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Lust: Alles, was recht ist


petra - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 06.06.2019

„Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt …?“ Von wegen! Weltweit gibt es vieleVERRÜCKTE GESETZE , die vorschreiben, was zwei – oder mehr – Menschen beim Sex tun dürfen. Eine Auswahl, die sicher das Lachzentrum stimuliert


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Bildquelle: petra, Ausgabe 7/2019

Normal ist das nicht. Ein Satz, der häufiger fällt, wenn von verschiedenen sexuellen Praktiken die Rede ist. Genussvoll an Zehen saugen?Normal ist das nicht. Analverkehr?Normal ist das nicht. Ein Orgasmus auf dem Fahrradsattel?Normal ist das …

Vielleicht ja doch. Biologisch gesehen ist der Mensch das einzige Tier, das sein Fortpflanzungsbegehren bewusst und willentlich ...

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... steuern kann.

Über Instinkte hinaus hat er es im Griff, was er tun mag, wie, wann, wo und warum. Genau aus diesem Grund existieren Gesetze, die diese Lust deckeln. Geht es darum, vor Gewalt und Missbrauch zu schützen, etwa vor Vergewaltigung, liegt deren Berechtigung auch klar auf der Hand. Warum aber ist es etwa in Daytona Beach an der Atlantikküste Floridas verboten, öffentliche Mülleimer sexuell zu belästigen? Wie geht das genau? Und was muss vorgefallen sein, damit diese Vorschrift erlassen wurde?

Die Vereinigten Staaten sind aber ganz generell eine Fundgrube für bizarre, verrückte und wirre Sex-Statuten. Mehr als 20 finden sich in den unterschiedlichen US-Staaten, auf die man erst einmal – Entschuldigung! – „kommen“ muss.

Weitere Beispiele: In Hastings, Nebraska, ist es nicht gestattet, nackt miteinander zu verkehren, Nachthemden sind auch für Ehepaare Pflicht. Dass die Kleinstadt in Adams County liegt, erklärt es vielleicht – schließlich war Adam der erste Mensch, der sich seiner Blöße schämte.

North Carolina ist strenger. Da dürfen selbst Verheiratete nur in Hotelzimmern schlafen, deren Betten 60 Zentimeter voneinander entfernt sind, mindestens. Dann macht man es sich eben selbst?Nope, Masturbation ist ebenfalls untersagt.

Auch Stellungen werden angeordnet: Frauen müssen in Florida und in Virginia unten liegen – alles andere als der Missionar ist verboten. Und in Baltimore, Maryland, müssen Verliebte in der Öffentlichkeit aufpassen, denn Küsse, die länger als eine Sekunde währen, sind illegal.

West Virginia ist dagegen laxer. Männern ist es durchaus erlaubt, Sex mit Tieren zu haben. Einzige Einschränkung: Sie dürfen nicht mehr als 40 Pfund wiegen.


„Wenn man alleGesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten“
Johann Wolfgang von Goethe


Das vielleicht irrste Beispiel (vielleicht aber auch nicht): In Connorsville, Wisconsin, dürfen Männer, während ihre Partnerin einen Orgasmus durchlebt, kein Gewehr abfeuern. Eine Absage an phallische Überheblichkeit oder die Kompen- sation von Impotenz? Möglich. Allerdings weiß heute niemand mehr, wer denn der Frau den Höhepunkt beschert hat.

Wie auch immer: Frau sieht, dass die meisten Gesetze Ausdruck der Moralvorstellungen mächtiger Kreise sind. Kurz gesagt: von Männern. Eine Einstellung, die sich offenbar nicht allein auf das Land der begrenzten Möglichkeiten bezieht. Uruguay erlaubt es einem Gehörnten, seiner Frau die Nase abzuschneiden und ihren Liebhaber zu kastrieren. Dass eine Frau als Jungfrau in die Ehe gehen muss, ist im kolumbianischen Cali geschriebenes Gesetz – für deren Einhaltung die Mutter geradezustehen hat.

Vergleichsweise unterhaltsam ist dagegen die Regel aus Ungarns Hauptstadt Budapest, das Licht in jenem Raum zu löschen, in dem man gerade heiß läuft. Und total absurd kommt jene Regel daher, die es in der estländischen Hauptstadt Tallinn verbietet, vom Bett zum Brett zu wechseln und Schach als Verzögerung der Klimax unter der Bettdecke einzubauen.

Zur Erinnerung: Wir reden hier von Gesetzen. Nicht von religiösen Vorschriften, deren Ursprünge mehrere Hundert Jahre zurückreichen. Und natürlich erhält man im Umkehrschluss einen fantastischen Einblick in die menschliche Psyche. Schließlich muss all das, was jetzt verboten wird, schon mal passiert sein. In der Realität. Oder zumindest in der Fantasie der Juristen.

Zum Glück ist die Rechtslage in Deutschland vergleichsweise entspannt. Allerdings: Wer seinen Sommerurlaub in der Fremde verbringen möchte, sollte sich sicherheitshalber über die vor Ort geltenden Paragrafen informieren.

Die Faustregel: Wer öffentlich die Hosen runterlässt, muss fast überall mit scharfen Strafen rechnen. Auch in Deutschland – „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ kann nach § 183a StGB Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr nach sich ziehen. In Griechenland und Italien droht noch mehr. In Kenia kann man schon für FKK-Baden eingebuchtet werden. Und schlichtes Oben-ohne- Sonnen führt in Ägypten, Brasilien, Hongkong, Thailand und Zypern zu juristischem Ärger.

Natürlich kann man sagen: Wo kein Kläger, da kein Richter. Gegenfrage: Wie war das noch einmal mit den Mülleimern in Daytona Beach?


FOTO: GETTY/ALDRA

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