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Luftkampf Unser Projekt Niederwildrevier


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 11.02.2022

FRÜHJAHRSERWACHEN

Teil 1

Artikelbild für den Artikel "Luftkampf Unser Projekt Niederwildrevier" aus der Ausgabe 30/2022 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Mit harter Arbeit sind solche Bilder in vielen unserer Reviere keine Seltenheit mehr!

Der LJV Schleswig- Holstein unterstützt den Fallenkauf fürs Niederwildrevier.

8.414 FASANE 48.37 7 HASEN 58.838 ENTEN

wurden 2020/2021 in Bayern erlegt

Niederwildhege bedeutet Arbeit, allerdings eine sehr schöne und lohnenswerte. Bei keiner anderen Revierform sind Jagd, Hege und Naturschutz enger miteinander verwoben!

Drei Dinge sollte man sich fragen, bevor man sich auf ein solches Projekt einlässt: Zum Einen stellt sich die Frage, ob das Revier überhaupt das richtige Biotop bietet, um hier das Niederwild wieder hoch zu bringen? Wir erinnern uns an die fünf „W“, die der Fasan braucht und die Hase und Rebhuhn helfen: Wasser, Weizen, Wald, Weide und Wiese. Genau genommen fehlt noch „W“ Nummer 6, die Wärme. Ich möchte nicht sagen, dass es ohne diese Grundvoraussetzungen gar nicht machbar ist. Wenn aber eine oder gar mehrere dieser Grundvoraussetzungen fehlen, erschwert dies das ...

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... Vorhaben deutlich. Mein Revier liegt im oberbayerischen Voralpenland, das bedeutet: viel Feld, Hecken, Schilfflächen und ein kleiner Fluss, der das Revier durchquert.

Niederwild mag es gerne trocken und warm, wobei eben auch Wasser vorhanden sein muss, sei es als Teich, Fließgewässer oder in Form von Staunässe. Mit Wald ist keine Fichtenschonung gemeint, sondern Feldhecken und dichte Feldgehölze. Kleinteilige Feld- und Ackerstrukturen sind bei unserem Vorhaben natürlich deutlich besser geeignet als Gebiete mit ausgeprägter und weitläufiger Großflächenbewirtschaftung. Die zweite Frage ist, ob ich ich einen Anfangsbesatz habe oder fange ich bei null an? Dementsprechend größer ist der Aufwand. Zu guter Letzt die wohl wichtigste Frage. Sie wurde mir vor 12 Jahren von einem der besten mir bekannten deutschen Berufsjäger gestellt. Er betreut seit Jahrzehnten ein Niederwildrevier in Schleswig-Holstein und hat dort ein Eldorado für das Niederwild geschaffen. Herbert Schröder hörte sich meine großen Pläne an und fragte mich mit seinem schelmischen Grinsen: „Sieht gut aus. Kann man was draus machen. Aber: bist Du verrückt genug, es anzugehen?“

Gute Vorsätze gehören umgesetzt!

Die ersten Monate des noch jungen Jahres bieten sich für einen Neujahrsbesuch bei den Landwirten des Revieres an. Was plant der Bauer wo anzubauen, welche Fruchtfolge steht im Raum? Der Landwirt wird sich sicher freuen, wenn man auch die Bejagungstrategie an seine Planung anpasst, entsprechende Schwerpunkte setzt und eventuell sogar Ansitzeinrichtungen entsprechend umstellt.

Man selber kann so bereits frühzeitig die jagdlichen Einsätze planen, da man die „kritischen Phasen“ grob terminieren kann: für Aussaat, Milchreife, Ernte usw. kann man schon einmal ein Kreuz in den Kalender machen.

Gibt es Stilllegungsflächen, die ich für das heimische Wild nutzen kann? Diese oft kleinen Flächen können sich zu ordentlichen Blühinseln aufsummieren! Aus der Verpflichtung zur Stilllegung von drei bis vier Prozent der Ackerfläche wachsen bei 500 Hektar Feldfläche schnell 15 bis 20 Hektar an, die der Niederwildheger ideal für sich und das Wild nutzen kann.

