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Lukas Otterspeer/Christoph Haker: Empirische Bildungsforschung im Wirbel unmittelbarer Rezeption


Zeitschrift für Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 19.09.2019

Ein kritischer Reflexionsanstoß


Zumindest von denen, die sich selbst als Teil des ‚kulturellen‘ oder ‚intellektuellen Milieus‘ betrachten, sollte man allerdings erwarten können, dass sie sich eine gewisse Widerspenstigkeit, einen gewissen Respekt vor dem, was ihre gesellschaftliche Funktion ist oder sein sollte, erhalten. (Eribon, 2017, S. 120)

Zusammenfassung: Gegenstand unseres Reflexionsanstoßes sind Transformationen in der unmittelbaren Rezeption von IGLU 2016. In diesem Prozess verändert sich der inhaltliche Bezug auf die Studie schnell, während sich ihre wissenschaftliche Autorität verstetigt. Dies ...

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Bildquelle: Zeitschrift für Pädagogik, Ausgabe 5/2019

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Zusammenfassung: Gegenstand unseres Reflexionsanstoßes sind Transformationen in der unmittelbaren Rezeption von IGLU 2016. In diesem Prozess verändert sich der inhaltliche Bezug auf die Studie schnell, während sich ihre wissenschaftliche Autorität verstetigt. Dies ist ein Problem, insofern IGLU 2016 zum Deckmantel rechtspopulistischer Positionen wird. Hieraus schlussfolgern wir, dass die empirische Bildungsforschung ihre gesellschaftlichen Bedingungen reflektieren muss, will sie nicht ihre wissenschaftliche Autonomie gefährden. Unser Anstoß besteht darin, in die teilnehmende Objektivierung Bourdieus einzuführen und so die gesellschaftliche Hierarchie der Gegenstände und die relationale Position der empirischen Bildungsforschung in den Fokus der Reflexion zu rücken.

Abb. 1: Screenshot des YouTube-Channels HELLO WORLD (Zugriff am 06. 12. 2017)


Als populistisch bezeichnen wir eine politische Position, die sich durch zwei zentrale Merkmale auszeichnet. Erstens orientiert sie sich an der Unterscheidung von Eliten und Volk (zur soziologischen Grundsatzkritik dieser Unterscheidung siehe Bourdieu, 1985), wobei eine antielitäre Position bezogen wird. Zweitens beziehen sich populistische Argumentationen auf Alltagserfahrungen und somit auf Common-Sense-Begriffe (zur soziologischen Grundsatzkritik dieser Begriffe siehe Bourdieu, 2013). Der Rechtspopulismus ist eine besondere Form des Populismus. In dieser Form grenzt sich das Volk nicht nur von Eliten, sondern auch von den Anderen, meist Randgruppen, ab. Damit bestimmt der Rechtspopulismus Sündenböcke nach unten (Minderheiten) und nach oben (Eliten), die für gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht werden (Geden, 2006; Jörke & Selk, 2017).

Um zu untermauern, dass es sich bei HELLO WORLD um eine rechtspopulistische Plattform handelt, benennen wir einige Ambivalenzen, die in der Debattenkultur der neuen Rechten und im Rechtspopulismus verbreitet sind (Geden, 2006; Zorn, 2017) und auf HELLO WORLD auftauchen. So richtet sich der Kanal offensichtlich gegen die sogenannten Mainstream-Medien (Link zu dem genannten Buch des Kopp Verlags), verweist aber auf ein Interview in einem öffentlich-rechtlichen Sender, um seine politische Position zu stärken. Der Kanal gibt sich anti-intellektuell (Schmidt-Zitat), zitiert mit Schmidt aber nicht nur einen ehemaligen Bundeskanzler, sondern auch einen jahrelangen Herausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT. Zudem wird in der Betitelung des Videos Wert auf den Professorentitel Kleins gelegt. Damit wird die wissenschaftliche Autorität von IGLU 2016 auch auf dieser Ebene verstetigt.

