Der Flugplatz überstand den Bankrott der Betreibergesellschaft und zwei schwere Brände während des Krieges, nicht aber die Krisenzeit danach. Anfang 1934 wurden die Gebäude abgebrochen und die Flächen in der Folge meist landwirtschaftlich genutzt, in der jüngsten Vergangenheit dann größtenteils bebaut. 1986 entdeckte man im Zuge dieser Arbeiten letzte Fundamentreste der Hangars.

Karlshorst (N52°29'01'', E13°32'28'')

Berlins kurzlebigster Flugplatz

Biesenhorst heißt eine Kleingartenanlage im Berliner Osten, und das aus den benachbarten Stadtteilen Biesdorf und Karlshorst gebildete Kofferwort erklärt auch, warum der früher dort gelegene Flugplatz mal diesem, mal jenem Stadtteil zugerechnet wurde. 1917 hatte man mit großem Aufwand eine der modernsten Anlagen für die Militärfliegerei errichtet, einen Komplex von sechs jeweils 66 Meter langen Hangars aus Eisenbeton, jeder von drei freitragenden Rundkuppeln überspannt und auf der Rollfeldseite mit dezenten Jugendstilelementen geschmückt. Weil die 250 Mann starke Fliegertruppe den Platz erst im August 1918 übernehmen konnte und sich die Aufnahme des Flugbetriebs sogar noch länger hinzog, spielte er für den Krieg keine Rolle mehr. Mit dem im Folgejahr geschlossenen Vertrag von Versailles war dann auch schon wieder Schluss mit der Fliegerei in Karlshorst.

Wegen ihrer besonderen architektonischen Bedeutung stehen die Hallen unter Denkmalschutz. Das heißt aber nicht, dass sie auch geschützt wären, jedenfalls nicht in Berlin. Ihr Zustand ist desolat, die Absperrungen ringsum sind voller Löcher – die Anlage ist bei Freunden von »lost places« sehr beliebt.

Einmal erlangte das Gelände noch weltpolitische Bedeutung:  Im Offizierskasino der Pionierschule I unterzeichnete die Wehrmacht am 8. Mai 1945 ihre Kapitulationserklärung. Heute befindet sich in dem Gebäude das Deutsch-Russische Museum Karlshorst (derzeit mit ukrainischer Flagge vor dem Eingang).

Bei Tonfilm-Aufnahmen sollten Motorflugzeuge 500 Meter Abstand halten

Werder (N52°24'15'', E12°55'00'')

Früher Luftkriegsschule, heute Kita

Eines der Flugfelder, die sich seit der Stillegung am meisten verändert haben, ist jenes in Werder an der Havel. Drei Kilometer nordwestlich der Inselstadt wurde ab 1936 ein Militärflugplatz mit Luftkriegsschule (LKS 3) angelegt. Eine nahezu runde Grasfläche diente als Piste, direkt am Zernsee, Hangars und Verwaltungsgebäude befanden sich am südlichen, das heißt stadtseitigen Rand.

Bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die Luftwaffe das Flugfeld für alle möglichen Ausbildungsarten. Anfang Mai 1945 besetzte die Rote Armee den nahezu unzerstörten Platz und verwendete ihn noch einige Zeit als Basis für Transportflüge und Hubschrauber. Hauptsächlich diente er jedoch den Landstreitkräften, etwa zur Instandsetzung von Pioniertechnik.

Nach Abzug der Sowjets übernahm die Stadt Werder die Flächen und initiierte ein ehrgeiziges Bauprogramm: Am Zernsee wurde eine künstliche Hafenbucht mit Sportbootmarina angelegt, südlich der Einfahrt entstand die Havel-Therme, auf dem größeren nördlichen Geländeteil die Siedlung Havelauen und entlang der Durchgangsstraße, die es im Westen begrenzt, ein Gewerbegebiet. Vom einstigen Flugplatz stehen nur noch wenige Gebäude der Luftkriegsschule im Südostzipfel nahe dem Bahndamm über die Havel. In ihnen befinden sich heute kurioserweise eine Kita und eine Waldorfschule.

Staaken (N52°32'04'', E13°06'58'')

Hauptwerft der Lufthansa

Der Flughafen Staaken im Westen Berlins verdankt seine Entstehung nicht der Fliegerei, sondern der Luftschiffahrt: 1915 erwarb die in Friedrichshafen ansässige Zeppelin AG in Staaken ein Gelände, um ihre Produktionskapazitäten auszuweiten. Dazu wurden zwei riesige, mehr als 250 Meter lange und 40 Meter hohe Hallen mit allerlei Nebengebäuden errichtet.

