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LUHMÜHLEN: VON VERZICHT, REKORDEN UND EINEM TODESFALL


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 25.06.2018

JULIA KRAJEWSKIhat mit einem Rekordergebnis die Deutsche Meisterschaft im Rahmen des CIC3* in Luhmühlen gewonnen. In der Vier-Sterne-Prüfung gingen lediglich vier Deutsche an den Start, von denen einer das CCI4* beendete. Leider verstarb ein Pferd im Gelände


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Top-Geländerunde: Julia Krajewski und Samourai du Thot


Foto: www.toffi-images.de

Gold für Julia Krajewski und Samourai du Thot

Foto: von Korff

Luhmühlen ist seit vielen Jahren die Nagelprobe für das jeweilige Championat, in diesem Jahr die Weltmeisterschaften im September. In der langen Viersterne-Prüfung (CCI4*) waren nur vier Deutsche am Start. ...

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... Lediglich Jörg Kurbel beendete sie auf Platz 15. Die Prüfung wurde vor allem von den Reitern frequentiert, die noch eine WMGrundqualifikation brauchen. Die deutsche Elite, von denen die meisten ihr „Certificate of Capability“ bereits in der Tasche haben, trat in der Dreisterne-Kurzprüfung (CIC3*) an, zugleich Deutsche Meisterschaft.

DM 2018: ALLE GUT IN SCHUSS

Von der Spitze weg gewann Julia Krajewski mit Samurai du Thot ihren ersten nationalen Titel mit ihrem Dressurergebnis von 19,90 Minuspunkten. Sie ist bisher die einzige Reiterin der Welt, die nach der neuen Dressurwertung (ohne Koeffizienten 1,5) unter 20 Minuspunkten blieb, und das schon zum zweiten Mal nach ihrem Sieg im CCI3* im britischen Bramham auf Chipmunk mit 19,40 Punkten (s. S. 10). Vom ersten Tag an dominierte sie das Feld, von einer makellosen Dressur über einen schnellen Geländeritt, der alles ganz leicht aussehen ließ, und eine perfekte Nullrunde im Springen. Auch die amtierende Europameisterin Ingrid Klimke kann mit der Form des 14-jährigen Hale Bob mehr als zufrieden sein (25,9). Lediglich ein Abwurf im Parcours vergrößerte noch den Abstand zur Siegerin, aber auch eine Nullrunde hätte nicht zum Titel gereicht. Hinter dem bei Dirk Schrade trainierenden CIC-Dritten, dem Japaner Yoshiaki Oiwa auf The Duke of Cavan, kam Bettina Hoy mit Designer auf den DM-Bronzerang (29,80). Als niederländische Nationaltrainerin musste sie ihre Kaderzugehörigkeit niederlegen, deshalb ist die WM für sie kein Thema. „Geht schon in Ordnung“, sagte Hoy, „ich freue mich, dass ich noch einmal auf dem Podium gestanden habe.“ Und mit Blick auf Yoshiaki Oiwa: „Wenn ich geschlagen werde, dann am liebsten von meinen Schülern.“ Von den 50 Startern im Gelände beendeten 44 die Prüfung, 38 ohne Hindernisfehler.

In diesem Jahr Vizemeisterin: Ingrid Klimke mit ihrem Europameister Hale Bob.


Foto: www.toffi-images.de

Die Überraschung: Christoph Wahler und Carjatan v. Clearway, der fünfjährig und noch recht grün zu Familie Wahler kam. Luhmühlen war das Debüt auf Drei-Sterne-Niveau, Platz sieben, Vierter der Deutschen Meisterschaft. Nun soll der Schimmel eine lange Prüfung gehen. Dann hat er Sommerpause.


Platz vier im CIC3*, DM-Bronze: Bettina Hoy und Designer.


Foto2: von Korff

Für Bundestrainer Hans Melzer brachte Luhmühlen einiges an Erkenntnissen. Erstens: Seine Stammreiter sind gut in Schuss, ja in beängstigender Frühform. Es fehlte nur (mal wieder) Michael Jung, der nächste Woche mit fünf Pferden ins französische Jardy reist. Das Problem wird eher sein, die gute Form zu halten. „Ich wünschte, ich könnte schon in vier Wochen nach Tryon fahren“, sagte Melzer. Zweitens: Die Decke ist dünn, den championatsreifen Nachwuchs kann man an einer Hand abzählen. Am Ende des Tages gab Melzer eine Longlist mit elf Reitern, aufgeteilt in drei Gruppen, heraus. (siehe S. 22).
Und drittens: Wenn er sieht, aus welchem Fundus junger Talente sein ehemaliger Trainerkollege Chris Bartle bei seinen Briten schöpfen kann, könnte er verzagen.

