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MACH FEHLER


Madame - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 18.08.2021

PORTRAIT

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BLENDENDE AUSSICHTEN Es läuft für Kate: Sie hat nicht nur zwei neue Projekte am Start, sondern ist auch Markenbotschafterin von L?Oréal Paris. Und ihre Tochter Mia steht am Anfang einer eigenen Karriere im Filmbusiness

„Tu Dinge, die du am nächsten Ta g bereust. Das rate ich meiner Tochter und allen anderen.“

Früher, sagt Kate Winslet, hätte sie das nie gemacht. „Niemals hätte ich eine Journalistin in mein Haus gelassen, das war mir viel zu privat“, erzählt sie mir, der Journalistin, während sie zu Hause am Küchentisch sitzt. „Aber inzwischen denke ich mir, was soll’s, wir wohnen alle irgendwie, ist doch egal.“ Hinter ihr präsentiert sich eine aufgeräumte Küchentheke mit einer hübschen Deko-Schale und eine Tür, von der ich nie erfahren werde, wo sie hinführt. Winslet hat mich zwar zu sich eingeladen, aber nur digital – per Videochat. Vor einiger Zeit ist sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in ein altes Landgut in Sussex, England, gezogen – weit weg von Hollywood, ohne Nanny und Köchin. Und seit Kurzem leben dort nicht nur eine Schauspielerin, sondern zwei. Kate Winslets Tochter Mia Threapleton, 20 ...

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... Jahre alt, aus Winslets erster Ehe mit dem Regisseur Jim Threapleton, steht am Beginn ihrer eigenen Karriere. Letztes Jahr spielte sie ihre erste große Rolle in dem kleinen Horror-Thriller „Shadows“. Zwei Frauen, zwei Generationen – in einer sich wandelnden Filmbranche. „Als ich meine Karriere begann, herrschte großer Konkurrenzkampf zwischen den Schauspielerinnen: Wer ist die beste, die dünnste? All dieser Mist ist einfach verschwunden“, schwärmt Winslet. Die junge Generation trete viel selbstbewusster auf. Insofern können sie viel voneinander lernen, Tochter und Mutter. Mia profitiert von der Erfahrung Kates, die mit fast 46 Jahren gerade zu Höchstform aufläuft. In der HBO-Serie „Mare of Easttown“ (via Sky) und dem Spielfilm „Ammonite“ (ab Herbst im Kino) zeigt sie ihr ganzes schauspielerisches Können. Zudem wurde Kate Winslet kürzlich zur Markenbotschafterin von L’Oréal Paris ernannt, deren Claim „Weil ich es mir wert bin“ zu kaum einer besser passt als zu ihr. Auch, weil sie sich das Gefühl von Selbstwert erst erkämpfen musste. Sie stammt aus einer eher mäßig erfolgreichen Schauspielerfamilie, spielen war für sie lange nicht mit Ruhm und Reichtum verbunden, sondern mit harter Arbeit. Schon zu Schulzeiten wurde sie wegen ihres Gewichts gemobbt, und nach ihrem überraschenden Erfolg mit „Titanic“ 1997 fiel die erbarmungslose englische Presse über sie her, statt sie zu feiern. Zu dick. Zu gewöhnlich. Und dann noch drei Kinder von drei Männern. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, dem Regisseur Sam Mendes („James Bond“) hat sie den 17-jährigen Sohn Joe Alfie und mit ihrem aktuellen Ehemann Ned (eigentlich Edward Abel Smith, auch bekannt als Ned Rocknroll) den siebenjährigen Bear Blaze. Ned ist der Neffe von Sir Richard Branson, dem Gründer der Virgin Group, die neben Musik unter anderem in Raumfahrt investiert. Erst kürzlich war Branson in den Schlagzeilen, weil er mit seinem eigenen Raumschiff 86 Kilometer über der Erde schwebte.

