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Luxus auf drei Achsen


Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 05.10.2021

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Fast neun Meter lang, Tandemachse und ein Mercedes-Stern auf der Motorhaube: Wo diese beiden Testmobile auftauchen, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss. Mit ihren Oberklasse- Integrierten im großen Format zeigen die beiden oberschwäbischen Dauerkontrahenten Carthago und Hymer, wie sie mobilen Luxus interpretieren.

Ganz neu: der Carthago Chic C-Line XL, den der Hersteller zum Modelljahr 2022 als „New Generation“ vorgestellt hat und nun erstmals auch auf Basis des Mercedes-Benz Sprinters anbietet. Der 8,53 Meter lange Testwagen rollt mit dem beliebten Einzelbetten-Grundriss vor und verfügt über die neue Stilwelt „Linea Progressiva“, mit der Carthago die Brücke zwischen klassischer Eleganz und modernem Design schlagen will.

Hymers Topmodell B-Klasse Master- Line kommt in der Langversion I 880 auf fast einen halben Meter mehr Aufbaulänge (8,99 Meter), hält sich bei der Raumaufteilung aber ans ...

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... gleiche Schema wie der Konkurrent: Einzelbetten im Heck, riesiges Raumbad/Ankleidezimmer mit separater Duschkabine, L-Küche, großzügige Sitzgruppe und Hubbett für Gäste vorn.

Der frontgetriebene Mercedes-Benz Sprinter eint die beiden 5,5-Tonner ebenso wie der bis auf wenige Euro identische Grundpreis: 123.990 Euro verlangt Hymer, 124.040 Euro Carthago. Wer die Luxusmobile standesgemäß konfiguriert, landet schnell – die Testfahrzeuge be-weisen es – bei 150.000 bis 180.000 Euro. Für diese Summe darf der Kunde höchste Qualität und durchdachte Details erwarten. Der direkte Vergleich zeigt: Dieser Anspruch wird nicht enttäuscht, allerdings lösen die Hersteller viele Details ganz unterschiedlich.

AUFBAU

Carthago wie Hymer sind für ihren hochwertigen Kabinenbau bekannt, da machen selbstredend auch die Flaggschiffe keine Ausnahme. Beide Auf bauten sind holzfrei, mit wasserabweisendem Schaum isoliert und hervorragend verarbeitet. Für den Chic C-Line I 5.9 XL LE verwendet Carthago einen Isolierkern aus RTM-Hartschaum. Dachober- und Bodenunterseite bestehen aus GfK, die Wände werden beidseitig mit Aluminium beplankt. Dank Dachinnenseite aus Alu bietet auch der große Chic C-Line im Fall eines Blitzeinschlags einen faradayschen Käfig, auf den Carthago sehr stolz ist.

Hymer setzt auf seine bekannte und bewährte PUAL-Bauweise: Auch hier bestehen die Wände an ihrer Außen- und Innenseite aus Aluminiumblechen, dazwischen findet sich eine Isolierung aus hochfestem PU-Schaum. Auf das Alu- Dach legt der Hersteller zusätzlich eine Gf K-Schicht auf, was laut Hymer auch dann absolute Dichtigkeit verspricht, sollte die Gf K-Schicht im Lauf der Jahre – etwa in Folge eines Hagelschauers – feine Risse bekommen.

An den Triebkopf des Mercedes-Benz Sprinters flanscht Carthago ein Tiefrahmenchassis von Fahrwerksspezialist Al- Ko an. Hymer verwendet das ebenfalls mit Al-Ko entwickelte SLC-Chassis mit verzinkten Stahlträgern im Doppelboden.

Das isolierte und beheizte Kellergeschoss ist bei beiden Fahrzeugen Standard. Vorteil Carthago: Das große Staufach im Eingangsbereich bietet dank Vertiefung eine Ladehöhe von 45 Zentimetern und eine Bodenklappe, die an soliden Scharnieren öffnet. Weitere Fächer im Doppelboden sind von innen über Bodendeckel zugänglich, die Höhe des Stauraums beträgt hier lediglich 21 Zentimeter. Die Stauräume im Hymer-Doppelboden sind durchgehend 36 Zentimeter hoch und vom Innenraum über drei lose Bodendeckel erreichbar.

