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Mach Plus mit dem Haus


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bauen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 15.01.2022

WISSEN • Plus-Energie-Häuser

Artikelbild für den Artikel "Mach Plus mit dem Haus" aus der Ausgabe 3/2022 von bauen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: bauen, Ausgabe 3/2022

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1 Bereits 1996 entstand das erste Null-Heizenergie-Haus, das seine Heizenergie ausschließlich über eine große Solarthermieanlage erzeugte und in einem 20 000 Liter Warmwasserspeicher für den Winter speicherte. Eine Photovoltaikanlage steuerte Haushaltsstrom bei, wobei es meist attraktiver war, den Strom direkt für üppige Einspeisevergütungen ins Netz einzuspeisen. > www.weberhaus.de

2 Ähnlich wie Elektrogeräte werden auch Häuser in Energieklassen unterteilt. Doch während es für Kühlschränke oder Waschmaschinen mittlerweile kein Plus mehr vor dem A gibt, werden besonders sparsame Häuser, die kaum Energie benötigen und diese außerdem teils selbst erzeugen, mit der Effizienzklasse A ausgezeichnet.

3 Die Energieeffizienzklasse wird für jedes Haus auf Basis seiner thermischen Eigenschaften ermittelt – bei Altbauten auch auf Basis des realen Verbrauchs. Er ist die maßgebliche ...

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... Kenngröße im Energieausweis des Gebäudes. Die Skala orientiert sich am Referenzwert 100, der für ein durchschnittlich gedämmtes, modernes Neubau-Massivhaus steht. Mittlerweile müssen neue Einfamilienhäuser mindestens die Effizienzklasse B – oder ungefähr den Standard eines früheren Effizienzhaus 70 erreichen.

Mit dem eigenen Haus etwas verdienen? Als ob das so einfach wäre, kostet doch allein der Rohbau des Eigenheims eine sechsstellige Summe. Von den Grundstückspreisen wollen wir erst gar nicht sprechen. Das positive Vorzeichen gilt denn auch nicht für die Baukosten ihres Eigenheims, sondern für seine Energiekostenbilanz. Da liegen solche Häuser klar im Trend, die übers Jahr mehr Energie erzeugen als sie und ihre Bewohner für Heizung, Warmwasser und allgemeinen Haushalts-Strombedarf verbrauchen.

Dass moderne Häuser eine positive Energiebilanz aufweisen, ist nicht ganz neu. Es gibt dafür verschiedene Varianten, die wir auf den folgenden Seiten zeigen. Grundsätzlich können wir jeder Baufamilie empfehlen: Planen und bauen Sie Ihr neues Haus heute als Plus-Energie-Haus. Doch immer schön der Reihe nach.

NULL ODER PLUS?

Vor über 20 Jahren war es noch eine exklusive und leicht verrückte Idee: In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die ersten Häuser gebaut, die ihre gesamte Heizenergie selbst erzeugen konnten. Mithilfe von Solarthermie-Wärmekollektoren heizte Sonnenenergie einen Heizwärmespeicher – etwa im Null-Heizenergie-Haus von Weberhaus 1996 (siehe oben). Dank eines sehr großen Wasserspeichers ließ sich das Gebäude mit der Kraft der Sonne fast den ganzen Winter über ohne zusätzliches Gas oder Öl beheizen.

Sparsame Haus-Typen

Plus-Energie-Haus

Erzeugt ein Haus in Summe mehr Energie, als es selbst benötigt, spricht man vom Plus- Energie-Haus. Ob die Wärme und/oder der Strom vom eigenen Dach vor Ort verbraucht oder eingespeist wird, ist nicht entscheidend. Als es noch sehr hohe EEG-Vergütungen für Strom aus PV-Anlagen gab, wurde der Strom teils komplett ins Netz eingespeist.

Effizienzhaus (EH)

Steht für den standardisierten Energiebedarf eines Gebäudes gegenüber einem rechnerischen Referenzhaus (EH 100). Eine geringere Zahl steht für den Prozentsatz an benötigter Primärheizenergie gegenüber der Referenz. Der Mindeststandard für Neubauten etwa liegt ungefähr bei EH 70, benötigt also ca. 30 Prozent weniger.

Die meisten Fertighäuser liegen bei EH 55 oder EH 40.

Aktivhaus/Aktivplus

Eingetragene Marke, unter welcher der Stuttgarter Architekt Werner Sobek Standards für die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit von Wohngebäuden entwickelt hat. > www.ah-aktivhaus.com Auch der Verein „Aktivplus“ definiert unter seinem Aktiv- Begriff Vorgaben für Plus- Energie-Häuser.

> www.aktivplusev.de

Konzept Plus-Energie

Dieses Prinzip kommt bis heute in den sogenannten Sonnenhäusern zum Einsatz (siehe ganz rechts). Haushaltsstrom oder Energie für ein Elektroauto liefert die Solarthermie natürlich nicht. Dafür haben viele Sonnenhäuser heute zusätzlich mehr oder weniger große Photovoltaikanlagen und teils auch Batteriespeicher.