VIER-STERNE: VON WEGEN LEICHT

Erst Badminton, dann Luhmühlen: Läuft für Jonelle Price (NZL), die mit Faerie Dianimo siegte.


Foto: www.toffi-images.de

Hinter die Neuseeländerin Jonelle Price mit dem 13-jährigen Schimmel Faerie Dianimo, die nach Badminton innerhalb weniger Wochen ihr zweites CCI4* gewann, setzte sich eine Quadriga aus vier britischen Amazonen: Laura Collett auf dem Weltmeister der jungen Pferde von 2015, dem Holsteiner Mr. Bass v. Caricco, endete mit ihrem Dressurergebnis von 29,90 Punkten. Das erreichte exakt zwar auch die Dritte, Rosalind Canter auf der 14-jährigen KWPN-Stute Zenshera, aber Collett war mit einem von nur fünf zeitfehlerfreien Ritten deutlich näher an der Bestzeit von 11.35 Minuten. Auch Canter, Dritte von Badminton, verfügt mit Allstar B und Zenshara gleich über zwei Pferde für die Weltreiterspiele. Dahinter folgten Kitty King auf Ceylor und Willa Newton auf Chance Remark. Und das sind nur die, die sich nicht bereits in Badminton oder anderswo qualifiziert haben. Chris Bartle ist dabei, das Wunder, das er in seinen 16 Jahren als deutscher Honorartrainer vollbrachte, in seinem Heimatland zu wiederholen.

Die Britinnen waren, vom Siegesritt abgesehen, übermächtig im CCI4*: Mit dem ehemaligen Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde, dem Holsteiner Mr. Bass v. Carrico, wurde Laura Collett Zweite. Dem Paar gelang einer von fünf Geländeritten in der Zeit.


Foto: www.toffi-images.de

Platz drei im CCI4* für die junge Britin Rosalind Canter und Zenshera.


Foto: www.toffi-images.de

Price musste vor ihrem Sieg etwas zittern. Faerie Dianimo musste bei der Verfasung am Sonntagmorgen zunächst in die Holding Box, erhielt erst nach der zweiten Begutachtung das O.K. für das Springen. US-Reiter Boyd Martin, Overnightleader nach dem Gelände, zeigte seinen 16-jährigen Hannoveraner Shamwari v. Star Regent xx erst gar nicht zur abschließenden Verfassungsprüfung.

Wie vom britischen Parcourschef Mike Etherington-Smith angekündigt, war das Vier-Sterne-Gelände eine ganze Nummer schwerer als bei seinem Debüt 2017. Vieles war schon im Hinblick auf die EM im nächsten Jahr gestaltet, die drei Wasserkomplexe zum Teil völlig neu. Der Kurs ließ sich flüssig reiten, erforderte aber sehr hohe Konzentration und ein gut gerittenes Pferd, sonst gab es schnell einen 20 Punkte teuren „Vorbeiläufer“. Von den ursprünglich 50 Startern im CCI4* beendeten 29 die Prüfung. Damit ist die Ausfallrate ziemlich hoch, allerdings gaben etliche Reiter nach der ersten Verweigerung auf, weil sie kein Qualifikationsergebnis (das zum Championats-Start berechtigt) mehr erreichen konnten. Dazu bedarf es einer hindernisfehlerfreien Runde. Die 37 Verweigerungen verteilten sich recht gleichmäßig, Hauptklippe (zehn Stopps) war Sprung 23 c auf dem Turnierplatz, eine Ecke, die schwer richtig zu überwinden war, wenn man nicht ideal über 23 a und b kam. Damit hat der Aufbauer das Feld auseinandergezogen, ohne zu schnelles Reiten zu forcieren oder gefährliche Situationen zu provozieren.

Josefa Sommer und Hamilton wurden Zwölfte in der Drei-Sterne-Prüfung und stehen jetzt ebenso wie ein weiterer Nachkomme des …


Foto: von Korff

… Vollblüters Heraldik xx, nämlich Butt’s Ave-don, mit Andreas Dibowski Rang elf, auf der Longlist von Bundestrainer Hans Melzer.


Sein Vier-Sterne-Debüt gab Jörg Kurbel, 51, mit Entertain You in Luhmühlen. Er war der einzige Deutsche, der die Prüfung beendete.