Doch Zeppelin stieg auch in den Flugzeugbau ein. Von der Gothaer Waggonfabrik übernahm man die Lizenz zur Fertigung sogenannter Riesenflugzeuge, die bald auch unter eigenem Namen in Erscheinung traten. Nach dem Krieg musste eine der beiden Hallen auf Weisung der Sieger abgerissen werden, die andere fand als Filmstudio eine neue Bestimmung und trug durch Mieteinnahmen zum Fortbestand des Platzes bei. Der bekannteste zu wesentlichen Teilen dort entstandene Streifen ist Fritz Langs Monumentalfilm »Metropolis« (1927).

Mit Einführung des Tonfilms tauchte ein Problem auf, nämlich dass es an einem Flugplatz nun mal häufig laut ist. Um die Filmkunden nicht zu verlieren, wurden die Piloten gebeten, mindestens 500 Meter Abstand von der Halle zu halten. Lief gerade eine Aufnahme, wurde dies zudem durch ein blinkendes Neonfeuer am Giebel sowie durch Schwenken einer rotweißen Flagge kundgetan.

Parallel dazu entwickelte sich Staaken zum wichtigsten Werftstandort der 1926 gegründeten Deutschen Luft Hansa. Im Linienverkehr konnte sich der Platz nicht dauerhaft gegen das zentraler gelegene Tempelhof behaupten, spielte aber eine große Rolle bei der Entwicklung des Instrumentenflugs und auch in der Schulung.

Ende 1936 wurde der Flugplatz unter militärische Verwaltung gestellt, der Werft- und auch der sonstige Betrieb lief jedoch im wesentlichen weiter. Von sich reden machte Staaken zuletzt, als am 10. August 1938 eine viermotorige Focke-Wulf Fw 200 Condor der Lufthansa zum Nonstopf lug nach New York startete. Mehr als 24 Stunden brauchte sie dafür.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage mehrmals bombardiert, dann von den Sowjets eingenommen und nach kurzer Zeit als Flugplatz aufgegeben.

Was ist heute noch zu sehen? Am Boden nicht viel. In der Nordostecke findet man die Kompasskompensierscheibe, die einst zum korrekten Einstellen der an Bord verbauten Magnetkompasse diente. In den Vertiefungen unter den weggefaulten Brettern steht allerdings Wasser, es wachsen Sträucher und stattliche Birken heraus. Trotz Denkmalschutz. Immerhin steht in der unscheinbaren Straße eines Gewerbeparks noch die Flugleitung von 1920/21, saniert und zum Bürohaus umbaut. Aus der Luft erkennt man je nach Blickrichtung und Lichteinfall die gekreuzten Startbahnen, die mit Solaranlagen überbaut wurden.

Oranienburg (N52°44'12'', E13°13'10'')

Heinkels Werksflughafen

Nicht mal dreißig Jahre ist es her, dass über die kaum noch erahnbare Nordbahn des ehemaligen Flugplatzes die letzten Flugzeuge rollten. Teils meterhohe Birken und Tannen wachsen auf dem fast vollständig von Grün bedeckten Beton. Die Überreste des Heinkel-Werks 2 lösen sich langsam in Schotterstaub auf. Die einstige Verladerampe erkennt man nur noch am Gleisanschluss. Lediglich die Einfliegehalle ist erhalten.

Der Grund, aus dem Oranienburg im Zweiten Weltkrieg im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Bomben abbekam, liegt auf der Hand: die riesigen, 1937 in Betrieb genommenen Heinkel-Werke, in denen hauptsächlich der Bomber He 111 produziert wurde, der Werksflugplatz, vor allem aber die in der Stadt angesiedelte chemische Industrie und die geheime Atomforschung, von der die Alliierten wussten.

Oranienburg hat auch die höchste Blindgängerdichte Deutschlands. Noch heute müssen mehrmals jährlich oft Tausende Einwohner ihre Häuser verlassen, wenn wieder eine Bombe entschärft wird.

Die Heinkel-Werke beschäftigten über 14 000 Menschen, ein Großteil davon Zwangsarbeiter und Häftlinge aus dem nahen KZ Sachsenhausen. Der überwiegende Teil der Werke wurde nach dem Krieg demontiert oder abgerissen, den Flugplatz und die übrigen Anlagen übernahm die Rote Armee, die ihn zuletzt hauptsächlich als Hubschrauberbasis nutzte. Nach ihrem Abzug 1994 wurde ein Teil des Areals zur Konversionsf läche für Industrie und Gewerbe. Die 2500 Meter lange Hauptpiste 16/34 hat man mit der Bundesstraße 96 (Stadtumfahrung Oranienburg) überbaut, andere Bahnen und Rollwege sind nur noch aus der Vogelperspektive als solche zu erkennen. Im Grunde ein Fall für die Luftbildarchäologie.