Zudem lohnt es sich anzufragen, ob der Landwirt bei der Ernte den einen oder anderen Streifen stehen lassen und einem nach dem Einholen der Ernte etwas Zeit zur Bejagung der Fläche geben kann, bevor gepflügt oder gegrubbert wird. Diese Streifen müssen gar nicht weit und breit sein. Es reichen 20 bis 30 Zentimeter Breite und fünf bis zehn Meter Länge, um Fasan, Hase und Rebhuhn Deckung zu geben, nachdem rundherum ihr Wohnzimmer verschwindet. Und vielleicht kann ich ihn sogar überzeugen, nach der Ernte mit Zwischengrün als Stickstoffbinder zu arbeiten, was für das Niederwild von unschätzbarem Wert ist, denn es schafft Deckung und Nahrungsquellen.

Schöner Wohnen!

Sehr wichtig ist die regelmäßige Pflege der Feldhecken und Feldgehölze. Diese sind im Laufe der Jahre oft zu monumentalen Kathedralen gereift: hoch, ausladend, von außen scheinbar dicht, aber innen dunkel und leer. Diese Hecken zu verdichten ist von unschätzbarem Wert, denn dicht und dornig bieten sie allen Tierarten im Sommer, wie im Winter Schutz. Durch einen mehrstufigen Aufbau erreiche ich zudem, dass gerade in den jüngeren Bereichen auch ein sehr gutes Nahrungsangebot an Insekten zu finden ist – ohne die Gefahr von Fuchs und Greifern, die sich in diesem ausladenden Dschungel schwer tun an ihre begehrte Beute zu kommen.

Die Pflege ist im Grunde nicht schwer und sowohl mit einer guten Japansäge oder einer kleinen Motorsäge gut zu bewältigen. Wichtig sind nur ein paar Kleinigkeiten: Auch hier gilt, dass ohne Genehmigung des Besitzers keine Erntebäume gefällt oder stark beschnitten werden dürfen. Der Schwerpunkt liegt also auf den klassischen Heckenpflanzen wie Haselnuss, Holunder, Schwarz- und Weissdorn. Diese Arten können beherzt und radikal gestutzt werden, sie schlagen im Frühjahr neu und dichter aus, als zuvor und erreichen binnen weniger Jahre ihre alte Form und Größe zurück.

Beim Rückschnitt hilft ab und an ein Blick nach oben: Wir brauchen Licht. Sehe ich in der Winterzeit lange, blattlose Äste über mir, wird diese Fläche ab Frühjahr stark beschattet sein, da die Bäume dann wieder Blätter tragen. Hier sollte, wenn möglich, für guten Lichteinfall gesorgt werden. Um eine stufenweise Verdichtung zu erreichen, schneidet man nur circa 20 Prozent der Hecke zurück. Macht man das regelmäßig und jedes Jahr, ist man nach fünf Jahren durch. Pessimistisch betrachtet kann man dann wieder von vorne anfangen – aber man hat eine Heckenstruktur geschaffen, die fünf Segmente unterschiedlicher Wuchsstruktur hat. Das Wild wird es lieben!

Aus dem Ast- und Zweigwerk, das beim Rückschnitt anfällt, sollte man gleich eine Benjeshecke bauen. Diese Nutzung hat Hermann Benjes Ende der 1980er Jahre entwickelt. Durch das lockere Aufhäufen von dünneren Ästen und Zweigen zu einem langen „Gehölzschlauch“ schafft man Deckung für allerlei Getier. Hier können Samen anfliegen oder von Vögeln herangetragen werden und Initialpflanzen entstehen. Auf diese Weise nutzt man den Abfall, schafft neuen Lebensraum und spart sich das mühsame Anpflanzen von Sträuchern.

Leben wie Gott in Frankreich

Auch die Winterhilfen für Rebhuhn, Fasan und Hase müssen weiter regelmäßig geprüft und aufgefüllt werden.