Auch von außen gewähren beide Mobile Zugang zum Kellergeschoss. Der Stauraum ist durchladbar und über Klappen in der rechten und linken Seitenwand zugänglich. Allerdings fallen die Klappen beim Carthago größer aus und ermöglichen bequemeren Zugang. Zudem verfügt der Chic C-Line XL über eine zusätzliche Klappe vorn rechts. Hier lässt sich zum Beispiel eine Getränkekiste von außen einladen, einzelne Flaschen können dann direkt vom Innenraum aus entnommen werden, indem der Urlauber das Polster der Seitensitzbank aufklappt.

INNENAUSBAU

Zwei Fahrzeuge, zwei ganz verschiedene Ausbaustile: Hymer setzt auf ein modernes Ambiente mit hellem Fußboden, weißen Schrankklappen und dunklen Holzakzenten. Die Stilwelt „Linea Progressiva“ bringt in den Chic C-Line XL zwar ebenfalls mehr weiße Flächen, trotzdem wirkt das Interieur deutlich klassischer – so, wie es viele Carthago-Kunden schätzen.

Bei der Verarbeitung im Innenraum geben sich die Hersteller keine Blöße. Das Mobiliar fasst sich wertig an und gibt auch auf schlechten Straßen nur wenig Klappergeräusche von sich. Hymer montiert Oberschrankklappen mit versteckten Griffen, die sich sanft von selbst ins Schloss ziehen. Im Carthago ist aufgrund der stark gespannten Federn der Klappenaufsteller mehr Kraft und Vorsicht beim Bedienen erforderlich.

Das gemütliche Wohnzimmer befindet sich bei beiden Fahrzeugen im Bug. Einen markanten Unterschied stellt die seitliche Längsbank dar, die im Chic C-Line XL deutlich länger (125 Zentimeter) und dank tiefer Sitzfläche auch bequemer ausfällt als die kurze Bank (78 Zentimeter) im Hymer. Allerdings ist der Durchgang zwischen Seitensofa und L-Bank mit gerade einmal 26 Zentimetern im Carthago sehr knapp geraten. Die Tischplatten sind ähnlich groß und jeweils längs wie quer verschieb- sowie drehbar.

An beiden Sitzgruppen fahren große TV-Geräte auf Wunsch elektrisch per Knopfdruck nach oben. Carthago platziert das 40-Zoll-Gerät hinter der Lehne des Seitensofas. Der Fernseher im Hymer fällt mit 32 Zoll Bildschirmdiagonale etwas kleiner aus und steht ausgefahren zwischen Küche und L-Bank. Zum Fernsehen sitzen Urlauber hier am besten auf den gedrehten Fahrerhaussitzen, während sie im Carthago auch die L-Bank nutzen können.

Das Schlafzimmer für das Eignerpaar punktet hier wie dort mit großzügig bemessenen Einzelbetten, deren dicke Matratzen und Unterfederung mit Kunststofftellern hohen Schlafkomfort versprechen. Etwas länger sind die Liegeflächen in der B-Klasse MasterLine (je 217 Zentimeter), aber auch je 200 Zentimeter im Chic C- Line XL sollten den meisten Urlaubern vollkommen genügen.

Während Carthago umlaufend Oberschränke verbaut, ist die Schrankzeile im Hymer über den Seitenfenstern unterbrochen, hier finden sich offene Ablagen. Den zusätzlichen, ausziehbaren Fernseher im Schlafzimmer versteckt Carthago elegant in einem Schrank, bei Hymer hängt er stets sichtbar an der Wand. Ärgerlich: Aufgrund der hoch montierten Liegeflächen bleibt in beiden Fahrzeugen nur rund ein halber Meter zwischen Matratze und den Ober-schränken am Kopfende. Entspanntes Anlehnen zum Lesen ist so nicht möglich.

Knapp: nur eine USB-Steckdose im Carthago, im Hymer sind es vier Stück.