Fotos: www.toffi-images.de

DIE SACHE MIT DER FLAGGE

Viermal wurden 50 Strafpunkte angekreidet, weil der Reiter nicht innerhalb der Flagge geblieben und weiter geritten war, unter anderem beim Dressursieger Tim Lips mit Bayro (NED). Das ist schon ziemlich bitter, der Reiter bemerkt oft nicht, ob er wirklich innerhalb der Begrenzungsflaggen geblieben ist. Zweifelt er, könnte er den Sprung wiederholen und 20 Punkte kassieren, auch keine prickelnde Option. Darüber wird in der FEI sicher nochmal diskutiert werden, wie auch über den gestrichenen Koeffizienten von 1,5 in der Dressur, die dadurch an Gewicht verloren hat. Wie so oft hat man den Eindruck, dass der Weltreiterverband (FEI) ständig an einem unausgegorenen Reglement herumbastelt, ohne ein überzeugendes Konzept.

TRAGISCHER UNFALL IM CCI4* TOD AN SPRUNG 18

Axel kam unpassend aus dem Wasser, blieb mit dem linken Vorderbein hängen und begrub seine Reiterin Chloe Raty unter sich. Auch das MIM-System konnte den Tod des Pferdes nicht verhindern.


Foto: www.toffi-images.de

Das CCI4* wurde überschattet durch einen Sturz im Gelände, den das Pferd Axel Z der Belgierin Chloe Raty nicht überlebte. Der elfjährige Wallach kam schlecht aus dem Meßmer-Teich und näherte sich dem folgenden Sprung aus Holzstämmen in sehr langsamem Tempo, stolperte mehr oder weniger darüber. Er rollte auf die Reiterin. Raty trug zusätzlich zur vorgeschriebenen Sicherheitsweste einen Airbag, der sich bei dem Sturz öffnete. Es gelang den Ärzten, sie unter dem Pferd hervorzuziehen und zu versorgen. Nach gründlicher Untersuchung im Krankenhaus stand fest, dass sie wie durch ein Wunder unverletzt geblieben war. Da müssen mehrere Schutzengel im Einsatz gewesen sein.

Fatal ging der Sturz für Axel aus. Er konnte nicht mehr aufstehen und musste unter Narkose auf einen Ambulanztransporter gezogen werden. In der Klinik Nindorf wurde ein Bruch des ersten Lendenwirbels festgestellt. Das Pferd war de facto querschnittsgelähmt. Es hätten so gut wie keine Heilungschancen bestanden, erklärte der zuständige Turniertierarzt Dr. Jürgen Martens, deswegen habe man sich in Abstimmung mit belgischem Equipechef und Pferdebesitzer entschlossen, das Pferd einzuschläfern.

Der Sprung wurde nach dem Unfall aus dem Kurs genommen. Den Reitern, die ihn bis dahin überwunden hatten, wurden zwei Sekunden gutgeschrieben. Die angebrachte Sicherheitsvorrichtung MIM hatte sich nicht gelöst. Offenbar, so der britische Parcourschef Mike Etherington-Smith, sei der Aufprall nicht stark genug gewesen. Der Mechanismus wird erst bei einem gewissen Druck ausgelöst. „Das ist so gewollt, die Stangen sollen nicht bei der kleinsten Berührung unkontrolliert über den Platz fliegen“, so der Parcourschef.

Nach diesem Unfall ist die Diskussion über die Sicherheit im Vielseitigkeitssport wieder entbrannt. Vor allem die bisher verwendeten Sicherheits-systeme werden erneut unter die Lupe genommen. Das MIM-System beruht auf einem Klappmechanismus, der sich öffnet, wenn die Stange stark angeschlagen wird. Acht Hindernisse in Luhmühlen waren damit versehen. Es gibt auch andere Methoden, wie leicht brechende Holzstäbchen (Pins), die zwischen Stange und Halterung befestigt werden. Der deutsche Arzt Herbert Klengel hat sich ein recht einfaches System mit einem Seilzug patentieren lassen, bei dem die Stange bei entsprechend starkem Anschlag aus der Halterung nach unten gezogen wird. Es wird noch erprobt. „Jedes Sicherungssystem kann nur helfen, das Risiko zu reduzieren“, sagte Etherington-Smith. „Es gibt bei keinem System die Garantie, dass ein Sturz verhindert wird.“

Axel war das einzige Top-Pferd der 25-jährigen Amateurreiterin Chloe Raty. Es war für beide die erste Viersterne-Prüfung. Beim CIC3* Marbach 2018 waren sie 14. Die Reiterin gilt als sehr talentiert und ist im Förderprogramm für junge Reiter ihres Landes. Auch für die Weltreiterspiele war sie im Gespräch.