Gerade das Rebhuhn wird es danken, wenn es regelmäßig und an den selben Stellen ein trockenes Plätzchen und Futter findet. Netterweise kann man sowohl das Rebhuhn, als auch den Fasan mit Weizen beglücken. Eines sollte man allerdings beachten: Während der Fasan ein festes Dach über dem Kopf schätzt, mag es das Rebhuhn lieber oben ohne und sollte am besten in dichten und trockenen Dornenverschlägen gefüttert werden.

Von den klassischen und überdachten Fasanenschütten bin ich nicht der größte Fan. Sie funktionieren, ziehen aber Mäuse und Ratten an. Ich selbst nutze Futterfässer mit Spirale oder einem Klarsichtbereich und Wippbrett. Die Fasane sehen so das Futter und können es durch Picken herausrieseln lassen. Und auch die Rebhühner picken fleißig mit. Für die ungeliebten Nager bleibt es unerreichbar und auch auf dem Boden liegt nicht viel Futter zum Aufsammeln herum.

Ein solider Weizenvorrat ist zwingend nötig. Nichts ist schädlicher als eine leere Fütterung. Die Tiere haben sich daran gewöhnt, wissen um ihre sichere Nahrungsquelle und tun sich besonders bei Schneelagen schwer, schnell neue Nahrung zu finden. Apropos Schnee: Man sollte die Fütterungen im Winter auch so freiräumen, dass sie für das Wild erreichbar sind. Das ist aber schnell gemacht. Mit einer Mähr möchte ich an dieser Stelle noch aufräumen. Die Behauptung, für den Fasan brauche es gelbe Tonnen, da er diese am besten annimmt, halte ich für ziemlichen Blödsinn. Meine Tonnen sind braun und blau. Und sie werden vom Niederwild sehr gut angenommen.

Drive In für Meister Lampe

Noch kurz zum Hasen. Auch der ist über etwas Hilfe dankbar und freut sich, wenn er kleine Büschel Heu in den Feldhecken finden. Diese sehr einfache Fütterungsform hat sich bei uns im Revier gut bewährt. Wichtig ist, Heu zu nehmen und kein Stroh. Das Heu sollte kräuterreich sein und mit langen Halmen. Es wird an trockener Stelle ausgelegt oder in die Zweige dornenreicher Büsche auf Äserhöhe angeheftet. Bitte wählen Sie hier möglichst stachelige Vertreter der Feldgehölze aus und geben Sie das Heu tief genug hinein. Zum einen bleibt es hier besser hängen, zum anderen könnte sonst auch das Rehwild Gefallen daran finden und für den Hasen bleibt nicht viel über.

„Etwas Luder und eine Mäuseburg für die Räuber bewirken Wunder“

Fuchs, Marder und Krähe haben Jagdzeit

Und das sollte genutzt werden! Wer Niederwild haben möchte, kommt nicht umhin das Raubwild und Raubzeug über das ganze Jahr straff zu bejagen.

Ein Ringansitz auf Fuchs bei Schnee ist sehr interessant: Man hat die Option auf gute Strecken, denn irgendwo muss der Rote schnüren, um Nahrung zu finden. Setzt man das Areal clever ab, kann so eine große Fläche abgedeckt werden. Zuvor etwas zu ludern kann Wunder bewirken. Auch eine Mäuseburg wird zum Magneten für Fuchs und Marder.

Den Rabenvögeln haben wir uns noch gar nicht zugewendet. Sie nehmen in der Anzahl fast überall stetig zu und gehören zu den größten Feinden von Niederwild und Singvögeln. Das gilt für die Rabenkrähe ebenso wie für Elster und Eichelhäher. Gerade den Winter über kann man sie gut bejagen, sei es mit der kleinen Kugel oder mit ausreichend Schrot.