KÜCHE UND BAD

Die Winkelküchen zwischen Bad und Sitzgruppe auf der Fahrerseite bieten in beiden Fahrzeugen ähnliche Abmessungen. Während Hymer hinter der Rundspüle noch ein kleines Abtropf becken in die Arbeitsplatte aus Mineralstoff einlässt, verzichtet Carthago auf dieses Detail. Die Küchenplatte des Chic C-Line XL – ebenfalls aus Mineralstoff (Corian) – bietet deshalb etwas mehr Abstell- und Arbeitsfläche.

An Stauraum mangelt es weder im Carthago noch im Hymer. In den Unter-schrank der B-Klasse MasterLine hat der Hersteller zwei schmale Apotheker-Auszüge integriert. Im Chic C-Line XL gibt es einen solchen raumhohen Auszug gegenüber neben dem Kühlschrank. Das Absorber-Gerät mit automatischer Energiewahl stammt in beiden Fällen von Dometic und hält mit 153 Litern Inhalt reichlich Raum für verderbliche Lebensmittel bereit. Der beidseitige Türanschlag erleichtert das Entnehmen.

Wahre Prunkstücke stellen die Badezimmer der Luxusmobile dar. Sie sind ähnlich aufgeteilt, im Detail aber unterschiedlich ausgestaltet. Beiden gemein: eine Duschkabine und ein separates Waschbecken auf der Fahrerseite, gegenüber der WC-Raum und eine Schrankwand mit jeder Menge Stauraum.

Die Duschkabine des Hymer punktet mit Echtglastüren und einem Fußboden ohne störendes Podest. Allerdings bleibt zwischen Duschtüren und Decke ein Spalt von 14 Zentimeter. Die Kunststoff- Türen im Carthago reichen bis zur Decke, wirken aber im Vergleich weniger wertig. Zudem stört das 17 Zentimeter hohe Podest im Fußraum. Dafür hält der Chic C- Line XL fünf Zentimeter mehr Stehhöhe bereit. Die nur um wenige Zentimeter aufstellbare Dachluke fällt dagegen hinter das weit öffnende Pendant in der B-Klasse MasterLine zurück.

Beide Hersteller verbauen im WC- Raum eine Drehtoilette von Thetford. Im Carthago sitzen Urlauber mit etwas mehr Knieraum, dafür müssen sie eine Stufe hinaufsteigen, weshalb sich die Stehhöhe im WC-Raum auf 184 Zentimeter reduziert – da man sich hier meist nur sitzend aufhält, ist das verschmerzbar.

Zum Ankleidezimmer werden beide Raumbäder durch die großzügigen Kleiderschränke auf der Beifahrerseite. Hymer nutzt den Raum hier besser und baut neben einem Kleiderschrank noch einen schmalen Schrank mit Wäschefächern und zwei Schubladen ein. Hier macht sich die etwas größere Außenlänge der B-Klasse MasterLine bemerkbar.

Im Carthago bleibt es bei einem raumhohen Kleiderschrank, der sich mittels Einlegeboden unterteilen lässt. Beide Badezimmer lassen sich nach hinten mit Schiebetüren, nach vorn ebenfalls mit Schiebetüren (Carthago) bzw. mit der um 90 Grad geschwenkten WC-Tür abtrennen und bieten richtig viel Platz zum Umkleiden und vor dem Waschtisch.

ELEKTRIK, GAS, WASSER

Gehobene Ansprüche stellen Urlauber in dieser Preisklasse auch an die Bordtechnik. Carthago und Hymer begegnen dem mit einer serienmäßigen Warmwasserheizung von Alde, großzügigen Frischwasserreserven und einer akkurat installierten Elektrik. Diese befindet sich im Carthago sehr gut zugänglich hinter einem Lochblech in der Heckgarage. Im Hymer ist die Technik im vorderen Bereich des Doppelbodens untergebracht. Um sie zu erreichen, muss man die Bodendeckel anheben und auf die Knie gehen.