Die Veränderungen, die im Übergang auf diese Ebene stattfinden, ergeben sich aus der Verbindung der Referenzpunkte Migrantenanteile und Reformpädagogik mit dem rechtspopulistischen Kontext von HELLO WORLD. Durch den Videotitel „Prof. Hans Peter Klein: ‚Migrantenkinder ziehen die Schulleistungen in den Keller‘ (05. 12. 2017)“ wird der Bezug auf IGLU 2016 in der Rezeption weiter verändert und der von Klein gesetzte Referenzpunkt Migrantenanteile offensichtlich verschärft. Der Referenzpunkt Reformpädagogik wird nicht so eindeutig aufgegriffen, weshalb wir die Transformation hier ausführlicher plausibilisieren.

Der Referenzpunkt, dass Reformpädagogiknatürlich ein Grund für die scheinbar schlechten IGLU-Ergebnisse sei, ist für rechtspopulistische Positionen anschlussfähig, die die 68er Generation und ihrenMarsch durch die Institutionen als Ursachen gesellschaftlicher Missstände beschreiben (Wagner, 2017). So beantragte beispielsweise die Fraktion der AfD (2017) in Sachsen-Anhalt die Abschaffung der im Phoenix-Interview erwähnten MethodeSchreiben nach Gehör. Auch der Sprecher für Wissenschaft, Bildung und Kultur der AfD-Fraktion, Hans-Thomas Tillschneider, verbindet diese in seiner Landtagsrede anlässlich des Antrags mit der „Reformpädagogik“ als „Ursache für den Niedergang des Bildungsniveaus“ und hält fest: „In der Methode ‚Lesen durch Schreiben‘ verdichten sich nämlich Kerndogmen des Alt-68er- Zeitgeistes.“ (Tillschneider, 2017) Die Unterbestimmtheit der Ursachenzuschreibung Reformpädagogik im Phoenix-Interview ermöglicht im Übergang zum YouTube-Kanal HELLO WORLD also eine Einbettung in einen Kontext, in dem Reformpädagogik mit demAlt-68er- Zeitgeist im Establishment verbunden wird.

Auf dieser dritten Etappe unserer Reise lässt sich die einleitend formulierte These weiter plausibilisieren:Durch die Veröffentlichung auf dem YouTube-Channel HELLO WORLD wird IGLU 2016 rechtspopulistisch kontextualisiert. In Bezug auf den gesetzten Referenzpunkt Migrantenanteile verändert sich IGLU 2016 dahingehend, dass aus der Studie die Aussage „Migrantenkinder ziehen die Schulleistung in den Keller“ abgeleitet wird. Zudem ermöglicht es der neue AfD-nahe Kontext, den Referenzpunkt Reformpädagogik mit rechtspopulistischer Kritik am Establishment zu verbinden. Der titelgebende Verweis auf „Prof. Hans Peter Klein“ stattet auch diese Veränderungen mit wissenschaftlicher Autorität aus.

Die im Phoenix-Interview gesetzten Referenzpunkte fungieren also als Transformations-Scharniere für die neue Kontextualisierung. Durch ihre Unterbestimmtheit werden Möglichkeitsräume der Ausdeutung von IGLU eröffnet, die im Kontext von HELLO WORLD rechtspopulistisch gefüllt werden, was sich auf der folgenden Ebene der YouTube-Kommentare in aller Deutlichkeit zeigt.

5. YouTube-Kommentare

Dass Kleins Ausführungen zu IGLU 2016 und die Einbettung des Interviews durch HELLO WORLD den Nerv des rechtspopulistischen Diskurses treffen, lässt sich mit Blick auf die Kommentierungen des Videos zeigen. Weil sich unsere Analyse auf den Wirbel der unmittelbaren Rezeption bezieht, haben wir nur Kommentare untersucht, die innerhalb der ersten Stunden nach der Veröffentlichung des Videos gepostet wurden.