Heute spricht Winslet offen über ihre Anfänge als Schauspielerin, auch um ihrer Tochter willen. „Damals war mein Gefühl von Selbstwert stark verbunden damit, wie ich aussah, wie viele Komplimente ich bekam. Meine Kolleginnen und ich, wir wollten einfach ausgewählt werden, für eine Filmrolle, als Freundin von einem Typen. Und wenn wir es wurden, waren wir sooo dankbar.“ Ihr sei erst im Lauf der Jahre bewusst geworden, wie verkorkst das ist. „Als ich älter wurde, habe ich gelernt, dass ich meinen Selbstwert aus meinem Leben ziehe. Aus meinen Erfahrungen, die ich durchlebt habe und manchmal überlebt. Sie machen mich stark, geben mir das Gefühl, dass ich andere Frauen unterstützen kann. Wenn wir uns gegenseitig mit Akzeptanz und Mitgefühl begegnen, ohne zu urteilen, beginnen wir, uns selbst schätzen und lieben zu lernen.“ Genau das versuche sie an die jüngere Generation, an ihre Tochter Mia, weiterzugeben.

Wobei, sagt sie und lacht, die bekomme das schon ganz gut allein hin. Vor sieben Jahren spielte die damals 13-jährige Mia neben ihrer Mutter in „Die Gärtnerin von Versailles“, darüber hinaus lässt Winslet sie ihren eigenen Weg gehen. Durch den Nachnamen Threapleton laufe Mia wunderbar unter dem Radar und werde nicht sofort mit ihrer berühmten Mutter assoziiert, sagt sie. Mia nutzt den Grad an Anonymität, begibt sich behutsam in die Branche. Für ihr Rolle in „Shadows“ sprach sie vor wie alle anderen. Bisher gibt es keine glamourösen Fotoshootings und kaum Interviews mit ihr. Auf die Frage eines italienischen Radiomoderators, was ihr ihre Mutter geraten habe, als ihr die Rolle in „Shadows“ angeboten wurde, antwortete Mia: „Just go for it!“

25 Jahre roter Teppich: Kates Oscar-Auftritte

VON PINK ZU SCHWARZ

1 Für ihre erste Oscar­Nominierung 1996 („Sinn und Sinnlichkeit“) entwarf Vivienne Westwood ein Kleid für Kate

2 2002 wählte sie den Londoner Designer Ben de Lisi, der ein Dress für sie kreierte

3 2005 trug sie ein Design von Badgley Mischka

4 Das Kleid 2010 war von Atelier Yves Saint Laurent by Stefano Pilati, der Schmuck von Tiffany – und über drei Millionen Dollar wert

5 Über ihr Ralph­Lauren­Kleid, das sie mitentwarf und 2016 trug, sagte sie: „Es fühlt sich nach mir an. Und es ist bequem!“

Ähnliches erzählt Kate Winslet, als ich die Frage des Radiokollegen noch einmal aufnehme: „Mach Fehler. Es ist okay. Du kannst nichts lernen, wenn du keine Fehler machst. Tu Dinge, die du am nächsten Tag bereust. Das Leben wird seine Geheimnisse nie preis- geben, wenn du beschließt, dass es perfekt sein muss, bevor du überhaupt das Haus verlässt. Das rate ich meiner Tochter – und allen anderen.“

Umgekehrt kann auch der alte Hase Kate viel von Mia und der jungen Schauspieler*innen-Generation lernen. „Ich frage Mia oft um Rat“, sagt Winslet, „es ist wichtig, jungen Menschen das Gefühl zu geben, dass ihre Meinung zählt. Du bist jünger, du hast eine andere Perspektive, du weißt es vielleicht besser. Es ist sehr wichtig, Hierarchien zu zerschmettern. Ich hasse Hierarchien.“