März und April sind Pflanz- und Saatmonate

Es gilt, die Lebensräume für den Sommer zu schaffen. Wildäcker und Äsungsflächen werden gemulcht, gepflügt oder gegrubbert, damit sie neu angesät werden können. Jetzt ist auch der Zeitpunkt, um Stilllegungsflächen „in Beschlag“ zu nehmen.

Vorab bietet es sich an ein paar Informationen zur Bodenbeschaffenheit zu sammeln. Die Landwirte kennen sich hier aus und helfen gern. Ist es ein eher saurer Boden? Ist er eher Kalkarm oder brauchbar mit Kalk versorgt? Eher trocken oder feucht? Erdig oder sandig? Das hat einen ziemlichen Einfluss auf die später zu wählende Saatmischung.

Und natürlich gibt es auch hier zig andere Dinge, die man beachten kann, soll oder muss. Wähle ich eine ein- oder mehrjährige Saatmischung? Hier stellt sich vor allem die Frage von Zeit und Machbarkeit.

Habe ich die Möglichkeit an Zeit und Gerät meine Flächen jährlich neu zu bestellen? Oder gibt es sogar genug Fläche, um wechselnd im zweijährigen Turnus neu zu sähen – dann habe ich immer einen „jungen“ und einen „alten“ Wildacker, die sich natürlich im Bewuchs unterscheiden. Das muss man je nach Revierstruktur für sich selbst probieren und entscheiden.

Sollen besser mehr Sonnenblumen ausgebracht werden oder soll der Schwerpunkt auf verschiedenen Kleesorten liegen? Meiner Meinung nach hilft Mut zur Lücke! Einfach mal machen und Ausprobieren – bei den gängigen Saatherstellern gibt es ein üppiges Angebot an Wildackermischungen in den unterschiedlichsten Ausprägungsformen. Wichtig ist, dass die Saatmischung zum Boden passt. Wenn sie aufgegangen ist, sollte sie einen Bewuchs in unterschiedlicher Höhen haben, sodass wir einen grob dreiteiligen Bewuchsaufbau finden. Der schützt dann nach oben gegen die „Luftwaffe“, bietet im mittleren Aufbau gute Deckung und im unteren Teil ausreichend Äsung und Nahrung. Ansonsten gilt: Man muss kein Kräuterkundler oder Botaniker werden, um einen Wildacker oder einen Blühstreifen anzulegen. Je bunter, desto besser. Das sieht nicht nur gut aus, es zieht auch unzählige Insekten an, die wir gerade für Fasan und Rebhuhn dringend brauchen. Auch das Rehwild wird einen reich gedeckten Tisch lieben.

Vom eigentlichen Jagen ist bisher kaum die Rede

Sauen müssen, falls sie vorkommen, ebenfalls beherzt bejagt werden. Schwarzwild sucht im Frühjahr zu gerne auf Wiesen und Feldern nach Würmern und sieht ein frisches Gelege oder einen Junghasen als leckere Ergänzung des Nahrungsangebotes. Die Wochen vor dem 1. Mai stehen im Zeichen der Reviervorbereitung. Damit wollen wir vor Beginn der Brut- und Setzzeit fertig sein. Alle Ansitzeinrichtungen müssen kontrolliert und gewartet werden. Ist etwas morsch, alt oder undicht, ist jetzt die Zeit es zu reparieren. Als Pächter sollte man das auch dokumentieren.

Es gilt, die Salzlecken aufzufüllen, Pirschwege an- und freizulegen. Und natürlich müssen alle Fütterungen gereinigt werden. Und wenn man schon dabei ist, können diese neu befüllt werden.

Hartwig Görtler

Der Autor lebt und jagt in Oberbayern, ist 1. Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Starnberg und Pächter eines Niederwildreviers. Seine große Leidenschaft gilt der Niederwildhege sowie der Pirsch-und Bewegungsjagd auf Schwarzwild. Er führt einen Deutsch Kurzhaar und ist zudem Dozent für Jagdrecht. Für uns schreibt er über alle Themen praktischer Jagdausübung sowie besondere Jagden auf das borstige Wild. Bei Instagram als: hunt_hike_happy zu finden.