In Bezug auf den ersten ReferenzpunktMigrantenanteile zeigt sich folgende Transformation: Migrantenanteile werden weiterhin als Ursache für die schlecht bewerteten IGLU-Ergebnisse benannt. Die Inhalte des Phoenix-Interviews werden dabei so verändert, dass einerseits Migrantinnen und Migranten mit Muslima und Muslimen gleichgesetzt und andererseits die Differenzkategorie Migrationshintergrund biologistisch zugespitzt wird. Die erste Veränderung zeigt sich beispielsweise, wenn unter dem PseudonymMax Mustermann „Allah in der Birn läßt halt keinen Platz mehr fürs Gehirn“ gepostet wird.Wacholderbeer Suppenkasper kommentiert „moslimdreck“ und fürTascha Reini steht fest: „Ohne Migranten aus dem Islam würde Bremen Platz eins einnehmen !“. Neben dieser Gleichsetzung von Migration und Islam wird der Referenzpunkt Migrantenanteile biologistisch gewendet. Mehrere Kommentare zielen darauf ab, dass eine naturgegebene Differenz in der Höhe des IQ das eigentliche Problem sei. So schreibtDrifter Dub: „Dank der ‚Migranten‘ aus Südlichen Ländern ist der IQ in deutschland gesunken, der lag mal bei über 100 Punkte während wir jetzt knapp drunter liegen.“ Dieser Debattenausschnitt zeigt, welche gravierenden Veränderungen die eigentlichen IGLU-Ergebnisse und die von Klein benannten Ursachen in kurzer Zeit durchlaufen. So wird die Religionszugehörigkeit oder der IQ von Schülerinnen und Schülern im Rahmen von IGLU und im Interview mit Klein nicht erwähnt. Als rechtspopulistisch ist die skizzierte Ausdeutung von IGLU einzuordnen, weil hier Randgruppen für Missstände der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden.

In Bezug auf den ReferenzpunktReformpädagogik zeigt sich folgende Transformation: Durch den rechtspopulistischen Kontext von HELLO WORLD wird es möglich, die von Klein gesetzte Ursache Reformpädagogik mit antielitären Angriffen auf etablierte politische Parteien zu verbinden. Die Ursachenzuschreibung Kleins wird in einem Kommentar vonC4GIF zwar zunächst verneint: „Mit Reformpädagogik haben die Probleme nu nix zu tun“. Die Transformation zeigt sich aber darin, dassC4GIF weiter ausführt: „Die ekligen grünen Linken haben den Marsch durch die Institutionen geschafft und sind höchst erfolgreich in Ihrer Destruktion unseres Staates.“ Paradoxerweise zeigt sich die von uns diagnostizierte Scharnierfunktion des Referenzpunktes Reformpädagogik gerade darin, dass der antielitäre Angriff vonC4GIF Reformpädagogik als Ursache verneint, während diese Referenz im selben Atemzug mit der 68er Generation und einem spezifischen Parteienspektrum assoziiert wird. Diese Veränderung findet auch im Kommentar vonPeter Cordes Ausdruck: „Die Verdummung wird planmässig von Linksideologen betrieben. Das sagt er zwar nicht, aber er beschreibt die Syptome korrekt.“ Ein Kommentar vonWittmann 73 fasst die von uns skizzierte Transformation bündig zusammen: „Linke Verblödungspolitik und muslimische Migranten. Das sind die beiden Gründe.“

In den Kommentierungen des HELLO WORLD-Videos werden jedoch nicht nur die ursächlichen Erklärungen für das scheinbar schlechte Abschneiden bei IGLU 2016 verändert. Der Möglichkeitsraum wird auch genutzt, um konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. In direkter Antwort auf den Kommentar vonWittmann 73 schreibt beispielsweiseReichs Ritter: „So ist es. Jetzt muss nur noch der Weg frei gemacht werden für Massenabschiebung !“ Hiermit wird ein erster Lösungsvorschlag formuliert.Peter Hübler zeigt eine weitere Lösung auf, wenn er schreibt: „Dieses wichtige Thema kommt viel zu selten zur Sprache. Auch hier setze ich auf die blaue neue Kraft im Bundestag !“, womit vermutlich die AfD gemeint ist.