Genau das passiere gerade, schwärmt Winslet. „In der jungen Generation erkenne ich eine ganz neue Entschlossenheit und Überzeugung. Sie fühlt sich bestärkt, ihre Persönlichkeit zu zeigen. Es gibt Gender-Fluidity, die es zu meiner Zeit überhaupt nicht gab. Diese Freiheit, sich zu zeigen, wie man ist, ist so großartig und wichtig, und ich hoffe und glaube wirklich, dass das so weitergeht und alle mitreißt“ – ihre Augen leuchten – „und dass sich die Welt tatsächlich ändert.“

Die jungen Frauen lassen sich nicht mehr so viel gefallen – das zeigt auch #metoo deutlich. Die Bewegung habe sie dazu gebracht, einige Situationen in ihrem Leben neu zu bewerten, erzählt Kate Winslet. „Das ist wirklich eine Generationenfrage, das sitzt so tief. Rückblickend ist es unglaublich, was ich mir von Männern habe gefallen lassen. Mehr noch, ich habe es als normal angesehen. Dieser ganze Scheiß,“ – sie sagt „bullshit“ – „dass ich anderen gefallen wollte und nicht mir selbst.“ Inzwischen kämpft sie vehement gegen unrealistische Körperbilder. Der Regisseur von „Mare of Easttown“ bot ihr an, in der Post-Produktion ihr Bauchfett bei einer Liebesszene wegzuretuschieren. Ihre Reaktion: „Wage es bloß nicht!“ Die Poster zur Serie ließ sie zweimal zurückgehen, weil sie ihr Gesicht zu „airbrushed“ fand: „Leute, ich weiß genau, wie viele Falten ich um die Augen habe, und ich möchte, dass ihr jede einzelne wieder an ihren Platz setzt.“

Kates & Mias Filme

IN HÖCHSTFORM

1 In „Shadows“ (2020) spielt Mia Threapleton eine junge Frau, die sich mit ihrer Schwester in einer postapokalyptischen Welt behaupten muss

2 „Ammonite“ (ab 4. 11. 2021 im Kino), der Film über die unterschätzte Paläontologin Mary Anning, sorgte für Schlagzeilen – auch wegen der Sexszenen zwischen Kate Winslet und Saoirse Ronan (rechts)

3 „Kate Winslets bisher beste Rolle“, sagen die Kritiker über die HBO­Serie „Mare of Easttown“. Kate Winslet selbst sagt: „Meine bisher schwerste Rolle“

4 In „Die Gärtnerin von Versailles“ (2014) hatte die damals 13­jährige Mia ihren ersten Filmauftritt – neben ihrer Mutter Kate (im Bild)

„Als ich älter wurde, habe ich gelernt, dass ich meinen Selbstwert aus meinen Erfahrungen ziehe.“

Auch ihr schauspielerisches Werk hat sie neu bewertet. Letztes Jahr distanzierte sie sich in einem Interview mit „Vanity Fair“ von ihrer Arbeit mit Woody Allen (in „Wonder Wheel“, 2017) und Roman Polanski („Der Gott des Gemetzels“, 2011) und bekräftigte diese Aussage in der Folge immer wieder. „Warum zum Teufel habe ich das getan“, sagte sie damals im Interview. „Es ist mir heute unerklärlich, warum diese Männer so lange so hoch angesehen waren. Es ist eine verdammte Schande. Und ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich mit ihnen zusammengearbeitet habe.“

Die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit war der vielleicht schwerste Schritt für sie. Schließlich ist ihr Job, ihre Berufung, das, was ihr Kraft gibt. „Die größte Selbstermächtigung spüre ich in meinem Job. Den Raum und das Selbstbewusstsein zu haben, meine Arbeit genau so zu machen, wie ich sie machen möchte, ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl. Meine Arbeit ist so anstrengend, und ich muss so viel von mir geben. Aber am Ende habe ich immer das Gefühl, ich hätte nicht mehr für diese Rolle tun können“, erzählt sie stolz. Kein Wunder also, dass sie Mia ermutigt hat, diesen Beruf zu ergreifen – trotz allem. Und vielleicht hat diese Auseinandersetzung ihr neuen Schwung verliehen.