INTERESSANTE DETAILS

CARTHAGO

Tiefes Doppelboden-Fach mit Abwasser-Ablasshahn (links). Großer TV, elektrisch bedienbar (links oben). Große Außenklappen zum Doppelboden (links unten). Klappe des WC-Schachts schön eingepasst, Entnahme der Kassette ist aber fummelig.

HYMER

Für bequemes Anlehnen ist der Abstand zwischen Matratze und Oberschrank zu knapp (oben). Toll: gut unterteilte Schrankwand im Raumbad (rechts oben). Der Hymer bietet mehr USB-Steckdosen als der Carthago (rechts unten). Praktische Doppelboden-Fächer (rechts).

Die Abwassertanks bauen die Hersteller frostsicher im Doppelboden ein. Die Entleerung erfolgt über einen Hahn im zentralen Bodenfach (Carthago) oder über einen Schalter am Armaturenbrett (Hymer). Die schwellenfreien Gaskästen erleichtern den Flaschentausch. Allerdings versieht nur Hymer die Außenklappe mit Gasdruckdämpfern, was das Öffnen komfortabler gestaltet. Dafür verfügt der Chic C-Line XL mit zwei 80-Ah-Bordbatterien über die größeren Energiereserven (MasterLine 1x 95 Ah).

Wer das nötige Kleingeld hat, kann beide Fahrzeuge mit mehr Technik aufrüsten. So verfügte der Hymer-Testwagen beispielsweise über Lithium-Akkus, Wechselrichter, Dachklimaanlage und Solarpanels.

BASISFAHRZEUG

Fast neun Meter Außenlänge flößen vor der ersten Fahrt Respekt ein. Doch einmal in Fahrt, lassen sich die beiden Luxusliner erstaunlich behände bewegen. Das liegt an der leichtgängigen Sprinter-Lenkung ebenso wie an den kräftigen Dieselmotoren und der weich schaltenden Automatik. Wenn es nicht gerade um enge Kurven geht, vergisst man beim Fahren schnell, wie groß die Fahrzeuge sind. Wegen der auf 100 km/h begrenzten Autobahn-Geschwindigkeit der 5,5-Tonner bleibt der Verbrauch mit rund elf Liter Diesel überschaubar.

Beim Parken und beim Rangieren auf engen Stellplätzen werden die Ausmaße der Fahrzeuge dann aber umso schmerzlicher wieder bewusst. Wer mit einem Mobil dieser Größe unterwegs ist, sollte Route und Übernachtungsorte gut planen.

Aufgrund des um rund 60 Zentimeter kürzeren Radstands gibt sich der Carthago im Vergleich etwas handlicher. Er punktet zudem mit der besseren Sicht nach vorn, da sich das Armaturenbrett nach vorn absenkt und die Frontscheibe tiefer gezogen ist als im Hymer, bei dem die Fläche vom Lenkrad bis zur Scheibe waagerecht verläuft. Optisch gelungen: der zur Seite mit Lederblenden verkleidete Übergang zum originalen Sprinter-Cockpit des Carthago. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen die Position des separaten Bildschirms für die Rückfahrkamera seitlich tief links vom Lenkrad. Hymer nutzt für das Kamerabild den besser einsehbaren zentralen Bildschirm im Armaturenbrett.

TESTFAZIT

Darf es etwas mehr sein? Carthago und Hymer laden mit ihren luxuriösen Dreiachsern zum Träumen ein. Dabei entwickeln die Mobile ganz eigene Charaktere: Der Chic C-Line XL setzt auf klassische Eleganz, die B-Klasse MasterLine erinnert fast schon an ein modernes Loft auf Rädern. Jede Menge Komfort bieten beide, doch zeichnen sich die Ausbauten im Detail durch spezifische Vor- und Nachteile aus. Der Carthago punktet mit der opulenteren Sitzgruppe, der eleganten Integration des Sprinter-Cockpits und den großen Außenklappen zum Doppelboden. Der Hymer kontert mit extralangen Betten, klasse unterteilten Kleider- und Wäscheschränken und dem besser platzierten Bildschirm der Rückfahrkamera. Schön, wer hier die Qual der Wahl hat.