IGLU 2016 ist auf dieser vierten Ebene zwar kaum noch mit IGLU 2016 nach der offiziellen Ergebnispräsentation zu identifizieren. Wir argumentieren nun aber dafür, dass sich auch auf der vierten Ebene die wissenschaftliche Autorität IGLUs verstetigt. Diese Autorität hat sich zunächst auf den als Bildungsforscher inszenierten Klein übertragen. Das Interview mit Klein funktioniert durch die von ihm gesetzten Referenzpunkte alsScharnier und ermöglicht es somit, die in den Kommentaren ausgedrückten rechtspopulistischen Positionen mit scheinbar wissenschaftlicher Evidenz zu untermauern und die politischen Lösungsvorschläge damit als alternativlos zu präsentieren. So hältNora Lachmann fest: „Endlich mal einer, der die Probleme an den deutschen Grundschulen laut benennt. Danke, dass Sie kein Blatt vor den Mund nehmen, Herr Prof. Klein !“ Klein dient hier als personifizierte Wahrheitsquelle, die eng mit seinem wissenschaftlichen Professorentitel verbunden ist. In den Kommentaren werden sogar Parallelen zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und religiöser Offenbarung hergestellt, die die Autorität Kleins metaphorisch verdeutlichen.ulius jui schreibt beispielsweise: „Ein weiterer Prediger in der Wüste bei der Arbeit …“ (zur problematischen Analogie religiöser und wissenschaftlicher Autorität siehe Bourdieu, 1985, 2003; Gülker, 2015).

Auf dieser vierten Ebene wird die von uns formulierte These damit abschließend plausibel:IGLU 2016 ist Anlass für rechtspopulistische Positionierungen, die Randgruppen und etablierte Parteien für das als schlecht bewertete Abschneiden verantwortlich machen. IGLU 2016 verändert sich auf der Ebene der YouTube-Kommentare, indem die Ursache Migrantenanteile erneut verschärft wird. Dies geschieht durch die Gleichsetzung von Migrantinnen und Migranten mit Muslima und Muslimen sowie einer biologistischen Ausdeutung. Diese Problemdeutung wird zudem durch die Behauptung von politischen Lösungen, wie umfassende Abschiebungen und gesicherte Grenzen, ergänzt. Eine weitere Veränderung zeigt sich in Bezug auf den Referenzpunkt Reformpädagogik, der hier antielitär gedeutet wird. Diese Deutung ermöglicht Lösungsvorschläge, wie den Austausch der politischen Eliten, wobei die AfD den etablierten Parteien als antielitäre Alternative gegenübergestellt wird. Über alle Ebenen hinweg zeigt sich aber auch eine Kontinuität der wissenschaftlichen Autorität, die sich ausgehend von der IGLU Studie über die Ergebnispräsentation auf der BPK und den Expertenstatus von Prof. Klein bis hin zur Verwendung von Klein als Wahrheitsquelle auf der Ebene der YouTube-Kommentare verstetigt. Durch ihre symbolische Macht können sich also die politisch normativen Positionen unter den Deckmantel wissenschaftlicher Evidenz begeben und sich als alternativlos darstellen.

6. Reflexionsanstoß

Im Rückblick auf die nachgezeichnete Reise von IGLU 2016 durch den Wirbel der unmittelbaren Rezeption zeigt sich, wie der Rezeptionsprozess durch das Verhältnis der Ebenen zueinander bestimmt wird. So wird auf der jeweils nachgelagerten Ebene nur aufgenommen (rezipiert), was auf der vorhergehenden Ebene in Form von eröffneten Möglichkeitsräumen, an die sich die jeweils eigenen Perspektiven anschließen lassen, bereitgestellt wurde. Von hinten liest sich der Verlauf dann wie folgt: Die YouTube-Kommentare mit ihren Ursachenzuschreibungen und Lösungsvorschlägen, die sich auf der vierten Ebene unter dem Deckmantel scheinbarer wissenschaftlicher Evidenz als alternativlos darstellen können, werden erst durch die rechtspopulistische Kontextualisierung auf der dritten Ebene und den Verweis auf den professoralen Titel Kleins ermöglicht. Diese Kontextualisierung auf dem YouTube-Channel HELLO WORLD ist auf die im Phoenix-Interview gesetzten Referenzpunkte Migrantenanteile und Reformpädagogik als Ursachenzuschreibungen und die Inszenierung Kleins als Bildungsforscher angewiesen. Diese zweite Ebene nutzt wiederum die Veröffentlichung von IGLU 2016 als Anlass und nimmt für die im Interview vorgenommenen Ursachendeutungen die negative Bewertung der IGLU Ergebnisse auf der BPK auf. Bereits diese kurze Reise durch den Wirbel der unmittelbaren Rezeption zeigt, dass die empirische Bildungsforschung die gesamtgesellschaftlichen Anschlussmöglichkeiten reflektieren muss, die sie durch ihre Forschungsarbeit schafft.