MAMA KATE Die 25­jährige Kate Winslet mit ihrer neugeborenen Tochter Mia Honey Threapleton und ihrem ersten Ehemann, dem Regisseur Jim Threapleton

In „Mare of Easttown“ spielt sie die Polizistin Mare, die einen alten Fall aufrollt und sich ihrem eigenen Leben, ihrer Vergangenheit stellen muss. Die Kritiker sind sich einig: Ihre bis heute beste Rolle! „Es war meine bisher schwerste Rolle“, erzählt Winslet in Interviews nach den Dreharbeiten. Weil ihr diese Mare so fremd war. Doch gerade deswegen gelingt ihr mit dieser Figur, wonach sie immer strebt: „Ich möchte so wenig ich selbst sein wie nur möglich, sondern wirklich diese andere Person. Das wird zunehmend schwierig, weil mich das Publikum immer besser kennt und mehr über mein Leben weiß. Deswegen verzichte ich auf Social Media, um noch etwas Geheimnis zu bewahren“, erzählt sie.

Hinter der Rolle verschwinden – das schafft sie auch in ihrem neuen Film „Ammonite“ (ab 4. November im Kino), in dem sie die Paläontologin Mary Anning spielt, die sich in eine junge Frau verliebt (die Sexszenen zwischen ihr und ihrer Co-Star Saoirse Ronan sorgten schon für Schlagzeilen). „Diese Mary bewegt sich viel langsamer und bedächtiger als ich, ihr emotionaler Rhythmus ist ganz anders. Ich hatte wirklich Sorge, ob ich dieses Tempo, diese Schwere über die ganze Zeit halten kann“, sagt Winslet. Wenn man sie so erlebt an diesem Nachmittag in ihrer Küche, kann man verstehen, wie sie darauf kommt. Sie wirkt so quirlig, spricht schnell und moduliert, gestikuliert mit den Armen. Ganz anders als ihre jüngsten Rollen.

Aber genau deswegen ist sie eine der besten Schauspielerinnen überhaupt. Eine Inspiration für andere. Und eine Frau, die mit sich und ihrem Beruf im Reinen ist.

LISA GOLDMANN Fünf Mal sah die Film­Aficionada „Titanic“ 1998 im Kino. Damals war sie unsterblich verliebt in Leonardo DiCaprio. Dann hat unsere Kulturchefin erkannt, dass Kate Winslet viel cooler ist und ein tolles Role Model, während DiCaprio die Models nur datet.

Wie die Mütter, so die Töchter

IM DOPPELPACK

1 Mit 16 Jahren hatte Kaia Gerber, jetzt 19, ihr Debüt als Model. Mutter Cindy Crawford, 55, unterstützt sie: „Mach es, hab Spaß, und ich bin immer für dich da, wenn du eine Frage hast“

2 Schauspielerin und Model Nastassja Kinski, 60, mit Tochter Sonja Kinski, 35, die in Mamas Fußstapfen tritt

3 Diana Ross, 77, ist eine Ikone. Und auch bei Tochter Tracee Ellis Ross, 48, läuft es: Sie ist erfolgreiche Schauspielerin und Infl uencerin mit eigener Beauty­Marke

4 Von Tilda Swinton, 60, und ihrer Tochter Honor Swinton Byrne, 23, gibt es nur wenige gemeinsame Fotos. Dieses entstand bei der Premiere ihres gemeinsamen Films „The Souvenir“ auf der Berlinale 2019. Gerade hatte „The Souvenir II“ in Cannes Premiere

5 Stilbewusstsein in dritter Generation: Ihre Grazie haben Caroline von Monaco, 64, und Tochter Charlotte Casiraghi, 35, von Großmutter Grace Kelly