AKTIV- UND PLUSHÄUSER

Neben der Solarthermie startete um die Jahrtausendwende der Siegeszug der Photovoltaik auf deutschen Dächern – und parallel dazu auch die Versuche, den Energieverbrauch im Haus mit immer besseren Dämmungen deutlich zu reduzieren. Zu Beginn stand dabei nicht unbedingt im Vordergrund, den Strom vom eigenen Dach direkt im Haus zu verbrauchen: Dank der anfangs sehr hohen Einspeisevergütungen war es sogar günstiger, den Strom ins Netz zu pumpen und das Haus weiterhin mit Öl oder Gas zu beheizen. Energiebilanzen der ersten Plus-Energie-Häuser mit elektrischen Wärmepumpen wurden deshalb nur rechnerisch aufgestellt: Kommt in Summe mehr Strom vom Dach als aus dem Netz, sprachen Experten vom Plus-Energie-Haus. Für diese Philosophie machten sich in den letzten Jahren auch verschiedene Initiativen wie etwa das System „Aktivhaus“ oder der Verein „Aktivplus“ stark (siehe links unten).

„Was die Automobil- industrie gerade in Sachen Emissionsminderung und Antriebswende durchmacht, haben wir in der Hausbauindustrie in den letzten zehn bis 15 Jahren bereits ähnlich umfassend umgesetzt, etwa durch bessere Dämmung und die Umstellung der Heizung auf sauberen Strom vom eigenen Dach.”

Klaus-Dieter Schwendemann, Marketingleiter bei Weberhaus

EFFIZIENZ STATT NUR PLUS

Mit sinkenden Preisen für Photovoltaikanlagen und geringerer EEG-Einspeisevergütung wurden indes PV- Anlagen zur Selbstversorgung immer interessanter. Und mit dem wachsenden Anteil an regenerativ erzeugtem Strom aus Sonne und Wind im Netz steigt auch der Anspruch an alle Verbraucher und Haushalte, ihren Energiebedarf möglichst flexibel zu gestalten. Es ist ja niemandem geholfen, wenn mittags reihenweise die Einspeisung von Photovoltaikdächern abgeregelt werden muss und nach Sonnenuntergang am Abend ein Blackout droht, weil zu viele Verbraucher ihre E-Autos laden wollen. Für heutige Plus-Energie-Häuser ergeben sich damit ein paar Anforderungen. Sie sollen

• möglichst wenig Heizenergie benötigen – wie es die Standards fürs Effizienzhaus 55 und 40 vorgeben

• ihren Energiebedarf überwiegend vom eigenen PV-Dach decken

• und die selbst erzeugte Energie speichern können und sie so zum größten Teil im Haus verbrauchen.

Die Technik in neuen Häusern folgt tatsächlich diesen Vorgaben und ent-wickelt so das bilanzielle Plus-Energie-Haus zum „Pluseffizienzhaus“, dem Effizienzhaus mit Plus weiter. Vor allem Fertighaushersteller taten sich hier in den letzten Jahren hervor, indem sie ihre Häuser einerseits noch effizienter dämmten, als es die Fertigbauweise ohnehin macht. Andererseits stellten sie die Haustechnik von fossilen Brennstoffen überwiegend auf elektrische Wärmepumpen um und schafften so die Voraussetzungen für eine maximale Direktnutzung von Sonnenenergie – im Warmwasserspeicher der Wärmepumpe.

Sparsame Haus-Typen

Sonnenhaus

Das Prinzip steht für Gebäude, die sehr viel Wärme aus der Sonne speichern und die restliche Energie, etwa mit Holzpelletanlagen zuheizen. Frühere Sonnenhäuser hatten teils saisonale Warmwasserspeicher mit bis zu 30 Kubikmetern Inhalt. Mittlerweile nutzen Sonnenhäuser neben der Solarthermie häufiger auch Photovoltaikanlagen.

> www.sonnenhaus-institut.de

Passivhaus

Ein Haus mit einer so starken Dämmung, dass neben Sonneneinstrahlung und Geräteabwärme kaum mehr Heizenergie notwendig ist. Passivhäuser haben für die Restwärme oft eine Direktheizung. Das Passivhaus Institut zertifiziert entsprechende Bauteile und Haustechnik-Komponenten. In sehr effizienten Fertighäusern kommen häufig auch Passivhaus-Bauteile zum Einsatz.

> www.passiv.de

Effizienzhaus 40 Plus

MIT PLUS VOM STAAT

Die technischen Anforderungen an das Plus-Energie-Haus spiegeln sich heute sowohl in der mittlerweile sehr geringen Vergütung für eingespeisten PV-Strom wider als auch in den finanziellen Anreizen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) .

Dieses Förderprogramm unterstützt mit dem „Effizienzhaus 40 Plus“ Neubauten im derzeit sparsamsten energetischen Standard, die ihren Rest-Energiebedarf zum größten Teil selbst erzeugen und speichern können. Zum Effizienzhaus 40 Plus gehören daher neben einer sehr guten Dämmung, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Photovoltaik auch ein Batteriespeicher und eine Heizung, die selbst erzeugten Strom nutzt. Diesen Einsatz fördert der Staat mit bis zu 150 000 Euro als günstigen KfW-Kredit und 25 Prozent Tilgungszuschuss – oder schlicht 37 500 Euro Zuschuss zum Hauspreis (siehe S. 48).

Solche „Pluseffizienzhäuser“ bilden damit technisch und wirtschaftlich die derzeit beste Verbindung aus geringem Energiebedarf und unabhängiger Energieversorgung.

ro