Was kann die empirische Bildungsforschung aus der hier skizzierten Reise von IGLU 2016 lernen ? Sie könnte sich auf die Position zurückziehen, dass sie weder Verantwortung für, noch die Kontrolle über die Verwendung ihrer Ergebnisse hat. Aufgrund der engen Verbindung von empirischer Bildungsforschung, Bildungspolitik und öffentlichem Diskurs halten wir diese Position aber für problematisch. Sie ignoriert, dass ihre wissenschaftliche Autorität als Metakapital normativ in andere gesellschaftliche Teilbereiche hineinwirkt und dass sie umgekehrt durch Veränderungen in diesen Bereichen beeinflusst wird. Damit gefährdet eine solche Positionierung des Rückzugs paradoxerweise gerade die von ihr behauptete Autonomie der Wissenschaft.

Auch Akteure der empirischen Bildungsforschung (Bromme et al., 2016; Gollwitzer et al., 2014) sehen die Transformationsprozesse der Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit und folgern daraus die Notwendigkeit, sich selbstkritisch mit ihrerWissenschaftskommunikation auseinanderzusetzen. Sie plädieren primär dafür, solche Transformationsprozesse zum Gegenstand der eigenen Forschung zu machen: „Die empirische Bildungsforschung sollte, wenn es um ihre Wirkung geht auch auf ihre eigenen Möglichkeiten vertrauen um die Prozesse (und damit auch die Möglichkeiten und Grenzen) evidenzbasierter Bildungspolitik zu verstehen.“ (Bromme et al., 2016, S. 145) Dies ist eine Form der Selbstreflexion, die sich zwar dem richtigen Problem annimmt, aber Gefahr läuft, dass sich die eigenen Methoden und Begriffe in der Reflexion bestätigen. Dies liegt daran, dass sowohl der Gegenstand als auch der Modus der Reflexion der empirischen Bildungsforschung entspringen und somit unklar bleibt, wie sich die empirische Bildungsforschung in diesem Reflexionsprozess von ihren eigenen Selbstverständlichkeiten distanziert.

Weil sich der skizzierte Transformationsprozess von IGLU 2016 zwischen Wissenschaft, Politik, Massenmedien und Öffentlichkeit ereignet, halten wir eine umfassendere Reflexionsform für notwendig, die gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge in den Blick nehmen kann. Bourdieus Konzept derteilnehmenden Objektivierung (Bourdieu, 2013) erfüllt diese Anforderung und hält konkrete Möglichkeiten zur Selbstdistanzierung im Sinne einer reflexiven Selbstkritik der Wissenschaft bereit (Bourdieu, 1985, 1988). Das Ziel der teilnehmenden Objektivierung ist es, die Forschung über ihre eigenen sozialen Bedingungen und ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft aufzuklären (Bourdieu, 2013). Auf diese Weise soll einerseits die Wissenschaftlichkeit der eigenen Forschung gesichert (Bourdieu, 2013; Eribon, 2017; Waquant, 2013) und andererseits die Autonomie der Wissenschaft erhöht werden (Bourdieu, 1998). Die teilnehmende Objektivierung rückt hierzu zwei Aspekte in den Vordergrund der Reflexion. Sie richtet sich erstens auf die Konstruktionsarbeit der Forschung und zweitens auf die relationale Position der Forscherinnen und Forscher im wissenschaftlichen Feld sowie imMakrokosmos Gesellschaft (Bourdieu, 1988, 1998, 2013). Zum Abschluss werden wir diese beiden Aspekte auf den Wirbel der unmittelbaren Rezeption von IGLU 2016 anwenden und so Konsequenzen aus unserem Reflexionsanstoß für die Forschungspraxis ziehen.

Beim ersten Aspekt – der Konstruktionsarbeit der Forschung – richtet sich die teilnehmende Objektivierung auf die Konstruktion von Gegenständen. Bourdieu (2003) analysiert in seinem AufsatzWissenschaftliche Methode und soziale Hierarchie der Gegenstände das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in Bezug auf die Objektkonstruktion. Er zeigt, dass es eine soziale Hierarchie der Gegenstände gibt und dass die Objektkonstruktion der Forschung häufig dieser Hierarchie verfällt, weil sie allen Beteiligten evident erscheint (Bourdieu, 2013). Gesellschaftlich höhergestellte Gegenstände werden also innerhalb der Wissenschaft häufiger unreflektiert konstruiert als niedriggestellte. Allerdings sind diese Gegenstände aufgrund ihrer gesamtgesellschaftlichen RelevanzKampfobjekte (Bourdieu, 2013, 2014), um deren Deutung sowohl die Forschung als auch andere gesellschaftliche, insbesondere politische Akteure streiten.

In Bezug auf die von uns skizzierte Reise von IGLU 2016 durch den Wirbel der unmittelbaren Rezeption lassen sich die Konsequenzen aus diesem Aspekt der teilnehmenden Objektivierung anhand der Differenzkategorie Migrationshintergrund verdeutlichen. Wir gehen davon aus, dass Migration sowie Migrantinnen und Migranten gegenwärtig einen hohen Stellenwert innerhalb der sozialen Hierarchie der Gegenstände haben. Dabei werden sie in der Regel als Problem oder gar Gefahr objektiviert (Sitter, 2016, 2017). Indem die empirische Bildungsforschung an dieser Objektkonstruktion festhält, trägt sie dazu bei, dass dem gesellschaftlichen Kampf um die Ausdeutung der unter den Begriffen Migration sowie Migrantinnen und Migranten diskutierten Phänomene ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Damit ist auch verbunden, dass rechtspopulistische Positionen, die sich auf diese Gegenstände beziehen und wie Sabine Andresen (2018) gezeigt hat, hochgradig anschlussfähig an erziehungswissenschaftliche Themen sind, mit hoher symbolischer Macht ausgestattet werden. So wird die für die empirische Bildungsforschung evidente Kategorie in der von uns nachgezeichneten Transformation mit einem rechtspopulistisch aufgeladenen defizitären Bild von Migrantinnen und Migranten verbunden, dass diese einseitig als den problembehafteten Anderen kennzeichnet. Eine konkrete Konsequenz aus diesem Zusammenhang könnte die Dethematisierung der Differenzkategorie Migrationshintergrund sein (Sitter, 2017). Aufgabe einer teilnehmenden Objektivierung wäre es darüber hinaus, nach Kategorien zu suchen, die die von uns skizzierte Transformation erschweren, der politischen Vereinnahmung möglichst widerstehen und so zur Autonomie der Wissenschaft beitragen.

Unsere Analyse zeigt allerdings auch die Begrenztheit dieses Aspekts der teilnehmenden Objektivierung auf. Während der Bezug zu Migrationshintergrund deutlich der IGLU-Studie entnommen werden kann, findet der Referenzpunkt Reformpädagogik sich nicht in ihr wieder. Damit wird deutlich, dass wissenschaftsexterne Positionen auch unabhängig von der konkreten Gegenstandskonstruktion der empirischen Bildungsforschung an die symbolische Macht ihrer wissenschaftlichen Autorität anschließen können. Dies führt zum zweiten Aspekt der teilnehmenden Objektivierung, der die relationale Position von Forscherinnen und Forschern in den Blick nimmt.

Bourdieu (1985, 1988, 1998, 2013) argumentiert, dass Sozialforschung sich ihrer eigenen Position und damit ihrer Relation zu anderen Akteuren und Feldern bewusstwerden muss. Bourdieus (1998)normative Vorschläge zielen darauf ab, die relative Autonomie wissenschaftlicher Forschung zu wahren und einekollektive Widerstandskraft gegenüber der Vereinnahmung in gesellschaftlichen Konflikten zu entwickeln. Allgemein lässt sich sagen, dass das wissenschaftliche Feld dann eine hohe Autonomie aufweist, wenn die Regeln des wissenschaftlichen Spiels und das Kapital, dass in diesem Spiel eingesetzt und erworben wird, sich auf das Feld der Wissenschaft beschränkt (Bourdieu, 1998). Wenn die wissenschaftliche Autorität der empirischen Bildungsforschung aber als Meta-Kapital (Bourdieu & Waquant, 2013) in anderen Feldern symbolische Macht entfalten kann und dazu beiträgt andere Positionen zu marginalisieren, dann geht dieser hohe Einfluss der Forschung gleichzeitig mit einer Gefährdung ihrer Autonomie einher.

Dies lässt sich in Bezug auf die skizzierte Reise von IGLU 2016 im Wirbel der unmittelbaren Rezeption zeigen, weil der wissenschaftliche Wahrheitswert der empirischen Bildungsforschung über die Grenzen der Wissenschaft hinaus nahezu unangetastet bleibt. Auch wenn die inhaltlichen Bezüge sich im Transformationsprozess stark verändern, verstetigt sich die Form wissenschaftlicher Autorität als symbolische Macht. Eine konkrete Konsequenz für dieWissenschaftskommunikation der empirischen Bildungsforschung (Bromme et al., 2016; Gollwitzer et al., 2014) würde darin bestehen, dass sie den Veränderungen im öffentlichen Diskurs widerspricht. Darüber hinaus kann die teilnehmende Objektivierung dazu beitragen, die Relation zu anderen Positionen und Feldern zu objektivieren, indem sie die eigenen und externen Grenzkonstruktionen klärt. Es geht also darum, kritisch zu reflektieren, wie rechtspopulistische Positionen erziehungswissenschaftliches Wissen aufgreifen und umwandeln (Andresen, 2018). Uns erscheint es jedenfalls grundsätzlich möglich, eine eigene Position in der Gesellschaft zu finden, die die Widerstandskraft gegen die skizzierten Vereinnahmungen erhöht, ohne eine Positionierung des Rückzugs einzunehmen (Beck & Lau, 1983; Bourdieu, 2004).

Die teilnehmende Objektivierung gelingt, wenn Reflexionen es der Forschungspraxis ermöglichen, dass ihre Ergebnisse und wissenschaftliche Autorität nicht als Deckmantel für politisch normative Positionierungen dienen – auch wenn eine absolute Kontrolle über die gesellschaftliche Verwendung der eigenen Forschung nicht möglich sein wird. Mit Eribon (2017) gesprochen würde es darum gehen, dass sich Wissenschaft eineWiderspenstigkeit gegenüber politischer Vereinnahmung erhält, die aus demRespekt gegenüber ihrergesellschaftlichen Funktion erwächst und so die relative Autonomie der Wissenschaft wahrt.

Literatur

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Abstract: The subject of our reflection is the transformation of PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study) 2016 in the turmoil of its immediate reception. In this process, the content of the study rapidly changes, while its scientific authority endures. This is a problem because PIRLS 2016 becomes a cover for right-wing populist positions. From this we conclude that educational research must reflect its social conditions if it does not want to jeopardise its scientific autonomy. Our critical approach introduces Bourdieu’s participant objectivation to reflect educational research in terms of the social hierarchy of objects and its relational position in the scientific field as in society.

Keywords: Educational Research, PIRLS, Right-wing Populism, Participant Objectivation, Transformation

Anschrift der Autor_innen

Dr. phil. Lukas Otterspeer, Technische Universität Dortmund, Institut für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik (IADS), Martin-Schmeisser-Weg 16, 44227 Dortmund, Deutschland E-Mail: lukas.otterspeer@tu-dortmund.de

Christoph Haker, Lehrer für die Sekundarstufe I an der Heinrich-Hertz-Schule Hamburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, DFG-Graduiertenkolleg „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive“, Ammerländer Heerstraße 114 – 118, 26129 Oldenburg, Deutschland E-Mail: christoph.haker@gmail.com